Hannoverscher Bahnhof Osnabrück: Erst Hauptbahnhof, dann Verwaltung
Der Hannoversche Bahnhof war ab 1855 der erste Hauptbahnhof Osnabrücks und sah 1895 seine letzten Reisezüge. Danach nutzte die Bahn das Gebäude noch bis 2004, im Kalten Krieg entstand davor ein Atombunker.


Lage: Osnabrück, an der Wittekindstraße. Status: Reisezüge bis 1895, Güterverkehr bis 1913. Heute: Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude ist in Privatbesitz und an gewerbliche Nutzer vermietet.
Der Hannoversche Bahnhof in Osnabrück war der erste Hauptbahnhof der Stadt und ist seit 1895 ohne Reisezüge.
Der Hauptbahnhof, der ihn damals ablöste, ist in Betrieb und nicht Thema dieses Beitrags.
Das Empfangsgebäude des alten Bahnhofs steht unter Denkmalschutz und ist heute in Privatbesitz.
Alte freie Fotos aus der Betriebszeit sind nicht belegt, aus der Frühzeit gibt es nur eine Zeichnung von 1865.
Im Kalten Krieg entstand vor dem Gebäude ein Atombunker.
Wie die Bahn nach Osnabrück kam
Ab 1844 wurden verschiedene Streckenvorschläge für eine Bahn im Westen des Königreichs Hannover entwickelt, 1848 wurde die Trasse endgültig festgelegt.
In Osnabrück standen eine westliche Variante mit einem Bahnhof am Johannistor und eine östliche zur Wahl.
Die östliche Variante setzte sich durch.
Bürgermeister Johann Carl Bertram Stüve unterstützte sie, um die heimische Wirtschaft zu fördern.
Sie verlief näher an der Zeche und am Steinbruch auf dem Piesberg.
Die Stadt stellte die Grundstücke für Strecke und Bahnhöfe bereit und baute die Piesbergbahn selbst.
Im November 1855 ging der Abschnitt von Löhne nach Osnabrück in Betrieb.
Bis zur Fertigstellung der Strecke Richtung Rheine im Juni 1856 war der Bahnhof Endpunkt der Hannoverschen Westbahn.
So sah es vorher aus: Werkstätten, Kokerei und ein Sandsteinbau
Mit dem Bau des Empfangsgebäudes wurde im Herbst 1856 begonnen, bis dahin diente ein Provisorium.
Im Oktober 1858 wurde der Betrieb im Hauptgebäude eröffnet.
Als Planverfasser gilt vermutlich der Baurat Adolph Funk.
Das Hauptgebäude war ein dreistöckiger Sandsteinbau, dessen Mitte ein hohes Portal prägt.
Es gab Wartesäle für die 1. und 2. Klasse sowie für die 3. und 4. Klasse, ein Nichtraucherzimmer, Packräume für die Post und Dienstwohnungen, unter anderem für den Bahnhofsvorsteher.

Der Güterschuppen nahm am 5. Dezember 1855 den Betrieb auf.
Dazu kamen ein Lokschuppen mit drei Gleisen und eine Reparaturwerkstatt mit Schiebebühne.
Die Bahn betrieb eine eigene Kokerei, weil die hannoverschen Lokomotiven mit Koks fuhren.
Die Kohle kam aus Borgloh und wurde mit Pferdegespannen herangeschafft.
Der Anschluss zum Piesberg war 1857 fertig, die Gasanstalt erhielt bis 1858 einen Gleisanschluss.
Osnabrück war außerdem Sitz der Westbahn-Inspection III.
1866 wurde Hannover preußische Provinz, und die Preußische Staatsbahn übernahm die Anlagen.
1871 entstand am Klushügel der Bremer Bahnhof der Cöln-Mindener Eisenbahn.
Er war über die heutige Kluskurve mit dem Hannoverschen Bahnhof verbunden.
Ab 1876 war der Bahnhof Endpunkt der Oldenburger Südbahn, und die Personenzüge der Oldenburgischen Eisenbahn endeten hier.
Bis etwa 1879 wuchs die Anlage auf zehn Gleise zwischen Güterschuppen und Werkstatt, zwei davon für Personen und acht für Güter.
Dazu kamen drei Bahnsteigkanten und ein Ringlokschuppen mit 20 Stellplätzen.
Um 1890 war der Bahnhof eine Personen- und Güterstation 1. Klasse mit 263 Beschäftigten.
Er hatte 58 Weichen, und zum Betriebswerk gehörten 19 Lokomotiven.
1893 und 1894 wurden dort 198.875 Tonnen Waren und 19.823 Stück Vieh umgeschlagen.
Das Ende der Reisezüge im Jahr 1895
Der Bau der Hamburg-Venloer Bahn machte einen Kreuzungsbahnhof nötig.
Am 24. April 1895 ging deshalb der neue Centralbahnhof in Betrieb, der heutige Hauptbahnhof.
Am 1. Mai 1895 wurden die Personenzüge der Westbahn und der Oldenburgischen Bahn dorthin verlegt.
Um 1900 wurden die Bahnsteige des Hannoverschen Bahnhofs zurückgebaut.
1896 eröffnete der Haltepunkt Hasetor, der heutige Bahnhof Osnabrück Altstadt, als zusätzlicher Ersatz für den nun weiter entfernten Hauptbahnhof.
Der Güterumschlag lief bis 1913 weiter, bis der Güter- und Verschiebebahnhof Fledder fertig war.
Danach wurden der Ringlokschuppen und die Werkstätten abgerissen.
An der Sandbachstraße blieb eine Gleisgruppe für Personenwagen erhalten.
Bis 1967 wurden die Wagen dort mit einer Dampflok vorgeheizt, nach der Elektrifizierung des oberen Personenbahnhofs 1966 folgte eine elektrische Zugvorheizanlage.
Die Gleisgruppe hat heute vier elektrifizierte Stumpfgleise.
Ämter, Bunker und DB Netz
Nach 1895 nutzte die Bahn das Empfangsgebäude als Verwaltungsgebäude für Betriebsamt, Maschinenamt und später die Generalvertretung.
1931 war es ein Ämtergebäude.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der östliche Gebäudeflügel zerstört und später durch einen funktionalen Anbau ersetzt.
Haupt- und Westflügel wurden wieder hergerichtet, dort saßen verschiedene Ämter der Bundesbahn.
Im Kalten Krieg wurde vor dem Gebäude ein Atombunker gebaut.
Von dort sollte im Verteidigungsfall der Bahnverkehr in Norddeutschland gesteuert werden.
Weitere Einzelheiten zum Bunker sind nicht belegt.
Ab dem 1. Januar 1997 hatte die DB Netz hier ihren Standort Osnabrück.
Anfang 2004 zog sich die Deutsche Bahn aus dem Gebäude zurück, die DB Netz zog an die Schinkelstraße um.
So sieht es jetzt aus
2012 wurde das Gebäude von Bahnzwecken entwidmet und verkauft.
Ein Bürger aus Melle erwarb es, 2013 ging es an ein Unternehmen aus Recke weiter.
Das Unternehmen ließ das Gebäude 2014 und 2015 sanieren und umbauen.
Der Anbau anstelle des zerstörten Ostflügels wurde energetisch modernisiert, ein gläserner Absatz trennt ihn vom Hauptgebäude.
Seit 2015 gibt es acht Mieteinheiten für Dienstleistungsunternehmen, auch die DB E&C hat dort Büros.
Das Gebäude ist in Privatbesitz und an gewerbliche Nutzer vermietet.
Vorher und nachher: von der Zeichnung zum Foto
Die Zeichnung von 1865 zeigt den Bahnhof aus der Zeit, als hier noch Reisezüge der Westbahn endeten.
Das Foto von 2019 zeigt das Gebäude nach der Sanierung von 2014 und 2015.

Die Geschichte in Daten
1855: Im November geht die Strecke Löhne–Osnabrück in Betrieb, der Hannoversche Bahnhof ist Endpunkt.
1856: Im Juni wird die Strecke Richtung Rheine fertig. Im Herbst beginnt der Bau des Empfangsgebäudes.
1857: Der Anschluss zum Piesberg ist fertig.
1858: Im Oktober wird der Betrieb im Hauptgebäude eröffnet.
1871: Der Bremer Bahnhof der Cöln-Mindener Eisenbahn entsteht am Klushügel.
1876: Der Bahnhof wird Endpunkt der Oldenburger Südbahn.
1895: Am 24. April geht der neue Centralbahnhof in Betrieb, am 1. Mai werden die Personenzüge dorthin verlegt.
1896: Der Haltepunkt Hasetor eröffnet.
1913: Der Güterumschlag endet mit der Fertigstellung des Güterbahnhofs Fledder.
1997: Die DB Netz bezieht das Gebäude.
2004: Die Deutsche Bahn zieht sich aus dem Gebäude zurück.
2012: Das Gebäude wird entwidmet und verkauft.
2015: Nach der Sanierung wird es an gewerbliche Nutzer vermietet.
Häufige Fragen
Seit wann fahren hier keine Reisezüge mehr?
Ist der Hauptbahnhof Osnabrück auch stillgelegt?
Was ist von dem alten Bahnhof erhalten?
Gab es hier wirklich einen Atombunker?
Wer plante das Empfangsgebäude?
Kann man das Gebäude besuchen?
Nach dem Ende der Reisezüge im Jahr 1895 nutzte die Bahn das Gebäude noch bis 2004.
Wikipedia: Osnabrück Hannoverscher Bahnhof · osnabahn.de: Die Osnabrücker Hauptbahnhöfe, Teil 1: Der Hannoversche Bahnhof zu Osnabrück
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