Oebisfelde–Salzwedel: Die stillgelegte Altmarkstrecke und ihre Halte

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Oebisfelde–Salzwedel: Die stillgelegte Altmarkstrecke und ihre Halte

Von 1889 bis 2002 fuhren auf der 59 Kilometer langen Strecke zwischen Oebisfelde und Salzwedel Personenzüge. Die Halte dazwischen sind heute ehemalige Bahnhöfe, einer nach dem anderen.

VORHER · Zeit der DDR

Blick über die Bahnsteige auf den Bahnhof Kunrau zur Zeit der DDR.

Blick über die Bahnsteige auf den Bahnhof Kunrau zur Zeit der DDR. Foto: Betrachtend, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2007

Der Bahnhof Kunrau im Jahr 2007.

Der Bahnhof Kunrau im Jahr 2007. Foto: Reboelje, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1889
Eröffnung
2002
Personenverkehr abbestellt
2004
Stilllegung
2014
Erste Sonderfahrt nach zwölf Jahren

Strecke: Oebisfelde–Salzwedel, 59,2 Kilometer, eingleisig, nicht elektrifiziert. Status: Personenverkehr 2002 abbestellt, Strecke 2004 stillgelegt. Gleise: Zwischen Klötze und Oebisfelde 2008 entfernt.

Die Bahnstrecke Oebisfelde–Salzwedel verband von 1889 an die Kreisstadt Salzwedel mit dem Bahnknoten Oebisfelde.

Auf ihr fuhren 113 Jahre lang Personenzüge, bis das Land Sachsen-Anhalt den Verkehr zum 29. September 2002 abbestellte.

Dieser Beitrag stellt die Halte zwischen den beiden Endpunkten vor, nämlich Buchhorst, Kunrau, Kusey, Klötze, Bandau, Beetzendorf, Siedenlangenbeck, Kuhfelde, Dambeck und Salzwedel Altstadt.

Die Endbahnhöfe Oebisfelde und Salzwedel bestehen weiter und sind nicht Thema.

Alte freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, deshalb zeigen die meisten Bilder den Zustand nach der Stilllegung.

Entstehung: Eine Staatsbahn für die Altmark

Die Altmark gehörte im 19. Jahrhundert zur preußischen Provinz Sachsen und war stark landwirtschaftlich geprägt.

Der Bahnknoten Oebisfelde an der Lehrter Bahn sollte als Staatsbahnstrecke mit der Hansestadt Salzwedel verbunden werden.

Die Orte entlang der Linie hatten stets kleine Einwohnerzahlen, die größten waren Klötze und Beetzendorf.

Am 1. November 1889 begann der Betrieb auf der 59 Kilometer langen Strecke.

In den folgenden Jahren kamen Stichstrecken hinzu, nämlich Klötze–Wernstedt–Kalbe (Milde), Beetzendorf–Rohrberg–Diesdorf mit einem Abzweig Rohrberg–Zasenbeck sowie Beetzendorf–Kalbe (Milde).

Betrieben wurden diese drei Strecken von der Altmärkischen Kleinbahn-AG und deren Vorgängergesellschaften.

So sah es vorher aus: Reger Betrieb bis zur Wende

Im Kursbuch 1929/30 standen an Werktagen fünf Personenzugpaare, die Reisezeit betrug rund 120 Minuten.

1975 führte die Reichsbahn die Strecke als Kursbuchstrecke 764 und als Teil der Verbindung Haldensleben–Salzwedel.

Es verkehrten nun an Werktagen sieben Zugpaare, die für die Strecke etwa 100 Minuten brauchten, die meisten bespannt mit Dampfloks der Baureihe 41.10.

Alle Bahnhöfe besaßen Ladestraßen und Kreuzungsmöglichkeiten, der Güterverkehr war zu DDR-Zeiten rege.

In Kunrau waren in Spitzenzeiten täglich sieben Personenzugpaare unterwegs, vorzugsweise mit Schienenbussen der Baureihe VT 2.09.

Ein Nahverkehrszug nähert sich 1994 dem Bahnhof Kunrau.
Ein Nahverkehrszug nähert sich 1994 dem Bahnhof Kunrau. Foto: Vanellus Foto, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Buchhorst: Der Halt am Mittellandkanal

Buchhorst liegt bei Streckenkilometer 6,3 und war zunächst ein Bahnhof, später ein Haltepunkt.

Der Ort liegt als einziges Dorf innerhalb des Naturschutzgebietes Ohre-Drömling.

Von 1952 bis 1990 lag Buchhorst in der 5-Kilometer-Sperrzone, die nur befugte DDR-Bürger betreten durften.

Nahe dem Bahnhof stand eine Kaserne der Grenztruppen der DDR, unter anderem für das Personal der Grenzübergangsstelle im Schiffsverkehr auf dem Mittellandkanal.

Südlich von Buchhorst überquerte die Strecke den Mittellandkanal.

Weil der Kanal verbreitert wurde, wäre ein Brückenneubau für sechs Millionen Euro nötig gewesen.

Diese Brücke gilt als der Grund, warum der Personenverkehr 2002 endete.

Gleise der ehemaligen Strecke im Drömling bei Buchhorst, aufgenommen 2020.
Gleise der ehemaligen Strecke im Drömling bei Buchhorst, aufgenommen 2020. Foto: Vanellus, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Kunrau: Der Umweg über das Gut

Der Bahnhof Kunrau bei Kilometer 15,3 wurde 1889 mit der Strecke eröffnet.

Ursprünglich sollte die Bahn direkt von Klötze nach Oebisfelde verlaufen.

Die Anbindungswünsche des Kunrauer Gutsbesitzers Theodor Hermann Rimpau und des Kuseyer Gutsbesitzers Albert Schultz-Lupitz trugen dazu bei, diese Trasse zu verhindern.

Gebaut wurde stattdessen die längere und im Moor wegen der durchgehenden Dammführung aufwendigere Linie südlich von Kunrau.

Das Bahnhofsgebäude entstand am Rand des Dorfes, die Strecke umfuhr den Ort im Südosten.

Ab 1895 weist die Ortsstatistik einen Wohnplatz Bahnhof aus, ab 1905 als Bahnhof Kunrau.

Seit 2002 ersetzt eine Buslinie den Zug.

Der Bahnhof Kunrau zur Zeit der DDR.
Der Bahnhof Kunrau zur Zeit der DDR. Foto: Betrachtend, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Kusey: Ein Kreuzungsbahnhof mit Güterverkehr

Der Bahnhof Kusey liegt bei Kilometer 20,5.

Im Fahrplanjahr 2001/02 kreuzten sich hier werktags einmal täglich zwei Züge.

Im Güterverkehr gehörte Kusey bis Ende 2001 zu den Orten, die noch bedient wurden, neben Klötze und anfangs auch Beetzendorf.

Der Bahnhof Kusey im Jahr 2007.
Der Bahnhof Kusey im Jahr 2007. Foto: Reboelje, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Klötze: Die größte Station der Strecke

Klötze bei Kilometer 27,5 war mit Beetzendorf der größte Ort an der Strecke.

Mit der Eröffnung am 1. November 1889 war die Stadt ans Bahnnetz angeschlossen, am selben Tag fuhr die letzte Postkutsche aus Klötze ab.

Hier zweigte die Stichstrecke über Wernstedt nach Kalbe (Milde) ab, die inzwischen abgebaut ist.

Im Fahrplanjahr 2001/02 kreuzten sich die Züge in Klötze werktags sechsmal, am Wochenende ebenfalls sechsmal.

Nach 2002 blieb Klötze der Endpunkt der Reststrecke von Salzwedel, die für Sonderfahrten genutzt wurde.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Klötze.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Klötze. Foto: Reboelje, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Der Bahnhof Klötze im Jahr 2007.
Der Bahnhof Klötze im Jahr 2007. Foto: Reboelje, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Ein Ausfahrsignal in Klötze, aufgenommen 2008.
Ein Ausfahrsignal in Klötze, aufgenommen 2008. Foto: TR Wittingen, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der stillgelegte Bahnhof Klötze, ausgewiesen als Baudenkmal, aufgenommen 2015.
Der stillgelegte Bahnhof Klötze, ausgewiesen als Baudenkmal, aufgenommen 2015. Foto: Oxfordian Kissuth, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Bandau: Der kleine Halt vor Beetzendorf

Bandau liegt bei Kilometer 32,5 zwischen Klötze und Beetzendorf.

Bis 2002 wurde der Bahnhof Bandau im Personennahverkehr bedient.

Zwischen Bandau und Beetzendorf mündete die Stichstrecke aus Kalbe (Milde) ein.

Weitere Einzelheiten zum Bahnhof Bandau sind nicht belegt.

Beetzendorf: Knoten der Altmärkischen Kleinbahn

Beetzendorf bei Kilometer 36,7 war neben Klötze der größte Ort an der Strecke.

Hier trafen die Linien der Altmärkischen Kleinbahn auf die Staatsbahn, nach Diesdorf mit Anschluss nach Wittingen und nach Kalbe (Milde).

Der Betrieb auf dem Abzweig von Beetzendorf nach Kalbe wurde erst Anfang der 1990er Jahre eingestellt und danach kurze Zeit offiziell als Schienenersatzverkehr geführt.

Im Fahrplanjahr 2001/02 kreuzten sich die Züge in Beetzendorf werktags zweimal, am Wochenende einmal.

Der ehemalige Bahnhof Beetzendorf, aufgenommen 2016.
Der ehemalige Bahnhof Beetzendorf, aufgenommen 2016. Foto: Kirchenfan, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Siedenlangenbeck: Die Bahn und der Ringwall

Siedenlangenbeck liegt bei Kilometer 42,8.

Drei Kilometer südlich des Dorfes durchschnitt die Bahnlinie den Ringwall Katinkenburg, der auf historischen Messtischblättern eingezeichnet ist.

Ein Sonderzug hielt hier am 7. Dezember 2014.

Kuhfelde: Ein Halt für Sonderfahrten

Kuhfelde bei Kilometer 46,9 gehörte zu den Orten, an denen die Sonderzüge der Deutschen Regionaleisenbahn 2014 hielten.

Ob der Bahnhof Güterverkehr besaß, ist nicht belegt.

Dambeck: Der Bahnhof Dambeck (Altm)

Der Bahnhof Dambeck liegt bei Kilometer 50,7.

Seit der Einstellung des Zugverkehrs verbindet eine Buslinie den Ort im Zweistundentakt mit Salzwedel und Oebisfelde.

Wenige Kilometer weiter zweigte bei Dambeck die Strecke von Badel ein, die ihren Personenverkehr 1980 beendete.

Der ehemalige Bahnhof Dambeck im Jahr 2012.
Der ehemalige Bahnhof Dambeck im Jahr 2012. Foto: Vanellus Foto, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Salzwedel Altstadt: Der Endpunkt der Sonderfahrten

Der Bahnhof Salzwedel Altstadt liegt bei Kilometer 56,0, kurz vor dem Hauptbahnhof Salzwedel.

Ab 1966 fuhren auch die Personenzüge von Salzwedel nach Badel über Altstadt und bogen am Abzweig Jeetze auf eine rund einen Kilometer lange Neubaustrecke ab.

Am Sonntag, dem 7. Dezember 2014, begannen hier Sonderfahrten nach Klötze, die ersten seit zwölf Jahren.

Rund 500 Fahrgäste fuhren an diesem Tag in zwei Dieseltriebwagen, die Fahrt nach Klötze dauerte etwa 80 Minuten.

Niedergang und Stilllegung

Nach der Wende gab es einen Zwei-Stunden-Takt mit bis zu neun Zugpaaren an Werktagen, bespannt mit Lokomotiven der Baureihen 202 oder 219 oder mit Schienenbussen.

Die Höchstgeschwindigkeit betrug 50 Kilometer pro Stunde, die Durchschnittsgeschwindigkeit bestenfalls 41.

Die Zahl der Reisenden sank, weil die dünn besiedelte Gegend Einwohner verlor.

Der Güterverkehr kam zum 31. Dezember 2001 zum Erliegen, als der letzte Güterkunde seinen Vertrag kündigte.

Zum 29. September 2002 bestellte das Land den Personenverkehr ab.

Auf Antrag der Deutschen Bahn wurde die Strecke zum 31. Oktober 2004 stillgelegt.

So sieht es jetzt aus: Gleise, Pächter, Reaktivierungspläne

Die Deutsche Regionaleisenbahn pachtete die Strecke am 1. Januar 2007 im stillgelegten Zustand zur Trassensicherung.

Auf dem 28 Kilometer langen Abschnitt zwischen Klötze und Oebisfelde zeigten die Anliegerkommunen kein Interesse am Schienenverkehr, die Gleise wurden 2008 entfernt.

Die Kanalbrücke wurde im November 2009 abgerissen.

Die Trasse bleibt als Eisenbahnverkehrsfläche gewidmet, eine Reaktivierung ist formal möglich.

Zwischen Salzwedel und Klötze wurden 2014 Gehölze geschnitten und Oberbaumängel behoben, danach folgten Sonderfahrten am 7. Dezember 2014 und am 13. Dezember 2015.

Ende Mai 2022 schrieb die DRE die Reststrecke aus, weil den laufenden Kosten keine Einnahmen gegenüberstanden.

Es fand sich kein Betreiber, am 22. Dezember 2022 wurde die Strecke stillgelegt.

Laut Streckenverzeichnis der DRE vom 14. März 2024 befindet sie sich im Rückgabeverfahren mit der DB InfraGO.

Vorher und nachher: Die Strecke im Drömling

Der Abschnitt von Buchhorst nach Kunrau führte durch das Niedermoorgebiet Drömling.

Wegen schadhafter Schwellen fuhren die Züge hier teilweise nur 30 Kilometer pro Stunde.

Über mehrere Kilometer war die Strecke an der Grenze eines Totalreservats angelegt.

Im Zuge des Baus der Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin wurde die Trasse bei Oebisfelde 1995 verlegt und durch große Kurven um zwei Kilometer verlängert.

Zwei Straßenbrücken über die neue Teilstrecke entstanden, die nach wenigen Jahren ohne Verkehr war.

1889: Am 1. November beginnt der Betrieb auf der Strecke Oebisfelde–Salzwedel.

1929/30: Fünf Personenzugpaare an Werktagen, Reisezeit rund 120 Minuten.

1966: Personenzüge nach Badel fahren über Salzwedel Altstadt.

1975: Kursbuchstrecke 764, sieben Zugpaare an Werktagen.

Anfang der 1990er: Der Abzweig Beetzendorf–Kalbe (Milde) stellt den Betrieb ein.

1995: Die Trasse bei Oebisfelde wird für die Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin verlegt.

2001: Der Güterverkehr endet zum 31. Dezember.

2002: Das Land bestellt den Personenverkehr zum 29. September ab.

2004: Die Strecke wird zum 31. Oktober stillgelegt.

2007: Die DRE pachtet die Strecke am 1. Januar.

2008: Zwischen Klötze und Oebisfelde werden die Gleise entfernt.

2009: Im November wird die Kanalbrücke abgerissen.

2014: Am 7. Dezember fährt erstmals seit zwölf Jahren wieder ein Zug nach Klötze.

2015: Am 13. Dezember folgen weitere Sonderfahrten.

2022: Die Reststrecke Salzwedel–Klötze wird am 22. Dezember stillgelegt.

Wann wurde die Strecke Oebisfelde–Salzwedel eröffnet?
Der Betrieb begann am 1. November 1889, die Strecke war 59 Kilometer lang.
Wann fuhr der letzte Personenzug planmäßig?
Das Land Sachsen-Anhalt bestellte den Personenverkehr zum 29. September 2002 ab.
Warum endete der Verkehr?
Die Fahrgastzahlen sanken ohnehin, dazu kam ein sechs Millionen Euro teurer Brückenneubau, den die Verbreiterung des Mittellandkanals südlich von Buchhorst erforderte.
Liegen noch Gleise?
Zwischen Klötze und Oebisfelde wurden die Gleise 2008 entfernt, die Reststrecke Salzwedel–Klötze wurde am 22. Dezember 2022 stillgelegt.
Wer setzt sich für eine Wiederinbetriebnahme ein?
Der Förderverein Jeetze(l)talbahn e.V. will die Strecke von Lüneburg über Dannenberg, Lüchow, Salzwedel, Klötze und Oebisfelde nach Wolfsburg wieder aktivieren.

Die Halte zwischen Buchhorst und Salzwedel Altstadt sind ehemalige Bahnhöfe an einer Strecke, die als Eisenbahnverkehrsfläche gewidmet bleibt.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Oebisfelde–Salzwedel · Wikipedia: Kunrau · Wikipedia: Kusey · Wikipedia: Klötze · Wikipedia: Buchhorst (Oebisfelde-Weferlingen) · Wikipedia: Beetzendorf · Wikipedia: Siedenlangenbeck · Wikipedia: Dambeck (Salzwedel) · Volksstimme: Abfahrt! Bahn rollt wieder nach Klötze (08.12.2014)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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