Hei na Ganzlin: Die stillen Halte der Strecke Ganzlin–Röbel

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Hei na Ganzlin: Die stillen Halte der Strecke Ganzlin–Röbel

Röbel an der Müritz ist eine Stadt ohne Bahn. Dieser Beitrag folgt der stillgelegten Nebenbahn von Ganzlin bis zum Bahnhof am Stadtrand und nennt am Ende die Strecke nach Dargun.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Röbel im Jahr 2010.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Röbel im Jahr 2010. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1899
Eröffnung der Strecke
1966
Personenverkehr endet
2005
Stilllegung
2018
Letzter Abschnitt stillgelegt

Lage: Mecklenburgische Seenplatte, Mecklenburg-Vorpommern. Status: stillgelegt, der größte Teil 2013 abgebaut. Heute: Der Bahnhof Röbel steht unter Denkmalschutz, die Halte unterwegs sind in Privatbesitz.

Die Bahnstrecke Ganzlin–Röbel war eine eingleisige Nebenbahn im Süden Mecklenburg-Vorpommerns und hatte stets nur lokale Bedeutung.

Der Personenverkehr endete 1966, der Güterverkehr bis Mitte der 1990er Jahre, danach diente sie noch bis 2005 dem Museumsbetrieb eines Eisenbahnvereins.

Heute ist sie stillgelegt und zum größten Teil abgebaut, Röbel gilt als Stadt ohne Bahn.

Dieser Beitrag geht die Halte der Strecke einzeln durch: Altenhof, Knüppeldamm, Fincken, Bütow, Dambeck und Röbel.

Am Ende steht außerdem ein Abschnitt zu Dargun, dem Endpunkt der Strecke Malchin–Dargun.

Freie Fotos aus der Betriebszeit gibt es kaum, die Bilder zeigen die Strecke nach der Stilllegung.

Wie die Strecke entstand

Das Gebiet um Müritz und Plauer See wurde Mitte der 1880er Jahre durch mehrere Bahnstrecken erschlossen.

1885 wurde die Mecklenburgische Südbahn eröffnet, ein Jahr später folgten die Lloydbahn östlich der Müritz und die Strecke Güstrow–Meyenburg westlich des Plauer Sees.

Nur Röbel hatte noch keinen Bahnanschluss.

Die Lage am Westufer der Müritz machte durchgehende Strecken über die Stadt praktisch unmöglich.

Deshalb entschied sich die Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn für eine Stichstrecke mit Anschluss an die Strecke von Güstrow über Plau nach Meyenburg.

Ausgangspunkt blieb das Dorf Ganzlin, weil man den Verkehr aus Röbel vor allem nach Nordwesten erwartete und der Plauer See ein natürliches Hindernis bildete.

Seit dem 5. April 1899 verkehrten Güterzüge, am 1. Mai 1899 wurde die Strecke offiziell für den Personenverkehr eröffnet.

Aus dieser Zeit soll der Spitzname der Strecke stammen: Hei na Ganzlin, auch Heiner Ganzlin.

Bei der Eröffnung soll ein Bahnmitarbeiter auf die Frage eines Einwohners, wohin der Zug fahren sollte, auf Plattdeutsch geantwortet haben: „Hei? Nah Ganzlin!“

1905 verkehrten drei Personenzugpaare, die in Ganzlin alle Anschluss in und aus Richtung Güstrow hatten.

Bei diesem spärlichen Angebot blieb es, nur in den Kriegsjahren wurde der Verkehr auf zwei Zugpaare ausgedünnt.

In den 1930er Jahren wurde in Fincken ein neuer Haltepunkt eingerichtet, der bisherige Bahnhof Fincken hieß fortan nach dem nahen Dorf Knüppeldamm.

Kursbuchseite der Strecke 119g Ganzlin–Röbel, Sommer 1965.
Kursbuchseite der Strecke 119g Ganzlin–Röbel, Sommer 1965. Foto: Ministerium für Verkehrswesen der DDR, Hauptverwaltung des B, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Der Verlauf von Ganzlin nach Röbel

Die Strecke begann im Bahnhof Ganzlin, wo sie in Richtung Südosten von der Strecke Güstrow–Meyenburg abzweigte.

Beide Strecken kreuzten nacheinander die Bundesstraße 103.

Dann wendete sich die Nebenbahn nach Osten und verlief bis Stuer nahe der Südspitze des Plauer Sees durch Waldgebiete.

Bei Altenhof liegt das Quellgebiet der Elde.

Danach folgte offenes, hügeliges Gelände über Knüppeldamm und Fincken nach Dambeck.

Endpunkt war der Bahnhof Röbel, etwa einen Kilometer außerhalb des Stadtzentrums.

Die Empfangsgebäude der Unterwegsstationen befinden sich in Privatbesitz.

Altenhof: Im Quellgebiet der Elde

Der Halt Altenhof lag im waldreichen Abschnitt der Strecke, dort, wo das Quellgebiet der Elde erreicht wird.

Das Empfangsgebäude steht noch.

Es ist wie die übrigen Gebäude der Unterwegsstationen in Privatbesitz.

Das frühere Bahnhofsgebäude von Altenhof im Jahr 2010.
Das frühere Bahnhofsgebäude von Altenhof im Jahr 2010. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Haltschild für Züge an einem Bahnübergang in Altenhof, 2010.
Ein Haltschild für Züge an einem Bahnübergang in Altenhof, 2010. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Knüppeldamm: Der umbenannte Bahnhof

Der Bahnhof Knüppeldamm hieß ursprünglich Fincken.

Nachdem in den 1930er Jahren ein neuer Haltepunkt in Fincken eingerichtet worden war, bekam der bisherige Bahnhof den Namen des nahe gelegenen Dorfs Knüppeldamm.

Mehr ist zur Geschichte dieses Halts nicht belegt.

Der ehemalige Bahnhof Knüppeldamm an der Strecke Ganzlin–Röbel, 2022.
Der ehemalige Bahnhof Knüppeldamm an der Strecke Ganzlin–Röbel, 2022. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Gleis der Strecke am Bahnhof Knüppeldamm im Jahr 2010.
Das Gleis der Strecke am Bahnhof Knüppeldamm im Jahr 2010. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Fincken: Der Haltepunkt aus den 1930er Jahren

Der Haltepunkt Fincken wurde in den 1930er Jahren neu eingerichtet.

Er löste den bisherigen Bahnhof dieses Namens ab, der seitdem Knüppeldamm hieß.

Mehr ist zu diesem Halt nicht belegt.

Der ehemalige Haltepunkt Fincken, aufgenommen 2022.
Der ehemalige Haltepunkt Fincken, aufgenommen 2022. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bütow: Die Ladestelle am Ende des befahrbaren Abschnitts

Im Bereich der früheren Ladestelle Bütow sollten ab 2010 Güterwagen abgestellt werden.

Bis dorthin konnten Zugfahrten im Zugleitbetrieb durchgeführt werden.

Das Reststück bis Röbel war wegen Oberbaumängeln nicht befahrbar und wurde zum Baugleis erklärt.

Weitere Einzelheiten zu Bütow sind nicht belegt.

Dambeck

Dambeck war der letzte Ort vor dem Endpunkt Röbel, zu dem die Strecke durch offenes, hügeliges Gelände führte.

Einzelheiten zum Halt sind nicht belegt.

Röbel: Ein Bahnhof am Stadtrand

Der Bahnhof Röbel (Meckl) liegt etwa einen Kilometer westlich vom Zentrum, am Westufer der Müritz.

Das Empfangsgebäude entstand um 1899 und ist ein zwei- bis dreigeschossiger Bau mit Fachwerk im Obergeschoss und einem breiten mittleren Giebelrisalit.

Zum Ensemble gehören die Güterabfertigung, die Bahnmeisterei, zwei Speicher, der Lokschuppen, zwei Wasserkessel und das Toilettenhaus.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Lokschuppen und Wasserstation in Röbel, 2017.
Lokschuppen und Wasserstation in Röbel, 2017. Foto: Oberlausitzerin64, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Güterabfertigung des Bahnhofs Röbel im Jahr 2010.
Die Güterabfertigung des Bahnhofs Röbel im Jahr 2010. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Personenverkehr war angesichts der Streckenführung stets unbedeutend, weil die wichtigen Orte nur auf Umwegen zu erreichen waren.

Am 1. November 1966 wurde er eingestellt, Röbel war damit eine der ersten Kreisstädte der DDR ohne Bahn im Personenverkehr.

Fast alle größeren Städte waren mit dem Bus über Waren schneller zu erreichen.

Den Güterverkehr gab es weiter, er ging erst nach der Wende zurück.

1992 gründete sich der Eisenbahnverein Hei na Ganzlin, der sich um eine Übernahme der Strecke bemühte.

Für Sonderfahrten gründete er die Röbel/Müritz Eisenbahn, die das Eisenbahn-Bundesamt als Eisenbahnverkehrsunternehmen anerkannte.

Der Güterverkehr endete am 30. Mai 1996.

Der Verein nutzte den Bahnhof Röbel bis Anfang der 2010er Jahre mit einem Bahnhofsmuseum und löste sich 2013 auf.

Heute sind im Gebäude Wohnungen und Dienstleister angesiedelt.

Das Bahnhofsgelände ist teilweise von einem Supermarkt überbaut.

Das Ende der Strecke

Am 1. März 2005 wurde die Strecke stillgelegt, einen Tag vorher fand noch einmal eine Sonderfahrt statt.

Im September 2006 wurde sie an ein Unternehmen verkauft, das die Gleisanlagen mit Ausnahme des ersten Teilstücks zum Schrottwert verkaufen wollte.

Das lehnte das Eisenbahn-Bundesamt 2008 ab.

Zum 22. April 2010 nahm die PEG Infrastruktur der Prignitzer Eisenbahn die Strecke in Absprache mit dem Eigentümer wieder in Betrieb.

2012 übernahm die RegioInfra-Gesellschaft die Bewirtschaftung.

Im August 2012 schrieb sie das Teilstück vom Streckenkilometer 6,730 beim Haltepunkt Stuer bis zum Streckenende zur Übernahme oder Stilllegung aus, weil ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb nicht absehbar sei.

Es fand sich kein Interessent, der Abschnitt wurde stillgelegt und im Januar 2013 abgebaut.

Zum 1. Oktober 2018 wurde auch der letzte Abschnitt bis Stuer stillgelegt.

Dort liegen noch Gleise, die Trasse ist teilweise stark zugewachsen.

Dargun: Endpunkt der Strecke Malchin–Dargun

Die Strecke Malchin–Dargun ist eine zweite stillgelegte Nebenbahn im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Sie ist rund 25 Kilometer lang und mit der Strecke Ganzlin–Röbel nicht verbunden.

Erste Pläne gab es 1883, am 30. Mai 1883 wurde die Aktiengesellschaft Malchin–Neukalen–Gnoien gegründet.

Zum Bau kam es zunächst nicht, weil die Stadt Malchin sich nicht an der Finanzierung beteiligte und die Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn 150.000 Mark für die Einbindung in den Bahnhof Malchin verlangte.

Am 15. Mai 1903 bewilligte die mecklenburgische Regierung den Bau, am 1. Dezember 1907 ging die Strecke in Betrieb.

Dargun bekam damit 1907 sein Bahnhofsgebäude, das mit der Strecke errichtet wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte die Bahn 1945 auf Befehl der sowjetischen Militäradministration zu Reparationszwecken abgebaut werden.

Einsprüche aus Dargun und Neukalen verhinderten das, im Bahnhof Dargun waren damals schon die Gleise 3 und 5 demontiert und verladen.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Dargun, 2014.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Dargun, 2014. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Deutsche Bahn stellte den Betrieb zum 31. Mai 1996 ein, am 18. August 1997 wurde die Strecke stillgelegt.

Die Gleise zwischen Malchin und Salem wurden danach abgebaut.

Zwischen Salem und Dargun liegen sie noch, teils stark zugewachsen.

Von 2002 bis 2022 gab es auf diesem Abschnitt einen touristischen Draisinenbetrieb mit Fahrraddraisinen.

Seit dessen Einstellung ist die Zukunft der Strecke ungewiss.

Die Strecke endet wenige hundert Meter hinter der Landesstraße 20 am östlichen Stadtrand von Dargun.

Der denkmalgeschützte ehemalige Bahnhof Dargun, Straßenseite, 2019.
Der denkmalgeschützte ehemalige Bahnhof Dargun, Straßenseite, 2019. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Gleis der Strecke zwischen Dargun und Schorrentin, 2014.
Gleis der Strecke zwischen Dargun und Schorrentin, 2014. Foto: Falk2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

1885: Die Mecklenburgische Südbahn wird eröffnet.

5. April 1899: Erste Güterzüge nach Röbel.

1. Mai 1899: Eröffnung für den Personenverkehr.

1. Dezember 1907: Die Strecke Malchin–Dargun geht in Betrieb.

1. November 1966: Ende des Personenverkehrs nach Röbel.

1992: Gründung des Eisenbahnvereins Hei na Ganzlin.

30. Mai 1996: Ende des Güterverkehrs.

18. August 1997: Die Strecke Malchin–Dargun wird stillgelegt.

1. März 2005: Stilllegung der Strecke Ganzlin–Röbel.

22. April 2010: Wiederinbetriebnahme durch die Prignitzer Eisenbahn.

Januar 2013: Der Abschnitt ab Stuer wird abgebaut.

1. Oktober 2018: Auch der letzte Abschnitt wird stillgelegt.

Woher kommt der Name Hei na Ganzlin?
Er soll vom Plattdeutschen „Hei? Nah Ganzlin!“ stammen, mit dem ein Bahnmitarbeiter bei der Eröffnung auf die Frage nach dem Fahrziel geantwortet haben soll.
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Der Personenverkehr nach Röbel wurde am 1. November 1966 eingestellt.
Fährt auf der Strecke noch ein Zug?
Nein. Die Strecke wurde am 1. März 2005 stillgelegt, der größte Teil 2013 abgebaut und der letzte Abschnitt zum 1. Oktober 2018 stillgelegt.
Steht der Bahnhof Röbel noch?
Ja, das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz, im Gebäude sind heute Wohnungen und Dienstleister.
Gehören Ganzlin–Röbel und Malchin–Dargun zusammen?
Nein, es sind zwei getrennte Strecken im selben Landkreis.

Die Strecke nach Röbel war nie eine große Bahn, und von ihren Halten bleibt wenig belegt.

Der Bahnhof am Stadtrand und die Gebäude am Weg erinnern daran, dass hier einmal Züge nach Ganzlin fuhren.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Ganzlin–Röbel · Wikipedia: Bahnhof Röbel (Meckl) · Wikipedia: Bahnstrecke Malchin–Dargun · Wikipedia: Dargun · Wikipedia: Röbel/Müritz

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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