Mehr Geld für die Schiene als für die Straße? Pro und Contra

Bahn-Slam · Standpunkt

„Sehr geehrte Fahrgäste, neben uns wird eine Autobahn verbreitert. Unser Gleis wartet noch auf Geld.“

Mehr Geld für die Schiene als für die Straße?

→ Jahrzehntelang ging das meiste Geld in den Asphalt. Soll jetzt die Schiene vorn liegen?

Lesezeit: 7 Minuten · Verkehr & Geld

Worum es geht

Über Jahrzehnte hat Deutschland mehr Geld in Straßen gesteckt als in Schienen. Erst in den letzten Jahren hat sich das Verhältnis gedreht: 2022 floss erstmals mehr Bundesgeld in die Schiene (52 Prozent) als in die Fernstraßen (48 Prozent). Die Pro-Kopf-Investitionen ins Bahnnetz stiegen 2024 auf rund 198 Euro. Trotzdem liegt Deutschland hinter Ländern wie Österreich oder der Schweiz. Soll der Staat die Schiene dauerhaft bevorzugen?

Wo ein Staat sein Geld hinlenkt, zeigt, was ihm wichtig ist.

In Deutschland war das lange der Straßenbau: mehr Autobahnen, mehr Spuren, mehr Asphalt.

Jetzt hat die Schiene aufgeholt – aber reicht das? Und soll sie die Straße sogar dauerhaft überholen?

Gleisbaustelle mit neuem Gleis
Foto: August Geyler, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Wende beim Geld

2022 investierte der Bund zum zweiten Mal in Folge mehr in das Schienennetz als in die Fernstraßen – 52 gegen 48 Prozent.

Die Pro-Kopf-Investition in die Schiene stieg 2024 auf rund 198 Euro, ein kräftiger Sprung gegenüber dem Vorjahr.

Im Vergleich immer noch wenig

Andere Länder geben deutlich mehr aus: Österreich rund 352, die Schweiz sogar rund 480 Euro pro Kopf und Jahr.

Und der jahrzehntelange Investitionsstau bei der deutschen Schiene ist damit noch lange nicht abgebaut.

Die Argumente

Dafür

+  Klima: Die Schiene ist der klimafreundlichste Verkehrsträger – sie auszubauen hilft den Klimazielen.

+  Nachholbedarf: Jahrzehnte der Vernachlässigung haben ein marodes Netz hinterlassen, das jetzt Geld braucht.

+  Verlagerung: Mehr und bessere Schiene holt Verkehr von der verstopften Straße und aus der Luft.

+  Vorbild Nachbarn: Länder, die mehr investieren, haben eine spürbar zuverlässigere Bahn.

Dagegen

  Die Straße trägt die Hauptlast: Der allergrößte Teil von Verkehr und Gütern rollt über die Straße – auch die braucht Erhalt.

  Ländlicher Raum: Wo kein Zug fährt, sind Menschen auf gute Straßen angewiesen.

  Marode Brücken: Auch viele Straßenbrücken sind sanierungsbedürftig – Vernachlässigung rächt sich überall.

  Kein Entweder-oder: Beide Netze müssen funktionieren; ein reines Umschichten schafft nur neue Lücken.

Warum der Vergleich hinkt

Schiene und Straße lassen sich nicht eins zu eins gegeneinander aufrechnen. Auf der Straße findet der mit Abstand größte Teil des Verkehrs statt, sie ist entsprechend teuer im Erhalt. Die Schiene wiederum war jahrzehntelang unterfinanziert und hat einen riesigen Nachholbedarf. Sinnvoll ist daher weniger die Frage „wer mehr bekommt“, sondern ob beide Netze das bekommen, was sie zum Funktionieren brauchen.

Und nun?

Dass die Schiene beim Geld aufholt, ist überfällig und richtig.

Nach Jahrzehnten der Bevorzugung der Straße braucht die Bahn jetzt mehr – schon um den Rückstand aufzuholen.

Ein stures „Schiene immer vor Straße“ wäre aber zu einfach. Der kluge Weg ist, die Schiene deutlich stärker zu fördern als bisher und zugleich die Straße zu erhalten – beide Netze verrotten zu lassen, kann sich ein Industrieland nicht leisten.

Weiterfahrt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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