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Klinik geschlossen, erreichbar nur mit dem Auto
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (zweimal umsteigen)

Der Chefredakteur fährt zur Klinik. Es dauert. Foto: wpa (Symbolbild)
Schwerin (wpa) – Im Zuge der Krankenhausreform wurde eine Klinik in Mecklenburg-Vorpommern geschlossen. Betroffen sind rund 41.000 Menschen.
Die nächste Klinik mit ähnlichem Angebot liegt 61 Kilometer weg. Mit dem Auto sind das 50 Minuten.
Mit dem Nahverkehr sind es zwei Stunden und 40 Minuten. Und zwei Umstiege.
„Die Erreichbarkeit ist gewährleistet“, teilt das Landesministerium mit. Gewährleistet ist sie laut Erreichbarkeitsanalyse.
Die Analyse rechnet mit dem Auto. So steht es in der Methodik.
Festgelegt wurde die 2013. Sie gilt bundesweit.
Rund 22 Prozent der Haushalte im Landkreis haben kein Auto. Erhoben hat das das Statistikamt.
Diese 22 Prozent kommen in der Analyse nicht vor. Sie misst Fahrzeiten, keine Menschen.
Der erste Umstieg ist in Schwerin. Übergangszeit: vier Minuten.
Der zweite ist in Wismar. Da fährt der Anschluss stündlich.
Die Anschlussquote an diesen Knoten liegt bei 61 Prozent. Bei zwei Umstiegen kommt rechnerisch jede dritte Fahrt nicht durch.
Ist der erste Zug verspätet, dauert die Reise eine Stunde länger. Das passiert an jedem dritten Tag.
Für Termine gilt eine Karenz von zehn Minuten. Danach verfällt der Termin.
Verfallene Termine gelten als Nichterscheinen. Nach dreimal wird nicht mehr terminiert.
Für ambulante Termine heißt das: Anreise am Vortag. Übernachtet wird privat oder gar nicht.
Krankenfahrten zahlt die Kasse. Verordnen muss sie der Arzt.
Verordnet werden sie bei bestimmten Diagnosen. Bei anderen nicht.
Wer keine Verordnung hat, zahlt selbst. Ein Taxi kostet auf der Strecke 94 Euro.
Die Reform bündelt Leistungen. Das erhöht nachweislich die Behandlungsqualität.
Das ist unstrittig und gut belegt. Belegt ist auch: Erreichbarkeit beeinflusst, ob man kommt.
Beides steht in derselben Studie. In der Begründung zitiert wurde der erste Teil.
Der zweite steht auf Seite 190. Er betrifft die Nachsorge.
Nachsorgetermine werden bei schlechter Erreichbarkeit zu 34 Prozent nicht wahrgenommen. Auch das ist belegt.
Frau Halbach ist 81 und wohnt im betroffenen Landkreis. Sie hat kein Auto.
Ihre Nachsorge ist vierteljährlich. Sie fährt dafür sechs Stunden hin und zurück.
Zweimal hat sie den Anschluss nicht erreicht. Beim dritten Mal wird nicht mehr terminiert.
Sie sagt, ihre Nachbarin fahre sie manchmal. Die Nachbarin ist 74.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Anschlussquote am Umsteigeknoten 61 Prozent, bei zwei Umstiegen kommt rechnerisch jede dritte Fahrt nicht durch +++
+++ Nach dreimal Nichterscheinen wird nicht mehr terminiert +++
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