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Immer weniger Direktzüge, die Bahn nennt den Umstieg jetzt Entdeckerroute
Waschbär-Presseagentur · Lesezeit: 2 Minuten (gefühlt: 4 Umstiege)

Ein Reisender beginnt seine Entdeckerroute. Der Anschluss entdeckte derweil die Abfahrt. Foto: wpa (Symbolbild)
Berlin (wpa) – Immer weniger Städte sind ohne Umstieg erreichbar. Die Bahn sieht darin kein Problem, sondern ein Geschenk.
„Der Direktzug ist bequem, aber eindimensional“, sagt Konzernstratege Holger Knotenpunkt. „Wer nicht umsteigt, verpasst die schönsten Bahnhöfe des Landes.“
Reisen sei kein Transport, sondern eine Erfahrung. Und Erfahrungen mache man bekanntlich in Hanau, Fulda und Bitterfeld.
Die Erfahrung beginnt am Anschlussgleis. Sie dauert, bis der nächste Zug fährt.
Das Unternehmen spricht deshalb nicht mehr von gestrichenen Verbindungen. Der neue Begriff lautet: „Entdeckerrouten“.
Entdeckt wird vor allem der Bahnsteig. Und die Zeit, die man dort verbringt.
Eine Reise von Aachen nach Rügen umfasst künftig vier Umstiege. Früher nannte man das Odyssee, heute Städtetrip.
Vier Umstiege sind vier Gelegenheiten zu warten. Der Städtetrip führt durch vier Wartesäle.
Besonders profitieren sollen Familien. „Kinder lieben Abwechslung“, so Knotenpunkt. „Und nichts wechselt so oft wie unser Gleis.“
Frau Prigge fährt mit zwei Kindern von Aachen nach Rügen. Sie entdeckt vier Bahnhöfe, ob sie will oder nicht.
Am dritten Umstieg ist die Abwechslung erschöpft. Die Kinder auch.
Wer seinen Anschluss verpasst, bekommt automatisch mehr Erlebnis. Kostenlos.
Kostenlos ist nur das Warten. Bezahlt wurde die Fahrt, die man nicht durchfährt.
Die Zahl der Direktverbindungen sank binnen zehn Jahren um 27 Prozent. Der Konzern spricht von einer Bereinigung.
Bereinigt wurde der Fahrplan von den bequemen Fahrten. Übrig blieben die Entdeckerrouten.
Am stärksten betroffen sind mittelgroße Städte. Sie gelten intern als Zwischenschritte.
Als Zwischenschritt hält der Zug, ohne zu verbinden. Ankommen ist dort ein Zufall.
Für die Entdeckerrouten wurde eine eigene Broschüre aufgelegt. Sie zeigt Bahnhöfe bei Sonnenuntergang.
Abgebildet ist unter anderem der Bahnsteig 4 in Hanau. Er wirkt auf dem Foto überraschend freundlich.
Minus 27 Prozent Direktzüge in zehn Jahren, vier Umstiege bis Rügen, eine Broschüre bei Sonnenuntergang. Frau Prigge entdeckt mit zwei Kindern vier Bahnhöfe, und die Bahn nennt die gestrichene Verbindung ein Geschenk.
+++ MÜLLEIMER-TICKER +++
+++ Gestrichen wurden vor allem Nacht- und Querverbindungen, beide galten als unwirtschaftlich +++
+++ Wer wegen der Umstiege nicht mehr fährt, senkt die Nachfrage, die zur Streichung geführt hat +++
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