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Neu am Bahnsteig: Notruf jetzt mit Warteschleife und Musik von 2013
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (bitte warten)

Der Knopf funktioniert. Danach kommt Musik. Foto: wpa (Symbolbild)
Mannheim (wpa) – Die Notrufsäulen an deutschen Bahnsteigen verbinden mit einer Zentrale. Dort landet der Anruf in einer Warteschleife.
Die durchschnittliche Wartezeit beträgt 90 Sekunden. In Spitzenzeiten sind es drei Minuten.
Während der Wartezeit läuft Musik. Sie wurde 2013 ausgewählt.
„Die Zentrale ist durchgehend besetzt“, sagt Notfallkoordinator Wilfried Rufsäule. Angenommen werde jeder Anruf. Angenommen heißt hier: in die Warteschleife gelegt.
Angenommen heißt in diesem Fall entgegengenommen. Bearbeitet wird nach Reihenfolge.
Eine Priorisierung gibt es nicht. Die Säule kann den Anlass nicht übermitteln.
Sie meldet nur ihren Standort. Und dass jemand gedrückt hat.
Ob es sich um einen Notfall handelt, zeigt sich im Gespräch. Das Gespräch beginnt nach der Warteschleife.
In echten Notfällen ist das zu spät. Darauf weisen Fahrgastverbände seit Jahren hin.
Die Bahn empfiehlt in solchen Fällen den Notruf 112. Er wird sofort angenommen.
Die Säule sei für andere Anlässe gedacht. Etwa für Auskünfte oder Hilfe beim Automaten.
Auf der Säule steht allerdings ein rotes Notrufsymbol. Es ist deutlich sichtbar.
Eine Umbeschriftung wurde 2020 geprüft. Sie wurde nicht umgesetzt.
Der Grund war die Norm. Rote Säulen müssen so gekennzeichnet sein.
Eine andere Farbe wäre möglich. Dann müssten alle 8400 Säulen lackiert werden.
Die Kosten lägen bei 3,4 Millionen Euro. Ein Nutzen sei nicht belegt.
Deshalb blieb es beim roten Symbol. Und bei der Warteschleife.
Im vergangenen Jahr gab es 190.000 Anrufe über Säulen. Davon waren 1400 echte Notfälle.
Das entspricht 0,7 Prozent. Die übrigen betrafen Auskünfte.
Aus Sicht der Bahn bestätigt das die Auslegung. Die Säule sei überwiegend ein Servicegerät.
Aus Sicht der Verbände zeigt es das Gegenteil. 1400 Notfälle seien 1400 zu viele.
Beide Seiten verweisen auf dieselbe Zahl. Für den Konzern sind es 0,7 Prozent, ein Rundungsfehler. Für 1400 Menschen war es der Moment, in dem sie einen roten Knopf drückten und Musik von 2013 hörten.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Notruf mit Warteschleife: 90 Sekunden Musik, ausgesucht 2013 von jemandem, der nie in einer saß +++
+++ 1400 echte Notfälle hingen in der Warteschleife – 0,7 Prozent, statistisch ein Rundungsfehler +++
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