Die stillen Bahnhöfe der Primstalbahn: von Nonnweiler bis Wemmetsweiler

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Bahnhöfe der Primstalbahn: von Nonnweiler bis Wemmetsweiler

Die Primstalbahn brachte ab 1897 Arbeiter aus dem Hochwald ins Saarrevier. Heute sind ihre Bahnhöfe abgerissen, umgenutzt oder Teil einer privaten Anschlussbahn.

VORHER · um 1900

Der Bahnhof Wadern mit Empfangsgebäude, Güterschuppen und Dienstgebäude der Bahnmeisterei.

Der Bahnhof Wadern mit Empfangsgebäude, Güterschuppen und Dienstgebäude der Bahnmeisterei. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2017

Das ehemalige Empfangsgebäude, heute Familienzentrum.

Das ehemalige Empfangsgebäude, heute Familienzentrum. Foto: Wubbeldubbel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1897
Eröffnung bis Nonnweiler
1959
Ende des Personenverkehrs Wadern–Nonnweiler
1980
Ende des Personenverkehrs Wadern–Lebach
2021
Gleise Nonnweiler–Kastel demontiert

Lage: Prims-Tal zwischen Nonnweiler und Primsweiler, Saarland. Status: Der Abschnitt Nonnweiler–Wadern ist abgebaut, Primsweiler–Schmelz-Limbach ist eine private Anschlussbahn mit Güterverkehr. Heute: Der Bahnhof Wadern ist denkmalgeschützt und anders genutzt, in Kastel, Primstal und Krettnich sind die Gebäude abgerissen.

Die Primstalbahn verlief entlang der oberen Prims von Nonnweiler nach Primsweiler und bog dort nach Osten Richtung Lebach und Neunkirchen ab.

Der Abschnitt Lebach–Neunkirchen wird noch bedient, der Abschnitt im Primstal ist zum größten Teil verschwunden.

Dieser Beitrag geht die Halte der Reihe nach durch, von Nonnweiler im Norden bis Wemmetsweiler im Süden.

Für Wadern gibt es bereits einen eigenen Beitrag, ihn findet man unter Der Bahnhof Wadern, hier folgt nur eine Zusammenfassung.

Aus dem Raum Büschfeld, Limbach, Michelbach, Körprich und Primstal gibt es keine freien Fotos, deshalb stammen die Bilder fast alle aus Wadern.

So entstand die Primstalbahn

Am 10. Mai 1890 beschloss ein preußisches Gesetz den Bau der Strecke Hermeskeil–Nonnweiler–Wemmetsweiler.

Die Bauarbeiten begannen erst am 15. April 1894 in Hermeskeil.

Da die gesamte Strecke gleichzeitig gebaut wurde, war der örtliche Arbeitsmarkt bald erschöpft, und es kamen Arbeiter aus Italien und vom Balkan.

Am 15. Mai 1897 ging der Abschnitt von Wemmetsweiler nach Lebach in Betrieb.

Am 10. Dezember 1897 folgten die restlichen 35,6 Kilometer bis Nonnweiler.

Die Strecke sollte Arbeitskräfte aus den dünn besiedelten nördlichen Gebieten des Saarlandes in die Saarregion bringen.

Zum Winterfahrplan 1922/23 fiel die alte zweite Klasse weg, die Züge führten nur noch die dritte und vierte Klasse.

So sah es vorher aus: Schichtzüge für die Grube

Im Sommerfahrplan 1953 fuhren zwischen Wadern und Nonnweiler zehn Zugpaare an Werktagen.

Ihre Fahrzeiten waren auf den Schichtwechsel der saarländischen Gruben abgestimmt, besonders auf die Grube Camphausen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg dauerte die Fahrt auf den gesamten 61 Kilometern etwas über 120 Minuten.

Das lag an den langen Aufenthalten in den Bahnhöfen und an den Kreuzungen auf der eingleisigen Strecke.

Auf allen Teilen verkehrten nur Personenzüge der zweiten und dritten Klasse und Güterzüge.

Die Bahnhöfe in Illingen, Dirmingen, Eppelborn, Lebach, Primsweiler, Schmelz, Büschfeld und Wadern entstanden erst im Jahr 1900 und glichen einander stark.

Es gilt als sicher, dass sie gemeinsam geplant wurden.

Es sind unverputzte Ziegelrohbauten mit zwei Geschossen, nur der Bau in Primsweiler wurde verputzt.

Wie die Strecke Stück für Stück verschwand

Am 3. Oktober 1959 endete der Personenverkehr zwischen Wadern und Nonnweiler.

Der Güterverkehr auf diesem Abschnitt folgte am 30. April 1968.

Im November 1968 wurde die Strecke zwischen Mariahütte und Wadern abgebaut.

Auf einem Teil der alten Trasse zwischen Primstal und Mariahütte verläuft heute die Bundesautobahn 1.

Am 30. Mai 1980 stellte die Bahn den Personenverkehr zwischen Wadern und Lebach sowie zwischen Dillingen und Wadern ein.

Danach gab es noch regelmäßigen Güterverkehr nach Wadern, bis zum 30. Mai 1992.

Die Gleise zwischen Wadern und Büschfeld wurden nach dem 30. November 1993 abgebaut.

Der Güterverkehr zwischen Primsweiler und Lebach-Jabach endete am 31. Dezember 1987.

Nonnweiler: der nördliche Endpunkt

In Nonnweiler bestand Anschluss an die Hochwaldbahn nach Trier und Türkismühle und an die Hunsrückquerbahn.

Von Nonnweiler aus wurde Mariahütte bis 1999 im Güterverkehr bedient.

Die Autobahn 1 unterbricht die Verbindung nach Nonnweiler, der alte Bahndamm beginnt erst wieder hinter dem Ort Kastel.

Die Gleise von Nonnweiler bis Kastel wurden Anfang 2021 demontiert.

Kastel: Gebäude abgerissen

Das Bahnhofsgebäude von Kastel wurde abgerissen.

Der Bahndamm der Primstalbahn beginnt erst hinter dem Ort wieder.

DB Netz beantragte Anfang 2013 die Freistellung von Bahnbetriebszwecken für den Abschnitt bis etwas südlich der Landesstraße 329 bei Kastel.

Primstal: Trasse unter der Autobahn

Auch das Bahnhofsgebäude von Primstal wurde abgerissen.

Zwischen Primstal und Mariahütte liegt die Bundesautobahn 1 auf einem Teil der früheren Bahntrasse.

Weitere Einzelheiten zum Bahnhof Primstal sind nicht belegt.

Krettnich: ein Name auf der Streckenkarte

Das Empfangsgebäude von Krettnich wurde wie die von Kastel und Primstal abgerissen.

Weitere Angaben zu Krettnich sind nicht belegt.

Wadern: ein denkmalgeschütztes Ensemble

Der Bahnhof Wadern entstand 1896 und 1897 nicht in der Stadt, sondern etwa einen Kilometer südlich in der Gemarkung Dagstuhl.

Die Trasse führte durch das Primstal und nicht über das Löstertal, deshalb lag der Bahnhof außerhalb des Stadtkerns.

Das Empfangsgebäude ist ein zweigeschossiger, vierachsiger Backsteinbau, der heute zu einem denkmalgeschützten Ensemble gehört.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof erheblich zerstört, 1993 wurde er endgültig stillgelegt.

Zwei Wohnhäuser des früheren Bahnhofs in der Bahnhofsstraße.
Zwei Wohnhäuser des früheren Bahnhofs in der Bahnhofsstraße. Foto: Wubbeldubbel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Aus der Eisenbahnersiedlung wurde der heutige Stadtteil Dagstuhl.

Das ehemalige Empfangsgebäude beherbergt heute ein Familienzentrum, nebenan eine Kinderkrippe.

Die Kinderkrippe im ehemaligen Bahnhof Wadern, 2017.
Die Kinderkrippe im ehemaligen Bahnhof Wadern, 2017. Foto: Wubbeldubbel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Gleispläne des Waderner Bahnhofs von 1925 und 1952 sind erhalten und zeigen, wie die Anlage wuchs.

Gleisplan des Waderner Bahnhofs von 1925.
Gleisplan des Waderner Bahnhofs von 1925. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Gleisplan des Waderner Bahnhofs von 1952.
Gleisplan des Waderner Bahnhofs von 1952. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Eine ausführliche Geschichte steht im Beitrag Der Bahnhof Wadern.

Büschfeld: ein Bahnhof von 1900

Büschfeld gehört zu den acht Bahnhöfen, die im Jahr 1900 nach demselben Muster gebaut wurden.

Die Gleise zwischen Wadern und Büschfeld wurden nach dem 30. November 1993 abgebaut.

Über das spätere Schicksal des Gebäudes ist nichts belegt.

Die Brücke der stillgelegten Primstalbahn über die Prims bei Wadern-Dagstuhl, 2021.
Die Brücke der stillgelegten Primstalbahn über die Prims bei Wadern-Dagstuhl, 2021. Foto: Pascal Dihé, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Limbach: hier endet das Gleis

Der Bahnhof Limbach im Kreis Saarlouis wurde 1980 stillgelegt, seitdem endet dort das Gleis der Primstalbahn.

Die Stahlverarbeiter von Meiser in Limbach wurden nach 1992 über den Anschluss Dillingen bedient.

Zum 1. Januar 2005 wurde das Anschlussgleis an Meiser verkauft, die Bedienung übernahm die Bahngesellschaft der Dillinger Hütte.

DB Netz beantragte 2013 die Freistellung der Strecke ab Kilometer 31,950 etwa bei der Bahnhofstraße 18 in Limbach.

Michelbach: das Basaltwerk

Nach dem Ende des Güterverkehrs nach Wadern im Jahr 1992 wurden die Basaltwerke in Michelbach weiter über den Anschluss Dillingen angefahren.

Mehr ist über den Halt Michelbach nicht belegt.

Schmelz: Güterzüge ohne Reisende

Das Bahnhofsgebäude von Schmelz stammt von 1900 und gehört zur Gruppe der gleichartigen Ziegelbauten.

Die Strecke zwischen Primsweiler und Schmelz-Limbach kaufte 2005 das Unternehmen Meiser in Schmelz und betreibt sie seitdem als Anschlussbahn.

Dort gibt es werktäglich Güterverkehr, den Oberbau erneuerte man bis 2025, sodass Langsamfahrstellen mit 20 Stundenkilometern aufgehoben werden konnten.

Ein Coilzug mit der Lok 294 776-0 auf der Primstalbahn in Schmelz, 2024.
Ein Coilzug mit der Lok 294 776-0 auf der Primstalbahn in Schmelz, 2024. Foto: Leonhard. 628, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Primsweiler: der verputzte Bahnhof am Abzweig

In Primsweiler zweigt eine Stichstrecke nach Westen Richtung Dillingen ab.

Das Bahnhofsgebäude von 1900 ist das einzige der Gruppe, das verputzt wurde.

Der Güterverkehr zwischen Primsweiler und Lebach-Jabach endete am 31. Dezember 1987.

Körprich: ein Haltepunkt an der Strecke nach Lebach

Körprich war ein Haltepunkt zwischen Primsweiler und Lebach.

Der Personenverkehr zwischen Wadern und Lebach endete am 30. Mai 1980.

Weitere Angaben zu Körprich sind nicht belegt.

Wemmetsweiler: der alte Bahnhof

Wemmetsweiler wurde 1876 mit dem Bau der Fischbachtalbahn Bahnstation, am 15. Mai 1897 kam mit der Primstalbahn nach Lebach der Trennungsbahnhof hinzu.

Die Personenzüge mussten dort jedes Mal die Fahrtrichtung wechseln.

Mit dem Bau der Wemmetsweiler Kurve wurde der Bahnhof im Personenverkehr aufgegeben, 2006 ersetzte ihn der näher am Ortskern gelegene Haltepunkt Wemmetsweiler Rathaus.

Der alte Bahnhof ist weiter Betriebsbahnhof, 2009 wurde das Stellwerk für die Strecke Wemmetsweiler–Lebach in Betrieb genommen.

So sieht es jetzt aus

Zwischen Nonnweiler und Wadern sind die Gleise weg, in Kastel, Primstal und Krettnich auch die Gebäude.

Zwischen Primsweiler und Schmelz-Limbach fahren werktags Güterzüge, doch keine Reisenden mehr.

Zwischen Lebach und Neunkirchen verkehren Regionalzüge, und die Saarbahn fährt seit dem 5. Oktober 2014 bis Lebach und zeitweise bis Lebach-Jabach.

Untersuchungen im Rahmen des saarländischen Verkehrsentwicklungsplans bewerteten eine Wiederbelebung der Strecke zwischen Saarlouis und Schmelz mit einem Kosten-Nutzen-Faktor von 3,6.

Bei einer Verlängerung nach Wadern lag er bei 1,2.

Ende 2024 wurde nach einer Machbarkeitsstudie die Reaktivierung von vier Strecken im Saarland angekündigt, die Primstalbahn hatte das mit Abstand höchste Nutzen-Kosten-Verhältnis.

Bis erste Züge rollen könnten, sollen mindestens zehn Jahre vergehen.

Vorher und nachher in Wadern

Vorher stand um 1900 ein Ziegelrohbau mit Güterschuppen und Dienstgebäude an den Gleisen, nachher steht dort ein verputztes Familienzentrum.

Vorher fuhren Züge nach Nonnweiler, Lebach und Dillingen, nachher endete der Betrieb 1993 endgültig.

Vorher lagen Gleisanlagen an dem Platz, nachher stehen Wohnhäuser und eine Kinderkrippe.

Die Geschichte in Daten

10. Mai 1890: Preußisches Gesetz zum Bau der Strecke Hermeskeil–Nonnweiler–Wemmetsweiler.

15. April 1894: Beginn der Bauarbeiten in Hermeskeil.

15. Mai 1897: Eröffnung des Abschnitts Wemmetsweiler–Lebach.

10. Dezember 1897: Freigabe des restlichen Abschnitts bis Nonnweiler.

1900: Bahnhöfe von Büschfeld, Schmelz, Primsweiler und anderen entstehen.

3. Oktober 1959: Personenverkehr Wadern–Nonnweiler eingestellt.

30. April 1968: Güterverkehr Wadern–Nonnweiler eingestellt.

30. Mai 1980: Personenverkehr Wadern–Lebach und Dillingen–Wadern eingestellt.

31. Dezember 1987: Güterverkehr Primsweiler–Lebach-Jabach endet.

30. Mai 1992: Letzter regelmäßiger Güterverkehr nach Wadern.

1. Januar 2005: Anschlussgleis Meiser verkauft.

Anfang 2021: Gleise Nonnweiler–Kastel demontiert.

Häufige Fragen

Wo verlief die Primstalbahn?
Sie verlief zwischen Nonnweiler und Primsweiler entlang der oberen Prims und führte von dort über Lebach nach Neunkirchen.
Wann fuhr der letzte Personenzug zwischen Wadern und Nonnweiler?
Der Personenverkehr auf diesem Abschnitt wurde am 3. Oktober 1959 eingestellt.
Welche Bahnhöfe wurden abgerissen?
Die Bahnhofsgebäude von Kastel, Primstal und Krettnich wurden abgerissen.
Ist der Bahnhof Wadern erhalten?
Ja, das Ensemble steht unter Denkmalschutz und wird heute von einem Familienzentrum und einer Kinderkrippe genutzt.
Wird die Primstalbahn wiederbelebt?
Eine Machbarkeitsstudie Ende 2024 sah für die Primstalbahn das höchste Nutzen-Kosten-Verhältnis, erste Züge sollen aber mindestens zehn Jahre brauchen.

Wer dem Tal folgt, sieht nur noch Fragmente, den Damm hinter Kastel, die Brücke bei Dagstuhl und ein Gleisende in Limbach.

Quellen und Bildrechte

Primstalbahn (Wikipedia) · Prims Valley Railway (Wikipedia, englisch) · Bahnhof Wadern (Wikipedia) · Bahnhof Wemmetsweiler (Wikipedia) · Bahnhof Limbach (Wikipedia, Begriffsklärung)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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