Gartetalbahn: Die stillen Halte der Göttinger Kleinbahn
Die Gartetalbahn führte als Schmalspurbahn von Göttingen durch das Gartetal nach Rittmarshausen und zeitweise bis Duderstadt. Dieser Beitrag geht ihre ehemaligen Halte von Klein Lengden bis Nesselröden durch.

Lage: Gartetal zwischen Göttingen und Duderstadt. Status: stillgelegt und abgebrochen, Spurweite 750 Millimeter. Heute: Teile der Trasse gehören zum Weser-Harz-Heide-Radfernweg.
Die Gartetalbahn war eine Schmalspurbahn mit 750 Millimetern Spurweite, die von Göttingen durch das Tal der Garte nach Rittmarshausen führte.
Von 1907 an reichte sie bis nach Duderstadt, doch der Abschnitt dorthin blieb nur kurz in Betrieb.
Dieser Beitrag geht die ehemaligen Halte Klein Lengden, Diemarden, Benniehausen, Rittmarshausen, Kerstlingerode, Etzenborn und Nesselröden durch.
Alte freie Fotos der einzelnen Halte stehen nicht zur Verfügung, die Bilder zeigen deshalb den heutigen Zustand und eine historische Aktie der Gesellschaft.
Wie die Göttinger Kleinbahn entstand
Die Göttinger Kleinbahn AG wurde am 16. November 1896 gegründet.
Beteiligt waren der Landkreis und die Stadt Göttingen, die Gemeinde Rittmarshausen und die Bau- und Betriebsfirma Lenz & Co.
Diese Firma führte bis 1938 auch den Betrieb.
Am 19. Dezember 1897 eröffnete die Gesellschaft die Strecke von Göttingen aufwärts durch das Gartetal nach Rittmarshausen.
Dort lag stets der Betriebsmittelpunkt der Bahn.
Zehn Jahre später, 1907, wurde die Bahn bis nach Duderstadt verlängert.
Duderstadt war schon seit 1889 an das Netz der Staatsbahn angeschlossen.
Die gesamte Strecke war rund 36 Kilometer lang.

So sah es vorher aus: der Betrieb der Kleinbahn
Bei der Betriebsaufnahme waren drei zweiachsige Dampflokomotiven vorhanden.
In den folgenden Jahren kamen zwei vierachsige Malletlokomotiven dazu.
1954 erwarb die Gesellschaft von der Kleinbahn Steinhelle-Medebach einen vierachsigen Triebwagen, der 1939 gebaut worden war.
Es gab nie mehr als neun vierachsige und drei zweiachsige Personenwagen, dazu bis zu 24 gedeckte und 53 offene Güterwagen.
Die Güterzüge beförderten vor allem Zuckerrüben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt das Land Niedersachsen 75 Prozent der Aktien, 22 Prozent lagen in Privathand.
Seit 1946 hieß die Gesellschaft Gartetalbahn AG.
Ab 1957 war sie ein Eigenbetrieb des Landkreises Göttingen.
Der Endpunkt in Göttingen
In Göttingen endeten die Personenzüge zunächst direkt vor dem Empfangsgebäude der Staatsbahn.
Als die Bahnanlagen in den 1920er Jahren wegen des zunehmenden Straßenverkehrs höher gelegt wurden, musste der Personenbahnhof der Gartetalbahn um etwa 400 Meter zurückverlegt werden.
Er lag danach hinter der Unterführung der Groner Landstraße.
Im Bahnhof Göttingen Süd bestand bis zuletzt eine Umlademöglichkeit zwischen der Schmalspurbahn und der Staatsbahn.
Der Straßenname Am Gartetalbahnhof erinnert in Göttingen noch an die Bahn.
Klein Lengden

Klein Lengden lag zwischen Diemarden und Steinsmühle an der Strecke.
Der Güterschuppen beim ehemaligen Bahnhof stand an der Straße zwischen Klein Lengden und Diemarden.
Der fast baugleiche Originalschuppen wurde um 2006 abgerissen, an gleicher Stelle entstand ein Nachbau.
Über das heutige Gebäude gehen die Angaben auseinander: Es gilt teils als Neubau nach dem Vorbild des abgerissenen Originals, teils als versetztes altes Gebäude.
Heute stehen dort eine Sitzgruppe und eine Informationstafel zur Bahnstrecke.
Diemarden
Diemarden war ein Haltepunkt an der Bahnhofstraße.
Am Westende des Ortes beginnt der Gartetal-Radweg, dort steht eine Erläuterungstafel zur Gartetalbahn.
Zwischen der Gartemühle und Diemarden ist der Bahndamm im Gartetal noch zu erkennen.
Benniehausen
Benniehausen lag zwischen Klein Lengden und Rittmarshausen an der Strecke.
Zwischen Benniehausen und Wöllmarshausen befand sich der Haltepunkt Waterloo.
Der heutige Radweg führt in Benniehausen über die Mühlenstraße durch den Ort.
Weitere Einzelheiten zu diesem Halt sind nicht belegt.
Rittmarshausen

Rittmarshausen war von 1897 an der Endpunkt der Strecke und blieb der Mittelpunkt des Betriebs.
Das Bahnhofsgebäude an der Landstraße ist erhalten, restauriert und wird heute als Wohnhaus genutzt.
Der Lokschuppen wird gewerblich genutzt.
Die Straße Am Bahnhof erinnert an die Bahn.
Nach der endgültigen Stilllegung des Abschnitts nach Duderstadt 1931 war Rittmarshausen wieder Endpunkt.
Bei Wöllmarshausen blieben die Fundamente der Gartebrücke erhalten, die Brücke selbst wurde nach der Stilllegung abgebrochen.
Für den Radweg entstand dort eine neue Brücke, deren Baujahr mit 2003 und 2006 angegeben wird.

Kerstlingerode
Hinter Rittmarshausen folgte als nächster Halt Kerstlingerode.
Es lag damit auf dem Abschnitt Richtung Duderstadt, den die Gesellschaft wegen zu geringer Nachfrage schon nach knapp 15 Jahren ab April 1922 stilllegte.
1924 wurde der Verkehr in beschränktem Umfang wieder aufgenommen.
Das endgültige Ende kam 1931.
Das Plateau des ehemaligen Bahnhofs Kerstlingerode ist heute der Standort der Gartetalschule.
Zwischen Rittmarshausen und Kerstlingerode sind Bahndämme zu erkennen.
Der Bahndamm zwischen Rittmarshausen und Beienrode ist als Weg nutzbar, gehört aber nicht zum Radfernweg.
Etzenborn

Etzenborn war ein Haltepunkt auf dem Abschnitt nach Duderstadt.
Der Ort liegt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, der heutigen Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Thüringen.
Seit dem 1. Januar 1973 gehört er zur Gemeinde Gleichen.
Weitere Einzelheiten zum Halt sind nicht belegt.



Nesselröden

Nesselröden gehört heute zu Duderstadt und lag im letzten Stück der Strecke.
Zwischen Nesselröden und Westerode folgt der Radweg der alten Trasse.
Zwischen Nesselröden und Etzenborn ist der Bahndamm erhalten.


Weitere Halte und das Ende in Duderstadt
In den Streckenlisten stehen außerdem Garteschenke, Steinsmühle, Waterloo, Wöllmarshausen, Beienrode, Weißenborn und Westerode.
Der Güterschuppen am ehemaligen Bahnhof Steinsmühle ist noch im Original erhalten.
In Duderstadt ist der Kleinbahnhof nicht mehr vorhanden, das Areal ist überbaut.
Niedergang und Ende
Der Personenverkehr zwischen Göttingen und Rittmarshausen bestand fast 60 Jahre lang, bis zum 30. Oktober 1957.
Güterzüge fuhren noch bis 1959, danach wurde die Strecke abgebrochen.
Der Landkreis Göttingen betrieb danach noch bis 1983 eine Buslinie entlang der ehemaligen Strecke.
So sieht es jetzt aus
An vielen Stellen sind Spuren der Trasse in der Landschaft vorhanden.
In Göttingen gehören dazu ein auffällig langer, schmaler Grundstücksschnitt am Brauweg und Brückenfundamente am Leinekanal im Bereich der Jahnstraße.
Vom 1931 stillgelegten Abschnitt nach Duderstadt sind Widerlager von Brücken sowie Reste von Dämmen und Einschnitten erkennbar.
Teile der Strecke dienen heute als Bahntrassenradweg und gehören zum Weser-Harz-Heide-Radfernweg.
Dieser führt von der Lüneburger Heide über den Harz und via Göttingen an die Weser.
Zwischen Rittmarshausen und Nesselröden weicht der Radweg über den Berg aus.
Vorher und nachher
Klein Lengden: früher Bahnhof mit Güterschuppen, heute Rastplatz am Radweg.
Rittmarshausen: früher Endpunkt und Betriebsmittelpunkt, heute Wohnhaus und gewerblich genutzter Lokschuppen.
Kerstlingerode: früher Bahnhof, heute Standort der Gartetalschule.
Duderstadt: früher Kleinbahnhof, heute überbaut.
Die Geschichte in Daten
16. November 1896: Die Göttinger Kleinbahn AG wird gegründet.
19. Dezember 1897: Die Strecke von Göttingen nach Rittmarshausen wird eröffnet.
1907: Die Bahn wird bis Duderstadt verlängert.
1920er Jahre: Der Göttinger Personenbahnhof wird um etwa 400 Meter zurückverlegt.
April 1922: Der Abschnitt Duderstadt-Rittmarshausen wird stillgelegt.
1924: Der Verkehr wird in beschränktem Umfang wieder aufgenommen.
1931: Der Abschnitt nach Duderstadt wird endgültig stillgelegt.
1938: Die Betriebsführung von Lenz & Co endet.
1946: Die Gesellschaft heißt jetzt Gartetalbahn AG.
30. Oktober 1957: Der Personenverkehr endet.
1959: Der Güterverkehr endet, die Strecke wird abgebrochen.
Häufige Fragen
Welche Spurweite hatte die Gartetalbahn?
Wie weit fuhr die Bahn?
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Was ist vom Bahnhof Rittmarshausen erhalten?
Kann man der Trasse folgen?
Die Gartetalbahn ist seit mehr als 60 Jahren stillgelegt.
Ihre Halte sind heute Wohnhäuser, ein Schulgelände, ein Rastplatz und Wege durch das Gartetal.
Wikipedia: Göttinger Kleinbahn · Wikipedia (englisch): Garte Valley Railway · Wikipedia: Etzenborn · Heimatverein Benniehausen: Gartetalbahn · Bahntrassenradwege.de: Gartetalbahn · Bahntrassenradeln: Gartetalbahn
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