Die stillen Halte der Klützer Ostseebahn: Vom Kaffeebrenner zur Schmalspur

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Klützer Ostseebahn: Vom Kaffeebrenner zur Schmalspur

Die Bahn von Grevesmühlen nach Klütz verlor 1995 ihren Personenverkehr, 2006 wurden die Gleise abgebaut. Der nördliche Teil fährt seit 2014 als Schmalspurbahn wieder.

VORHER · 2008

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Klütz.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Klütz. Foto: Thomas Kohler from Waren (Müritz), Deutschland, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2013

Dasselbe Gebäude fünf Jahre später.

Dasselbe Gebäude fünf Jahre später. Foto: Holger.Ellgaard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1905
Eröffnung der Strecke
1995
Personenverkehr eingestellt
2006
Gleise abgebaut
2014
Schmalspurbahn eröffnet

Lage: Nordwestmecklenburg, etwa 15 Kilometer lang. Status: Regelspur abgebaut, nördlicher Teil als 600-mm-Museumsbahn in Betrieb. Heute: Der Bahnhof Klütz steht unter Denkmalschutz.

Die Klützer Ostseebahn war eine rund 15 Kilometer lange Nebenbahn in Nordwestmecklenburg.

Der planmäßige Verkehr endete Mitte der 1990er Jahre, 2006 wurden die Gleise abgebaut.

Das nördliche Teilstück zwischen Klütz und Reppenhagen ist seit 2014 als Schmalspurbahn mit 600 Millimetern Spurweite wieder in Betrieb.

Dort fährt die Museumsbahn De Lütt Kaffeebrenner.

Die Halte Gostorf und Moor sind ohne Gleise, Stellshagen, Reppenhagen und Klütz liegen an der Museumsbahn.

Alte freie Fotos aus der Betriebszeit der Regelspur sind selten, die meisten Bilder entstanden nach dem Abbau.

Wie die Strecke entstand

Die Strecke wurde am 6. Juni 1905 durch die Großherzoglich Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn eröffnet.

Sie zweigte in Grevesmühlen von der Bahnstrecke Lübeck–Bad Kleinen nach Norden ab.

Durch den Klützer Winkel führte sie nordwärts, im weiteren Verlauf nordostwärts bis zur Kleinstadt Klütz.

Das fünf Kilometer weiter nordöstlich gelegene Ostseebad Boltenhagen erreichte sie nie.

Ende der 1930er Jahre plante die Luftwaffe, die inzwischen von der Deutschen Reichsbahn betriebene Strecke über Boltenhagen in die Erprobungsstelle Tarnewitz zu verlängern.

Zur Umsetzung kam es nicht.

So sah es vorher aus: Der Kaffeebrenner

Die Bahn hieß im Volksmund Kaffeebrenner oder Klützer Kaffeebrenner.

Der Name entstand, weil sich in der Nähe des Bahnhofs von Klütz eine Mälzerei befand, die unter anderem einen bekannten Malzkaffee herstellte.

1929 verkehrten täglich drei Zugpaare, die Fahrzeit lag bei rund 40 Minuten.

1975 waren es werktags vier Personenzugpaare, die Fahrzeit lag bei knapp 30 Minuten.

Die Strecke hatte bis 1992 die Kursbuchnummer 783, danach die Nummer 153.

Betrieben wurde sie zuletzt als vereinfachter Nebenbahndienst im Zugleitbetrieb.

Das Ende des Regelbetriebs

Am 1. Januar 1994 wurde der Güterverkehr eingestellt.

Im Mai 1995, kurz vor dem 90-jährigen Bestehen der Strecke, wurde auch der Personenverkehr abbestellt.

1996 wurde die Klützer Ostsee-Eisenbahn gegründet.

1997 wurde die Strecke privatisiert, Eigentümerin wurde diese Gesellschaft.

Ab dem 6. Juni 1997 bot sie touristischen Verkehr mit historischen Dampflokomotiven, Diesellokomotiven und Uerdinger Schienenbussen an.

Dieser Betrieb endete 2005 wegen Problemen der Gesellschaft mit ihrer Muttergesellschaft.

Im August 2006 wurden die Gleise entfernt.

Grevesmühlen

Die Strecke begann im Bahnhof Grevesmühlen bei Kilometer 0,0.

Dieser Bahnhof liegt an der Bahnstrecke Lübeck–Bad Kleinen und ist weiterhin in Betrieb.

Zwischen 2015 und 2021 wurde das historische Bahnhofsareal umfassend neu geordnet.

Das Empfangsgebäude von 1873 wurde 2017 zu einem Kultur-, Sozial- und Jugendzentrum umgebaut.

Dem Bahnhof ist ein eigener Beitrag gewidmet: Der Bahnhof Grevesmühlen.

Gostorf

Gostorf war ein Haltepunkt bei Kilometer 4,3, der erste Halt hinter Grevesmühlen.

Die Strecke verlief bis zu ihrer Demontage dicht am Ort.

Weitere Einzelheiten zur Station sind nicht belegt.

Die demontierte Strecke bei Gostorf im Jahr 2012.
Die demontierte Strecke bei Gostorf im Jahr 2012. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine weitere Ansicht der demontierten Strecke bei Gostorf.
Eine weitere Ansicht der demontierten Strecke bei Gostorf. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Moor

Moor war ein Haltepunkt bei Kilometer 6,8 und gehört zur Gemeinde Damshagen.

Die Gleise liegen hier nicht mehr.

Weitere Einzelheiten zur Station sind nicht belegt.

Reppenhagen

Reppenhagen, der Ortsteil Hof Reppenhagen der Gemeinde Damshagen, hatte einen Haltepunkt bei Kilometer 10,8 der Regelspurstrecke.

Nach dem Ende des Regelbetriebs diente die Strecke bis 2005 noch als Museumseisenbahn.

Seit Juni 2014 verkehrt die Schmalspurbahn zwischen Klütz und Reppenhagen.

Hier endet die wiederaufgebaute Strecke.

Gleisreste an einem früheren Bahnübergang in Hof Reppenhagen im Jahr 2011.
Gleisreste an einem früheren Bahnübergang in Hof Reppenhagen im Jahr 2011. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Bahnhof Reppenhagen an der Schmalspurbahn.
Der Bahnhof Reppenhagen an der Schmalspurbahn. Foto: Mef.ellingen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Stellshagen

Stellshagen lag bei Kilometer 12,2 der Regelspurstrecke und ist ein Ortsteil von Damshagen.

1995 wurde der Personenverkehr eingestellt, 2006 wurden die Gleise abgebaut.

2014 wurde die Strecke als Schmalspurbahn nach Klütz wieder eröffnet.

Der Haltepunkt liegt heute auf der Museumsbahn drei Kilometer hinter Klütz.

Klütz

Klütz lag am Ende der Strecke bei Kilometer 15,3 und ist der Ausgangspunkt der Museumsbahn.

Der nächstgelegene Bahnhof des Regelverkehrs ist Grevesmühlen.

Der Bahnhof Klütz steht unter Denkmalschutz.

Dazu gehören das Empfangsgebäude, ein einständiger Lokschuppen und eine der wenigen in Deutschland erhaltenen Segmentdrehscheiben.

Ein Ladehof und der Anschluss eines Aufkaufbetriebs lagen kurz vor dem Bahnhof.

Das Bahnhofsgelände in Klütz im Jahr 2011.
Das Bahnhofsgelände in Klütz im Jahr 2011. Foto: Thomas Kohler from Waren (Müritz), Deutschland, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Gebäude auf dem Bahnhofsgelände Klütz, aufgenommen 2011.
Ein Gebäude auf dem Bahnhofsgelände Klütz, aufgenommen 2011. Foto: Thomas Kohler from Waren (Müritz), Deutschland, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Umbau zur Schmalspurbahn

Von 2012 bis 2014 baute die Stiftung Deutsche Kleinbahnen einen 4,5 Kilometer langen Abschnitt als Schmalspurbahn mit 600 Millimetern Spurweite wieder auf.

Im Juli 2012 trafen die ersten Schienen aus China in Klütz ein.

Im September 2012 wurden die ersten zwei Kilometer Schmalspurgleis in Klütz verlegt, dazu kamen zwei Dieselloks für den Schottertransport.

Im Juni 2014 waren die Arbeiten abgeschlossen.

Die wiederaufgebaute Strecke wird von Zügen mit Dieselbespannung, gelegentlich auch mit Dampflokomotiven, befahren.

Vorhanden ist unter anderem die auf 600 Millimeter umgespurte Lokomotive 399 101 der Wangerooger Inselbahn.

Ein Großteil der Fahrzeuge der stillgelegten Reißeck-Höhenbahn in Kärnten gelangte nach Klütz, darunter eine Pendelzuggarnitur.

Zeitgleich mit der Schmalspurbahn wurden auch die denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude renoviert.

Der historische Lokschuppen, in dem die Dampflokomotiven untergebracht sind, wurde saniert.

Das Empfangsgebäude wurde nach alten Vorlagen von 1906 restauriert.

Dabei erhielt es seinen originalen Fassadenanstrich zurück.

Der Lokschuppen mit Wasserstation in Klütz.
Der Lokschuppen mit Wasserstation in Klütz. Foto: Oberlausitzerin64, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Auf dem Bahnhofsgelände Klütz im Jahr 2013.
Auf dem Bahnhofsgelände Klütz im Jahr 2013. Foto: Holger.Ellgaard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Schmalspurgleise am Bahnhof Klütz im Jahr 2013.
Schmalspurgleise am Bahnhof Klütz im Jahr 2013. Foto: Holger.Ellgaard, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Museumsbahn De Lütt Kaffeebrenner auf dem befahrenen Teil der Strecke.
Die Museumsbahn De Lütt Kaffeebrenner auf dem befahrenen Teil der Strecke. Foto: Corradox, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Zwischen Grevesmühlen und Klütz ist die Regelspur abgebaut, bis auf den Abschnitt der Museumsbahn.

Gostorf und Moor haben keinen Bahnbetrieb mehr.

Stellshagen, Reppenhagen und Klütz sind Stationen der Museumsbahn.

Die Geschichte in Daten

6. Juni 1905: Eröffnung der Strecke Grevesmühlen–Klütz.

1. Januar 1994: Der Güterverkehr wird eingestellt.

Mai 1995: Der Personenverkehr wird eingestellt.

1996: Die Klützer Ostsee-Eisenbahn wird gegründet.

6. Juni 1997: Touristischer Verkehr mit historischen Fahrzeugen beginnt.

2005: Der touristische Verkehr endet.

August 2006: Die Gleise werden entfernt.

2012: Der Wiederaufbau als Schmalspurbahn beginnt.

Juni 2014: Die Schmalspurbahn Klütz–Reppenhagen ist fertig.

Häufige Fragen

Woher stammt der Name Kaffeebrenner?
In der Nähe des Bahnhofs von Klütz befand sich eine Mälzerei, die unter anderem einen bekannten Malzkaffee herstellte.
Wann endete der Personenverkehr?
Im Mai 1995.
Wie lang war die Strecke?
Rund 15 Kilometer, der wiederaufgebaute Schmalspurabschnitt ist 4,5 Kilometer lang.
Gibt es die Bahn noch?
Teilweise. Zwischen Klütz und Reppenhagen fährt seit 2014 eine Schmalspurbahn mit 600 Millimetern Spurweite.
Wer baute die Schmalspurbahn?
Die Stiftung Deutsche Kleinbahnen baute die Strecke von 2012 bis 2014 wieder auf.
Steht der Bahnhof Klütz unter Denkmalschutz?
Ja, mit Empfangsgebäude, einständigem Lokschuppen und einer Segmentdrehscheibe.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Grevesmühlen–Klütz · Wikipedia: Klütz · Wikipedia: Gostorf · Wikipedia: Stellshagen · Wikipedia: Damshagen · Wikipedia: Grevesmühlen · Eisenbahn in Mecklenburg-Vorpommern: Grevesmühlen–Klütz

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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