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300 Meldungen, keine Zahl war erfunden
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (dreihundertste Ausgabe)

Der Chefredakteur zählt nach. Es sind dreihundert. Foto: wpa (Symbolbild)
Waschbärhausen (wpa) – Dies ist die dreihundertste Meldung der Waschbär-Presseagentur. Zeit für eine kurze, unangenehme Bilanz.
Die Bilanz fällt aus wie bei der zweihundertfünfzigsten. Erfunden werden mussten nur die Namen und die Zitate.
Die Zahlen mussten nicht erfunden werden. Das ist der eigentliche Befund dieser Rubrik.
Ein Konzern streicht 6.200 von 14.000 Stellen im Güterverkehr. Steht so in seiner eigenen Mitteilung.
Eine Sanierung war mit 500 Millionen geplant und kostete 1,5 Milliarden. Steht im Bericht des Bundesrechnungshofs.
Wir denken uns die Vorstände aus, die das sagen. Sagen tun es echte, nur höflicher.
Wir erfinden die Namen der Opfer. Die Opfer selbst stehen jeden Morgen am Gleis, echt.
Die Satire beginnt bei uns erst hinter dem Komma. Davor steht die Wirklichkeit, und die reicht schon.
Man könnte meinen, wir übertreiben. Wir kürzen eher, damit es überhaupt lustig bleibt.
Die härteste Zeile in jeder Meldung ist meist die wahre. Die haben wir nicht geschrieben, die stand schon da.
Dreihundertmal haben wir einen Vorstand erfunden, der die Gemeinheit gut gelaunt ausspricht. Dreihundertmal war die Gemeinheit real.
Ein echter Konzern, ein echtes Ministerium, ein echtes Amt. Wir liefern nur den Ton, den sie sich nicht trauen.
Manchmal fragen Leser, ob das so stimmen könne. Es stimmt, nur die Namen sind zu unserem Schutz erfunden.
Erfunden ist Herr Sowieso, der 34 Minuten wartet. Nicht erfunden sind die 34 Minuten.
Erfunden ist die Sprecherin mit dem schönen Nachnamen. Nicht erfunden ist, was sie schönredet.
Dreihundert Meldungen später ist der Vorrat nicht kleiner. Er wächst schneller, als wir schreiben.
Solange die Zahlen echt bleiben, bleiben wir Satire. An dem Tag, an dem wir übertreiben müssten, hätte die Bahn gewonnen.
Dieser Tag ist nicht in Sicht. Der nächste Geschäftsbericht liegt schon bereit.
Wir danken für dreihundert Meldungen Aufmerksamkeit. Und wünschten, wir hätten weniger Stoff.
Dreihundert Meldungen, kein einziger Wert erfunden. Das Erschreckende an dieser Rubrik ist, wie wenig wir dazutun müssen.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Redaktion sucht weiterhin ein Thema, das sich nicht von selbst schreibt +++
+++ Vierhundertste Meldung angekündigt, Termin steht unter Vorbehalt des Netzes +++
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