Die stillen Halte der Vogelsbergbahn: Gießen Flughafen, Renzendorf und Wallenrod

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Vogelsbergbahn: Gießen Flughafen, Renzendorf und Wallenrod

Die Vogelsbergbahn zwischen Gießen und Fulda fährt, doch drei Halte sind verschwunden: der Haltepunkt am Flughafen Gießen seit 1978, Renzendorf und Wallenrod seit Dezember 2011.

Das Bahnhofsgebäude in Wallenrod, aufgenommen 2011.
Das Bahnhofsgebäude in Wallenrod, aufgenommen 2011. Foto: Exact42, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1868
Konzession für die Strecke
1978
Haltepunkt Gießen Flughafen aufgegeben
2011
Renzendorf und Wallenrod aufgelassen
2022
Holzzüge ab Wallenrod

Lage: Bahnstrecke Gießen–Fulda in Hessen, 105,9 Kilometer lang. Status: Die Strecke ist in Betrieb, nur drei Halte sind für Reisende aufgegeben. Heute: Wallenrod dient als Betriebsbahnhof mit Gleisanschluss für Holzzüge.

Die Vogelsbergbahn zwischen Gießen und Fulda ist eine eingleisige, nicht elektrifizierte Hauptbahn und in Betrieb.

Drei ihrer Halte sind verschwunden: der Haltepunkt Gießen Flughafen, der 1978 aufgegeben wurde, sowie Renzendorf und Wallenrod, die im Dezember 2011 aufgelassen wurden.

Dieser Beitrag behandelt nur diese drei Halte und nicht die Strecke als Ganzes.

Der Name Vogelsbergbahn wurde ursprünglich für die heute stillgelegte Nebenbahn zwischen Stockheim und Lauterbach verwendet, die mitten durch den Vogelsberg führte und heute meist Oberwaldbahn heißt.

Alte freie Fotos der drei Halte sind nicht vorhanden, die Bilder zeigen den Bahnhof Wallenrod und die Strecke.

Wie die Vogelsbergbahn entstand

Das Projekt, die Main-Weser-Bahn und die Bahnstrecke Bebra–Hanau zu verbinden, wurde ab den 1860er Jahren erwogen.

Die Konzession für Bau und Betrieb erhielten am 4. April 1868 die Oberhessischen Eisenbahnen, eine Aktiengesellschaft, hinter der das Frankfurter Bankhaus Erlanger & Söhne stand.

Weil bei Fulda auch preußisches Gebiet berührt war, kam ein Vertrag zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen dazu.

Das Vorhaben wurde gemeinsam mit der Bahnstrecke Gießen–Gelnhausen angegangen.

Das Verkehrsaufkommen blieb gering, denn die Industrialisierung in Oberhessen blieb weitgehend aus und die Landwirtschaft im Vogelsberg war wenig ertragreich.

Eine am 1. Juni 1872 eingerichtete Schnellzugverbindung zwischen Gießen und Fulda bestand mangels Nachfrage nur bis zum 16. September 1872.

1876 wurden die Oberhessischen Eisenbahnen verstaatlicht, zum 1. April 1897 ging die Staatsbahn in der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft auf.

Die Strecke hat zahlreiche Kurven, weil beim Bau möglichst viele Gemeinden angebunden werden sollten, und von den 106 Kilometern verlaufen nur 13 horizontal.

Gießen Flughafen: der Haltepunkt am Flugplatz

Der Haltepunkt Gießen Flughafen lag bei Kilometer 5,1 und war unbesetzt.

Er bestand bis 1978.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit lag er im Sperrgebiet des Flughafens Gießen und durfte von Deutschen nicht genutzt werden, diese Beschränkung wurde Anfang 1947 aufgehoben.

Es gab auch ein Anschlussgleis zum Flughafen.

Der Flughafen war 1925 als Verkehrsflughafen eröffnet worden, die Eröffnungsfeier am 5. Juli 1925 fand in Anwesenheit des Flugzeugbauers Hugo Junkers statt.

Das feste Empfangsgebäude im Stil des Bauhauses wurde am 27. September 1927 eröffnet und kostete 75.000 Reichsmark.

1933 wurde der Betrieb wegen zu geringer Fluggastzahlen bis auf Zubringerflüge nach Frankfurt eingestellt.

Ab 1937 wurde die Anlage zum Militärflugplatz umgebaut, zuvor war der Flugplatz an die Vogelsbergbahn angeschlossen worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die US-Streitkräfte die Anlage und richteten dort das US-Depot Gießen ein.

Der militärische Teil des Depots wurde 2007 geschlossen, die letzten zivilen Teile des Betriebs 2015.

Die Liegenschaft wurde danach an die Stadt Gießen zurückgegeben.

Ein Triebwagen der Baureihe 628 auf der Vogelsbergbahn bei Rödgen, aufgenommen 2007.
Ein Triebwagen der Baureihe 628 auf der Vogelsbergbahn bei Rödgen, aufgenommen 2007. Foto: Jonathan Schmidt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Renzendorf: der Haltepunkt, der fast ein Bahnhof geworden wäre

Der Haltepunkt Renzendorf lag bei Kilometer 66,9 zwischen Alsfeld und Wallenrod.

Renzendorf erhielt den Haltepunkt, weil der Nachbarort Brauerschwend es abgelehnt hatte, Gelände für einen Bahnhof zur Verfügung zu stellen, als 1870 mit dem Bau der Strecke begonnen wurde.

Der Haltepunkt wurde zusammen mit dem Bahnhof Wallenrod im Rahmen eines neuen Fahrplankonzepts zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2011 aufgelassen.

Das geschah trotz Einwänden des Fahrgastverbandes Pro Bahn.

Während Wallenrod noch als Betriebsbahnhof dient, wurde der Renzendorfer Haltepunkt komplett stillgelegt.

2014 erinnerten noch das Stationsschild und der ehemalige Bahnsteig an den Haltepunkt.

Wallenrod: vom Personenhalt zum Holzbahnhof

Der Haltepunkt Wallenrod bei Kilometer 72,061 war ein Betriebsbahnhof, an dem der Personenverkehr bis 2011 stattfand.

Er wurde im Dezember 2011 im Rahmen des neuen Fahrplankonzepts entgegen den Bedenken von Pro Bahn aufgelassen.

Der Ort Wallenrod liegt in Oberhessen und hatte bis Dezember 2011 einen Bahnhof an der Strecke Gießen–Fulda.

Als Betriebsbahnhof dient Wallenrod weiter.

Um Holztransporte vom Lkw auf die Schiene zu verlagern, errichtete die Pfeifer Group ab Ende 2019 einen 1,7 Kilometer langen Gleisanschluss von hier zu ihrem Standort in Lauterbach.

Er ging Ende April 2022 in Betrieb und wird regelmäßig mit Holzzügen von Fulda aus bedient.

Der Güterverkehr der Vogelsbergbahn beschränkt sich heute auf die Abschnitte Gießen–Großen Buseck und Wallenrod–Fulda.

Der Güterschuppen am Bahnhof Wallenrod, aufgenommen 2011.
Der Güterschuppen am Bahnhof Wallenrod, aufgenommen 2011. Foto: Exact42, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: neue Fahrpläne und Ausbau

Eingleisigkeit, fehlende Kreuzungsmöglichkeiten und veraltete Technik waren lange Ursache von Verspätungen.

In einem Eckpunktepapier, das am 10. Juni 2008 in Grünberg verabschiedet wurde, einigten sich DB Netz und die Anliegergemeinden auf den dauerhaften Erhalt der Vogelsbergbahn.

Im September 2009 kündigte Bahnchef Grube an, die Bahn bis 2011 mit 24,6 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II auszubauen.

Die Modernisierung erfolgte 2010 und 2011, Brücken wurden erneuert und die Höchstgeschwindigkeit stieg auf 120 Kilometer pro Stunde.

Dafür wurden 61 niveaugleiche Bahnübergänge und die Signalanlagen angepasst.

Seit Dezember 2011 wird der Personenverkehr von der Hessischen Landesbahn abgewickelt, bis dahin fuhren auch Regional-Express-Züge.

Seit diesem Fahrplan verkehren nur noch Regionalbahnen, im selben Dezember fielen Renzendorf und Wallenrod weg.

So sieht es jetzt aus

Die Strecke ist in Betrieb, die drei Halte gibt es für Reisende nicht mehr.

In Wallenrod bleibt der Bahnhof als Betriebsbahnhof mit dem Anschluss zum Sägewerk bestehen.

Zu Renzendorf und zum Haltepunkt Gießen Flughafen sind weitere Einzelheiten zum heutigen Zustand nicht belegt.

Vorher und nachher: Wallenrod

Bis Dezember 2011 hielten in Wallenrod Reisezüge.

Seit Ende April 2022 verlädt die Pfeifer Group dort Holz auf die Schiene.

Die Geschichte in Daten

1868: Am 4. April wird die Konzession für Bau und Betrieb an die Oberhessischen Eisenbahnen erteilt.

1872: Die Schnellzugverbindung Gießen–Fulda besteht vom 1. Juni bis 16. September.

1876: Die Oberhessischen Eisenbahnen werden verstaatlicht.

1925: Der Flughafen Gießen wird am 5. Juli eröffnet.

1927: Am 27. September wird das Empfangsgebäude des Flughafens eröffnet.

1947: Die Beschränkung für den Haltepunkt Gießen Flughafen wird aufgehoben.

1978: Der Haltepunkt Gießen Flughafen besteht bis zum 30. September.

2007: Der militärische Teil des US-Depots Gießen wird geschlossen.

2008: Am 10. Juni einigen sich DB Netz und die Anliegergemeinden auf den Erhalt der Strecke.

2011: Am 10. Dezember werden Renzendorf und Wallenrod aufgelassen.

2022: Ende April geht der Gleisanschluss in Wallenrod in Betrieb.

Häufige Fragen

Fährt auf der Vogelsbergbahn noch ein Zug?
Ja, die Strecke zwischen Gießen und Fulda ist in Betrieb, nur drei Halte sind aufgelassen.
Warum wurden Renzendorf und Wallenrod aufgelassen?
Beide Halte entfielen mit dem neuen Fahrplankonzept zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2011, trotz Einwänden von Pro Bahn.
Was war am Haltepunkt Gießen Flughafen?
Der Haltepunkt lag am Flughafen Gießen, später war dort das US-Depot Gießen.
Wie lang ist die Vogelsbergbahn?
Die Strecke ist nach heutiger Kilometrierung 105,9 Kilometer lang.
Was passiert in Wallenrod heute?
Wallenrod dient als Betriebsbahnhof, dort beginnt der Gleisanschluss zum Sägewerk der Pfeifer Group in Lauterbach.

Von den drei Halten der Vogelsbergbahn ist Wallenrod der einzige mit neuer Aufgabe, als Betriebsbahnhof mit dem Gleisanschluss für Holzzüge.

Für Renzendorf und den Haltepunkt am Flughafen ist darüber hinaus nichts belegt.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Gießen–Fulda · Wikipedia: Renzendorf · Wikipedia: Wallenrod · Wikipedia: Flughafen Gießen · Wikimedia Commons: Kategorie Bahnstrecke Gießen–Fulda

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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