Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn: Stille Halte von Anklam bis Ferdinandshof

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn: Stille Halte von Anklam bis Ferdinandshof

Die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn war einst die modernste Schmalspurbahn Deutschlands. 1945 wurde sie bis auf einen Rest als Reparation abgebaut, ein Stück davon fährt heute als Museumsbahn.

Das Empfangsgebäude des ehemaligen MPSB-Bahnhofs in Friedland, 2014.
Das Empfangsgebäude des ehemaligen MPSB-Bahnhofs in Friedland, 2014. Foto: Erell, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1892
Gründung der Bahn und Güterverkehr
1945
Abbau fast aller Strecken als Reparation
1969
Letzter Verkehr Anklam–Friedland
1999
Museumsbahn Schwichtenberg–Uhlenhorst

Lage: Friedland, Ferdinandshof, Anklam und Jarmen in Vorpommern und Mecklenburg. Status: Regelverkehr eingestellt, die Strecken sind bis auf ein Museumsbahnstück abgebaut. Heute: Museumsbahn auf der Teilstrecke Schwichtenberg–Uhlenhorst.

Die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn, kurz MPSB, war ein über 250 Kilometer langes Netz mit einer Spurweite von 600 Millimetern.

Die Bahn hatte ihren Sitz in Friedland und verband Orte zwischen Ferdinandshof, Anklam, Jarmen und Brohm.

Heute sind die Strecken bis auf einen Abschnitt zwischen Schwichtenberg und Uhlenhorst abgebaut, der als Museumsbahn betrieben wird.

Dieser Beitrag beschreibt die früheren Schmalspurhalte in Anklam, Löwitz, Ferdinandshof und Uhlenhorst.

Die Regelspurbahnhöfe Anklam und Ferdinandshof sind weiter in Betrieb.

Alte freie Fotos der Halte gibt es auf Wikimedia Commons nicht, die Bilder hier zeigen Stationen und Reste aus den Jahren ab 2012.

Entstehung: Von der Wirtschaftsbahn zum Netz

Zwischen 1888 und 1891 war vom Staatsbahnhof Ferdinandshof über Uhlenhorst und Heinrichshöh zur Zuckerfabrik Friedland eine 27 Kilometer lange Wirtschaftsbahn angelegt worden.

Sie ging nach einem Kaufvertrag vom 23. Juli 1892 auf die neu gegründete Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn AG über.

Diese war am 2. Mai 1892 durch die öffentliche Hand und private Interessenten gegründet worden.

1939 besaß die Mehrheit der Aktien der Landkreis Anklam, außerdem waren das Land Mecklenburg und die Stadt Friedland beteiligt.

Die Bahn nahm am 1. Oktober 1892 den öffentlichen Güterverkehr auf, planmäßigen Personenverkehr gab es erst ab dem 1. August 1894.

Eine Aktie über 1.000 Mark der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn vom 20. Juli 1892.
Eine Aktie über 1.000 Mark der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn vom 20. Juli 1892. Foto: Unbekannte Autoren und Grafiker; Scan von Auktionshaus Vladi, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Von Friedland aus entstand eine Hauptlinie von 35 Kilometern Länge nach Norden über Bresewitz, Dennin und Klein Below nach Jarmen.

Zwei Querverbindungen führten nach Anklam, die eine von Dennin über Thurow mit 21 Kilometern, die andere von Uhlenhorst über Dargibell mit 19 Kilometern.

Beide Stränge vereinigten sich vier Kilometer vor Anklam in Gellendin.

Von Dargibell ging eine sieben Kilometer lange Zweigbahn zur Staatsbahn in Ducherow ab.

Für den Personenverkehr kamen 1895 und 1896 die Stichbahnen Dennin–Janow und Anklam–Leopoldshagen hinzu.

Dazu gab es zahlreiche kurze Stichbahnen für einzelne Rittergüter, ein Großteil davon rund 80 Kilometer lang gehörte den Gutsbesitzern selbst und wurde nur zur Erntezeit mit Pferdekraft betrieben.

In den Jahren 1908 bis 1911 wurde die Strecke von Heinrichshöh in südlicher Richtung nach Brohm eröffnet.

1926 folgte von Brohm aus noch eine Verbindung nach Groß Daberkow an der Strecke Strasburg–Neustrelitz.

Um 1910 galt die MPSB als modernste Schmalspurbahn Deutschlands.

1935 beförderte sie 77.908 Personen und 390.536 Tonnen Güter, das war mit Abstand der stärkste Gütertransport der vorpommerschen Kleinbahnen.

Die Lokomotive MPSB 21 auf dem Gelände der Zuckerfabrik Anklam am 9. Mai 1949.
Die Lokomotive MPSB 21 auf dem Gelände der Zuckerfabrik Anklam am 9. Mai 1949. Foto: Foto Harder, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Anklam Kleinbahnhof: Zwei Äste am Südrand des Staatsbahnhofs

In Anklam bestand Anschluss zur Staatsbahn und zur Anklam–Lassaner Kleinbahn.

Der Bahnhof der MPSB lag südlich des Staatsbahnhofs.

Am 19. April 1895 nahm die MPSB die Strecke von Anklam nach Dennin in Betrieb, am 28. August 1896 folgte die Strecke über Bugewitz nach Leopoldshagen.

Beide Bahnen verfügten über eigene Anschlussgleise zum Hafen und zur Zuckerfabrik.

Der Kleinbahnhof wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff zerstört und durch eine Baracke ersetzt, in der sich ein Warteraum, die Fahrkartenausgabe und das Büro des Fahrdienstleiters befanden.

Die Strecke nach Leopoldshagen musste 1945 als Reparationsleistung abgebaut werden.

Die verbliebene Strecke von Anklam nach Friedland ging in den 1950er Jahren in das Eigentum der Deutschen Reichsbahn über.

Die Reichsbahn stellte den Verkehr auf ihr 1969 ein.

Anklam selbst ist weiter ein aktiver Bahnhof.

Löwitz: Der Halt im Grafenwinkel

Löwitz lag auf der Strecke von Uhlenhorst nach Anklam bei Kilometer 4,8.

Davor lag der Halt Charlottenhorst, dahinter folgten Schmuggerow, Marienthal, Luisenau, Mollwitz und Charlottenhof.

Der Ort gehörte von 1533 bis 1945 zum Besitz der Familie von Schwerin.

Hans Graf von Schwerin ließ dort 1880 ein Schloss errichten.

Der frühere Haltepunkt Schmuggerow der MPSB, 2013.
Der frühere Haltepunkt Schmuggerow der MPSB, 2013. Foto: User:Erell, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Eine MPSB-Dampflokomotive trug den Namen Graf Schwerin-Löwitz.

Die vom Hersteller Arnold Jung gebaute Lokomotive Nr. 99 3553 ist heute in einem Lokschuppen-Museum in Wales ausgestellt.

Weitere Angaben zum Halt Löwitz selbst sind nicht belegt.

Die frühere MPSB-Lokomotive Graf Schwerin-Löwitz in einem Museum in Wales, August 2024.
Die frühere MPSB-Lokomotive Graf Schwerin-Löwitz in einem Museum in Wales, August 2024. Foto: Peter Broster, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ferdinandshof: Der Schmalspurbahnhof neben der Staatsbahn

Ferdinandshof war neben Anklam ein wichtiger Übergangspunkt zwischen Schmalspur- und Normalspurbahn im Personen- und Güterverkehr.

Der Kleinbahnhof hatte neun Gleise von insgesamt etwa 1.250 Metern Länge.

Zu den Anlagen zählten ein Lokomotivschuppen, eine Kohlenbanse, eine Drehscheibe mit 9 Metern Durchmesser, ein Empfangsgebäude und ein Aborthäuschen.

Der Bahnsteig lag gegenüber dem Bahnhofsgebäude.

Die Drehscheibe wurde 1945 demontiert, zum Wenden der Lokomotiven entstand zwei Jahre später ein Gleisdreieck.

Auf der Schmalspurbahn fuhren nur ein bis zwei gemischte Zugpaare am Tag, manchmal nur an bestimmten Wochentagen.

Im Herbst und Frühjahr war die Nachfrage zum Abtransport von Ernte- und Landwirtschaftserzeugnissen besonders hoch.

Durch die Schmalspurbahn war auch das Remonteamt Ferdinandshof mit Grünlandgebieten in Vorpommern und Mecklenburg-Strelitz verbunden, woher große Mengen Futter bezogen wurden.

Am 30. November 1960 wurde der Betrieb zwischen Ferdinandshof und Uhlenhorst eingestellt und die Strecke abgebaut.

Der Regelspurbahnhof Ferdinandshof ist heute nur noch ein Haltepunkt.

Uhlenhorst: Die Museumsstation

Uhlenhorst liegt 14,3 Kilometer hinter Ferdinandshof und war einst eine Zweigstelle der Strecke nach Anklam und Friedland.

Ab 1999 bauten Eisenbahninteressierte die Teilstrecke zwischen Schwichtenberg und Uhlenhorst wieder auf.

In Schwichtenberg befinden sich heute Depot und Werkstatt.

Auf halber Strecke entstand ein Gleisdreieck mit einer Stichstrecke zum Findlingsgarten, die nur in Fahrtrichtung Uhlenhorst bedient wird.

Die Stichstrecke ist einer privaten Anschlussbahn aus Fleethof nachempfunden.

Die Gleislänge beträgt insgesamt über 2,6 Kilometer, es wird regelmäßiger Museumsbahnbetrieb auch mit Dampflokomotiven durch einen Verein durchgeführt.

Seit 1999 wurden bereits 48.000 Fahrgäste befördert.

Die Station Findlingsgarten der Museumsbahn MPSB, Juli 2015.
Die Station Findlingsgarten der Museumsbahn MPSB, Juli 2015. Foto: Corradox, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Zuckerrüben und Gutshöfe

Die MPSB lebte vom Güterverkehr der Rittergüter und der Zuckerfabriken.

Die Hauptlinie von Friedland nach Jarmen führte unter anderem über Bresewitz, Dennin und Klein Below.

In Friedland stand neben dem Empfangsgebäude ein Wasserturm.

Die Werkstatt der Bahn lag am Bahnhof Friedland.

Der Wasserturm des ehemaligen MPSB-Bahnhofs Friedland, 2014.
Der Wasserturm des ehemaligen MPSB-Bahnhofs Friedland, 2014. Foto: Erell, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Werkstattgebäude am ehemaligen MPSB-Bahnhof Friedland, 2014.
Das Werkstattgebäude am ehemaligen MPSB-Bahnhof Friedland, 2014. Foto: Erell, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang: Reparation und Straße

Mit Kriegsende 1945 wurde der Betrieb eingestellt und die Strecken wurden zu Reparationszwecken abgebaut.

Nur die 36 Kilometer lange Strecke von Friedland über Dennin nach Anklam blieb verschont.

Weil die Versorgung der Bevölkerung über die Straßen nicht gesichert werden konnte, ordnete 1946 die sowjetische Militärregierung den Wiederaufbau der wichtigsten Strecken an.

Doch nur ein kleiner Teil wurde wieder hergestellt, am 7. November 1947 fuhren Personen- und Güterzüge auf der Stammstrecke von Friedland nach Ferdinandshof.

Nach der Verbesserung der Landstraßen verloren die Kleinbahnen ihre Bedeutung.

Die Deutsche Reichsbahn, seit 1949 Inhaber der Strecken, legte in den 1960er Jahren nach und nach den Rest von rund 65 Kilometern still.

Am 30. November 1960 endete der Verkehr zwischen Ferdinandshof und Uhlenhorst.

Am 29. Mai 1965 folgte der Personenverkehr zwischen Uhlenhorst und Friedland, am 1. Juni 1966 der Güterverkehr.

Auf der Strecke Anklam–Dennin–Friedland wurde der Verkehr 1969 eingestellt.

Die Strecke wurde danach abgebaut.

Die ehemalige Eisenbahnbrücke der MPSB über den Mittelgraben zwischen Rebelow und Ramelow, 2012.
Die ehemalige Eisenbahnbrücke der MPSB über den Mittelgraben zwischen Rebelow und Ramelow, 2012. Foto: User:Erell, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus: Museumsbahn und Fahrzeuge

Die Schmalspurbahnfreunde betreiben die Museumsbahn zwischen Schwichtenberg und Uhlenhorst.

Eine große Zahl originaler Fahrzeuge blieb erhalten.

MPSB-Dampflokomotiven gelangten insbesondere in das westliche Wirtschaftsgebiet, etwa nach Frankreich, Waggons nach Westdeutschland.

Im Museum der Stadt Friedland ist der MPSB eine ganze Abteilung gewidmet, dort steht auch eine Dampflok.

Die Pioniereisenbahn Halle setzte noch bis 1993 offene Cabrio-Wagen auf umgebauten MPSB-Güterwagen ein.

Vorher und nachher: Von der Fläche zur Museumsstrecke

Um 1910 galt die MPSB als modernste Schmalspurbahn Deutschlands.

Bis 1969 lief der Verkehr auf dem letzten Stück nach Anklam, danach war das Netz abgebaut.

Seit 1999 fährt wieder ein Stück davon, als Museumsbahn mit mehr als 2,6 Kilometern Gleislänge.

Die Geschichte in Daten

1888: Die erste Teilstrecke wird als nichtöffentliche Feldbahn eröffnet.

2. Mai 1892: Die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn AG wird gegründet.

1. Oktober 1892: Die Bahn nimmt den öffentlichen Güterverkehr auf.

1. August 1894: Der planmäßige Personenverkehr beginnt.

19. April 1895: Die Strecke Anklam–Dennin geht in Betrieb.

28. August 1896: Die Strecke Anklam–Leopoldshagen geht in Betrieb.

1908 bis 1911: Die Strecke von Heinrichshöh nach Brohm wird eröffnet.

1926: Die Verbindung von Brohm nach Groß Daberkow entsteht.

1945: Fast alle Strecken werden als Reparationsleistung abgebaut.

7. November 1947: Züge fahren wieder auf der Stammstrecke Friedland–Ferdinandshof.

30. November 1960: Der Verkehr zwischen Ferdinandshof und Uhlenhorst endet.

29. Mai 1965: Der Personenverkehr zwischen Uhlenhorst und Friedland endet.

1. Juni 1966: Der Güterverkehr zwischen Uhlenhorst und Friedland endet.

1969: Der Verkehr auf der Strecke Anklam–Dennin–Friedland endet.

1999: Der Wiederaufbau des Teilstücks Schwichtenberg–Uhlenhorst und der Museumsbahnbetrieb beginnen.

Häufige Fragen

Wie breit waren die Gleise der MPSB?
Die Spurweite betrug 600 Millimeter.
Wann wurden die Strecken abgebaut?
Mit Kriegsende 1945 wurden fast alle Strecken als Reparationsleistung abgebaut. Nur die Strecke Friedland–Dennin–Anklam blieb verschont und fuhr bis 1969.
Gibt es die MPSB noch?
Als Museumsbahn ja: Zwischen Schwichtenberg und Uhlenhorst fährt ein Verein regelmäßig, auch mit Dampflokomotiven. Das Streckennetz selbst ist abgebaut.
Wo fuhren die Schmalspurzüge in Ferdinandshof ab?
Im Kleinbahnhof neben dem Staatsbahnhof, der neun Gleise von insgesamt etwa 1.250 Metern Länge hatte. Der Betrieb endete dort am 30. November 1960.
Gab es eine Verbindung nach Anklam?
Ja, zwei Querverbindungen führten nach Anklam, eine über Dennin und Thurow, die andere über Uhlenhorst und Dargibell.

Die MPSB war ein weitverzweigtes Netz, das 1945 fast ganz verschwand.

Heute erinnern die Museumsbahn bei Schwichtenberg, die Bahnhofsreste in Friedland und die erhaltenen Fahrzeuge an sie.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn · Wikipedia: Bahnhof Anklam · Wikipedia: Bahnhof Ferdinandshof · Wikipedia: Löwitz (Ducherow) · Wikimedia Commons: Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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