Mosel–Ortmannsdorf: die Mülsengrundbahn durch das Mülsental

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Mosel–Ortmannsdorf: die Mülsengrundbahn durch das Mülsental

Die Schmalspurbahn Mosel–Ortmannsdorf, die Mülsengrundbahn, wurde am 1. November 1885 eröffnet. Am 21. Mai 1951 wurde der Verkehr eingestellt, noch im selben Jahr war sie abgebaut.

Postkarte um 1900: Haltestelle Thurm der Schmalspurbahn Mosel–Ortmannsdorf.
Postkarte um 1900: Haltestelle Thurm der Schmalspurbahn Mosel–Ortmannsdorf. Foto: unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1885
Eröffnung am 1. November
1939
Letzte Personenzüge vorerst
1944
Personenverkehr wieder aufgenommen
1951
Stilllegung am 21. Mai

Lage: Zwickauer Land, von Mosel durch den Mülsengrund nach Ortmannsdorf. Status: 1951 stillgelegt und im selben Jahr abgebaut. Heute: Empfangsgebäude und Heizhaus in Ortmannsdorf sind erhalten und restauriert, Teile der Trasse sind Straßen und Wege.

Die Schmalspurbahn Mosel–Ortmannsdorf, auch Mülsengrundbahn genannt, war eine sächsische Schmalspurbahn.

Sie verlief von Mosel an der Hauptbahn Dresden–Werdau durch den Mülsengrund nach Ortmannsdorf.

Die 1885 eröffnete Strecke wurde 1951 stillgelegt.

Die frei nutzbare Postkarte oben ist das einzige Bild aus der Betriebszeit, alle übrigen Fotos zeigen Reste der Strecke.

Warum der Mülsengrund eine Bahn wollte

Schon beim Bau des Abschnitts Chemnitz–Zwickau der Strecke Dresden–Werdau wurde eine Führung über Mülsen St. Jacob untersucht, die Variante über Glauchau erhielt aber den Vorzug.

1869 ging beim Sächsischen Landtag eine Petition für eine Strecke von Zwickau über Mülsen St. Jacob und Lichtenstein nach St. Egidien ein.

Eine Privatbahngesellschaft erhielt 1870 die Konzession, durch den Deutsch-Französischen Krieg wurde sie später zurückgezogen.

Die 1879 eröffnete Strecke Stollberg–St. Egidien lag abseits des Mülsengrundes.

Bis 1885 besaß der Mülsengrund nicht einmal ein eigenes Postamt, er gehörte damals zu den ärmeren Gegenden Sachsens.

König Albert besuchte im Juli 1880 den Mülsengrund, dabei wurde von den Bewohnern lautstark ein Eisenbahnanschluss gefordert.

In einem Dekret vom 4. Januar 1884 wurde der Bahnbau erneut eingefordert, wenig später genehmigte ihn der Sächsische Landtag.

Als Ausgangspunkt wurde der Bahnhof Mosel an der Hauptbahn Dresden–Werdau bestimmt, weil von dort die kürzestmögliche Trasse durch die hochwassergefährdete Talaue der Zwickauer Mulde möglich war.

Mosel setzte sich gegen Glauchau-Schönbörnchen durch, das aus verkehrstechnischer Sicht der bessere Anschlussbahnhof gewesen wäre.

Bau und Eröffnung

Am 15. Juli 1884 begann der Bau als schmalspurige Sekundärbahn.

Außer dem Viadukt in Ortmannsdorf waren keine größeren Kunstbauten nötig, daher ging der Bau schnell voran.

Die Baukosten wurden zunächst mit über 1,4 Millionen Mark veranschlagt, tatsächlich lag die Summe deutlich unter 1,0 Million Mark.

Mehr als ein Viertel der Bausumme floss in den Oberbau.

Am 1. November 1885 wurde die Strecke von Mosel nach Ortmannsdorf eröffnet, es war die elfte Streckeneröffnung oder -verlängerung einer sächsischen Schmalspurbahn.

So sah es vorher aus: Pendler statt Industrie

Eine nennenswerte Ansiedlung von Industrie entlang der Strecke gelang nicht, die Verkehrsleistungen blieben auf niedrigem Niveau.

Bis in die 1890er-Jahre erbrachte die Bahn Gewinne, seit Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte sie zu den unrentabelsten Schmalspurbahnen Sachsens.

Vor der Jahrhundertwende gab es mehrere Entwürfe für eine Verbindung vom Bahnhof Höhlteich, dem späteren Bahnhof Neuoelsnitz, mit der Schmalspurbahn Wilkau–Wilzschhaus, der letzte wurde 1899 abgelehnt.

Neben der schwierigen Topografie waren drei erfolglose Probebohrungen nach Steinkohle um 1900 ausschlaggebend für die Aufgabe der Erweiterungspläne.

Auch die Fortführung bis Neuoelsnitz scheiterte 1908 endgültig.

Seit 1919 verkehrten sonntags keine Züge mehr.

Nach der Weltwirtschaftskrise, in der zahlreiche kleine Betriebe schließen mussten, arbeiteten die bisherigen Weber auswärts und sorgten so für einen gewissen Berufsverkehr.

Seit 1936 betrieben zuerst die Kraftverkehrsgesellschaft Sachsen, später auch die Reichsbahn Buslinien durch den Mülsengrund.

Da diese schneller und preiswerter waren, war die Einstellung des Personenverkehrs absehbar, am 14. Mai 1939 verkehrten vorerst die letzten Personenzüge.

Im Zweiten Weltkrieg stiegen die Transportleistungen im Güterverkehr wieder, ab dem 1. Mai 1944 wurde wegen des allgemeinen Mangels an Fahrzeugen, Treibstoff und Material auch der Personenverkehr wieder mit der Schmalspurbahn durchgeführt.

Berechnet wurde bis zur Betriebseinstellung der Bustarif.

Das Ende der Mülsengrundbahn

Anfangs wurde nur der Abschnitt Thurm–Ortmannsdorf bedient, weil der Bus den Bahnhof Mosel ebenfalls nicht angefahren hatte, in Thurm bestand Anschluss an den Bus nach Zwickau.

Erst mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Züge wieder bis Mosel geführt.

Dann verkomplizierte sich der Bahnbetrieb, weil die vorläufige Besatzungsgrenze die Strecke teilte.

Erst mit dem Abzug der amerikanischen Truppen am 15. Juli 1945 wurden die zuvor nötigen Passierscheine nicht mehr benötigt.

Am 21. Mai 1951 wurde der Verkehr mit der Begründung eingestellt, Material für den Berliner Außenring zu benötigen.

Die Strecke wurde sofort abgebaut, der Abbau war im Juli 1951 fertiggestellt.

Die ehemalige Bahntrasse zwischen Wulm und Niedermülsen, 2016.
Die ehemalige Bahntrasse zwischen Wulm und Niedermülsen, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Mosel: Spurwechselbahnhof an der Hauptbahn

Der Haltepunkt Mosel bestand seit der Eröffnung der Strecke Dresden–Werdau 1858 und wurde am 1. Januar 1875 zum Bahnhof erhoben.

Mit der Schmalspurbahn wurde er 1885 zum lokalen Bahnknoten.

1893 kam die nur dem Güterverkehr dienende Strecke Zwickau–Crossen–Mosel hinzu.

Der Bahnhof war mit allem ausgerüstet, was ein Spurwechselbahnhof brauchte, dazu gehörten eine Umladehalle und eine Überladerampe.

Weiter gab es ein Empfangsgebäude, ein dreiständiges Heizhaus, einen Kohleschuppen, einen Güterschuppen und ein Wirtschaftsgebäude.

Ein Stand des Heizhauses wurde seit der Eröffnung für Wagenreparaturen genutzt, ein zweiter seit 1904.

Der Schmalspurbereich bestand aus elf Gleisen mit 15 Weichen, der Regelspurbereich aus fünf Gleisen.

Der Güterschuppen der Mülsengrundbahn ist heute der einzige Zeuge der Schmalspurbahn im Bahnhof Mosel, das Areal der Schmalspurgleise liegt größtenteils brach.

Von 1887 bis 1895 gab es ein 3,5 Kilometer langes schmalspuriges Anschlussgleis zur Papierfabrik Crossen, das großen Anteil am Güterverkehr der Gesamtstrecke hatte.

Nach dem Bau eines normalspurigen Anschlusses an die Industriebahn Zwickau–Crossen–Mosel wurde es aufgelassen.

Die ersten Kilometer der Strecke wurden beim Ausbau des Volkswagenwerks Mosel überbaut, bei Schlunzig ist die Trasse als Bimmelbahnweg asphaltiert.

Der Bimmelbahnweg in Schlunzig auf der ehemaligen Trasse der Mülsengrundbahn, 2021.
Der Bimmelbahnweg in Schlunzig auf der ehemaligen Trasse der Mülsengrundbahn, 2021. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wulm: Haltepunkt hinter der Muldenbrücke

Hinter dem Bahnhof Mosel überquerte die Strecke bei Kilometer 2,072 die Zwickauer Mulde auf einer 52,2 Meter langen Gitterträgerbrücke mit vier Öffnungen und 6,90 Meter lichter Höhe.

Die Brücke wurde 1952 abgebaut.

Der Haltepunkt Wulm lag bei Kilometer 2,3 nordöstlich des Ortes Wulm an der Crossener Straße.

Er bestand aus einer hölzernen Wartehalle und einem Abtritt, die Wartehalle wurde 1939 nach Thurm versetzt.

Das Bahngelände wurde mit einem Wohnhaus überbaut, nur der Stumpf der Bahnulme erinnert noch an den Standort.

Niedermülsen: Gleisjoch und Traglastenwagen

Der Haltepunkt Niedermülsen lag bei Kilometer 4,04 südlich von Niedermülsen an der Berthelsdorfer Straße.

Es gab eine Wartehalle und einen Wagenkasten.

Güterverkehr fand nur während des Zweiten Weltkriegs statt, dafür wurde eine kleine Rampe zur Verladung von Motoren gebaut, die nach Wiederaufnahme des Personenverkehrs 1944 entfernt werden musste.

Die Wartehalle ist nicht mehr vorhanden, ihr Standort ist von einem Wohnhaus überbaut, die mächtige Bahnulme zeugt vom Standort.

Der Arbeitskreis Mülsengrundbahn, der sich um die Geschichte und den Erhalt von Relikten kümmert, verlegte 2011 ein Gleisjoch zur Erinnerung und erwarb 2012 den Traglastenwagen 970-492 aus Döbeln.

Außerdem wurde ein Schrankenstein aus dem Jahr 1886 wieder errichtet.

Der Haltepunkt ist Station der Dampfbahn-Route Sachsen.

Thurm: die größte Zwischenstation

Die Haltestelle Thurm lag bei Kilometer 5,82 im Zentrum des Ortes an der Kreuzung Thurmer Nebenstraße, Schneeberger Straße und Zwickauer Straße.

Sie war die größte Zwischenstation und unterschied sich von den anderen nur durch die Gleisanlagen: zwei Gleise mit vier Weichen, das zweite Gleis endete auf beiden Seiten stumpf.

Zwischen Ladestraße und Seitenladerampe stand ein Wagenkasten für nässeempfindliches Gut.

Nachdem die hölzerne Wartehalle aus Wulm 1939 hierher versetzt wurde, hatte die Haltestelle zeitweise zwei Wartehallen.

Beide sind nicht mehr vorhanden, der Abriss ist für 1978 belegt.

An der Stelle befindet sich heute der örtliche Busbahnhof mit Wendeschleife, die Bahnulme wurde 2011 neu gepflanzt.

Stangendorf: Wartehalle quer zur Trasse

Die Haltestelle Stangendorf lag bei Kilometer 6,72 an der Straße Weideweg und Uferstraße.

Sie hatte ein Streckengleis und ein Ladegleis mit drei Weichen, das Ladegleis endete in Richtung Ortmannsdorf stumpf an einer Seitenladerampe.

Für Reisende gab es eine hölzerne Wartehalle, die quer zum Gleis stand, für den Güterverkehr eine Ladestraße, einen Wagenkasten und eine Seitenladerampe.

Heute existiert am Standort nur noch die hölzerne Wartehalle mit der Stationsaufschrift.

Die beiden mächtigen Bahnulmen davor wurden 2024 im Februar und im Dezember gefällt.

Mülsen St. Micheln: gespendetes Stationsschild

Die Haltestelle Mülsen St. Micheln lag bei Kilometer 8,647 etwa in Höhe der Kirche direkt hinter dem Bahnübergang Auerbacher Straße.

Sie war wie Stangendorf angelegt, mit einer quer zum Gleis stehenden Wartehalle, einer Ladestraße und einer Seitenladerampe, aber ohne Wagenkasten für Stückgut.

Die Wartehalle an der Ortmannsdorfer Ausfahrt ist bis heute erhalten.

Am 29. Oktober 2010 wurde das aus Spenden finanzierte Stationsschild wieder angebracht.

Das Stationsareal wurde teilweise mit Garagen überbaut.

Die historische Wartehalle der Haltestelle Mülsen St. Micheln, 2016.
Die historische Wartehalle der Haltestelle Mülsen St. Micheln, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Haltestelle Mülsen St. Micheln, Blick Richtung Ortmannsdorf, 2016.
Die Haltestelle Mülsen St. Micheln, Blick Richtung Ortmannsdorf, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Mülsen St. Jacob: Bahnhofshotel statt Wartehalle

Die Haltestelle Mülsen St. Jacob lag bei Kilometer 9,79.

Anders als an allen anderen Stationen gab es zunächst keine Wartehalle, stattdessen diente ein privater hölzerner Flachbau mit Schankwirtschaft, in dem auch Fahrkarten verkauft wurden.

1909 wurde dieses Gebäude abgerissen und durch ein Bahnhofshotel ersetzt.

Jenseits der Dresdner Straße, der heutigen Bundesstraße 173, entstand nach 1909 eine Wartehalle, die nicht mehr vorhanden ist.

An ihrem Standort wurde die Bahnulme im Jahr 2000 neu gepflanzt.

Im Bahnhofshotel Zur Linde an der Moseler Ausfahrt wurden Fahrkarten verkauft und der Agenturbetrieb durchgeführt.

Das Gebäude ist erhalten, aber geschlossen, die Inschriften sind noch vorhanden, und die Straße An der Linde erinnert an das Hotel.

Von der 37,40 Meter langen Klingebrücke über den Amselgrund sind noch die Widerlager erhalten.

Mülsen St. Niclas: ein Güterschuppen bleibt

Die Haltestelle Mülsen St. Niclas lag bei Kilometer 11,641 an der Oberen Zwickauer Straße an der Ortsgrenze zu Mülsen St. Jacob.

Es gab eine hölzerne Wartehalle, eine Ladestraße, einen kleinen, 1890 erbauten Güterschuppen und eine Seitenladerampe.

Der Standort ist mit Garagen überbaut, nur der Güterschuppen an der Ortmannsdorfer Ausfahrt ist erhalten.

Ortmannsdorf: das betriebliche Zentrum

Hinter der Haltestelle Mülsen St. Niclas überquerte die Bahn bei Kilometer 13,618 auf dem 72 Meter langen Viadukt die Hauptstraße und den Mülsenbach.

Der Viadukt, trotz seiner Benennung vollständig auf dem Gebiet von Mülsen St. Niclas gelegen, war das größte Brückenbauwerk der Strecke.

Außen lagen zwei mit Sandstein ausgefüllte Bruchsteinbögen, im Mittelteil ruhten zwei Blechträger auf einem aus Ziegeln gemauerten Stützpfeiler.

Von der Brücke existieren nur noch ein Brückenpfeiler und die Widerlager.

Der Bahnhof Ortmannsdorf lag bei Kilometer 13,94 am östlichen Ortsausgang von Mülsen St. Niclas.

Obwohl er kleiner als der Schmalspurteil von Mosel war, befand sich das betriebliche Zentrum stets hier.

Die Anlagen bestanden aus sieben Gleisen mit neun Weichen, zwei Gleise und drei Weichen wurden 1940 entfernt.

An Hochbauten gab es ein zweistöckiges Empfangsgebäude mit angebautem Güterschuppen, ein Wirtschaftsgebäude und ein zweigleisiges, zweiständiges Heizhaus mit einem Wasserkran darin.

Empfangsgebäude und Heizhaus sind noch vorhanden und restauriert.

Das Wirtschaftsgebäude ist das einzige Haus des Bahnhofs auf Ortmannsdorfer Flur, das Bahnhofsareal wurde teilweise mit Garagen überbaut.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Ortmannsdorf, 2016.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Ortmannsdorf, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Ortmannsdorf aus anderer Richtung, 2016.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Ortmannsdorf aus anderer Richtung, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Lokschuppen des Bahnhofs Ortmannsdorf, 2016.
Der Lokschuppen des Bahnhofs Ortmannsdorf, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Nebengebäude des Bahnhofs Ortmannsdorf, 2016.
Ein Nebengebäude des Bahnhofs Ortmannsdorf, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Brückenpfeiler des Ortmannsdorfer Viadukts, 2016.
Ein Brückenpfeiler des Ortmannsdorfer Viadukts, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Garagen zwischen Empfangsgebäude und Lokschuppen am Bahnhof Ortmannsdorf, 2025.
Garagen zwischen Empfangsgebäude und Lokschuppen am Bahnhof Ortmannsdorf, 2025. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Fahrzeuge

Zu Beginn standen drei Lokomotiven der Gattung I K zur Verfügung, im Normalfall wurde nur eine benötigt.

Vor der Jahrhundertwende war in Mosel eine zweite als Rangierlok eingesetzt.

Die I K lief auf der Mülsengrundbahn bis in die 1920er-Jahre.

1898 kamen erstmals zwei IV K zum Einsatz, der Oberbau war aber noch zu schwach, erst mit seiner Verstärkung in den 1920er-Jahren übernahmen sie den Verkehr bis zur Stilllegung.

Nach der Stilllegung wurde der Großteil der Personenwagen zur Rbd Greifswald und der Güterwagen zur Rbd Schwerin umgesetzt.

So sieht es jetzt aus

Teile der Trasse sind Straßen und Wege, etwa Bahndamm Unterdorf und Bahndamm Oberdorf in Niedermülsen und Am Bahndamm in Mülsen St. Micheln.

Der Bahnhof Ortmannsdorf mit Lokschuppen und Streckenmarkierungen zeugt ebenso von der Bahn wie Widerlager und andere Überbleibsel.

Vorher und nachher: Ortmannsdorf

Früher hatte der Bahnhof sieben Gleise, ein zweistöckiges Empfangsgebäude mit Güterschuppen und ein zweiständiges Heizhaus.

Heute sind Empfangsgebäude und Heizhaus restauriert, zwischen ihnen stehen Garagen.

1869: Eine Petition für eine Strecke Zwickau–Mülsen St. Jacob–St. Egidien geht beim Landtag ein.

1870: Eine Privatbahngesellschaft erhält die Konzession, sie wird später zurückgezogen.

1879: Die Strecke Stollberg–St. Egidien wird eröffnet.

1880: König Albert besucht im Juli den Mülsengrund.

1884: Das Dekret zum Bahnbau ergeht am 4. Januar, der Bau beginnt am 15. Juli.

1885: Die Strecke wird am 1. November eröffnet.

1899: Der letzte Plan einer Verbindung mit Wilkau–Wilzschhaus wird abgelehnt.

1909: Das Bahnhofshotel in Mülsen St. Jacob ersetzt das Schankwirtschaftsgebäude.

1919: Sonntags fahren keine Züge mehr.

1936: Buslinien durch den Mülsengrund beginnen.

1939: Am 14. Mai verkehren die vorerst letzten Personenzüge.

1944: Ab 1. Mai fährt die Schmalspurbahn wieder Personen.

1945: Am 15. Juli ziehen die amerikanischen Truppen ab.

1951: Am 21. Mai wird der Verkehr eingestellt, im Juli ist der Abbau fertig.

2011: Der Arbeitskreis Mülsengrundbahn verlegt ein Gleisjoch in Niedermülsen.

Wie lang war die Mülsengrundbahn?
Die Strecke war rund 14 Kilometer lang, das Streckenende lag bei Kilometer 13,997.
Wann wurde sie eröffnet?
Am 1. November 1885.
Wann wurde sie stillgelegt?
Am 21. Mai 1951 wurde der Verkehr endgültig eingestellt, der Abbau war im Juli 1951 fertig.
Warum wurde die Strecke eingestellt?
Als Begründung galt der Bedarf an Material für den Berliner Außenring.
Was ist heute noch zu sehen?
Der Bahnhof Ortmannsdorf mit Empfangsgebäude und Heizhaus, die Wartehallen in Stangendorf und Mülsen St. Micheln und Widerlager des Viadukts.

Die Mülsengrundbahn fuhr 66 Jahre, von 1885 bis 1951.

Der Arbeitskreis Mülsengrundbahn und die Dampfbahn-Route Sachsen halten in Niedermülsen die Erinnerung wach.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Schmalspurbahn Mosel–Ortmannsdorf · Wikimedia Commons: Fotos der Mülsengrundbahn

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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