Die Wutachtalbahn: stille Halte an der Sauschwänzlebahn
Die Wutachtalbahn wurde als strategische Bahn gebaut und hat Bahnhöfe, die für Militärzüge gedacht waren. Zwei von ihnen sind verschwunden, drei liegen an der Museumsbahn.

Lage: Südschwarzwald, zwischen Lauchringen und Blumberg. Status: Mittelabschnitt als Museumsbahn in Betrieb, zwei Bahnhöfe im Süden abgebrochen. Heute: Grimmelshofen, Epfenhofen und Fützen stehen an der Museumsstrecke.
Die Wutachtalbahn ist eine 61,7 Kilometer lange Strecke zwischen Lauchringen und Hintschingen.
Sie wurde als strategische Bahn gebaut, um einem möglichen Krieg gegen Frankreich zu dienen, und hieß deshalb auch Kanonenbahn.
Wegen des kurvenreichen Mittelabschnitts mit dem Kreiskehrtunnel wird sie als Sauschwänzlebahn bezeichnet.
Auf dem Mittelabschnitt zwischen Weizen und Blumberg-Zollhaus fährt seit 1977 eine Museumsbahn.
Dieser Beitrag behandelt fünf Halte, die an dieser Strecke stillgelegt, abgebrochen oder zu Museumsbahnhöfen geworden sind: Horheim, Ofteringen, Grimmelshofen, Epfenhofen und Fützen.
Die Strecke ist also nicht tot, sondern nur der Regelverkehr auf dem Mittelabschnitt.
Eine Vorstellung der Museumsbahn findet sich im Beitrag Ortstermin: Sauschwänzlebahn im Schwarzwald.
Alte freie Fotos der Halte sind auf Wikimedia Commons nicht verfügbar.
Wie die Strecke entstand
Die ersten Überlegungen zu einer Bahn durch das Wutachtal gehen bis ins Jahr 1857 zurück.
Am 16. April 1875 wurde das erste Teilstück zwischen Oberlauchringen und Stühlingen eröffnet.
Ein Jahr später folgte am 15. Oktober 1876 die Verlängerung bis Weizen.
Dann stockte der Weiterbau wegen geologischer Probleme in der Wutachschlucht und wegen der Wirtschaftskrise von 1873.
Das Militär trieb das Projekt später voran, weil der deutsche Generalstab in den 1880er Jahren eine Bahn plante, die nicht über Schweizer Gebiet führte.
Ab 1887 wurde von Hintschingen aus nach Südwesten weitergebaut.
In den Spitzenzeiten 1889 und 1890 arbeiteten bis zu 3.700 Arbeiter an der Strecke, viele von ihnen wurden im Ausland angeworben, vor allem in Italien.
Am 20. Mai 1890 wurde die Wutachtalbahn dem Verkehr übergeben.
Eine Vorgabe der Planer waren Bahnhöfe im Abstand von acht Kilometern, damit sich Militärzüge überholen oder begegnen konnten.
Deshalb entstanden unter anderem in Ofteringen, Weizen, Grimmelshofen und Fützen Bahnhöfe mit langen Ausweichgleisen, obwohl für den örtlichen Verkehr ein Haltepunkt gereicht hätte.
Horheim: ein Bahnhof im Südabschnitt
Der Bahnhof Horheim lag im Südabschnitt der Strecke.
Der Haltepunkt Wutöschingen unterstand betrieblich bis zur Einstellung des planmäßigen Zugverkehrs dem Bahnhof Horheim.
Das Bahnhofsgebäude war in typischer badischer Bauweise nach Friedrich Eisenlohr errichtet und besaß eine offene Güterhalle.
Der Bahnhof wurde aufgehoben, die Weichen und das Ausweichgleis wurden zurückgebaut.
1986 wurde das Gebäude abgebrochen.
Ofteringen: abgebaut, jetzt wieder im Gespräch
Der Bahnhof Ofteringen gehörte zu den Bahnhöfen mit langem Ausweichgleis.
Er wurde im Zuge des Baus der Bundesstraße beseitigt, die Angaben nennen dafür 1980 oder 1981.
Der Personenverkehr zwischen Lauchringen und Lausheim-Blumegg war bereits am 25. September 1971 eingestellt worden.
Seit September 2018 gibt es in Ofteringen einen provisorischen Bahnsteig für eine Schülerzugverbindung.
Am 22. September 2025 wurde in Ofteringen der Spatenstich für einen Kreuzungsbahnhof begangen, der für einen Stundentakt vorgesehen ist.
Dieser Stundentakt ist für Ende 2027 geplant.
Grimmelshofen: ein Bahnhof im Wartestand
Der Bahnhof Grimmelshofen besitzt ein Ausweichgleis südlich des Kreiskehrtunnels.
Er wurde wegen seiner ortsfernen Lage am 1. Dezember 1923 für den öffentlichen Verkehr geschlossen.
Die Bewohner des Ortes nutzten stattdessen den näher gelegenen Bahnhof Lausheim-Blumegg, der 1899 als Haltepunkt Im Weiler eröffnet worden war.
Der Bahnhof Grimmelshofen existiert noch komplett mit Empfangsgebäude und Ausweichgleis.




In der Nähe liegen der Grimmelshofener Tunnel mit 225 Metern Länge und der Kleine Stockhalde-Tunnel mit 86 Metern.
Epfenhofen: die engste Kurve der Strecke
Das Gleis hat bei der Umfahrung des Dorfes Epfenhofen seinen kleinsten Radius von 300 Metern.
Der Bahnhof hat ein Empfangsgebäude in der badischen Regelbauform für Sekundärbahnen.
Hinter den Ausfahrweichen kommt die Epfenhofer Brücke, ein Viadukt als Pendelpfeilerbrücke, das einen Wechsel der Talseite ermöglicht.


Fützen: der Museumsbahnhof
Fützen besaß einen Bahnhof an der Strategischen Bahn, der heute als Station der Museumsbahn dient.
Der Bahnhof steht im Talkessel von Fützen, den die Strecke mit zwei offenen Kehrschleifen durchquert.
Das Empfangsgebäude und das Ausweichgleis sind komplett erhalten.
Der Bau der Strategischen Bahn von 1887 bis 1890 brachte dem Ort einen Sprung aus der Landwirtschaft in die moderne Welt, denn die meist ausländischen Arbeiter wurden im Ort einquartiert und verpflegt.






Das Ende des Regelverkehrs
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke für die Deutsche Bundesbahn zum Problem, denn sie war schlecht ausgelastet und teuer im Unterhalt.
Am 22. Mai 1955 wurde der durchgehende Verkehr zwischen Lausheim-Blumegg und Zollhaus-Blumberg eingestellt und auf Busse verlagert.
Von 1962 bis 1965 wurde die Strecke auf Kosten der NATO saniert, doch Reisezüge fuhren auf dem Mittelabschnitt nicht mehr.
Der Personenverkehr zwischen Zollhaus-Blumberg und Hintschingen endete am 28. Mai 1967.
Auf dem Abschnitt Lauchringen–Lausheim-Blumegg endete er am 25. September 1971.
Am 1. Januar 1976 legte die Deutsche Bundesbahn den gesamten Mittelabschnitt still.
So sieht es jetzt aus
Ein Verein gründete sich 1976, und am 21. Mai 1977 begann auf dem Mittelabschnitt zwischen Weizen und Blumberg-Zollhaus der Museumsbahnbetrieb.
Er erwies sich als sehr erfolgreich und bewahrte die Strecke vor dem Verfall.
1988 erhielt die Strecke den Rang eines technischen Denkmals von nationaler Bedeutung.
Am 8. September 2014 wurde sie von der Bundesingenieurkammer als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ausgezeichnet.
Seit 2014 führen die im Eigentum der Stadt stehenden Bahnbetriebe Blumberg den Betrieb mit eigenen Fahrzeugen.
Auf dem Südabschnitt gibt es seit 2003 wieder Personenverkehr an Wochenenden, seit 2024 fährt zwischen Waldshut und Stühlingen werktags ein Zweistundentakt.
Vorher und nachher: Horheim und Ofteringen
Von den beiden Bahnhöfen im Südabschnitt sind keine Gebäude mehr vorhanden.
Horheim wurde 1986 abgebrochen, Ofteringen um 1980 beseitigt.
Die Bahnhöfe der Museumsstrecke sind komplett erhalten.
Die Geschichte in Daten
16. April 1875: Eröffnung Oberlauchringen–Stühlingen.
15. Oktober 1876: Verlängerung bis Weizen.
20. Mai 1890: Durchgehende Eröffnung der Wutachtalbahn.
1. Dezember 1923: Der Bahnhof Grimmelshofen wird für den öffentlichen Verkehr geschlossen.
22. Mai 1955: Der durchgehende Verkehr zwischen Lausheim-Blumegg und Zollhaus-Blumberg wird eingestellt.
28. Mai 1967: Ende des Personenverkehrs Zollhaus-Blumberg–Hintschingen.
25. September 1971: Ende des Personenverkehrs Lauchringen–Lausheim-Blumegg.
1. Januar 1976: Stilllegung des Mittelabschnitts.
21. Mai 1977: Beginn der Museumsbahn.
1986: Der Bahnhof Horheim wird abgebrochen.
Häufige Fragen
Fährt die Sauschwänzlebahn noch?
Warum liegen die Bahnhöfe so weit auseinander?
Was ist aus Horheim und Ofteringen geworden?
Was passiert in Ofteringen?
Ist Grimmelshofen ein aktiver Bahnhof?
Die Wutachtalbahn zeigt, dass eine Strecke durch Museumsverkehr überleben kann, auch wenn einzelne Bahnhöfe verschwunden sind.
Wikipedia: Bahnstrecke Lauchringen–Hintschingen (Wutachtalbahn) · Wikipedia: Ofteringen · Wikipedia: Fützen · Wikimedia Commons: Category Wutachtalbahn
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