Die Wieslauterbahn: Zwei Halte zwischen Stilllegung 1966 und Saisonverkehr
Auf der Wieslauterbahn endete 1966 der reguläre Personenverkehr. Seit 1997 fahren wieder Züge, und aus den Bahnhöfen Busenberg-Schindhard und Bruchweiler wurden Haltepunkte.


Strecke: Hinterweidenthal Ost – Bundenthal-Rumbach. Status: regulärer Personenverkehr 1966 beendet, Saisonverkehr seit 1997. Heute: Busenberg-Schindhard und Bruchweiler sind Haltepunkte an der Strecke.
Die Wieslauterbahn ist eine Nebenbahn in Rheinland-Pfalz, die in Hinterweidenthal Ost von der Strecke Landau–Rohrbach abzweigt und über Dahn nach Bundenthal-Rumbach führt.
Am 25. September 1966 endete hier der reguläre Personenverkehr.
Seit 1997 fahren wieder Züge, im Kern an Sonn- und Feiertagen und zusätzlich mittwochs und samstags, und zwar zwischen Frühjahr und Herbst.
Dieser Beitrag behandelt zwei Unterwegshalte der Strecke, Busenberg-Schindhard und Bruchweiler, die früher Bahnhöfe waren und heute als Haltepunkte an der Strecke liegen.
Der Endbahnhof Bundenthal-Rumbach hat einen eigenen Beitrag.
Alte freie Fotos der beiden Halte liegen nicht vor, deshalb zeigen die Bilder vor allem die Strecke und die Bahnhöfe in Dahn, Hinterweidenthal Ost und Reichenbach.
Wie die Strecke entstand
Erste Pläne für eine Bahn durch den Wasgau gab es schon 1862.
Damals stand das Vorhaben in Konkurrenz zur Südpfalzbahn Landau–Zweibrücken, die 1874 und 1875 eröffnet wurde.
Aus den frühen Plänen entstand zunächst nur die 1870 eröffnete Strecke Winden–Bad Bergzabern.
In den 1890er Jahren kamen die Bestrebungen wieder auf.
Besonders der Dahner Rentamtmann Ludwig Foohs setzte sich für einen Bahnanschluss seines Heimatortes ein.
Über den Streckenverlauf gab es unterschiedliche Vorstellungen: Bergzabern wollte die Stichstrecke ab Winden bis Dahn verlängern, Dahn strebte dagegen eine Strecke nach Weißenburg an.
1904 wurde das Projekt in einem Gesetz genehmigt.
Der staatliche Zuschuss betrug insgesamt 1.699.700 Mark.
Mit dem Bau begann man erst 1909.

Für die neue Strecke entstand an der Südpfalzbahn der Abzweigbahnhof Kaltenbach Ost.
Er heißt heute Hinterweidenthal Ost.
Am 1. Dezember 1911 fand die Eröffnung statt.
Der erste Zug fuhr in Richtung Bundenthal, wurde von einer Dampflokomotive der Gattung T 4.I gezogen und war mit blau-weißen Fahnen geschmückt.
An allen Bahnhöfen war der Andrang der Bevölkerung am Eröffnungstag sehr groß.

So sah es vorher aus: Die ersten Jahrzehnte
Der erste Fahrplan verzeichnete vier Zugpaare.
Drei Jahre später waren werktags zwei weitere hinzugekommen, und eines davon endete bereits in Busenberg-Schindhard.
1914 fuhren sonn- und feiertags acht Zugpaare, von denen eines bis nach Landau durchgebunden wurde.
Die Bahn brachte dem Tourismus in der Region einen Aufschwung.
Auf Initiative des Pfälzerwald-Vereins verkehrte schon wenige Jahre nach der Eröffnung jeden Sonntag ein Ausflugszug von Landau nach Bundenthal-Rumbach.
1931 war das sonntägliche Angebot doppelt so hoch wie an den übrigen Wochentagen.
Hinzu kam der inoffiziell „Bundenthaler“ genannte Ausflugszug, der vormittags in Neustadt begann und abends zurückfuhr.
Die Reichsbahn wollte ihn zum Winterfahrplan 1932/33 streichen, verwarf den Plan aber nach heftigem Protest der Bevölkerung.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges lag die Strecke in der sogenannten Roten Zone, einem 20 Kilometer breiten Streifen an der Grenze zu Frankreich.
Die Bewohner wurden evakuiert, und der Personenverkehr kam zunächst zum Erliegen.
Zwischen 1940 und 1944 fuhren dann täglich fünf Zugpaare.
Mitte der 1950er Jahre hatte die Strecke den dichtesten Personenverkehr ihrer Geschichte.
Werktags fuhren acht Zugpaare zwischen Hinterweidenthal und Bundenthal-Rumbach, sonntags ein weiteres.
Die Leistungen übernahmen ab dieser Zeit hauptsächlich Uerdinger Schienenbusse der Baureihen VT 95 und VT 98.
Der „Bundenthaler“ war 1951 wieder in Betrieb genommen worden und fuhr zu dieser Zeit schon ab Ludwigshafen.
Busenberg-Schindhard: vom Bahnhof zum Haltepunkt
Der Halt liegt nicht auf der Gemarkung von Busenberg oder Schindhard, die einige Kilometer entfernt sind.
Er befindet sich auf der Gemarkung von Dahn, auf Höhe des Ortsteils Reichenbach.
Seinen Namen erhielt er, weil er hauptsächlich Busenberg, Schindhard und Erfweiler diente.
Inoffiziell wurde er deshalb oft einfach Reichenbach genannt.
Früher war er ein Bahnhof, später wurde er zu einem Haltepunkt zurückgebaut.
Ab den 1930er Jahren gab es hier ein Stellwerk, das inzwischen in ein Ferienhaus umgewandelt wurde.
1967 wurde das Personal abgezogen, ein Jahr nach dem Ende des regulären Personenverkehrs.
Noch in den 1980er Jahren besaß der Haltepunkt ein Anschlussgleis.

1983 erwarb ein Schreiner das heruntergekommene frühere Empfangsgebäude.
Er baute es zu einem Restaurant um.
1998 erhielt das Haus einen Anbau, zwei Jahre später wurde der Außenbereich verändert.
Im März 1998 ließ sich der Zirkus Althoff für einige Tage in Reichenbach nieder.
Da der Güterverkehr in der Region bereits deutlich zurückgegangen war, bedeutete der Transport der Elefanten eine große logistische Herausforderung.
Eine Diesellok und ein spezieller Güterwagen brachten die Tiere bis zur Station Busenberg-Schindhard.
Für die Zukunft ist geplant, einen neuen Bahnsteig in veränderter Position anzulegen und den bestehenden aufzugeben.
Immer wieder wird auch überlegt, das Anschlussgleis für den Versand von Rundholz zu aktivieren, wofür ein geeigneter Verladeplatz entstehen müsste.

Bruchweiler: Haltepunkt ohne Empfangsgebäude
Der Unterwegshalt Bruchweiler wird auch als Bruchweiler-Bärenbach bezeichnet.
Er liegt am Ortseingang von Bruchweiler-Bärenbach.
Früher war er ein Bahnhof, der im Rahmen von Rationalisierungsmaßnahmen zum Haltepunkt zurückgebaut wurde.
Ein Empfangsgebäude besaß er zu keinem Zeitpunkt, es gab lediglich ein Wartehäuschen.
In den 1950er Jahren verkaufte ein örtlicher Gemüsehändler die Fahrkarten.
Bruchweiler-Bärenbach gehört zu den vier Gemeinden, deren Gebiet die Wieslauterbahn durchquert, neben Hinterweidenthal, Dahn und Bundenthal.
Niedergang: Das Ende des regulären Personenverkehrs
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Autoverkehr deutlich zu, und die Strecke wurde weniger genutzt.
Die Bundesbahn führte parallel Bahnbusverkehr ein und beantragte beim Bundesverkehrsministerium, den Personenverkehr einzustellen.
Sie erklärte den Betrieb der Wieslauterbahn für unrentabel.
Am 25. September 1966 stellte sie den Personenverkehr ein.
Die Bevölkerung protestierte so heftig, dass sich die Abschiedsfahrt des letzten fahrplanmäßigen Zuges am 24. September 1966 im Dahner Bahnhof um mehrere Stunden verzögerte.
Nur der Ausflugszug „Bundenthaler“ fuhr wegen der großen Nachfrage zunächst weiter.
Im Mai 1976 fuhr auch er zum letzten Mal.
Danach gelangten abgesehen von Güterzügen nur noch Sonderzüge auf die Strecke.
Im Güterverkehr spielte die regionale Holzwirtschaft eine große Rolle.
1972 empfing die Strecke 8.495 Tonnen Stückgut, zehn Jahre später nur noch 3.750 Tonnen.
Die letzten Holztransporte fanden im Sommer 1987 statt.
1992 gab die US-Armee das Tanklager bei Hinterweidenthal auf, und die Strecke verlor ihre strategische Bedeutung.
Am 30. Mai 1995 endete der Güterverkehr offiziell, der letzte Güterzug war am 2. Mai gefahren.
Die Bundesbahndirektion Saarbrücken wollte die Strecke damals ganz stilllegen.
Dazu legte sie alle Kosten für den Unterhalt auf die wenigen Sonderzüge um.

Wiederbelebung seit 1997
Viele Bürger wollten sich mit der Einstellung nicht abfinden.
1987 gründete sich der Verein Eisenbahnfreunde Dahn e. V., der die Strecke vor der Stilllegung bewahren und unter Denkmalschutz stellen wollte.
Am 1. Juni 1997 wurde die Wieslauterbahn reaktiviert, zunächst nur an Sonn- und Feiertagen.
Zunächst verkehrten zwei Zugpaare, bald doppelt so viele.
Auch der „Bundenthaler“ fuhr wieder, damals zunächst ab Neustadt.
Neuer Eigentümer der Strecke war die Verbandsgemeinde Dahner Felsenland.
Sie gab 180.000 D-Mark für die Sanierung aus, die Verbandsgemeinde Hauenstein steuerte 20.000 D-Mark bei und der Landkreis Südwestpfalz 100.000 D-Mark.
2001 wurden Pläne der Stadt Dahn bekannt, auf 800 Metern die Trasse einer Umgehungsstraße weichen zu lassen.
Auch dagegen regte sich Widerstand vor Ort.
2006 schrieb man die Strecke öffentlich aus, vier Eisenbahninfrastrukturunternehmen bewarben sich.
Den Zuschlag erhielt die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft, die die Strecke am 1. September 2007 für zehn Jahre pachtete.
Die Fahrgastzahlen stiegen seit den 2000er Jahren, 2009 betrug der Zuwachs nach einer Angabe 40 Prozent.

2023 kündigte die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft den Pachtvertrag zum 31. August.
Hintergrund war ein Streit um Fördermittel des Landes für eine geplante Grundsanierung.
Im Januar 2024 übergab das Land einen Fördermittelbescheid über 8,7 Millionen Euro, danach zog das Unternehmen die Kündigung zurück.
Die Übergabe war am Haltepunkt Busenberg-Schindhard angekündigt, die Förderung umfasst auch die Sanierung des Anschlussgleises zum Tanklager und einen Holzverladeterminal.
Das Land hatte seine Unterstützung schon im September 2022 zugesagt.
Auf einem Teilabschnitt soll Langholz transportiert werden.
Im April 2025 stellte der Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd eine Kosten-Nutzen-Analyse für einen planmäßigen Personenverkehr an allen Wochentagen vor.
Sie rechnete mit 1.220 Personenfahrten pro Tag und einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,3.
In der Ausschreibung des Pfalznetzes fand ein solcher Verkehr jedoch keine Berücksichtigung, bis Juni 2037 sind nur Saisonzüge ausgeschrieben.
Vom 13. bis 24. Oktober 2025 bot der Zweckverband eine „Bahnzeitreise“ an, bei der täglich ein historischer Zug zwischen Hinterweidenthal Ost und Bundenthal-Rumbach fuhr.

Bundenthal-Rumbach: der Endbahnhof
Bundenthal-Rumbach ist ein Kopfbahnhof und der Endpunkt der Wieslauterbahn.
Von 1921 bis 1930 begann hier außerdem die schmalspurige Wasgauwaldbahn nach Ludwigswinkel.
Zu diesem Bahnhof gibt es einen eigenen Beitrag: Der Bahnhof Bundenthal-Rumbach.
So sieht es jetzt aus
Busenberg-Schindhard und Bruchweiler sind heute Haltepunkte an der Wieslauterbahn.
Das frühere Empfangsgebäude in Reichenbach wurde zum Restaurant umgebaut, das Stellwerk zum Ferienhaus.
In Bruchweiler gab es nie ein Empfangsgebäude.
Planmäßiger Personenverkehr findet in den Monaten Mai bis Oktober statt, an Wochenenden und Feiertagen sowie mittwochs.
Jahrzehntelangen Stilllegungsplänen begegneten die Anwohner der Region wiederholt mit Widerstand, und die Strecke blieb so erhalten.
Die Geschichte in Daten
1862: Erste Pläne für eine Bahn durch den Wasgau.
1904: Ein Gesetz genehmigt das Projekt.
1909: Beginn des Baus.
1. Dezember 1911: Eröffnung der Wieslauterbahn.
1951: Der Ausflugszug „Bundenthaler“ wird wieder in Betrieb genommen.
25. September 1966: Der reguläre Personenverkehr wird eingestellt.
1967: In Busenberg-Schindhard wird das Personal abgezogen.
Mai 1976: Der „Bundenthaler“ fährt zum letzten Mal.
1983: Ein Schreiner erwirbt das frühere Empfangsgebäude in Busenberg-Schindhard und baut es zum Restaurant um.
1987: Gründung des Vereins Eisenbahnfreunde Dahn.
30. Mai 1995: Der Güterverkehr endet offiziell.
1. Juni 1997: Reaktivierung an Sonn- und Feiertagen.
1. September 2007: Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft pachtet die Strecke.
Januar 2024: Übergabe eines Fördermittelbescheids über 8,7 Millionen Euro.
13. bis 24. Oktober 2025: Die Bahnzeitreise fährt zwischen Hinterweidenthal Ost und Bundenthal-Rumbach.
Häufige Fragen
Wann endete der reguläre Personenverkehr auf der Wieslauterbahn?
Seit wann fahren wieder Personenzüge?
Was wurde aus dem Bahnhof Busenberg-Schindhard?
Hatte Bruchweiler ein Empfangsgebäude?
Wer betreibt die Strecke?
Gibt es einen Beitrag zum Endbahnhof?
Wikipedia: Wieslauterbahn · Wochenblatt Reporter: Wieslauterbahn soll wieder regelmäßig verkehren (5. Januar 2024)
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