Die stillen Halte der Querbahn von Borna nach Großbothen

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Querbahn von Borna nach Großbothen

Die Querbahn Borna–Großbothen fuhr nur zehn Jahre, von 1937 bis zum Abbau als Reparation 1947. Der Beitrag geht die Halte Schönau, Flößberg, Bad Lausick West, Glasten und Kleinbardau durch.

Der ehemalige Bahnhof Glasten an der Strecke Borna–Großbothen, 2010.
Der ehemalige Bahnhof Glasten an der Strecke Borna–Großbothen, 2010. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1936
Güterverkehr Heinersdorf–Großbothen
1937
Gesamtstrecke eröffnet
1945
Verkehr bei Kriegsende eingestellt
1947
Stillgelegt und abgebaut

Lage: Nordwestsachsen, von Borna über Bad Lausick nach Großbothen. Status: Zum 30. September 1947 stillgelegt und als Reparationsleistung abgebaut. Heute: Der Bahndamm ist abschnittsweise erhalten, mehrere Stationsgebäude und Brücken stehen noch.

Die Bahnstrecke Borna–Großbothen, auch Querbahn genannt, war eine Nebenbahn in Sachsen.

Sie verlief von Borna über Bad Lausick nach Großbothen.

Eröffnet wurde sie 1937, nach nur zehn Jahren wurde sie 1947 als Reparationsleistung abgebaut.

Dieser Beitrag geht die stillen Halte Schönau, Flößberg, Bad Lausick West, Glasten und Kleinbardau einzeln durch.

Die Bahnhöfe Borna, Neukirchen-Wyhra, Bad Lausick und Großbothen sind weiter in Betrieb und gehören nicht zu den stillen Halten.

Freie Fotos aus der Betriebszeit fehlen, die Aufnahmen zeigen Reste der Strecke nach dem Abbau.

Entstehung: Neunzig Jahre Planung für zehn Jahre Betrieb

Schon in den 1850er Jahren gab es Pläne für eine Verbindung Pegau–Borna–Grimma.

Sie wurden nicht umgesetzt, obwohl in der Gegend bereits Braunkohle gefördert wurde.

Auch Petitionen eines Anfang der 1880er Jahre gegründeten Komitees blieben erfolglos.

Nach 1900 wurde 1907 mit der Strecke Neukieritzsch–Pegau ein Teilstück der geplanten Verbindung genehmigt.

Für den Abschnitt Borna–Grimma gab es erneut Untersuchungen, schließlich wählte man den Bahnhof Großbothen als Anschluss, weil dort die Bedingungen besser waren als in Grimma.

1909 begannen die Vermessungsarbeiten für die Strecke, die Baukosten wurden mit etwa 3,5 Millionen Mark veranschlagt.

Über den Streckenverlauf bestanden Unklarheiten, denn viele Orte wollten einen Bahnanschluss und die Bergbaugebiete bei Borna erschwerten die Trassierung.

Insgesamt gab es acht verschiedene Vorschläge, auf einen einigte man sich bis 1914 nicht, danach verhinderte der Erste Weltkrieg den Baubeginn.

Nach Kriegsende waren die Kosten so gestiegen, dass die Gemeinden erst die Baugrundstücke für den Staat erwerben mussten.

Im September 1920 begannen die Bauarbeiten, die durch die Inflation ins Stocken gerieten, 1924 und 1925 fanden gar keine Arbeiten statt.

1933 wurden die Bauarbeiten nach der Weltwirtschaftskrise erneut gestoppt.

Am 1. Juli 1936 wurde das Teilstück Heinersdorf–Großbothen für den Güterverkehr freigegeben.

Im Oktober 1937 wurde die Gesamtstrecke eröffnet, dabei wurde auch der Bahnhof Bad Lausick umfangreich ausgebaut.

Die Brücke der ehemaligen Verbindungsbahn Großbothen–Borna bei der Station Neukirchen-Wyhra, 2012.
Die Brücke der ehemaligen Verbindungsbahn Großbothen–Borna bei der Station Neukirchen-Wyhra, 2012. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Braunkohle zum Elbhafen

Der Personenverkehr blieb immer auf regionalen Verkehr beschränkt.

Größere Bedeutung hatte der Güterverkehr auf der für höchstens 20 Tonnen Achslast zugelassenen Strecke.

Hauptsächlich wurde Braunkohle aus dem Revier südlich von Leipzig zum Elbhafen Riesa abtransportiert.

Die Strecke begann am Bahnhof Borna und verlief zunächst auf der Trasse der Strecke Neukieritzsch–Chemnitz bis zum Haltepunkt Neukirchen-Wyhra.

Von dort führte sie in einem Bogen nach Osten und Nordosten, dieser Abschnitt befindet sich heute zum größten Teil im Harthsee, einem Tagebaurestloch des Tagebaus Borna-Ost.

Die Strecke führte über die Eulabrücke und unterquerte die Strecke Leipzig–Geithain.

Bei Großbothen unterquerte die Strecke die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig und mündete vor dem Bahnhof Großbothen in sie ein.

Die Neukirchener Haltestelle wurde zum Bahnhof erhoben, zwei Außenbahnsteige entstanden, die Züge nach Großbothen begannen aber schon in Borna.

Dafür wurde der Abschnitt Borna–Neukirchen-Wyhra zweigleisig ausgebaut, das zweite Gleis wurde 1947 wieder abgebaut.

Schönau (b Frohburg): Haltepunkt am Rand des Tagebaus

Der Haltepunkt Schönau (b Frohburg) wurde 1937 mit der Gesamtstrecke eingeweiht.

Er lag zwischen Schönau im Norden und Nenkersdorf im Süden an der Oberen Schönauer Straße.

Von der Wartehalle blieben nur die Fundamente übrig.

Mit der Stilllegung der Strecke ging er 1947 außer Betrieb.

Der Bahndamm in Richtung Borna wurde um 1980 durch den Tagebau Borna-Ost zerstört, dort liegt heute der Harthsee.

Auf dem Bahndamm in Richtung Großbothen entstand ein Feldweg.

Die Brücke östlich von Schönau über die Verbindungsstraße nach Prießnitz wurde in den 1990er Jahren abgerissen, der Bahndamm ist dort unterbrochen.

Flößberg: Bahnhof westlich des Ortes

Der Bahnhof Flößberg wurde 1937 mit der Gesamtstrecke eingeweiht.

Er lag im Nordwesten von Flößberg am Beuchaer Weg.

Die Station besaß ein Empfangsgebäude und ein Wirtschaftsgebäude, die beide am Standort noch erhalten sind.

Mit der Stilllegung der Strecke ging der Bahnhof 1947 außer Betrieb.

Bad Lausick West: Von der Ladestelle zur Haltestelle

Die Ladestelle Heinersdorf wurde am 1. Juli 1936 mit der Freigabe des Teilstücks Heinersdorf–Großbothen für den Güterverkehr eröffnet.

Mit der Eröffnung der Gesamtstrecke erfolgte die Umbenennung in Bad Lausick West.

Die Station lag im Tal des Heinersdorfer Bachs zwischen den Orten Wüstungsstein im Nordwesten und Heinersdorf im Südosten.

An Hochbauten besaß sie ein Empfangsgebäude, ein Wohnhaus und einen Abort, die bis heute erhalten sind.

Als der Personenverkehr 1947 endete, blieb das Gleis von Bad Lausick nach Bad Lausick West als Anschlussgleis für ein Schamottewerk erhalten.

Mit der Stilllegung des Anschlussgleises ging die Ladestelle im Oktober 1952 außer Betrieb.

Die ehemalige Bahnstrecke Borna–Großbothen an der Staatsstraße 11 in Bad Lausick, Blick nach Westen, 2023.
Die ehemalige Bahnstrecke Borna–Großbothen an der Staatsstraße 11 in Bad Lausick, Blick nach Westen, 2023. Foto: Cmuelle8, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Das freie Widerlager der ehemaligen Strecke Borna–Großbothen an der Eisenbahnüberführung Steingrund der Strecke Leipzig–Geithain, 2023.
Das freie Widerlager der ehemaligen Strecke Borna–Großbothen an der Eisenbahnüberführung Steingrund der Strecke Leipzig–Geithain, 2023. Foto: Cmuelle8, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Glasten: Haltestelle am Ortsrand

Die Haltestelle Glasten ging am 1. Juli 1936 als Ladestelle in Betrieb.

Mit der Gesamtstrecke wurde sie 1937 als Haltestelle geführt.

Sie lag am Südwestrand des Ortes und hatte eine Wartehalle, ein Wohnhaus, einen Abort und eine Laderampe.

Neben dem Bahnsteig sind der Abort und das Wohnhaus noch erhalten.

Mit der Einstellung des Schienenverkehrs und dem Abbau der Gleise ging die Station 1947 außer Betrieb.

Der Bahnhof Glasten an der ehemaligen Bahnstrecke Borna–Großbothen, Westansicht, August 2023.
Der Bahnhof Glasten an der ehemaligen Bahnstrecke Borna–Großbothen, Westansicht, August 2023. Foto: Cmuelle8, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Der Geländeeinschnitt der ehemaligen Bahnstrecke am Steinbruch Glasten südlich der Parthequerung, August 2023.
Der Geländeeinschnitt der ehemaligen Bahnstrecke am Steinbruch Glasten südlich der Parthequerung, August 2023. Foto: Cmuelle8, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Die Parthebrücke der ehemaligen Querbahn, Ostansicht, August 2023.
Die Parthebrücke der ehemaligen Querbahn, Ostansicht, August 2023. Foto: Cmuelle8, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Der Geh- und Radweg an der ehemaligen Bahnstrecke südwestlich von Glasten, August 2023.
Der Geh- und Radweg an der ehemaligen Bahnstrecke südwestlich von Glasten, August 2023. Foto: Cmuelle8, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Kleinbardau: Güterbahnhof wird Bahnhof

Der Bahnhof Kleinbardau ging am 1. Juli 1936 mit dem Teilstück Heinersdorf–Großbothen als Güterbahnhof in Betrieb.

Mit der Gesamtstrecke wurde er 1937 als Bahnhof geführt.

Er lag an der Straße Zur Alten Schmiede östlich von Kleinbardau und hatte ein Empfangsgebäude, ein Wohnhaus, einen Abort und eine Laderampe.

Neben dem Bahnsteig sind das Empfangsgebäude, der Abort und das Wohnhaus noch erhalten.

Mit dem Abbau der Gleise ging die Station 1947 außer Betrieb.

Die Bahnbrücke über die Straße Zur Alten Schmiede östlich von Kleinbardau, 2023.
Die Bahnbrücke über die Straße Zur Alten Schmiede östlich von Kleinbardau, 2023. Foto: Cmuelle8, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Die Eisenbahnbrücke bei Zur Alten Schmiede in Kleinbardau, ein Kulturdenkmal des Freistaats Sachsen, 2025.
Die Eisenbahnbrücke bei Zur Alten Schmiede in Kleinbardau, ein Kulturdenkmal des Freistaats Sachsen, 2025. Foto: Radler59, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende: Reparation nach zehn Jahren

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Verkehr am 15. April 1945 eingestellt.

Ab Juni 1945 verkehrten wieder wenige Züge, die vor allem Brennstoff für das Kraftwerk Hirschfelde beförderten.

Kurzzeitig war das Teilstück Liebertwolkwitz–Bad Lausick der Strecke Leipzig–Geithain als Reparationsleistung für die Sowjetunion vorgesehen.

Letztlich entschied man sich für die Strecke Borna–Großbothen.

Am 30. September 1947 wurde die Strecke stillgelegt und danach abgebaut.

Nur das Gleis von Bad Lausick nach Bad Lausick West blieb als Anschlussgleis für ein Schamottewerk erhalten, es wurde bis Oktober 1952 befahren.

So sieht es jetzt aus: Bahndamm und Radweg

Auf der Trasse soll abschnittsweise ein Bahnradweg entstehen, der Borna und Grimma verbindet.

Nach der Entstehung des Landkreises Leipzig wurde 2011 die Planung eingeleitet.

Zwischen Bad Lausick und Flößberg übernimmt der Bund die Finanzierung als Alternative zu einem Radweg parallel zur Bundesstraße 176.

Die Geschichte in Daten

1907: Die Strecke Neukieritzsch–Pegau wird genehmigt.

September 1920: Die Bauarbeiten an der Querbahn beginnen.

1933: Die Bauarbeiten werden erneut gestoppt.

1. Juli 1936: Das Teilstück Heinersdorf–Großbothen wird für den Güterverkehr freigegeben.

Oktober 1937: Die Gesamtstrecke wird eröffnet.

15. April 1945: Der Verkehr wird bei Kriegsende eingestellt.

30. September 1947: Die Strecke wird stillgelegt.

Oktober 1952: Der Anschluss Bad Lausick–Bad Lausick West geht außer Betrieb.

2011: Die Planung für einen Bahnradweg beginnt.

Häufige Fragen

Wie lange fuhren dort Züge?
Von 1937 bis zum Kriegsende 1945, danach noch wenige Züge bis zur Stilllegung am 30. September 1947.
Warum wurde die Strecke abgebaut?
Sie wurde als Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert.
Welche Gebäude sind noch erhalten?
Unter anderem Empfangsgebäude in Flößberg, Bad Lausick West und Kleinbardau sowie Wohnhäuser in Glasten.
Gibt es einen Radweg auf der Trasse?
Auf der Trasse soll abschnittsweise ein Bahnradweg zwischen Borna und Grimma entstehen.

Die Querbahn wurde über Jahrzehnte geplant und fuhr nur kurz.

Geblieben sind Bahndamm, Brücken und einige Stationsgebäude.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Borna–Großbothen

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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