Die Westeifelbahn: stille Halte von Müllenborn bis Lommersweiler
Die Westeifelbahn zweigte in Gerolstein ab und führte über Prüm und Bleialf bis nach Belgien. Heute liegen auf ihrer Trasse Radwege, in Pronsfeld steht ein Freilichtmuseum und in Bleialf ein Tunnel voller Fledermäuse.

Lage: Eifelkreis Bitburg-Prüm und Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz, bis zur belgischen Grenze. Status: Die Strecke ist stillgelegt, zwischen Prüm und Bleialf verlaufen Radwege auf der Trasse. Heute: Freilichtmuseum in Pronsfeld, Restaurant im Bahnhof Bleialf, Tunnel im Sommer geöffnet.
Die Westeifelbahn, auch Prümtalbahn genannt, zweigte in Gerolstein von der Eifelstrecke ab.
Sie führte als Nebenbahn über Prüm bis nach Lommersweiler, das bis 1918 zum Deutschen Reich gehörte und heute in Belgien liegt.
Eröffnet wurde sie 1883, stillgelegt 2001.
Dieser Beitrag geht die Halte der Reihe nach ab: Müllenborn, Büdesheim, Prüm, Watzerath, Pronsfeld, Bleialf, Ihren und Lommersweiler.
Alte freie Fotos der Halte liegen auf Wikimedia Commons nicht vor, die Bilder zeigen den heutigen Zustand.
Für Büdesheim, Müllenborn, Watzerath, Ihren und Lommersweiler fehlen freie Bilder ganz, dort bleibt es bei Text.
Die Strecke und ihre Geschichte
Im Februar 1881 ermächtigte der preußische Landtag die Regierung, die Bahn zu bauen.
Die Regierung begründete den Antrag mit der „wahrhaft trostlosen Lage“ der Gegend.
Am 22. Dezember 1883 wurde der erste Abschnitt zwischen Gerolstein und Prüm eröffnet.
Am 1. Oktober 1886 folgte der Abschnitt von Prüm nach Bleialf.
Genau zwei Jahre später, am 1. Oktober 1888, wurde der Abschnitt bis Lommersweiler freigegeben.
Am 6. Juli 1907 kamen in Pronsfeld die Stichstrecken nach Waxweiler und Neuerburg hinzu.
Die Bauten erfolgten auch unter militärstrategischen Gesichtspunkten im Zusammenhang mit dem Schlieffen-Plan für einen Angriff auf Belgien.
Deshalb wurde 1910 ein zweites Gleis von Gerolstein bis Sankt Vith gebaut.
1914 fuhren täglich sechs Zugpaare zwischen Gerolstein und Sankt Vith.
Nach dem Friedensvertrag von Versailles verschob sich die Grenze, und Bleialf wurde zum Grenzbahnhof mit Zollstation und Passkontrolle.
Ab 1920 verkehrten täglich zwei Zugpaare bis Sankt Vith.
Das zweite Streckengleis wurde 1930 gemäß dem Versailler Vertrag abgebaut.
Im Zweiten Weltkrieg, vor allem 1944, sprengten Soldaten der Wehrmacht Brücken und Viadukte, um den Vormarsch der Westalliierten zu bremsen.
Der Abschnitt Gerolstein–Prüm ging am 22. November 1948 wieder in Betrieb.
Die weitere Strecke bis Ihren folgte am 17. Oktober 1949.
Die Strecke auf belgischem Gebiet wurde nicht wieder aufgebaut.
Den Verkehr bewältigten fortan Schienenbusse.
Der Niedergang in Etappen
Am 1. Januar 1966 endete der Personenverkehr zwischen Pronsfeld und der Landesgrenze bei Ihren.
Der Abschnitt zwischen Bleialf und der Grenze wurde an diesem Tag für den gesamten Verkehr stillgelegt.
Zwischen Prüm und Pronsfeld verkehrten seit dem 28. Mai 1972 keine planmäßigen Personenzüge mehr.
Im selben Jahr wurden die Haltepunkte Müllenborn Ort und Schwirzheim neu eingerichtet.
Am 27. September 1980 endete der Personenverkehr zwischen Gerolstein und Prüm.
Im Mai 1987 wurde der Abschnitt zwischen Pronsfeld und Bleialf für den gesamten Verkehr stillgelegt.
Auf dem Rest endete der Güterverkehr zwischen Prüm und Pronsfeld am 31. Dezember 1994.
Zwischen Gondelsheim und Prüm endete er am 30. Juni 1996, zwischen Gerolstein und Gondelsheim am 1. Juni 1999.
Im Dezember 2000 hielt als letzter Zug ein Sonderzug der örtlichen Eisenbahnfreunde in Prüm.
Am 11. Juni 2001 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung zwischen Gerolstein und Pronsfeld.
Müllenborn
Müllenborn ist heute ein Stadtteil von Gerolstein.
Den Bahnanschluss erhielt der Ort 1883 mit der Eröffnung des Abschnitts Gerolstein–Prüm.
Der Personenverkehr endete 1980, der Güterverkehr 1999.
1972 wurde zusätzlich ein Haltepunkt Müllenborn Ort eingerichtet.
Anfang 2017 stellte der Geschäftsführer der Vulkaneifelbahn der Stadt Gerolstein Pläne für eine Tourismusbahn zwischen Gerolstein und Müllenborn vor.
Im September 2018 wurde jedoch die Bahnbrücke über die Kyll bei Lissingen abgerissen, damit ist die Verbindung kurz hinter Gerolstein unterbrochen.
Büdesheim
Büdesheim liegt an der Bundesstraße 410, jeweils etwa zehn Kilometer von Prüm und Gerolstein entfernt.
1883 wurde die Westeifelbahn durch das Vlierbachtal gebaut, mit einem Bahnhof in Büdesheim.
Die Strecke ist dort seit 1980 nicht mehr in Betrieb.
Zum Gebäude und zum Gleisplan sind keine weiteren Angaben belegt.
Prüm
Prüm wurde am 22. Dezember 1883 mit der Westeifelbahn ans Eisenbahnnetz angeschlossen.
Zuerst war es Endpunkt der Strecke, ab Oktober 1886 ging es weiter nach Bleialf.
Der Personenverkehr nach Pronsfeld endete am 28. Mai 1972, der nach Gerolstein am 27. September 1980.
Danach fuhren nur noch einzelne Güterzüge, bis Ende 1994 auf dem Abschnitt nach Pronsfeld und bis 1996 bis Gondelsheim.
Im Dezember 2000 fuhr der letzte Zug, ein Sonderzug der Eisenbahnfreunde.
Später wurden die Gleise ab dem Bahnübergang Prümtalstraße in Prüm abgebaut.

Zwischen Prüm und Pronsfeld wurde die Strecke im Frühjahr 2006 zurückgebaut.
Seit Juni 2006 ist die Trasse asphaltiert und Teil des Prümtal-Radwegs.
Auf dem Abschnitt Gerolstein–Prüm lagen die Gleise dagegen noch.
Die Verbandsgemeinde Prüm und die Stadt Gerolstein erwarben die Trasse 2005 für 430.000 Euro.
Watzerath
Durch die Bahn erlebte Watzerath einen leichten Aufschwung.
Etwa um 1900 erhielt der Ort eine Fahrkartenstelle und später einen eigenen Bahnhof.
Zuletzt lag dort der Haltepunkt Watzerath.
Beim Ende des Personenverkehrs gehen die Angaben auseinander: Für den Abschnitt Prüm–Pronsfeld wird der 28. Mai 1972 genannt, der Ortsartikel spricht von 1973.
Pronsfeld: der Knoten der Westeifel
Pronsfeld erhielt mit der Eröffnung des Abschnitts Prüm–Bleialf am 1. Oktober 1886 Bahnanschluss.
Am 6. Juli 1907 wurde aus dem Durchgangsbahnhof ein Trennungsbahnhof, als die Strecken nach Neuerburg und Waxweiler eröffnet wurden.
Bei der Reichsbahn arbeiteten dort bis zu 50 Arbeiter und Beamte.
Im Ersten Weltkrieg war der Bahnhof für den Aufmarsch gegen Belgien von Bedeutung.
Beim Bau des Westwalls wurde er zu einem Hauptumschlagplatz für Baumaterial.
1943 hatte der Bahnhof acht Doppelkreuzweichen, zwei Bahnsteige mit Unterführung zum Bahnhofsgebäude und einen Luftschutzkeller.
Dazu kamen eine 530 Meter lange Laderampe, eine Gleiswaage, zwei Stellwerke und ein Schuppen für die Kleinlok.
Es gab Übernachtungsbaracken, eine Betriebsküche, eine Werkstatt, ein Bahnhofsmagazin und eine Postbude.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Brücken gesprengt, am 17. Oktober 1949 lief der Verkehr auf allen Strecken wieder.
Am 1. Januar 1966 endete der Personenverkehr nach Ihren und nach Waxweiler.
Der Personenverkehr auf der Enztalbahn folgte am 1. Juni 1969, der nach Prüm am 28. Mai 1972.
Nach dem Ende des Güterverkehrs nach Bleialf und Waxweiler im Mai 1987 war Pronsfeld wieder ein Durchgangsbahnhof.
Als der Güterverkehr nach Neuerburg am 18. Mai 1989 eingestellt wurde, war es Endbahnhof.
Am 11. Juni 2001 endete der Güterverkehr auf dem Rest der Westeifelbahn bis Gerolstein.

Am früheren Bahnübergang der Habscheider Straße steht seit 2006 eine Rangierlok Köf II, die Deutz baute.
Die Lok war von 1959 bis 1984 bei der Deutschen Bundesbahn und danach bei einer Metallrecyclingfirma in Bremen-Hemelingen im Einsatz.
Ehrenamtliche restaurierten sie in den Originalzustand.
2007 kamen sie und ein Flachgüterwagen als erster Teil eines kleinen Eisenbahnfreilichtmuseums ans Gleis.




Die vier von Pronsfeld ausgehenden Trassen wurden zu asphaltierten Radwegen ausgebaut.
Bei dem alten Bahnhof gibt es einen Wanderparkplatz mit ausgeschilderten Rundwanderwegen.
Bleialf: Grenzbahnhof mit Tunnel
Der Bahnhof Bleialf liegt etwa einen Kilometer südwestlich vom Ortszentrum bei Kilometer 43,2, gezählt ab Gerolstein.
Am 1. Oktober 1886 ging die Strecke von Prüm bis hierher in Betrieb, am 1. Oktober 1888 wurde sie nach Sankt Vith verlängert.
1914 hielten täglich vier Personenzugpaare.
Nach dem Versailler Vertrag wurde Bleialf zum Grenzbahnhof mit Zollamt.
Am 10. September 1944 wurde der Betrieb zwischen Pronsfeld und Sankt Vith eingestellt, das Empfangsgebäude hatte Artilleriebeschuss abbekommen, ein Stellwerk war völlig zerstört.
Nach dem Krieg wurde von Bleialf aus Holz aus der Schneifel als Reparationsleistung nach Belgien gefahren.
Der letzte Betriebseisenbahner wurde zum 1. Dezember 1961 abgezogen.
Der Verkehr zwischen Bleialf und Ihren endete zum 31. Dezember 1965, zugleich der Personenverkehr nach Prüm.
Der Güterverkehr hielt bis Mai 1987, einige Monate später wurde die Strecke abgebaut.

Das Empfangsgebäude wurde an private Eigentümer verkauft, stand mehrere Jahre leer und wurde aufwendig restauriert.
Im Erdgeschoss ist heute ein Restaurant, darüber gibt es zwei Wohnungen.
Das Gebäude steht nicht in der Denkmalliste des Landkreises, ist aber in einer Datenbank der Kulturgüter der Region Trier verzeichnet.
Rund 200 Meter vom Bahnhof entfernt liegt der Bleialfer Tunnel, 400 Meter lang und aus zwei Röhren bestehend.
Die ältere Röhre ging 1888 mit dem letzten Abschnitt in Betrieb, die zweite folgte am 1. Januar 1917.
Die alte Röhre wurde 1918 geschlossen, der Grund ist nicht belegt, und 1945 gesprengt.
Der letzte Zug fuhr am 31. Dezember 1965 durch die neuere Röhre.
1972 wurde der Tunnel zugemauert, bis er am 17. Mai 2007 wieder geöffnet wurde.
Vom 1. November bis zum 31. März ist er gesperrt, weil Fledermäuse darin überwintern.
Zu Fledermäusen in alten Bahntunneln gibt es auf dieser Seite einen eigenen Beitrag: Stimmt es, dass alte Bahntunnel Fledermäuse beherbergen?


Ihren: Endpunkt an der Grenze
1925 wurde im Ort Ihren zwischen Bleialf und der belgischen Grenze ein Bahnhof gebaut.
Die Zollabfertigung blieb in Bleialf.
Nach dem Krieg wurde gut einen Kilometer westlich des Bahnhofs unmittelbar an der Grenze der Haltepunkt Ihren Grenze eingerichtet.
Weder dort noch im Bahnhof Ihren konnten Lokomotiven umsetzen, deshalb mussten die Züge nach Bleialf zurücksetzen.
Der Personenverkehr zwischen Pronsfeld und Ihren endete am 1. Januar 1966.
Zum Gebäude in Ihren sind keine weiteren Angaben belegt.
Lommersweiler: Ende der Strecke in Belgien
Lommersweiler liegt in Ostbelgien und gehört seit 1977 zur Stadt Sankt Vith.
Dort trafen die Westeifelbahn und die Vennbahn zusammen, Lommersweiler war Trennungsbahnhof.
Die Bahnstrecken durch den Ort sind seit Jahrzehnten stillgelegt und abgebaut.
Auf Teilen der Trasse verläuft heute der Eifel-Ardennen-Radweg von Sankt Vith nach Gerolstein.
Zum Bahnhofsgebäude sind keine Angaben belegt.
Vorher und nachher auf der Westeifelbahn
Vorher fuhren 1914 täglich sechs Zugpaare zwischen Gerolstein und Sankt Vith, und in Pronsfeld arbeiteten bis zu 50 Bahnbeschäftigte.
Nachher rollen Radfahrer über die Trasse, die zwischen Prüm und Bleialf heute der Eifel-Ardennen-Radweg nutzt.
Von den 29 Kilometern zwischen Prüm und Steinebrück an der Grenze verlaufen 21 Kilometer auf dem Bahndamm.
Zwischen Gerolstein und Prüm lagen die Gleise lange noch, Ende 2025 wurde mit dem Rückbau der Schienen begonnen.
Seit Juni 2021 ist die Entwidmung der Strecke rechtsgültig.
Die Geschichte in Daten
22. Dezember 1883: Gerolstein–Prüm wird eröffnet.
1. Oktober 1886: Der Abschnitt Prüm–Bleialf geht in Betrieb.
1. Oktober 1888: Die Strecke erreicht Lommersweiler.
6. Juli 1907: Die Stichstrecken Pronsfeld–Waxweiler und Pronsfeld–Neuerburg werden eröffnet.
1. Januar 1917: Zweite Röhre des Bleialfer Tunnels geht in Betrieb.
17. Oktober 1949: Der Verkehr bis Ihren beginnt wieder.
1. Januar 1966: Der Personenverkehr Pronsfeld–Ihren endet.
28. Mai 1972: Letzter planmäßiger Personenzug zwischen Prüm und Pronsfeld.
27. September 1980: Der Personenverkehr Gerolstein–Prüm endet.
Mai 1987: Pronsfeld–Bleialf wird für den gesamten Verkehr stillgelegt.
Dezember 2000: Letzter Zug, ein Sonderzug, hält in Prüm.
11. Juni 2001: Das Eisenbahn-Bundesamt genehmigt die Stilllegung Gerolstein–Pronsfeld.
17. Mai 2007: Der Bleialfer Tunnel wird für Radfahrer geöffnet.
September 2018: Die Kyllbrücke bei Lissingen wird abgerissen.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Personenzug der Westeifelbahn?
Kann man den Bleialfer Tunnel betreten?
Was gibt es heute in Pronsfeld zu sehen?
Liegen noch Gleise?
Wo kann man heute auf der Trasse fahren?
Die Westeifelbahn war für ihre Dörfer über lange Zeit die Verbindung zur Außenwelt.
Heute erinnern in Pronsfeld und Bleialf Museum und Restaurant an sie, und auf der Trasse zwischen Prüm und Belgien rollt der Radverkehr.
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