Die stillen Halte der Querbahn von Borna nach Großbothen
Die Querbahn Borna–Großbothen fuhr nur zehn Jahre, von 1937 bis zum Abbau als Reparation 1947. Der Beitrag geht die Halte Schönau, Flößberg, Bad Lausick West, Glasten und Kleinbardau durch.

Lage: Nordwestsachsen, von Borna über Bad Lausick nach Großbothen. Status: Zum 30. September 1947 stillgelegt und als Reparationsleistung abgebaut. Heute: Der Bahndamm ist abschnittsweise erhalten, mehrere Stationsgebäude und Brücken stehen noch.
Die Bahnstrecke Borna–Großbothen, auch Querbahn genannt, war eine Nebenbahn in Sachsen.
Sie verlief von Borna über Bad Lausick nach Großbothen.
Eröffnet wurde sie 1937, nach nur zehn Jahren wurde sie 1947 als Reparationsleistung abgebaut.
Dieser Beitrag geht die stillen Halte Schönau, Flößberg, Bad Lausick West, Glasten und Kleinbardau einzeln durch.
Die Bahnhöfe Borna, Neukirchen-Wyhra, Bad Lausick und Großbothen sind weiter in Betrieb und gehören nicht zu den stillen Halten.
Freie Fotos aus der Betriebszeit fehlen, die Aufnahmen zeigen Reste der Strecke nach dem Abbau.
Entstehung: Neunzig Jahre Planung für zehn Jahre Betrieb
Schon in den 1850er Jahren gab es Pläne für eine Verbindung Pegau–Borna–Grimma.
Sie wurden nicht umgesetzt, obwohl in der Gegend bereits Braunkohle gefördert wurde.
Auch Petitionen eines Anfang der 1880er Jahre gegründeten Komitees blieben erfolglos.
Nach 1900 wurde 1907 mit der Strecke Neukieritzsch–Pegau ein Teilstück der geplanten Verbindung genehmigt.
Für den Abschnitt Borna–Grimma gab es erneut Untersuchungen, schließlich wählte man den Bahnhof Großbothen als Anschluss, weil dort die Bedingungen besser waren als in Grimma.
1909 begannen die Vermessungsarbeiten für die Strecke, die Baukosten wurden mit etwa 3,5 Millionen Mark veranschlagt.
Über den Streckenverlauf bestanden Unklarheiten, denn viele Orte wollten einen Bahnanschluss und die Bergbaugebiete bei Borna erschwerten die Trassierung.
Insgesamt gab es acht verschiedene Vorschläge, auf einen einigte man sich bis 1914 nicht, danach verhinderte der Erste Weltkrieg den Baubeginn.
Nach Kriegsende waren die Kosten so gestiegen, dass die Gemeinden erst die Baugrundstücke für den Staat erwerben mussten.
Im September 1920 begannen die Bauarbeiten, die durch die Inflation ins Stocken gerieten, 1924 und 1925 fanden gar keine Arbeiten statt.
1933 wurden die Bauarbeiten nach der Weltwirtschaftskrise erneut gestoppt.
Am 1. Juli 1936 wurde das Teilstück Heinersdorf–Großbothen für den Güterverkehr freigegeben.
Im Oktober 1937 wurde die Gesamtstrecke eröffnet, dabei wurde auch der Bahnhof Bad Lausick umfangreich ausgebaut.

So sah es vorher aus: Braunkohle zum Elbhafen
Der Personenverkehr blieb immer auf regionalen Verkehr beschränkt.
Größere Bedeutung hatte der Güterverkehr auf der für höchstens 20 Tonnen Achslast zugelassenen Strecke.
Hauptsächlich wurde Braunkohle aus dem Revier südlich von Leipzig zum Elbhafen Riesa abtransportiert.
Die Strecke begann am Bahnhof Borna und verlief zunächst auf der Trasse der Strecke Neukieritzsch–Chemnitz bis zum Haltepunkt Neukirchen-Wyhra.
Von dort führte sie in einem Bogen nach Osten und Nordosten, dieser Abschnitt befindet sich heute zum größten Teil im Harthsee, einem Tagebaurestloch des Tagebaus Borna-Ost.
Die Strecke führte über die Eulabrücke und unterquerte die Strecke Leipzig–Geithain.
Bei Großbothen unterquerte die Strecke die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig und mündete vor dem Bahnhof Großbothen in sie ein.
Die Neukirchener Haltestelle wurde zum Bahnhof erhoben, zwei Außenbahnsteige entstanden, die Züge nach Großbothen begannen aber schon in Borna.
Dafür wurde der Abschnitt Borna–Neukirchen-Wyhra zweigleisig ausgebaut, das zweite Gleis wurde 1947 wieder abgebaut.
Schönau (b Frohburg): Haltepunkt am Rand des Tagebaus
Der Haltepunkt Schönau (b Frohburg) wurde 1937 mit der Gesamtstrecke eingeweiht.
Er lag zwischen Schönau im Norden und Nenkersdorf im Süden an der Oberen Schönauer Straße.
Von der Wartehalle blieben nur die Fundamente übrig.
Mit der Stilllegung der Strecke ging er 1947 außer Betrieb.
Der Bahndamm in Richtung Borna wurde um 1980 durch den Tagebau Borna-Ost zerstört, dort liegt heute der Harthsee.
Auf dem Bahndamm in Richtung Großbothen entstand ein Feldweg.
Die Brücke östlich von Schönau über die Verbindungsstraße nach Prießnitz wurde in den 1990er Jahren abgerissen, der Bahndamm ist dort unterbrochen.
Flößberg: Bahnhof westlich des Ortes
Der Bahnhof Flößberg wurde 1937 mit der Gesamtstrecke eingeweiht.
Er lag im Nordwesten von Flößberg am Beuchaer Weg.
Die Station besaß ein Empfangsgebäude und ein Wirtschaftsgebäude, die beide am Standort noch erhalten sind.
Mit der Stilllegung der Strecke ging der Bahnhof 1947 außer Betrieb.
Bad Lausick West: Von der Ladestelle zur Haltestelle
Die Ladestelle Heinersdorf wurde am 1. Juli 1936 mit der Freigabe des Teilstücks Heinersdorf–Großbothen für den Güterverkehr eröffnet.
Mit der Eröffnung der Gesamtstrecke erfolgte die Umbenennung in Bad Lausick West.
Die Station lag im Tal des Heinersdorfer Bachs zwischen den Orten Wüstungsstein im Nordwesten und Heinersdorf im Südosten.
An Hochbauten besaß sie ein Empfangsgebäude, ein Wohnhaus und einen Abort, die bis heute erhalten sind.
Als der Personenverkehr 1947 endete, blieb das Gleis von Bad Lausick nach Bad Lausick West als Anschlussgleis für ein Schamottewerk erhalten.
Mit der Stilllegung des Anschlussgleises ging die Ladestelle im Oktober 1952 außer Betrieb.


Glasten: Haltestelle am Ortsrand
Die Haltestelle Glasten ging am 1. Juli 1936 als Ladestelle in Betrieb.
Mit der Gesamtstrecke wurde sie 1937 als Haltestelle geführt.
Sie lag am Südwestrand des Ortes und hatte eine Wartehalle, ein Wohnhaus, einen Abort und eine Laderampe.
Neben dem Bahnsteig sind der Abort und das Wohnhaus noch erhalten.
Mit der Einstellung des Schienenverkehrs und dem Abbau der Gleise ging die Station 1947 außer Betrieb.




Kleinbardau: Güterbahnhof wird Bahnhof
Der Bahnhof Kleinbardau ging am 1. Juli 1936 mit dem Teilstück Heinersdorf–Großbothen als Güterbahnhof in Betrieb.
Mit der Gesamtstrecke wurde er 1937 als Bahnhof geführt.
Er lag an der Straße Zur Alten Schmiede östlich von Kleinbardau und hatte ein Empfangsgebäude, ein Wohnhaus, einen Abort und eine Laderampe.
Neben dem Bahnsteig sind das Empfangsgebäude, der Abort und das Wohnhaus noch erhalten.
Mit dem Abbau der Gleise ging die Station 1947 außer Betrieb.


Niedergang und Ende: Reparation nach zehn Jahren
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Verkehr am 15. April 1945 eingestellt.
Ab Juni 1945 verkehrten wieder wenige Züge, die vor allem Brennstoff für das Kraftwerk Hirschfelde beförderten.
Kurzzeitig war das Teilstück Liebertwolkwitz–Bad Lausick der Strecke Leipzig–Geithain als Reparationsleistung für die Sowjetunion vorgesehen.
Letztlich entschied man sich für die Strecke Borna–Großbothen.
Am 30. September 1947 wurde die Strecke stillgelegt und danach abgebaut.
Nur das Gleis von Bad Lausick nach Bad Lausick West blieb als Anschlussgleis für ein Schamottewerk erhalten, es wurde bis Oktober 1952 befahren.
So sieht es jetzt aus: Bahndamm und Radweg
Auf der Trasse soll abschnittsweise ein Bahnradweg entstehen, der Borna und Grimma verbindet.
Nach der Entstehung des Landkreises Leipzig wurde 2011 die Planung eingeleitet.
Zwischen Bad Lausick und Flößberg übernimmt der Bund die Finanzierung als Alternative zu einem Radweg parallel zur Bundesstraße 176.
Die Geschichte in Daten
1907: Die Strecke Neukieritzsch–Pegau wird genehmigt.
September 1920: Die Bauarbeiten an der Querbahn beginnen.
1933: Die Bauarbeiten werden erneut gestoppt.
1. Juli 1936: Das Teilstück Heinersdorf–Großbothen wird für den Güterverkehr freigegeben.
Oktober 1937: Die Gesamtstrecke wird eröffnet.
15. April 1945: Der Verkehr wird bei Kriegsende eingestellt.
30. September 1947: Die Strecke wird stillgelegt.
Oktober 1952: Der Anschluss Bad Lausick–Bad Lausick West geht außer Betrieb.
2011: Die Planung für einen Bahnradweg beginnt.
Häufige Fragen
Wie lange fuhren dort Züge?
Warum wurde die Strecke abgebaut?
Welche Gebäude sind noch erhalten?
Gibt es einen Radweg auf der Trasse?
Die Querbahn wurde über Jahrzehnte geplant und fuhr nur kurz.
Geblieben sind Bahndamm, Brücken und einige Stationsgebäude.
Wikipedia: Bahnstrecke Borna–Großbothen
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