Die Wutachtalbahn: stille Halte an der Sauschwänzlebahn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Wutachtalbahn: stille Halte an der Sauschwänzlebahn

Die Wutachtalbahn wurde als strategische Bahn gebaut und hat Bahnhöfe, die für Militärzüge gedacht waren. Zwei von ihnen sind verschwunden, drei liegen an der Museumsbahn.

Der Museumsbahnhof Fützen, 2020.
Der Museumsbahnhof Fützen, 2020. Foto: Mussklprozz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1875
Erster Abschnitt eröffnet
1890
Durchgehende Eröffnung
1976
Mittelabschnitt stillgelegt
1977
Museumsbahn beginnt

Lage: Südschwarzwald, zwischen Lauchringen und Blumberg. Status: Mittelabschnitt als Museumsbahn in Betrieb, zwei Bahnhöfe im Süden abgebrochen. Heute: Grimmelshofen, Epfenhofen und Fützen stehen an der Museumsstrecke.

Die Wutachtalbahn ist eine 61,7 Kilometer lange Strecke zwischen Lauchringen und Hintschingen.

Sie wurde als strategische Bahn gebaut, um einem möglichen Krieg gegen Frankreich zu dienen, und hieß deshalb auch Kanonenbahn.

Wegen des kurvenreichen Mittelabschnitts mit dem Kreiskehrtunnel wird sie als Sauschwänzlebahn bezeichnet.

Auf dem Mittelabschnitt zwischen Weizen und Blumberg-Zollhaus fährt seit 1977 eine Museumsbahn.

Dieser Beitrag behandelt fünf Halte, die an dieser Strecke stillgelegt, abgebrochen oder zu Museumsbahnhöfen geworden sind: Horheim, Ofteringen, Grimmelshofen, Epfenhofen und Fützen.

Die Strecke ist also nicht tot, sondern nur der Regelverkehr auf dem Mittelabschnitt.

Eine Vorstellung der Museumsbahn findet sich im Beitrag Ortstermin: Sauschwänzlebahn im Schwarzwald.

Alte freie Fotos der Halte sind auf Wikimedia Commons nicht verfügbar.

Wie die Strecke entstand

Die ersten Überlegungen zu einer Bahn durch das Wutachtal gehen bis ins Jahr 1857 zurück.

Am 16. April 1875 wurde das erste Teilstück zwischen Oberlauchringen und Stühlingen eröffnet.

Ein Jahr später folgte am 15. Oktober 1876 die Verlängerung bis Weizen.

Dann stockte der Weiterbau wegen geologischer Probleme in der Wutachschlucht und wegen der Wirtschaftskrise von 1873.

Das Militär trieb das Projekt später voran, weil der deutsche Generalstab in den 1880er Jahren eine Bahn plante, die nicht über Schweizer Gebiet führte.

Ab 1887 wurde von Hintschingen aus nach Südwesten weitergebaut.

In den Spitzenzeiten 1889 und 1890 arbeiteten bis zu 3.700 Arbeiter an der Strecke, viele von ihnen wurden im Ausland angeworben, vor allem in Italien.

Am 20. Mai 1890 wurde die Wutachtalbahn dem Verkehr übergeben.

Eine Vorgabe der Planer waren Bahnhöfe im Abstand von acht Kilometern, damit sich Militärzüge überholen oder begegnen konnten.

Deshalb entstanden unter anderem in Ofteringen, Weizen, Grimmelshofen und Fützen Bahnhöfe mit langen Ausweichgleisen, obwohl für den örtlichen Verkehr ein Haltepunkt gereicht hätte.

Horheim: ein Bahnhof im Südabschnitt

Der Bahnhof Horheim lag im Südabschnitt der Strecke.

Der Haltepunkt Wutöschingen unterstand betrieblich bis zur Einstellung des planmäßigen Zugverkehrs dem Bahnhof Horheim.

Das Bahnhofsgebäude war in typischer badischer Bauweise nach Friedrich Eisenlohr errichtet und besaß eine offene Güterhalle.

Der Bahnhof wurde aufgehoben, die Weichen und das Ausweichgleis wurden zurückgebaut.

1986 wurde das Gebäude abgebrochen.

Ofteringen: abgebaut, jetzt wieder im Gespräch

Der Bahnhof Ofteringen gehörte zu den Bahnhöfen mit langem Ausweichgleis.

Er wurde im Zuge des Baus der Bundesstraße beseitigt, die Angaben nennen dafür 1980 oder 1981.

Der Personenverkehr zwischen Lauchringen und Lausheim-Blumegg war bereits am 25. September 1971 eingestellt worden.

Seit September 2018 gibt es in Ofteringen einen provisorischen Bahnsteig für eine Schülerzugverbindung.

Am 22. September 2025 wurde in Ofteringen der Spatenstich für einen Kreuzungsbahnhof begangen, der für einen Stundentakt vorgesehen ist.

Dieser Stundentakt ist für Ende 2027 geplant.

Grimmelshofen: ein Bahnhof im Wartestand

Der Bahnhof Grimmelshofen besitzt ein Ausweichgleis südlich des Kreiskehrtunnels.

Er wurde wegen seiner ortsfernen Lage am 1. Dezember 1923 für den öffentlichen Verkehr geschlossen.

Die Bewohner des Ortes nutzten stattdessen den näher gelegenen Bahnhof Lausheim-Blumegg, der 1899 als Haltepunkt Im Weiler eröffnet worden war.

Der Bahnhof Grimmelshofen existiert noch komplett mit Empfangsgebäude und Ausweichgleis.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Grimmelshofen, 2013.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Grimmelshofen, 2013. Foto: Schermuuser, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Grimmelshofen, 2020.
Der Bahnhof Grimmelshofen, 2020. Foto: Mussklprozz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ausfahrsignale im Bahnhof Grimmelshofen in Richtung Weiler, 2013.
Ausfahrsignale im Bahnhof Grimmelshofen in Richtung Weiler, 2013. Foto: Schermuuser, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das nördliche Einfahrsignal des Bahnhofs Grimmelshofen, 2013.
Das nördliche Einfahrsignal des Bahnhofs Grimmelshofen, 2013. Foto: Schermuuser, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

In der Nähe liegen der Grimmelshofener Tunnel mit 225 Metern Länge und der Kleine Stockhalde-Tunnel mit 86 Metern.

Epfenhofen: die engste Kurve der Strecke

Das Gleis hat bei der Umfahrung des Dorfes Epfenhofen seinen kleinsten Radius von 300 Metern.

Der Bahnhof hat ein Empfangsgebäude in der badischen Regelbauform für Sekundärbahnen.

Hinter den Ausfahrweichen kommt die Epfenhofer Brücke, ein Viadukt als Pendelpfeilerbrücke, das einen Wechsel der Talseite ermöglicht.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Epfenhofen mit Ausfahrsignal in Richtung Zollhaus, 2013.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Epfenhofen mit Ausfahrsignal in Richtung Zollhaus, 2013. Foto: Schermuuser, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die südlichen Ausfahrsignale des Bahnhofs Epfenhofen, 2013.
Die südlichen Ausfahrsignale des Bahnhofs Epfenhofen, 2013. Foto: Schermuuser, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Fützen: der Museumsbahnhof

Fützen besaß einen Bahnhof an der Strategischen Bahn, der heute als Station der Museumsbahn dient.

Der Bahnhof steht im Talkessel von Fützen, den die Strecke mit zwei offenen Kehrschleifen durchquert.

Das Empfangsgebäude und das Ausweichgleis sind komplett erhalten.

Der Bau der Strategischen Bahn von 1887 bis 1890 brachte dem Ort einen Sprung aus der Landwirtschaft in die moderne Welt, denn die meist ausländischen Arbeiter wurden im Ort einquartiert und verpflegt.

Der Bahnhof Fützen, 2008.
Der Bahnhof Fützen, 2008. Foto: Norbert Utz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Fützen von der Gleisseite, 2013.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Fützen von der Gleisseite, 2013. Foto: Schermuuser, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Betriebswerk der Sauschwänzlebahn in Fützen, 2013.
Das Betriebswerk der Sauschwänzlebahn in Fützen, 2013. Foto: Schermuuser, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Museumsbahnhof Fützen, 2018.
Der Museumsbahnhof Fützen, 2018. Foto: GerhardSchuhmacher, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein historischer Mohr-Kran im Bahnhof Fützen, 2020.
Ein historischer Mohr-Kran im Bahnhof Fützen, 2020. Foto: Mussklprozz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die historische Lok V 36 204 im Bahnhof Fützen, 2020.
Die historische Lok V 36 204 im Bahnhof Fützen, 2020. Foto: Mussklprozz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende des Regelverkehrs

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke für die Deutsche Bundesbahn zum Problem, denn sie war schlecht ausgelastet und teuer im Unterhalt.

Am 22. Mai 1955 wurde der durchgehende Verkehr zwischen Lausheim-Blumegg und Zollhaus-Blumberg eingestellt und auf Busse verlagert.

Von 1962 bis 1965 wurde die Strecke auf Kosten der NATO saniert, doch Reisezüge fuhren auf dem Mittelabschnitt nicht mehr.

Der Personenverkehr zwischen Zollhaus-Blumberg und Hintschingen endete am 28. Mai 1967.

Auf dem Abschnitt Lauchringen–Lausheim-Blumegg endete er am 25. September 1971.

Am 1. Januar 1976 legte die Deutsche Bundesbahn den gesamten Mittelabschnitt still.

So sieht es jetzt aus

Ein Verein gründete sich 1976, und am 21. Mai 1977 begann auf dem Mittelabschnitt zwischen Weizen und Blumberg-Zollhaus der Museumsbahnbetrieb.

Er erwies sich als sehr erfolgreich und bewahrte die Strecke vor dem Verfall.

1988 erhielt die Strecke den Rang eines technischen Denkmals von nationaler Bedeutung.

Am 8. September 2014 wurde sie von der Bundesingenieurkammer als Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ausgezeichnet.

Seit 2014 führen die im Eigentum der Stadt stehenden Bahnbetriebe Blumberg den Betrieb mit eigenen Fahrzeugen.

Auf dem Südabschnitt gibt es seit 2003 wieder Personenverkehr an Wochenenden, seit 2024 fährt zwischen Waldshut und Stühlingen werktags ein Zweistundentakt.

Vorher und nachher: Horheim und Ofteringen

Von den beiden Bahnhöfen im Südabschnitt sind keine Gebäude mehr vorhanden.

Horheim wurde 1986 abgebrochen, Ofteringen um 1980 beseitigt.

Die Bahnhöfe der Museumsstrecke sind komplett erhalten.

Die Geschichte in Daten

16. April 1875: Eröffnung Oberlauchringen–Stühlingen.

15. Oktober 1876: Verlängerung bis Weizen.

20. Mai 1890: Durchgehende Eröffnung der Wutachtalbahn.

1. Dezember 1923: Der Bahnhof Grimmelshofen wird für den öffentlichen Verkehr geschlossen.

22. Mai 1955: Der durchgehende Verkehr zwischen Lausheim-Blumegg und Zollhaus-Blumberg wird eingestellt.

28. Mai 1967: Ende des Personenverkehrs Zollhaus-Blumberg–Hintschingen.

25. September 1971: Ende des Personenverkehrs Lauchringen–Lausheim-Blumegg.

1. Januar 1976: Stilllegung des Mittelabschnitts.

21. Mai 1977: Beginn der Museumsbahn.

1986: Der Bahnhof Horheim wird abgebrochen.

Häufige Fragen

Fährt die Sauschwänzlebahn noch?
Ja, auf dem Mittelabschnitt zwischen Weizen und Blumberg-Zollhaus gibt es seit 1977 eine Museumsbahn.
Warum liegen die Bahnhöfe so weit auseinander?
Als strategische Bahn sollten Bahnhöfe im Abstand von acht Kilometern Überholungen und Begegnungen von Militärzügen ermöglichen.
Was ist aus Horheim und Ofteringen geworden?
Beide Bahnhöfe wurden aufgehoben und abgetragen, Horheim 1986, Ofteringen um 1980.
Was passiert in Ofteringen?
Am 22. September 2025 gab es den Spatenstich für einen Kreuzungsbahnhof, der einen Stundentakt ermöglichen soll.
Ist Grimmelshofen ein aktiver Bahnhof?
Der Bahnhof wurde 1923 für den öffentlichen Verkehr geschlossen, steht aber komplett mit Empfangsgebäude und Ausweichgleis an der Museumsstrecke.

Die Wutachtalbahn zeigt, dass eine Strecke durch Museumsverkehr überleben kann, auch wenn einzelne Bahnhöfe verschwunden sind.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Lauchringen–Hintschingen (Wutachtalbahn) · Wikipedia: Ofteringen · Wikipedia: Fützen · Wikimedia Commons: Category Wutachtalbahn

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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