Die stillen Halte der Bahn Waren–Malchin: von Gielow bis Levenstorf

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Bahn Waren–Malchin: von Gielow bis Levenstorf

Von 1879 bis 1996 fuhren Züge zwischen Waren an der Müritz und Malchin. Heute verläuft auf Teilen der Trasse eine Radwegstrecke, und der Abschnitt von Waren bis Schwinkendorf dient als Fahrraddraisinenstrecke.

Der ehemalige Bahnhof Gielow, denkmalgeschützt, Ansicht von Südosten, 2023.
Der ehemalige Bahnhof Gielow, denkmalgeschützt, Ansicht von Südosten, 2023. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1879
Eröffnung der Strecke
1996
Personenverkehr endet
1998
Stilllegung
2009
Draisinenstrecke ab Waren

Lage: zwischen Waren (Müritz) und Malchin in Mecklenburg-Vorpommern, rund 28 Kilometer. Status: Der Personenverkehr endete 1996, die Strecke wurde am 30. November 1998 stillgelegt. Heute: Der Abschnitt vom Güterbahnhof Waren bis Schwinkendorf wird seit 2009 als Fahrraddraisinenstrecke genutzt.

Die Bahnstrecke Waren (Müritz)–Malchin ist eine stillgelegte eingleisige Nebenbahn im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Der Personenverkehr wurde 1996 eingestellt, die Strecke zwei Jahre später stillgelegt.

Der Abschnitt vom Güterbahnhof Waren bis Schwinkendorf wird seit 2009 touristisch als Fahrraddraisinenstrecke genutzt.

Dieser Beitrag geht die Halte Gielow, Basedow, Faulenrost, Schwinkendorf und Levenstorf der Reihe nach durch, dazu Schönau-Falkenhagen.

Der Bahnhof Malchin ist in Betrieb und im Beitrag Der Bahnhof Malchin beschrieben.

Entstehung: die zweite Bahn nach Waren

Die rund 28 Kilometer lange Strecke wurde am 9. November 1879 auf gesamter Länge eröffnet.

Bau und Betriebsführung oblagen der 1875 gegründeten Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn.

Die Bahn stellte mit ihrer Fertigstellung den ersten Eisenbahnanschluss der Stadt Waren dar.

Die Strecke wurde von Malchin aus gebaut.

Sie fädelt östlich des Bahnhofs Malchin aus der Hauptbahn Bützow–Szczecin aus und führt nach Südsüdwest.

Die letzten Kilometer vor Waren führt die Trasse parallel zur Landstraße 202 und dem Westufer des Tiefwarensees.

So sah es vorher aus: wenige Zugpaare und Kies

Die Bedeutung der Strecke schrumpfte nach der Eröffnung der Mecklenburgischen Südbahn 1885 und der Lloydbahnstrecke Berlin–Neustrelitz–Rostock 1886 erheblich.

In den 1890er Jahren wurde der eigene Bahnhof der Strecke in Waren aufgegeben und die Strecke in den gemeinsamen Warener Bahnhof aller drei Strecken geführt.

Der Personenverkehr beschränkte sich auf wenige Zugpaare pro Tag.

Nach der Eröffnung der Bahnstrecke Malchin–Dargun im Jahr 1907 wurden diese meist bis Dargun durchgebunden.

Im Güterverkehr wurde unter anderem Kies abtransportiert, da sich westlich der Strecke bei Basedow ein Tagebau befand.

Der Verkehr fand zunächst bis 1930 statt, nach der Fertigstellung eines Betonwerks in Malchin wurde er 1960 wieder aufgenommen.

Einen kurzzeitigen Aufschwung nahm die Strecke nach dem Zweiten Weltkrieg.

Sowohl die Bahnstrecke Neustrelitz–Warnemünde als auch die Bahnstrecke Parchim–Neubrandenburg waren im Bereich Waren als Reparationsleistung demontiert worden.

Die Strecke nach Malchin war daher wie zur Eröffnungszeit die einzige Bahnverbindung von Waren.

1960 verkehrten sechs Personenzugpaare auf der Strecke.

Nach der Wiedereröffnung der Bahnstrecke Neustrelitz–Warnemünde Anfang der 1960er Jahre wurde das Angebot wieder halbiert.

Bei drei Zügen pro Tag und Richtung blieb es bis zur Einstellung des Personenverkehrs 1996.

Das Ende: 1996 und 1998

Auch der Güterverkehr wurde zum 1. Januar 1996 eingestellt.

Ein privater Betreiber für die Strecke fand sich nicht, sodass sie am 30. November 1998 stillgelegt wurde.

Nach der Stilllegung wurde die Strecke im Stadtgebiet Malchin für den Umbau der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 104 unterbrochen.

Die ohnehin marode Brücke zwischen Malchin und Gielow wurde in den 1990er Jahren abgerissen.

Gielow: der größte Ort an der Strecke

Der erste Halt hinter Malchin befand sich in Gielow, dem größten Ort an der Strecke zwischen den Endbahnhöfen.

Der Bahnhof lag bei Kilometer 21,7.

Die Inbetriebnahme der Bahn im Jahr 1879 verbesserte die wirtschaftliche Entwicklung Gielows zusätzlich.

1894 wurde eine Molkerei und 1899 eine Milchzuckerfabrik im Ort errichtet.

Dadurch wuchs die Bevölkerung, zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten etwa 1.500 Menschen in Gielow.

Der ehemalige Bahnhof Gielow, denkmalgeschützt, Ansicht von Norden, 2023.
Der ehemalige Bahnhof Gielow, denkmalgeschützt, Ansicht von Norden, 2023. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof Gielow, denkmalgeschützt, Ansicht von Süden, 2023.
Der ehemalige Bahnhof Gielow, denkmalgeschützt, Ansicht von Süden, 2023. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Basedow: ein Halt im Wäldchen

Der nächste Halt befand sich in einem Wäldchen unweit des Dorfes Langwitz.

Er wurde aber nach der Gemeinde Basedow benannt, vermutlich wegen der größeren Bedeutung Basedows.

Der Haltepunkt lag bei Kilometer 16,8.

Der Bahnhof von Basedow stammt aus dem Jahr 1879 und gehört zum Ort Teerofen.

Die Gebäude sind noch vorhanden.

Der nächste Bahnhof im Personenverkehr ist in Malchin, sechs Kilometer entfernt.

Faulenrost: zwischen Basedow und Schwinkendorf

Faulenrost lag zwischen Basedow und Schwinkendorf an der Strecke.

Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.

Schwinkendorf: die Bahn wendet sich nach Süden

Bei Schwinkendorf wandte sich die Bahn nach Süden.

Der Bahnhof lag bei Kilometer 13,6 und wurde wie die gesamte Strecke am 30. November 1998 stillgelegt.

Die Strecke wurde letztmals am 16. Juni 1996 von einem Zug befahren.

Der nächste Bahnhof befindet sich in der 15 Kilometer entfernten Stadt Malchin.

Der ehemalige Bahnhof Schwinkendorf an der Strecke Malchin–Waren, 2023.
Der ehemalige Bahnhof Schwinkendorf an der Strecke Malchin–Waren, 2023. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Radweg auf der Bahnstrecke Malchin–Waren nördlich von Schwinkendorf, 2023.
Der Radweg auf der Bahnstrecke Malchin–Waren nördlich von Schwinkendorf, 2023. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Von Waren aus fährt die Fahrraddraisine auf dem Abschnitt bis Schwinkendorf.

Ursprünglich sollte sie bis Malchin fahren.

Weil die Brücke zwischen Malchin und Gielow abgerissen wurde, käme heute keine Draisine mehr bis Malchin.

Von 2022 bis 2023 wurde auf Teilstrecken des Abschnitts Schwinkendorf–Malchin ein Radwanderweg gebaut.

Die Stadt Malchin und die Gemeinden Gielow, Basedow und Schwinkendorf hatten sich zuvor darauf verständigt, den Bahndamm bis Schwinkendorf in einen Radweg umzuwandeln.

Ab Schwinkendorf sollen Radfahrer über die Kreisstraße nach Waren gelangen.

Levenstorf: Haltepunkt in Peenehagen

Der Haltepunkt Levenstorf lag bei Kilometer 9,1 und gehört zur Gemeinde Peenehagen.

Durch das Gemeindegebiet führt die stillgelegte Bahnstrecke Waren–Malchin.

Schönau-Falkenhagen: der letzte Halt vor Waren

Der Haltepunkt Schönau-Falkenhagen lag bei Kilometer 7,1 und gehört ebenfalls zur Gemeinde Peenehagen.

Von hier sind es noch gut sieben Kilometer bis Waren.

Der ehemalige Bahnhof Schönau-Falkenhagen an der Strecke Malchin–Waren, 2023.
Der ehemalige Bahnhof Schönau-Falkenhagen an der Strecke Malchin–Waren, 2023. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Gleis südlich des Bahnhofs Schönau-Falkenhagen, 2023.
Das Gleis südlich des Bahnhofs Schönau-Falkenhagen, 2023. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Seit 2009 wird der Abschnitt vom Güterbahnhof Waren bis Schwinkendorf touristisch als Fahrraddraisinenstrecke genutzt.

Die Aufnahmen von 2021 zeigen die Draisinenstrecke von Waren nach Schwinkendorf bei Alt Falkenhagen.

Die Draisinenstrecke von Waren (Müritz) nach Schwinkendorf bei Alt Falkenhagen, September 2021.
Die Draisinenstrecke von Waren (Müritz) nach Schwinkendorf bei Alt Falkenhagen, September 2021. Foto: Leonhard Lenz, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Die Draisinenstrecke bei Alt Falkenhagen, September 2021.
Die Draisinenstrecke bei Alt Falkenhagen, September 2021. Foto: Leonhard Lenz, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Ein Wartehäuschen an der Draisinenstrecke bei Alt Falkenhagen, September 2021.
Ein Wartehäuschen an der Draisinenstrecke bei Alt Falkenhagen, September 2021. Foto: Leonhard Lenz, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Die Draisinenstrecke nördlich von Alt Falkenhagen, September 2021.
Die Draisinenstrecke nördlich von Alt Falkenhagen, September 2021. Foto: Leonhard Lenz, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Vorher und nachher

Bis 1996 verkehrten hier drei Personenzüge pro Tag und Richtung.

Heute fährt von Waren bis Schwinkendorf die Fahrraddraisine, und auf Teilen der Strecke bis Malchin verläuft ein Radweg.

Die Geschichte in Daten

1875: Die Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn wird gegründet.

9. November 1879: Die Strecke Waren–Malchin wird auf gesamter Länge eröffnet.

1885: Die Mecklenburgische Südbahn wird eröffnet.

1886: Die Lloydbahnstrecke Berlin–Neustrelitz–Rostock wird eröffnet.

1907: Die Bahnstrecke Malchin–Dargun wird eröffnet.

1930: Der Güterverkehr wird zunächst eingestellt.

1960: Der Güterverkehr wird nach dem Bau eines Betonwerks in Malchin wieder aufgenommen.

1. Januar 1996: Der Güterverkehr wird eingestellt.

16. Juni 1996: Die Strecke wird letztmals von einem Zug befahren.

30. November 1998: Die Strecke wird stillgelegt.

2009: Der Abschnitt Waren–Schwinkendorf wird als Fahrraddraisinenstrecke genutzt.

2022 bis 2023: Auf Teilstrecken zwischen Schwinkendorf und Malchin wird ein Radwanderweg gebaut.

Häufige Fragen

Fahren noch Züge zwischen Waren und Malchin?
Nein, der Personenverkehr wurde 1996 eingestellt und die Strecke am 30. November 1998 stillgelegt.
Kann man auf der Strecke Draisine fahren?
Seit 2009 wird der Abschnitt vom Güterbahnhof Waren bis Schwinkendorf touristisch als Fahrraddraisinenstrecke genutzt.
Warum fährt die Draisine nicht bis Malchin?
Die Brücke zwischen Malchin und Gielow wurde in den 1990er Jahren abgerissen.
Wann fuhr der letzte Zug?
Die Strecke wurde letztmals am 16. Juni 1996 von einem Zug befahren.
Gibt es einen Radweg auf der Trasse?
Von 2022 bis 2023 wurde auf Teilstrecken des Abschnitts Schwinkendorf–Malchin ein Radwanderweg gebaut.

Von der Bahn Waren–Malchin bleiben damit Bahnhofsgebäude, Gleisreste und eine Trasse, die heute zum Teil Draisinen und Radfahrer trägt.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Waren–Malchin · Wikipedia: Gielow · Wikipedia: Basedow (Mecklenburg) · Wikipedia: Schwinkendorf · Wikipedia: Peenehagen · Nordkurier: Alter Bahndamm soll Radweg werden

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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