Die stillen Halte zwischen Neukieritzsch, Groitzsch und Pegau

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte zwischen Neukieritzsch, Groitzsch und Pegau

Die Nebenbahn von Neukieritzsch über Groitzsch nach Pegau ging 1909 in Betrieb und wurde 1999 stillgelegt. Der Beitrag geht die Halte Droßdorf, Pödelwitz, Großstolpen, Groitzsch und Pegau Ost durch.

VORHER · 1920

Der Bahnhof Groitzsch mit Bahnsteig und Bahnsteigdach, Postkarte von 1920.

Der Bahnhof Groitzsch mit Bahnsteig und Bahnsteigdach, Postkarte von 1920. Foto: Brück & Sohn Kunstverlag, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2000

Der Bahnhof Groitzsch von der Gleisseite, 2000.

Der Bahnhof Groitzsch von der Gleisseite, 2000. Foto: Ekkehard Buge, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1909
Eröffnung am 1. Oktober
1947
Teilabbau als Reparation
1997
Personenverkehr endet
1999
Strecke stillgelegt

Lage: Leipziger Südraum, von Neukieritzsch über Groitzsch nach Pegau. Status: Der Reiseverkehr endete am 1. Juni 1997, die Stilllegung wurde am 31. August 1999 vollzogen. Heute: Auf Teilen der Trasse verläuft ein Radweg, Teile wurden vom Tagebau überbaggert.

Die Bahnstrecke Neukieritzsch–Pegau war eine Nebenbahn in Sachsen und verlief von Neukieritzsch über Groitzsch nach Pegau.

Sie wurde am 1. Oktober 1909 eröffnet, der Reiseverkehr endete am 1. Juni 1997.

Am 21. Juni 1999 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung, juristisch vollzogen wurde sie am 31. August 1999.

Dieser Beitrag geht die Halte Droßdorf, Pödelwitz, Großstolpen, Groitzsch und Pegau Ost einzeln durch.

Die Bahnhöfe Neukieritzsch und Pegau sind weiter in Betrieb und gehören nicht zu den stillen Halten.

Entstehung: Eine Querverbindung für die Kohle

Um die Jahrhundertwende war der Leipziger Südraum mit seiner Braunkohleindustrie schon flächendeckend durch Eisenbahnstrecken erschlossen.

Mit den Verbindungen Leipzig–Gera, Gaschwitz–Meuselwitz und Leipzig–Hof bestanden gleich drei Strecken in geringem Abstand von Leipzig nach Süden.

Eine Querverbindung gab es erst auf thüringischem Gebiet mit der Strecke Zeitz–Altenburg.

Für den Kohleverkehr hielt man eine weiter nördlich gelegene Querverbindung für nötig, besonders Pegau und Groitzsch hatten daran Interesse.

Am 28. November 1907 begannen die Bauarbeiten, am 1. Oktober 1909 wurde die Strecke eröffnet.

Sie begann am Bahnhof Kieritzsch an der Strecke Leipzig–Hof, der seit 1936 Bahnhof Neukieritzsch heißt.

Zwischen Großstolpen und Cöllnitz überquerte sie die Schnauder.

In Groitzsch bog die Trasse in die Strecke Gaschwitz–Meuselwitz ein, nach dem Bahnhof Groitzsch trennten sich beide wieder.

Nach dem Überqueren der Schwennigke und der Weißen Elster mündete die Strecke im Bahnhof Pegau in die Strecke Leipzig–Probstzella.

Der Bahnhof Groitzsch, Postkarte von 1913.
Der Bahnhof Groitzsch, Postkarte von 1913. Foto: Brück & Sohn Kunstverlag, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

So sah es vorher aus: Reparation und Wiederaufbau

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Strecke als Reparationsleistung teilweise abgebaut, der Verkehr ruhte seit 1947.

Der 1956 begonnene Wiederaufbau endete mit der Wiederinbetriebnahme im folgenden Jahr.

Dabei erhielten die wieder eröffneten Haltepunkte Droßdorf, Pödelwitz, Großstolpen und Pegau Ost neue Empfangsgebäude.

Nach der Wende 1989 verlor die Strecke rasch ihre Bedeutung im Personen- und Güterverkehr.

Zwischen Neukieritzsch und Pödelwitz wurde die frühere Strecke inzwischen vom Tagebau Vereinigtes Schleenhain überbaggert.

Droßdorf: Bahnhof eines verschwundenen Dorfes

Der Bahnhof Droßdorf ging mit der Eröffnung der Strecke am 1. Oktober 1909 in Betrieb.

1933 wurde er zur Haltestelle herabgestuft, später zum Haltepunkt.

1947 wurde die Verkehrsstation geschlossen, nach der Wiederinbetriebnahme 1957 erhielt sie ein Empfangsgebäude.

Das südlich der Station gelegene Dorf Droßdorf musste in den Jahren 1982 und 1983 dem Braunkohleabbau durch den Tagebau Schleenhain weichen.

Die Devastierung überlebten nur der Bahnhof, eine Schäferei und die etwas nördlich gelegene Ziegelei.

Mit der Stilllegung der Strecke verlor die Station ihre Bedeutung, 1998 wurden alle Hochbauten auf dem Gelände abgerissen.

Gleisreste der Strecke Pegau–Neukieritzsch bei dem früheren Dorf Droßdorf, 2014.
Gleisreste der Strecke Pegau–Neukieritzsch bei dem früheren Dorf Droßdorf, 2014. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Pödelwitz: Bahnhof am Rand des Tagebaus

Der Haltepunkt Pödelwitz ging am 1. Oktober 1909 in Betrieb und wurde 1947 geschlossen.

Nach der Wiederinbetriebnahme am 29. September 1957 erhielt er ein Empfangsgebäude und wurde zum Bahnhof gewidmet.

1990 wurde er wieder zum Haltepunkt zurückgestuft.

Das Empfangsgebäude ist im Süden des Ortes noch vorhanden.

Im Zuge der Erweiterung des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain wurde die Ortslage Pödelwitz als Vorbehaltsgebiet ausgewiesen.

2012 entschied sich die Mehrheit der Pödelwitzer für eine freiwillige Umsiedlung, die in den folgenden Jahren nach Angeboten der MIBRAG durchgeführt wurde.

Das Bahnhofsgebäude wurde zwischen 2018 und 2019 von Klimaaktivisten genutzt.

Durch den Kohleausstieg bleiben die Ortslage Pödelwitz und der Bahnhof erhalten.

Der ehemalige Bahnhof in Pödelwitz, 2014.
Der ehemalige Bahnhof in Pödelwitz, 2014. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Großstolpen: Bahnhof mit zwei Namen

Der Bahnhof Großstolpen wurde unter dem Namen Groß- und Kleinstolpen am 1. Oktober 1909 eröffnet.

1933 wurde er zur Haltestelle zurückgestuft, nach der Eingemeindung von Kleinstolpen am 1. April 1934 erfolgte am 7. Oktober 1934 die Umbenennung in Großstolpen.

1947 wurde die Verkehrsstation geschlossen, am 28. April 1958 wurde sie wieder in Betrieb genommen.

Aus dieser Zeit stammt das bis heute erhaltene Empfangsgebäude.

Das Bahnhofsgebäude wurde 2006 von Privatpersonen gekauft und saniert.

Reste der Bahnstrecke Pegau–Neukieritzsch in Großstolpen, 2014.
Reste der Bahnstrecke Pegau–Neukieritzsch in Großstolpen, 2014. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Groitzsch: Knotenbahnhof zweier Strecken

Der Bahnhof Groitzsch wurde als Haltestelle am 7. September 1874 mit der Strecke Gaschwitz–Meuselwitz eröffnet.

1882 erfolgte die Hochstufung zum Bahnhof, mit der Eröffnung der Strecke nach Pegau am 1. Oktober 1909 wurde er zum Knotenpunkt.

1919 wurde er erweitert, die Beschädigungen von 1945 waren bis 1947 repariert.

Seit 1957 machte sich der fortschreitende Braunkohleabbau im Schienenverkehr bemerkbar.

Der Tagebau Zwenkau trug den kurz vorher stillgelegten Abschnitt Gaschwitz–Zwenkau der Strecke Gaschwitz–Meuselwitz ab.

Seit dem 22. Mai 1966 verkehrten Personenzüge nur noch zwischen Groitzsch und Meuselwitz, meist waren sie von und nach Pegau durchgebunden.

Weil der Abschnitt Groitzsch–Lucka im Abbaugebiet des 1974 aufgeschlossenen Tagebaus Groitzscher Dreieck lag, endete 1976 auch dort der Personenverkehr.

Danach wurde Groitzsch im Personenverkehr nur noch auf der Strecke Neukieritzsch–Pegau bedient, bis dieser am 1. Juni 1997 eingestellt wurde.

Am 12. August 1998 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung der Strecke Zwenkau–Groitzsch, juristisch vollzogen wurde sie zum 30. September 1998.

Am Standort im Osten von Groitzsch sind das sanierte Empfangsgebäude, das Güter- und das Wirtschaftsgebäude und das Stellwerk B1 erhalten.

Das Stellwerk W2 wurde 2013 abgerissen.

Der Bahnhof Groitzsch, 2011.
Der Bahnhof Groitzsch, 2011. Foto: Ekkehard Buge, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Stellwerk des ehemaligen Bahnhofs Groitzsch, 2013.
Das Stellwerk des ehemaligen Bahnhofs Groitzsch, 2013. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Gedenkstein zur Einweihung der Strecke Neukieritzsch–Pegau im Jahr 1909 in Groitzsch, 2013.
Gedenkstein zur Einweihung der Strecke Neukieritzsch–Pegau im Jahr 1909 in Groitzsch, 2013. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Pegau Ost: Zweiter Bahnhof der Stadt

Der Haltepunkt Pegau Ost wurde am 1. Oktober 1909 unter dem Namen Pegau S. St. E. eröffnet, er hatte seit der Eröffnung ein Empfangsgebäude.

Im gleichen Zug erhielt der 1873 eröffnete Bahnhof Pegau im Westen der Stadt den Namen Pegau Pr. St. E.

Der Name Pegau Ost gilt seit 1957, 1947 war die Verkehrsstation geschlossen worden.

Am 14. Januar 1957 wurde sie als Haltestelle Pegau Ost wiedereröffnet, im gleichen Jahr wurden ein neues Empfangsgebäude und das Stellwerk eingeweiht.

Mit der Stilllegung der Strecke ging die Station außer Betrieb.

Das Empfangsgebäude ist am Standort noch vorhanden, das Stellwerk wurde 2012 abgerissen.

Der ehemalige Bahnhof Pegau Ost, 2013.
Der ehemalige Bahnhof Pegau Ost, 2013. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der ehemalige Bahnhof Pegau Ost, Nahaufnahme, 2015.
Der ehemalige Bahnhof Pegau Ost, Nahaufnahme, 2015. Foto: Cmuelle8, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

So sieht es jetzt aus: Radweg und Überbaggerung

Zwischen Pödelwitz und Großpriesligk entstand in zwei Abschnitten ein Radweg auf der Trasse.

Er wurde größtenteils vom Bund finanziert, weil er parallel zur Bundesstraße 176 verläuft.

Einen Teil des Bahndamms im Bereich der Bundesstraße 2 kaufte die Stadt Pegau, um das Wohngebiet Ratsziegelei besser vor Hochwasser zu schützen.

Die übrigen Flächen gehören der Roth AG.

Die Geschichte in Daten

7. September 1874: Die Haltestelle Groitzsch wird mit der Strecke Gaschwitz–Meuselwitz eröffnet.

28. November 1907: Die Bauarbeiten beginnen.

1. Oktober 1909: Die Strecke Neukieritzsch–Pegau wird eröffnet.

1947: Der Verkehr ruht nach dem teilweisen Abbau.

14. Januar 1957: Pegau Ost wird wiedereröffnet.

29. September 1957: Pödelwitz wird wiedereröffnet.

28. April 1958: Großstolpen wird wiedereröffnet.

22. Mai 1966: Die Personenzüge verkehren nur noch zwischen Groitzsch und Meuselwitz.

1. Juni 1997: Der Reiseverkehr wird eingestellt.

31. August 1999: Die Stilllegung wird juristisch vollzogen.

Häufige Fragen

Wann fuhr der letzte Personenzug?
Der Reiseverkehr wurde am 1. Juni 1997 eingestellt.
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Das Eisenbahn-Bundesamt genehmigte die Stilllegung am 21. Juni 1999, vollzogen wurde sie am 31. August 1999.
Welche Gebäude sind erhalten?
Unter anderem die Empfangsgebäude in Pödelwitz, Großstolpen, Groitzsch und Pegau Ost.
Was geschah mit Droßdorf?
Das Dorf musste 1982 und 1983 dem Tagebau Schleenhain weichen, vom Ort blieben der Bahnhof, eine Schäferei und eine Ziegelei.
Gibt es einen Radweg?
Zwischen Pödelwitz und Großpriesligk entstand auf der Trasse in zwei Abschnitten ein Radweg.

Die Strecke entstand als Querverbindung für die Braunkohle und wurde 1957 noch einmal aufgebaut.

Geblieben sind mehrere Empfangsgebäude und ein Radweg auf der Trasse.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Neukieritzsch–Pegau

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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