Die Halte zwischen Döbeln und Meißen Triebischtal ohne Personenverkehr

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Halte zwischen Döbeln und Meißen Triebischtal ohne Personenverkehr

Seit dem 12. Dezember 2015 fahren auf dem Abschnitt von Döbeln über Nossen nach Meißen Triebischtal keine planmäßigen Personenzüge mehr. Die Strecke ist formal nicht stillgelegt, der Beitrag geht ihre Halte durch.

VORHER · 1908

Der Bahnhof Roßwein, Postkarte von 1908.

Der Bahnhof Roßwein, Postkarte von 1908. Foto: Brück & Sohn Kunstverlag, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2019

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Roßwein von der Straßenseite, 2019.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Roßwein von der Straßenseite, 2019. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1868
Eröffnung Döbeln–Nossen–Meißen
1904
Haltepunkt Gleisberg-Marbach
2015
Letzter planmäßiger Personenzug
2016
Strecke an die NRE übergeben

Lage: Tal der Freiberger Mulde und der Triebisch, von Döbeln über Roßwein und Nossen nach Meißen Triebischtal. Status: Formal nicht stillgelegt, seit dem 12. Dezember 2015 ohne planmäßigen Personenverkehr. Heute: Die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie betreibt die Strecke, Sonderfahrten finden statt.

Die Bahnstrecke Döbeln–Meißen gehört zur Strecke Borsdorf–Coswig, die entlang der Freiberger Mulde von Leipzig nach Dresden führte.

Der Abschnitt von Döbeln über Roßwein und Nossen nach Meißen Triebischtal ist 37,1 Kilometer lang.

Am 12. Dezember 2015 fuhr dort der letzte planmäßige Zug der Regionalbahnlinie 110.

Die Strecke ist formal nicht stillgelegt, die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie betreibt sie seit April 2016.

Dieser Beitrag geht die Halte Döbeln Zentrum, Niederstriegis, Roßwein, Gleisberg-Marbach, Nossen, Deutschenbora und Miltitz-Roitzschen einzeln durch.

Der Bahnhof Döbeln Hbf und der Bahnhof Meißen Triebischtal sind weiter in Betrieb und gehören nicht dazu.

Aus der Betriebszeit sind nur wenige freie Fotos vorhanden, vor allem Postkarten von 1903 bis 1913.

Entstehung: Die zweite Bahn von Leipzig nach Dresden

Meißen besaß seit dem 1. Dezember 1860 eine Anbindung an die Leipzig-Dresdner Eisenbahn durch eine Zweigbahn von Coswig aus.

Am 7. Juli 1864 stellte die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie den Antrag für eine zweite Verbindung zwischen Leipzig und Dresden.

Vorgesehen war eine Trasse entlang der Freiberger Mulde über Döbeln nach Meißen.

Am 16. Januar 1866 wurde die Konzession erteilt, die Arbeiten hatten am 4. August 1865 nahe Borsdorf begonnen.

Am 2. Juni 1868 wurde der Abschnitt Leisnig–Döbeln eröffnet, am 25. Oktober 1868 folgte Döbeln–Nossen.

Der Abschnitt Nossen–Meißen ging am 22. Dezember 1868 in Betrieb.

Am 1. Juli 1876 wurde die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie verstaatlicht.

Zwischen 1898 und 1909 wurde der Abschnitt Döbeln–Coswig zweigleisig ausgebaut.

So sah es vorher aus: Eilzüge und Ringverkehr

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Gleis der Strecke als Reparation für die Sowjetunion abgebaut.

Da auch zwischen Borsdorf und Coswig auf der Strecke Leipzig–Dresden ein Gleis fehlte, wurde ein Ringverkehr eingerichtet.

Durchgangsgüterzüge fuhren in Richtung Dresden über Riesa und in Richtung Leipzig über Döbeln und Meißen.

Der Ringverkehr endete 1971, als die Strecke Leipzig–Dresden wieder zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert war.

Nach der Wende verkehrten erstmals seit Jahrzehnten wieder durchgehende Eilzüge zwischen Leipzig und Dresden über Döbeln.

Die letzten Eilzüge zwischen Leipzig und Zittau entfielen am 9. Juni 2001.

Bis Dezember 2015 bestand das Angebot aus einem Zweistundentakt mit Regionalbahnen zwischen Leipzig und Meißen.

Döbeln Zentrum: Haltepunkt am Rand der Innenstadt

Der Haltepunkt Döbeln Zentrum stellt den direkten Bahnzugang zur Döbelner Innenstadt dar.

1868 wurde die Station als Döbeln Haltepunkt eröffnet, 1905 erfolgte die Umbenennung in Döbeln Ost.

In den 1990er Jahren wurde der Bahnhof wieder zum Haltepunkt zurückgebaut, seit dem 21. August 2004 trägt er den Namen Döbeln Zentrum.

Die Gleise verliefen ursprünglich bis 1904 auf Straßenniveau, danach wurden sie in einen sechs Meter tiefen Einschnitt abgesenkt.

Das Bahnhofsgebäude blieb auf seinem Niveau und ist heute ungenutzt.

Die Bemühungen, den Nahverkehr zwischen Döbeln Hbf und Döbeln Zentrum wieder aufzunehmen, waren bislang erfolglos.

Das Empfangsgebäude des Haltepunkts Döbeln Zentrum von der Straßenseite, 2022.
Das Empfangsgebäude des Haltepunkts Döbeln Zentrum von der Straßenseite, 2022. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Haltepunkt Döbeln Zentrum, Blick vom Bahnsteig Richtung Borsdorf, 2022.
Der Haltepunkt Döbeln Zentrum, Blick vom Bahnsteig Richtung Borsdorf, 2022. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niederstriegis: Von der Haltestelle zum Haltepunkt

Die Haltestelle Niederstriegis wurde am 1. Mai 1873 eröffnet.

1905 wurde die Station zum Bahnhof hochgestuft, seit 1969 war sie nur noch ein Haltepunkt.

Seit dem 12. Dezember 2015 hat sie keinen planmäßigen Halt mehr.

Weitere Angaben zu dem Halt sind nicht belegt.

Roßwein: Bahnhof mit Strecke nach Niederwiesa

Der Bahnhof Roßwein wurde am 25. Oktober 1868 mit der Eröffnung des Abschnitts Döbeln–Nossen in Betrieb genommen.

Zwischen 1872 und 1998 verkehrten von hier Personenzüge über die Bahnstrecke Roßwein–Niederwiesa über Hainichen und Frankenberg in Richtung Niederwiesa.

Das Empfangsgebäude befindet sich in Privatbesitz.

Die Lokomotive 219 048 bei der Einfahrt in Roßwein, 20. Mai 1993.
Die Lokomotive 219 048 bei der Einfahrt in Roßwein, 20. Mai 1993. Foto: Phil Richards, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Gleisberg-Marbach: Haltepunkt mit Bahnhofsrang

Der Haltepunkt Gleisberg-Marbach wurde am 1. Oktober 1904 eröffnet.

1915 wurde er zum Bahnhof ernannt, 1969 erfolgte die Herabstufung zum Haltepunkt.

Seit dem 12. Dezember 2015 hat er keinen planmäßigen Halt mehr.

Das Empfangsgebäude des Haltepunkts Gleisberg-Marbach, 2019.
Das Empfangsgebäude des Haltepunkts Gleisberg-Marbach, 2019. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Wartehalle des Haltepunkts Gleisberg-Marbach, 2019.
Die Wartehalle des Haltepunkts Gleisberg-Marbach, 2019. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Nossen: Eisenbahnknoten, heute nur Güterverkehr

Der Bahnhof Nossen wurde am 25. Oktober 1868 von der Leipzig-Dresdner Eisenbahn-Compagnie als Teil der Strecke Borsdorf–Coswig eröffnet.

Mit dem Bau der Strecken nach Freiberg 1873 und nach Riesa 1877 und 1880 wurde er zu einem bedeutenden regionalen Eisenbahnknoten mit großem Bahnbetriebswerk, das bis in die 1990er Jahre bestand.

Seit der Einstellung des regulären Personennahverkehrs zwischen Döbeln und Meißen im Dezember 2015 dient er nur noch dem Güterverkehr.

Deutschenbora: Bahnhof im Tal der Triebisch

Der Bahnhof Deutschenbora wurde am 22. Dezember 1868 eröffnet.

Seit dem 12. Dezember 2015 hat er keinen planmäßigen Halt mehr.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Deutschenbora von der Straßenseite, 2017.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Deutschenbora von der Straßenseite, 2017. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Deutschenbora von der Gleisseite, 2017.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Deutschenbora von der Gleisseite, 2017. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Miltitz-Roitzschen: Der Bahnhof mit dem Doppelnamen

Der Bahnhof Miltitz-Roitzschen im Tal der Triebisch wurde am 22. Dezember 1868 unter dem Namen Miltitz eröffnet.

Seit dem 1. Mai 1900 trägt er den bis heute gültigen Namen.

Seit dem 12. Dezember 2015 hat er keinen planmäßigen Halt mehr.

VORHER · 1903

Der Bahnhof Miltitz-Roitzschen, Postkarte von 1903.

Der Bahnhof Miltitz-Roitzschen, Postkarte von 1903. Foto: Brück & Sohn Kunstverlag, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2017

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Miltitz-Roitzschen, 2017.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Miltitz-Roitzschen, 2017. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Miltitz-Roitzschen, Postkarte von 1913.
Der Bahnhof Miltitz-Roitzschen, Postkarte von 1913. Foto: Brück & Sohn Kunstverlag, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Niedergang und Ende: Abbestellung des Personenverkehrs

Im Jahr 2001 wurden auf dem Abschnitt Nossen–Meißen nach Angaben einer Bürgerinitiative mehr als 1.000 Fahrgäste am Tag gezählt, Anfang 2014 sollen es noch 400 gewesen sein.

2010 sammelte eine Bürgerinitiative 14.000 Unterschriften für den Erhalt der Strecke.

Am 28. November 2013 entschied der Verkehrsverbund Oberelbe, den Zugverkehr zwischen Meißen und Nossen ab Dezember 2015 einzustellen und durch Busse zu ersetzen.

Am 7. März 2014 beschloss der Verkehrsverbund Mittelsachsen, ab Dezember 2015 keine Züge mehr zwischen Döbeln und Nossen zu bestellen.

Bis März 2014 hatte eine Bürgerinitiative 7.000 Unterschriften gegen die Stilllegungspläne gesammelt.

Am 12. Dezember 2015 endete mit dem letzten planmäßigen Zug der Linie 110 der Nahverkehr auf dem Abschnitt Meißen Triebischtal–Döbeln.

So sieht es jetzt aus: Betrieb durch die NRE

Am 28. Juni 2013 hatte die DB Netz AG den 37,1 Kilometer langen Streckenabschnitt wegen Unwirtschaftlichkeit zur Abgabe angeboten.

Mitte 2015 entschied sie, den Abschnitt an die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie zu übergeben, die Übergabe erfolgte am 16. April 2016.

Der Abschnitt von Roßwein bis Miltitz-Roitzschen wird im signalisierten Zugleitbetrieb betrieben.

Seit 2025 bietet die Netzwerkbahn Sachsen an ausgewählten Wochenenden Sonderfahrten zwischen Nossen und Döbeln über Roßwein an.

Am 13. November 2018 beschloss der Verkehrsverbund Oberelbe, eine Wiederaufnahme des Personennahverkehrs zwischen Döbeln und Meißen zu unterstützen.

Die Kosten für Instandsetzung und Modernisierung der Teilstrecke wurden 2022 mit etwa 38 Millionen Euro beziffert.

2024 wurde die Vorplanung abgeschlossen.

Die Geschichte in Daten

1. Dezember 1860: Meißen erhält die Zweigbahn von Coswig.

2. Juni 1868: Der Abschnitt Leisnig–Döbeln wird eröffnet.

25. Oktober 1868: Der Abschnitt Döbeln–Nossen wird eröffnet.

22. Dezember 1868: Der Abschnitt Nossen–Meißen wird eröffnet.

1. Mai 1873: Die Haltestelle Niederstriegis wird eröffnet.

1. Oktober 1904: Der Haltepunkt Gleisberg-Marbach wird eröffnet.

1971: Der Ringverkehr endet.

21. August 2004: Döbeln Ost heißt nun Döbeln Zentrum.

12. Dezember 2015: Der letzte planmäßige Personenzug fährt.

16. April 2016: Die Strecke geht an die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie.

2025: Sonderfahrten zwischen Nossen und Döbeln beginnen.

Häufige Fragen

Ist die Strecke stillgelegt?
Nein, sie ist formal nicht stillgelegt, seit dem 12. Dezember 2015 fahren aber keine planmäßigen Personenzüge.
Wer betreibt die Strecke?
Die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie, seit der Übergabe am 16. April 2016.
Welche Halte haben keinen planmäßigen Halt mehr?
Niederstriegis, Gleisberg-Marbach, Deutschenbora und Miltitz-Roitzschen.
Fahren Sonderzüge?
Seit 2025 gibt es Sonderfahrten zwischen Nossen und Döbeln über Roßwein an ausgewählten Wochenenden.
Gibt es Pläne für neuen Personenverkehr?
2018 beschloss der Verkehrsverbund Oberelbe, eine Wiederaufnahme zu unterstützen, 2024 war die Vorplanung abgeschlossen.

Die Strecke durch das Mulden- und Triebischtal ist nicht stillgelegt, ihre Halte stehen seit 2015 aber ohne Personenzüge da.

Postkarten von 1903 bis 1913 und Aufnahmen der Empfangsgebäude zeigen, wie sie sich verändert haben.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Borsdorf–Coswig

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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