Die Walsumbahn in Duisburg: Hochbahn ohne Reisezüge seit 1983
Die Walsumbahn zwischen Oberhausen und Wesel wurde 1912 als Hochbahn eröffnet. In Hamborn, Marxloh und Walsum halten seit 1983 keine regulären Personenzüge mehr.


Lage: Duisburger Stadtbezirke Hamborn und Walsum. Status: Güterverkehr, kein regulärer Personenverkehr seit 1983. Heute: Das Empfangsgebäude in Hamborn beherbergt ein Café, die Empfangshalle dient für Hochzeitsfeiern.
Die Walsumbahn zwischen Oberhausen und Wesel wurde 1912 eröffnet.
Seit Mai 1983 gibt es auf ihr in Duisburg keinen regulären Personenverkehr mehr.
Die Bahnhöfe Hamborn und Walsum sind trotzdem nicht verschwunden, denn sie sind reine Güterbahnhöfe geworden.
Dieser Beitrag begleitet die Strecke durch die Duisburger Stationen Hamborn, Marxloh, Neumühl und Walsum.
Aus der Zeit mit Reisezügen steht nur eine historische Aufnahme des Bahnhofs Hamborn zur Verfügung.
Wie die Walsumbahn entstand
Im Juni 1906 beauftragte das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten die Eisenbahndirektion Essen mit dem Plan für eine Strecke von Oberhausen über Hamborn und Walsum nach Wesel.
Die Bahn sollte die Garnisonstadt Wesel besser versorgen.
Sie sollte außerdem die wachsende Stadt Hamborn an das Eisenbahnnetz anschließen und die neu entstehenden Steinkohlezechen erschließen.
Dazu kam die Entlastung der Hauptstrecke von Oberhausen über Dinslaken nach Wesel.
Ursprünglich sollte die Strecke bei Möllen in die Hauptstrecke einfädeln, doch auf Betreiben des Spellener Pfarrers Spies wurde sie über Spellen geführt.
Der Bau begann 1908.
Wegen der Nähe zum Rhein baute man die Bahn aus Gründen des Hochwasserschutzes als Hochbahn auf einem Damm.
Dafür mussten etwa drei Millionen Tonnen Erde bewegt werden.
Die Hälfte davon stammte aus dem Aushub des im Bau befindlichen Rhein-Herne-Kanals.
Dadurch verkürzte sich die Bauzeit um zwei Jahre.
Weiteres Material lieferten unter anderem die Zeche Osterfeld und die Gutehoffnungshütte in Sterkrade.
Weil dabei auch Waschberge verwendet wurden, kam es zu Entzündungen im Material, die den Bahndamm beschädigten.
Die feierliche Eröffnung mit einer Sonderfahrt von Oberhausen nach Wesel und zurück fand am 14. Oktober 1912 statt.
Der fahrplanmäßige Betrieb begann am Folgetag.
In Wesel konnte die Strecke aus Platzgründen nicht in den bestehenden Bahnhof geführt werden.
Sie erhielt dort einen eigenen vorgelagerten Bahnsteig mit Empfangsgebäude, den sogenannten Hamborner Bahnhof.
So sah es vorher aus: Reisezüge zwischen Oberhausen und Wesel
Im Sommer 1914 verkehrten zwischen Oberhausen Hauptbahnhof und Hamborn täglich 16 Zugpaare, die Hälfte davon fuhr weiter bis Wesel.
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Inflation sank das Angebot 1920 auf fünf Zugpaare zwischen Oberhausen und Hamborn und drei weitere, die bis Wesel durchfuhren.
1937 wurde die Walsumbahn in den Ruhrschnellverkehr einbezogen.
Danach fuhren 34 Züge zwischen Oberhausen und Wesel und weitere 18 zwischen Oberhausen und Hamborn.
Im Sommer 1939 verkehrten 17 Zugpaare auf der gesamten Strecke und noch einmal 17 bis Hamborn.
Bis 1943 ging die Zahl auf jeweils 13 Zugpaare bis Wesel und bis Hamborn zurück.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ersetzte die Bundesbahn die Dampfzüge durch Verbrennungstriebwagen der Baureihe VT 95.
Ab den 1960er Jahren kamen Akkumulatortriebwagen der Baureihe ETA 150 zum Einsatz.
Duisburg-Hamborn: der größte Bahnhof der Strecke
Für Hamborn, das seit 1911 Stadtrechte besaß, bedeutete die Strecke den Anschluss an das Eisenbahnnetz.
Der Bahnhof wurde in die Stadtplanung einbezogen, das Straßennetz richtete sich sternförmig auf ihn aus.
Bei der Eröffnung war Hamborn die bedeutendste Zwischenstation der Strecke.
Im Eröffnungsjahr hatte der Bahnhof 13 Gleise, in den folgenden Jahren wurde er auf 20 Gleise erweitert.
Das Empfangsgebäude erhielt eine Rampe, vermutlich auf Wunsch von August Thyssen, damit hochrangige Personen direkt vor das Gebäude fahren konnten.
Die Fassade besteht aus Mauerwerksverblendung im holländischen Verband mit schwarzen Fugen.
Der gestaffelte Baukörper gipfelt in der Empfangshalle, über der ein Uhrturm aufragt.
Zu den Räumen für das Publikum gehörten unter anderem ein Wartesaal für die 1. und 2. Klasse und ein Damenzimmer.

Zum Bahnsteig gelangten die Reisenden durch einen Personentunnel.
Für Expressgut gab es am Ostende des Bahnsteigs ein Stumpfgleis, einen eigenen Tunnel zum Empfangsgebäude und einen Aufzug zum Bahnsteig.
1932 sackte das Empfangsgebäude infolge von Bergsenkungen um 2,60 Meter ab.
Die Senkungsschäden am Wartesaal wurden im selben Jahr beseitigt.

Bis 1963 nahm die Direktion Essen die Ortsgütergleise und die Freiladegleise außer Betrieb.
1968 stellte die Bundesbahn den Versand von Eilstückgut ein, 1970 den Stückgutverkehr insgesamt.
Mit dem Ende des Personenverkehrs 1983 wurde Hamborn ein reiner Güterbahnhof.
Hauptanschließer sind die Grillo-Werke, die über eine dreigleisige Übergabegruppe im Ostkopf des Bahnhofs angeschlossen sind.
Dieser Anschluss ging gleichzeitig mit der Streckeneröffnung 1912 in Betrieb.
Bis Anfang der 1960er Jahre kam außerdem Schlachtvieh für den Schlachthof Hamborn per Bahn, 1968 schloss der Schlachthof.


Das Empfangsgebäude steht seit dem 22. Juli 1985 unter Denkmalschutz.
Nach dem Ende der Reisezüge werden die Räume unter anderem gastronomisch genutzt, es gibt dort ein Café.
Die Empfangshalle dient für Hochzeitsfeiern.
Der Bahnhof hatte zwei mechanische Stellwerke aus dem Eröffnungsjahr.
Das Befehlsstellwerk Bt stand am Ostkopf, das Wärterstellwerk Wt am Westkopf.
Anfang Dezember 2017 wurden beide außer Betrieb genommen, seitdem wird der Bahnhof von Oberhausen West aus bedient.


Provinzialstraße und Marxloh: zwei Haltepunkte
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen auf dem Duisburger Abschnitt zwei Haltepunkte hinzu.
Der Haltepunkt Duisburg-Hamborn Provinzialstraße ging 1948 in Betrieb, Duisburg-Marxloh folgte 1967.
Beide Haltepunkte wurden 1983 mit dem Ende der Reisezüge aufgegeben.
Weitere Einzelheiten zu beiden Haltepunkten sind nicht belegt.



Neumühl: die Verbindungskurve nach Hamborn
Zwischen Hamborn und dem Bahnhof Duisburg-Neumühl bestand eine Verbindungskurve.
Die Bundesbahndirektion Essen legte sie 1970 still.
1974 ging sie als Bahnhofsgleis von Hamborn wieder in Betrieb.
Spätestens mit der Umwandlung des Bahnhofs Neumühl in eine Anschlussstelle 1983 wurde sie wieder stillgelegt.
Weitere Angaben zum Bahnhof Neumühl sind nicht belegt.
Walsum: das Fachwerk-Empfangsgebäude am Ende der Reisezüge
Der Bahnhof Walsum ging zusammen mit der Strecke im Oktober 1912 in Betrieb.
Ein Güterschuppen für Frachtstückgut kam 1913 hinzu.
1922 und 1923 war der Bahnhof zeitweise von belgischen Truppen besetzt.
1926 ging der Gleisanschluss einer Papierfabrik in Betrieb, der später als Anschluss der Aschaffenburger Zellstoffwerke bekannt war.
1937 war Walsum ein Bahnhof III. Klasse, zehn Reichsbahner und eine Halbtages-Putzkraft versahen dort ihren Dienst.
Mit der Steinkohleförderung auf der Zeche Walsum ging 1939 ein Anschlussgleis zum Betriebsbahnhof der Zeche in Betrieb.

Das Empfangsgebäude ist an das niederrheinische T-Haus angelehnt.
Es ist ein zweigeschossiger Querbau mit Fachwerkfassade, der giebelständig zur Straße steht.
Der Sockel besteht aus Bruchsteinquadern, das Dach ist ein Krüppelwalmdach.
Über einen eingeschossigen Anbau gelangten die Reisenden in den Vorraum mit Fahrkartenausgabe und Wartehalle.
Zum Mittelbahnsteig führte ein Personentunnel.
Das Gebäude steht seit dem 6. April 1988 unter Denkmalschutz.


Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof wiederholt aus der Luft angegriffen.
Bei Luftangriffen 1944 wurde das Empfangsgebäude stark beschädigt.
Im März 1945 wurde die Eisenbahnbrücke über die heutige Kleine Emscher gesprengt, damit war die Strecke zwischen Walsum und Hamborn unterbrochen.
Der Abschnitt nördlich von Walsum wurde für eine Zeit über das Werkbahnnetz der Gutehoffnungshütte nach Sterkrade angebunden.
1948 konnten die Züge wieder den regulären Weg nehmen.
1950 stufte die Bundesbahn die Strecke nördlich von Walsum zur Nebenbahn herab und führte dort Zugleitbetrieb ein.
Seit 1963 war Walsum der nördliche Endpunkt für Personenzüge aus Richtung Oberhausen.
Bis 1966 setzte die Bundesbahn bei Heimspielen des Meidericher Spielvereins Fußballsonderzüge zwischen Walsum und dem Haltepunkt Duisburg Sportpark ein.
Die Eintrittskarten für das Wedaustadion gab es zusammen mit den Fahrkarten.


Das Ende der Reisezüge 1983
Nachdem der Kohlezugverkehr nach Möllen ausgeweitet worden war, reduzierte die Bundesbahn das Personenzugangebot 1976 auf zwei Zugpaare täglich.
Als die Fahrgastzahlen unter 20 Personen sanken, beantragte die Bundesbahndirektion Essen im Oktober 1982 die Einstellung des Personenverkehrs.
Im Mai 1983 stellte die Bundesbahn den verbliebenen Personenverkehr zwischen Oberhausen und Walsum ein.
Als letzter Tag werden in den Quellen der 28. und der 29. Mai 1983 genannt.
Im Dezember 1998 zog die DB Cargo den letzten Rangierer aus Walsum ab, die Aufgaben übernahm das Rangierpersonal aus Oberhausen West.
Ende 2008 stellte die Zeche Walsum ihre Förderung ein, ihr Anschluss dient seitdem ausschließlich dem Kraftwerk Walsum.
So sieht es jetzt aus
Auf der Strecke verkehren Güterzüge, hauptsächlich Kohletransporte zum Kraftwerk Walsum und zum Hafen Emmelsum.
Die Betriebsstellen Hamborn und Walsum sind weiterhin in Betrieb, die Empfangsgebäude stehen noch und werden überwiegend privat genutzt.
Außer gelegentlichen Sonderfahrten wird kein Personenverkehr mehr durchgeführt.
Überregionale Bekanntheit erlangte das Walsumer Empfangsgebäude, nachdem es an ein Ehepaar verkauft und saniert wurde.
Die Arbeiten waren von 2011 bis 2014 in der VOX-Doku-Soap „Ab in die Ruine!“ zu sehen.
2017 dauerten sie noch an und waren wiederholt von Konflikten zwischen den Besitzern und der Deutschen Bahn geprägt, unter anderem wegen eines länger anhaltenden Wasserschadens.
Hinzu kamen Streitigkeiten um die Eigentümerschaft an Personentunnel, Treppenaufgang und Bahnsteig.
In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 2023 sackte infolge von Starkregen in Dinslaken der Emscherdeich ab, auch die Fundamente der Eisenbahnbrücke gaben nach.
Die Brücke musste abgerissen werden, der Verkehr nördlich von Walsum wurde eingestellt.
Mit einer Behelfsbrücke wurde die Strecke ab Mitte April 2025 wieder befahren.
2004 riet ein Gutachten des Fahrgastverbands Pro Bahn von einer Reaktivierung des Personenverkehrs ab, weil das Fahrgastpotenzial nicht ausreiche.
2020 unterzeichneten Vertreter der Städte Duisburg und Oberhausen, des Kreises Wesel und des VRR eine Absichtserklärung, die Wiederaufnahme des Personenverkehrs zu prüfen.
Nach einer positiven Machbarkeitsstudie stimmte der Verwaltungsrat des VRR im März 2023 für die Reaktivierung der Walsumbahn.
Eine Inbetriebnahme könnte Anfang der 2030er Jahre erfolgen, weil zuvor die Brücke über den Wesel-Datteln-Kanal neu gebaut werden muss.
Vorher und nachher: das Empfangsgebäude in Hamborn
Das Empfangsgebäude in Hamborn ist das einzige der Strecke, zu dem eine freie historische Aufnahme vorliegt.
Zwischen dem alten und dem neuen Foto am Anfang liegen das Ende der Reisezüge 1983 und die Unterschutzstellung 1985.
Heute beherbergt das Gebäude ein Café, in der Empfangshalle finden Hochzeitsfeiern statt.
Die Geschichte in Daten
1906: Das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten beauftragt die Eisenbahndirektion Essen mit dem Plan für die Strecke Oberhausen, Hamborn, Walsum, Wesel.
1908: Baubeginn.
1912: Eröffnung der Walsumbahn mit einer Sonderfahrt am 14. Oktober, Hamborn und Walsum gehen in Betrieb.
1913: Ein Güterschuppen in Walsum geht in Betrieb.
1932: Das Empfangsgebäude in Hamborn sackt durch Bergsenkungen um 2,60 Meter ab.
1937: Die Walsumbahn wird in den Ruhrschnellverkehr einbezogen.
1939: Das Anschlussgleis der Zeche Walsum geht in Betrieb.
1945: Die Brücke über die heutige Kleine Emscher wird gesprengt, die Strecke zwischen Walsum und Hamborn ist unterbrochen.
1948: Der Haltepunkt Provinzialstraße geht in Betrieb, zwischen Hamborn und Walsum rollen wieder Züge.
1950: Der Abschnitt nördlich von Walsum wird Nebenbahn mit Zugleitbetrieb.
1963: Walsum wird nördlicher Endpunkt für Personenzüge aus Oberhausen.
1967: Der Haltepunkt Duisburg-Marxloh geht in Betrieb.
1970: Die Verbindungskurve von Hamborn nach Neumühl wird stillgelegt.
1974: Die Kurve geht als Bahnhofsgleis von Hamborn wieder in Betrieb.
1983: Die Bundesbahn stellt den Personenverkehr zwischen Oberhausen und Walsum im Mai ein.
1985: Das Empfangsgebäude in Hamborn wird Baudenkmal.
1988: Das Empfangsgebäude in Walsum wird Baudenkmal.
2008: Die Zeche Walsum stellt die Förderung ein.
2011: Beginn der Fernsehbegleitung der Sanierung des Walsumer Empfangsgebäudes, sie dauert bis 2014.
2017: Die mechanischen Stellwerke in Hamborn und Walsum gehen mit dem Anschluss an ein elektronisches Stellwerk außer Betrieb.
2020: Städte, Kreis und VRR unterzeichnen eine Absichtserklärung zur Prüfung der Reaktivierung.
2023: Der VRR-Verwaltungsrat stimmt für die Reaktivierung, im Juni führt Starkregen zum Abriss der Brücke in Dinslaken.
Häufige Fragen
Fahren auf der Walsumbahn noch Personenzüge?
Warum wurde die Walsumbahn als Hochbahn gebaut?
Wann wurde der Haltepunkt Marxloh eröffnet?
Was ist aus dem Empfangsgebäude in Hamborn geworden?
Wird der Personenverkehr wieder aufgenommen?
Von der Walsumbahn bleiben ein Bahndamm mit Güterverkehr und zwei große Empfangsgebäude in Hamborn und Walsum.
Ob wieder Reisezüge halten, hängt von der Reaktivierung und vom Neubau der Brücke über den Wesel-Datteln-Kanal ab.
Wikipedia: Bahnstrecke Oberhausen–Wesel (Walsumbahn) · Wikipedia: Bahnhof Duisburg-Hamborn · Wikipedia: Bahnhof Walsum
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