Stimmt es, dass …?
„Wegen Winterschlafs bleibt dieser Tunnel bis zum Frühjahr geschlossen, wir bitten um Verständnis bei den Fahrgästen mit Flügeln.“
Stimmt es, dass alte Bahntunnel Fledermäuse beherbergen?
→ Ein Mythos auf dem Prüfstand.
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Kurz gesagt
Ja, das stimmt. Viele stillgelegte Eisenbahntunnel dienen geschützten Fledermausarten als Winterquartier, und das hat Folgen, bis hin zu Radwegen mit Winterpause und einer Bahnstrecke, die für die Tiere eigene Tunnelröhren bekam.
Wenn auf einer Bahnstrecke keine Züge mehr fahren, wird es in ihren Tunneln still, dunkel und kühl.
Genau solche Orte suchen manche Tiere, wenn es draußen kalt wird.
Ob alte Bahntunnel wirklich zu Quartieren für Fledermäuse werden und was das für Radwege und Bahnprojekte bedeutet, klärt dieser Mythos-Check.

Die Fakten in Zahlen
15
Fledermausarten
in zwei Tunneln der Hermann-Hesse-Bahn
5 Monate
Winterpause
im Kückelheimer Fledermaustunnel
85 Mio. €
Artenschutzkosten
Hermann-Hesse-Bahn, Stand zur Eröffnung 2026
In Europa leben 54 Fledermausarten, in Mitteleuropa mehr als 30.
Warum Fledermäuse Winterquartiere brauchen
In Europa sind 54 Fledermausarten verbreitet, in Mitteleuropa mehr als 30.
In den kühleren Regionen ihres Verbreitungsgebiets halten sie Winterschlaf.
Dafür brauchen sie Quartiere, die ihnen Schutz vor schlechter Witterung und vor Feinden bieten.
Etwa ab Ende August suchen die meisten europäischen Arten nach geeigneten Winterquartieren für die kalten Monate.
Neben Höhlen und Felsspalten nutzen sie auch menschengemachte Unterschlüpfe wie Dachböden, Ruinen und Minen.

Ein stiller Tunnel als Versteck
Ein stillgelegter Eisenbahntunnel bietet vieles, was Fledermäuse im Winter suchen.
Er ist dunkel, geschützt und wird von Menschen kaum noch gestört.
Wie schnell solche Orte angenommen werden, zeigt der Bleialfer Tunnel an der Westeifelbahn in Rheinland-Pfalz.
In den Jahren, in denen er ungenutzt blieb, richteten Fledermäuse dort ihr Winterquartier ein.
Sie nutzen es ab November, um bis Februar ihren Winterschlaf zu halten.
Gut zu wissen
Zum Aufhängen im Quartier nutzen Fledermäuse ihre Krallen. Eine besondere Konstruktion der Krallensehnen erlaubt ein Festhalten ohne Muskelanspannung, deshalb bleiben sogar tote Tiere hängen.
Der Bleialfer Tunnel besteht aus zwei Röhren, von denen die ältere im Zweiten Weltkrieg gesprengt wurde. Die jüngere Röhre stammt aus dem Jahr 1917.
Der Tesch-Tunnel in Wuppertal
Ein bekanntes Beispiel ist der 523 Meter lange Tesch-Tunnel in Wuppertal.
Er liegt an der stillgelegten Wuppertaler Nordbahn, die 1879 eröffnet wurde, und ist einer von sieben Tunneln zwischen Mettmann und dem Bahnhof Gevelsberg West.
Die anderen Tunnel dieses Abschnitts werden heute von der Nordbahntrasse genutzt, einem Weg für Fußgänger und Radfahrer.
Beim Tesch-Tunnel wurde eine solche Nachnutzung verhindert, weil er geschützten Fledermausarten als Winterquartier dient.
Seine Portale wurden entsprechend gesichert und stehen seit 1992 als Baudenkmal unter Schutz.
Ein Radweg mit Winterpause
Im Sauerland trägt ein früherer Eisenbahntunnel sogar den Spitznamen Fledermaustunnel.
Gemeint ist der 689 Meter lange Kückelheimer Tunnel an der abgebauten Strecke von Finnentrop nach Wennemen.
Seit 2007 ist er für Fußgänger und Radfahrer freigegeben und gehört zum SauerlandRadring.
Im Winter wird er regelmäßig für fünf Monate gesperrt, damit die Fledermäuse dort ungestört überwintern können.
Wenn alle Tiere ihren Winterschlaf beendet haben, kann er bei Bedarf auch früher öffnen, und die Fledermaus ist sogar im Logo des Radrings zu sehen.
Radwegtunnel mit Rücksicht
Der Kückelheimer Tunnel ist kein Einzelfall.
Auch andere Radwegtunnel in ehemaligen Eisenbahntunneln werden im Winter für Fledermäuse gesperrt.
Auch der Bleialfer Tunnel in der Eifel zählt zu den Radwegtunneln in einem ehemaligen Eisenbahntunnel.
So teilen sich Menschen und Tiere einen Tunnel, allerdings zu unterschiedlichen Jahreszeiten.
Wenn Fledermäuse eine Bahn aufhalten
Richtig teuer wurde das Thema bei der Hermann-Hesse-Bahn zwischen Weil der Stadt und Calw.
Die Strecke ging in den 1980er-Jahren außer Betrieb, und 2012 beschloss der Landkreis Calw ihre Reaktivierung.
Als größtes Hindernis erwiesen sich 15 streng geschützte Fledermausarten, die sich in den Jahren der Betriebsruhe in zwei Tunneln der Strecke eingenistet hatten.
Im September 2017 wurde bekannt, dass sich die Wiedereröffnung wegen Klagen verschiebt, in denen es um den Fledermausschutz ging.
Der Rechtsstreit wurde schließlich durch einen Vergleich beigelegt.
Ein Tunnel im Tunnel
Nach diesem Vergleich wird in beiden Tunneln ein Teil der Tunnelröhre für die Fledermäuse abgetrennt.
Zum Schutz der Tiere in den Einschnitten vor den Tunneln wurden zudem äußere Tunnelröhren ergänzt.
Der Forsttunnel wuchs dadurch von 696 auf 859 Meter, der Hirsauer Tunnel von 554 auf 762 Meter.
Die Kosten für den Artenschutz wurden im Sommer 2025 auf 80 Millionen Euro beziffert, zur Eröffnung Anfang 2026 auf 85 Millionen Euro.
Am 1. Februar 2026 wurde der Betrieb zwischen Weil der Stadt und Calw schließlich wieder aufgenommen.
Weitere Tunnel mit Flügelgästen
Auch in Hessen gibt es solche Fälle, etwa den Hartenroder Tunnel.
Dabei wurde festgestellt, dass er zu den bedeutenden Winterquartieren verschiedener Fledermausarten in Hessen zählt.
Deshalb wurden umfangreiche artenschutzrechtliche Untersuchungen und eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, um eine mit dem Fledermausschutz vereinbare Nutzung zu prüfen.
Beim Silscheder Tunnel ist ein Nutzungsvorhaben ebenfalls umstritten, und zwar aus Gründen des Fledermausschutzes.
Warum Ruhe im Winter so wichtig ist
Fledermäuse gehören zu den typischen Winterschläfern unter den mitteleuropäischen Säugetieren.
Für den Winterschlaf legen sie spezielle Fettvorräte an, die ihnen beim Aufwachen die Energie liefern, um wieder auf normale Körpertemperatur zu kommen.
Winterschläfer können sich bei Störungen zwar rasch aufwärmen, verbrauchen dabei aber erhebliche Mengen Fett.
Nach häufigen Störungen des Winterschlafs können die Tiere deshalb verhungern.
Aus diesem Grund werden Tunnel mit Fledermausquartieren im Winter gesperrt oder dauerhaft verschlossen.
Das Fazit
Der Mythos stimmt, denn zahlreiche stillgelegte Eisenbahntunnel dienen Fledermäusen als Winterquartier.
Der Tesch-Tunnel in Wuppertal blieb deshalb für Radfahrer verschlossen, und der Kückelheimer Fledermaustunnel im Sauerland macht jeden Winter fünf Monate Pause.
Bei der Hermann-Hesse-Bahn führten 15 geschützte Arten zu Klagen, eigenen Tunnelröhren und Artenschutzkosten von zuletzt 85 Millionen Euro.
Seit Februar 2026 fahren dort trotzdem wieder Züge, und die Fledermäuse haben ihren abgetrennten Teil behalten.
Wer einen alten Bahntunnel betritt, sollte deshalb im Winter damit rechnen, dass er nicht allein ist.
Ein Blick in die Zukunft
Die Bahn von morgen soll noch pünktlicher, digitaler und bequemer werden.
Neue Stellwerke steuern den Verkehr aus der Ferne und in Echtzeit.
Moderne Züge fahren leiser, sparsamer und mit mehr Platz für Rad und Gepäck.
Das Netz wird an vielen Stellen ausgebaut, damit mehr Züge fahren können.
Auch die Bahnhöfe werden Schritt für Schritt barrierefrei und freundlicher.
So entsteht nach und nach die Bahn, die sich viele Fahrgäste wünschen.
Die Bahn als Teil des Alltags
Für Millionen Menschen gehört die Bahn ganz selbstverständlich zum Tag dazu.
Sie bringt Pendler zur Arbeit, Schüler zur Schule und Familien zu Ausflügen.
Am Bahnsteig treffen sich für einen Moment die unterschiedlichsten Lebenswege.
Der eine liest, die andere telefoniert, ein Dritter döst vor sich hin.
So ist der Zug nicht nur ein Fahrzeug, sondern ein Stück gelebter Alltag.
Und genau das macht die Bahn zu einem so besonderen öffentlichen Ort.
