Ortstermin
„Nächster Halt Marienglashöhle, hier geht es unter Tage in ein altes Bergwerk.“
Die Thüringerwaldbahn, mit der Straßenbahn von Gotha an den Inselsberg
→ Ein Ortstermin am Thüringer Wald.
Lesezeit: 9 Minuten · Schalter: Ortstermin
Kurz gesagt
Die Thüringerwaldbahn verbindet seit dem 17. Juli 1929 den Bahnhof Gotha mit Bad Tabarz am Fuß des Großen Inselsbergs. Die Überlandstraßenbahn braucht für ihre 21,7 Kilometer knapp eine Stunde.
Am Bahnhof Gotha wartet eine Straßenbahn, die nicht nur durch die Stadt fährt.
Sie rollt hinaus aufs Land, bis an den Rand des Thüringer Waldes.
Die Thüringerwaldbahn ist eine Überlandstraßenbahn auf Meterspur, und ihr Ziel liegt am Fuß des Großen Inselsbergs.

Pläne aus der Herzogszeit
Schon 1897 vereinbarten die Landesregierung des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha und die Gothaer Straßenbahn den Bau einer Überlandbahn.
Insgesamt waren neun Strecken geplant, die aber zunächst nicht gebaut wurden.
Am 21. November 1911 schlossen das Herzogtum und die AEG einen Vertrag über ein Überlandkraftwerk und die Thüringerwaldbahn.
Die Bauarbeiten begannen am 4. Juni 1914.
Der Erste Weltkrieg und die Inflation unterbrachen sie, erst ab dem 28. Juni 1928 ging es weiter.

Eröffnung im Juli 1929
Am 17. Juli 1929 wurde die Strecke eingeweiht.
Zum Start gehörten zehn Triebwagen, sieben Beiwagen und ein Gepäckwagen zur Flotte.
Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 50 Kilometern pro Stunde, der Fahrdraht führte 600 Volt Gleichspannung.
In den 1930er Jahren war die Bahn so beliebt, dass bis zu 22 Fahrten am Tag angeboten wurden.
Sie brachte Menschen zur Arbeit und Ausflügler in den Wald.

Gut zu wissen
Die Thüringerwaldbahn ist eine meterspurige Überlandstraßenbahn und fährt als Linie 4 von Gotha nach Bad Tabarz. Die Strecke ist 21,7 Kilometer lang, die Fahrt dauert knapp eine Stunde.
Eingeweiht wurde sie am 17. Juli 1929. Seit August 2007 fährt der Abzweig nach Waltershausen als Linie 6.
Krieg und die Brücke über die Leina
Nach Luftangriffen am 6. Februar 1945 wurde der Betrieb eingestellt.
Im April 1945 wurde die Autobahnbrücke über die Leina gesprengt, und die Strecke war danach in zwei Teile geteilt.
Erst im Juli 1946 fuhren auf beiden Abschnitten wieder Bahnen.
Durchgehend befahrbar war die Strecke ab dem 30. Oktober 1947, nachdem die Brücke wieder stand.
Eine Überführung aus dem Jahr 1915 heißt bei Einheimischen bis heute Russenbrücke, weil russische Kriegsgefangene am Bau beteiligt gewesen sein sollen.

Linie 4 und Linie 6
Seit dem 1. Oktober 1958 trägt die Thüringerwaldbahn die Liniennummer 4.
Am Gleisdreieck Waltershausen zweigt eine 2,4 Kilometer lange Strecke zum Bahnhof Waltershausen ab.
Dieser Ast fährt seit August 2007 als Linie 6.
Wendeschleifen entstanden 1964 am Hauptbahnhof Gotha und 1966 in Tabarz.
Am 1. November 1971 kam eine neue Strecke durch die Innenstadt von Waltershausen hinzu.

Eingleisig über Land
In Gotha ist die Strecke bis zur Wendeschleife Waltershäuser Straße zweigleisig, danach eingleisig.
Ausweichen gibt es zum Beispiel an den Haltestellen Boxberg, Reinhardsbrunn Bahnhof und Marienglashöhle.
Auf der ganzen Fahrt bedient die Bahn 22 Haltestellen.
Seit dem 23. März 2002 gibt es in Gotha einen Abzweig zum Krankenhaus, den auch manche Züge der Waldbahn befahren.
Betrieben wird die Bahn seit 1991 von der Thüringer Waldbahn und Straßenbahn Gotha GmbH.

Wagen aus Erfurt und aus der Schweiz
Die Straßenbahn Gotha fährt seit 1894 und war von Anfang an elektrisch.
Nach der Wende kamen gebrauchte Gelenkwagen aus Mannheim nach Gotha.
Sie wurden später durch gebrauchte, aber deutlich neuere Tatra-Wagen vom Typ KT4D aus Erfurt ersetzt.
Im August 2018 übernahm Gotha sechs Gelenkwagen von der Baselland Transport aus der Schweiz.
Damit stieg der Anteil der Wagen mit niedrigem Einstieg.

Die Marienglashöhle
Zwischen Friedrichroda und Bad Tabarz hält die Bahn an der Marienglashöhle.
Die Schauhöhle besteht überwiegend aus Hohlräumen, die der Gips- und Kupferbergbau hinterlassen hat.
Im Jahr 1775 begann man hier einen Stollen, um Kupfer abzubauen.
Heute ist die Höhle bei Führungen zu sehen und hat jährlich etwa 71.000 Besucher.
Sie ist als geologisches Naturdenkmal eingetragen.

Reinhardsbrunn und Friedrichroda
Die Haltestelle Reinhardsbrunn Bahnhof liegt im gleichnamigen Stadtteil von Friedrichroda.
Hier stand einst das Hauskloster der Landgrafen von Thüringen.
Auf seiner Ruine wurde 1827 das Schloss Reinhardsbrunn errichtet.
Friedrichroda selbst ist eine Kleinstadt im Landkreis Gotha.
Die Stadt gehört zusammen mit Gotha, Waltershausen, Tabarz und dem Landkreis zu den Gesellschaftern der Waldbahn.

Ankommen in Bad Tabarz
Endstation ist Bad Tabarz am Fuß des Großen Inselsbergs.
Der Inselsberg ist 916,5 Meter hoch und liegt am Rennsteig.
Für die ganze Strecke von Gotha braucht die Bahn knapp eine Stunde.
In Tabarz wendet sie in einer Schleife, die seit 1966 besteht.
Zurück geht es bis zum Bahnhof Gotha, wo die Züge der Eisenbahn warten.

Häufige Fragen
Wo beginnt die Thüringerwaldbahn?
Wie lang ist die Strecke?
Seit wann fährt die Bahn?
Welche Linie ist die Thüringerwaldbahn?
Was liegt an der Strecke?
Weiterfahrt
→ Ortstermin: Der Bahnhof Gotha – der Bahnhof am Start der Waldbahn
→ Ortstermin: Erfurt Hauptbahnhof – die Landeshauptstadt im Osten
