Stellwerk von 1912 digitalisiert, die App meldet aus dem Funkloch

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Stellwerk von 1912 digitalisiert, die App meldet aus dem Funkloch

Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (Hebel klemmt)

Stellwerk Satire: Waschbär steht in einem alten Stellwerk vor großen mechanischen Hebeln

Der neue Kollege lernt den Hebel kennen. Foto: wpa (Symbolbild)

Elmshorn (wpa) – Die Bahn digitalisiert das Stellwerk in Elmshorn. Es stammt aus dem Jahr 1912.

Die Hebel bleiben. Sie werden weiter von Hand gezogen.

Neu ist eine App. Sie meldet, welcher Hebel gerade gezogen wurde.

Die Meldung erreicht die Zentrale mit elf Minuten Verzögerung. Das liegt am Funkloch über dem Stellwerk.

„Wir haben die Digitalisierung damit abgeschlossen“, sagt Digitalvorstand Reiner Digitalspur. Das Stellwerk sei nun modern.

Modern ist die App, von 1912 ist der Hebel. Dazwischen liegen elf Minuten Funkloch.

Der Stellwerksmeister heißt Rüdiger Ahlers. Er arbeitet dort seit 34 Jahren.

Ahlers bedient 18 Hebel. Jeder wiegt etwa neun Kilo.

Er zieht, die App meldet es, elf Minuten später. Bis dahin hat er zwei weitere gezogen.

Die Zentrale erfährt die Vergangenheit des Stellwerks. In Echtzeit weiß nur Ahlers, was los ist.

Herr Ossen wartet auf einen Zug, der über diese Hebel läuft. Digitalisiert wurde die Meldung, nicht die Fahrt.

Der Vorstand feiert das modernste alte Stellwerk des Landes. Modern ist die Verzögerung, alt der Griff.

Eine App im Funkloch meldet, was elf Minuten her ist. Das ist keine Digitalisierung, das ist ein Tagebuch.

Der Minister lobt den Fortschritt der Leit- und Sicherungstechnik. Fortgeschritten ist die App, stehen geblieben der Funk.

Gemessen wird die Zahl digitalisierter Stellwerke, nicht die Verzögerung. Digitalisiert ist eines, verspätet um elf Minuten.

Ahlers zieht seit 34 Jahren, verlässlich, in Echtzeit. Die App tut, als sei sie schneller, und ist es nicht.

Für den Funkmast über dem Stellwerk gibt es einen Plan. Er liegt neben dem Plan für ein neues Stellwerk.

So digitalisiert man ein Werk von 1912, indem man eine App ins Funkloch hängt. Gezogen wird weiter von Hand.

18 Hebel, neun Kilo, ein Mann, elf Minuten Meldung. Das ist der Stand der Modernisierung.

Die Bahn erklärt das Stellwerk Elmshorn von 1912 für digitalisiert, weil eine App meldet, welchen der 18 Hebel Rüdiger Ahlers gerade zog, elf Minuten zu spät, aus dem Funkloch. Gezogen wird weiter von Hand.

+++ MÜLLEIMER-TICKER +++

+++ Ausbildung für mechanische Stellwerke seit 2016 eingestellt, 84 Prozent der Fachkräfte gehen binnen zehn Jahren +++

+++ 610 Streckenausfälle im Jahr wegen fehlenden Personals, erfasst als Personalmangel +++

Achtung, Satire: Personen, Zitate und Pressestellen sind frei erfunden — im Gegensatz zu den Verspätungen.

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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