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Dreihundertste Meldung erschienen: Die Redaktion musste erneut nichts erfinden
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 3 Minuten (dreihundertste Ausgabe)

Der Chefredakteur zählt nach. Es sind dreihundert. Foto: wpa (Symbolbild)
Waschbärhausen (wpa) – Dies ist die dreihundertste Meldung der Waschbär-Presseagentur. Anlass für eine kurze Bilanz.
Die Bilanz fällt aus wie bei der zweihundertfünfzigsten. Erfunden werden mussten die Namen und die Zitate.
Nicht erfunden werden mussten die Zahlen. Das ist der eigentliche Befund dieser Rubrik.
Ein Konzern streicht 6.200 von 14.000 Stellen im Güterverkehr. Das steht so in seiner eigenen Mitteilung.
Eine Sanierung war mit 500 Millionen geplant und kostete 1,5 Milliarden. Das steht im Bericht des Bundesrechnungshofs.
Die Zustandsnote der Strecke stieg dabei von 3,70 auf 2,19. Umgerechnet sind das 21 Millionen Euro je Zehntelnote.
Im Regelsatz stehen rund 50 Euro für Verkehr. Das Deutschlandticket kostet 63.
Die Lücke von 12,50 Euro im Monat zahlt niemand aus. Sie wird beim Einkauf abgezogen.
Eine fertig sanierte Strecke stand drei Wochen still, weil eine Unterschrift fehlte. Daneben fuhren Busse 945.000 Kilometer.
Ein Aufzug stand im vergangenen Jahr an 214 von 365 Tagen still. Der Bahnhof gilt als barrierefrei.
Rund 1.000 Stellen im Netz sind gedrosselt. Eine Drosselung ist billiger als eine Reparatur und gilt unbefristet.
Das sind sechs Zahlen aus sechs Meldungen. Keine davon musste zugespitzt werden.
Zugespitzt wurde die Perspektive. Erzählt wird jede Meldung aus der Sicht dessen, der sich für das Ergebnis feiert.
Das ist die einzige Erfindung dieser Rubrik. Sie ist notwendig, weil sonst niemand es aushält.
In dreihundert Meldungen kam kein einziges Mal der Satz vor, dass jemand zurückgetreten sei. Das war keine redaktionelle Entscheidung.
Es kam auch kein einziges Mal vor, dass eine Behörde einen Fehler zugegeben hat. Auch das lag nicht an uns.
Wiederholt hat sich dagegen ein Muster. Gespart wird sofort und sichtbar, gezahlt wird später und von jemand anderem.
Dieses Muster hat in dreihundert Meldungen dreihundertmal funktioniert. Es ist die zuverlässigste Einrichtung im deutschen Verkehrswesen.
Die Redaktion bedankt sich bei allen, die weiterhin Bahn fahren. Sie sind der Grund, warum es diese Rubrik gibt.
Sie sind auch der Grund, warum sie nie ausgeht. Das ist kein Kompliment an die Verhältnisse.
Dreihundert Meldungen, und keine Zahl musste erfunden werden. Erfunden wurden die Namen, damit niemand persönlich haftet.
Persönlich haftet ohnehin niemand. Das ist die dreihundertunderste Meldung, und sie schreibt sich seit Jahren von selbst.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Redaktion sucht weiterhin ein Thema, das sich nicht von selbst schreibt +++
+++ Vierhundertste Meldung angekündigt, Termin steht unter Vorbehalt des Netzes +++
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