Die stillen Halte der Bahn Teterow–Gnoien: 26,5 Kilometer ohne Gleise
Von 1884 bis 1996 fuhr eine eingleisige Nebenbahn von Teterow nach Gnoien. Heute sind die Gleise bis auf wenige Stellen entfernt, nur die Trasse und einige Bahnhofsgebäude erinnern an die Strecke.

Lage: zwischen Teterow und Gnoien in Mecklenburg-Vorpommern, 26,5 Kilometer. Status: Der Verkehr wurde 1996 eingestellt, die Strecke 1997 stillgelegt, aber nicht entwidmet. Heute: Die Gleise sind bis auf wenige Stellen entfernt, der Bahnhof Gnoien ist seit 2019 in privater Hand.
Die Bahnstrecke Teterow–Gnoien war eine eingleisige Nebenbahn, die von 1884 bis 1996 Personen- und Güterzüge zwischen den beiden Kleinstädten trug.
Der Personenverkehr endete am 1. Juni 1996, ein Jahr später wurde die Strecke stillgelegt, jedoch nicht entwidmet.
Dieser Beitrag geht die Halte von Teterow See bis Gnoien der Reihe nach durch.
Freie Fotos von den Halten gibt es kaum, deshalb stehen hier nur zwei Aufnahmen aus Gnoien.
Teterow selbst ist nicht stillgelegt, der dortige Bahnhof an der Strecke Güstrow–Neubrandenburg wird im Beitrag Der Bahnhof Teterow beschrieben.
Entstehung: eine Bahn für das Land nördlich von Teterow
Im Jahr 1864 wurde die Bahnstrecke Bützow–Stettin von Güstrow über Teterow nach Neubrandenburg verlängert, drei Jahre später weiter nach Stettin.
Dadurch wurden frühere Planungen für abzweigende Bahnen wieder aufgegriffen.
Eine davon war eine Bahn von Teterow nach Gnoien mit einer möglichen Verlängerung nach Bad Sülze.
Nachdem 1883 ein Schreiben mit genauen Planungen in den Schweriner Landtag eingereicht worden war, stand zur Wahl, ob die Strecke von Teterow oder von Neukalen nach Gnoien führen sollte.
Im Dezember 1883 entschied sich das Eisenbahnkomitee des Landtags für die Variante Teterow–Gnoien.
Zur Erschließung der vor allem landwirtschaftlich genutzten Gegend nördlich von Teterow wurde im August 1883 die Gnoien-Teterower Eisenbahn-Gesellschaft gegründet.
Sie beauftragte das in Stettin ansässige Unternehmen Lenz & Co. mit Bau und Betrieb.
Die Konzession zum Bau wurde am 14. Februar 1884 erteilt.
Am 5. November 1884 wurde die Strecke eröffnet.
Überlegungen, sie weiter über Tribsees in Richtung Stralsund oder Greifswald zu führen, wurden nicht verwirklicht.
So sah es vorher aus: vier Zugpaare am Tag
Am 10. März 1890 wurde die Bahngesellschaft verstaatlicht und Teil der Großherzoglichen Friedrich-Franz-Eisenbahn.
Drei Lokomotiven der Teterow-Gnoiener Eisenbahn gingen dabei in den Bestand der Staatsbahn über.
Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Strecke wie die ganze Friedrich-Franz-Bahn in den Deutschen Reichseisenbahnen auf, aus denen sich die Deutsche Reichsbahn entwickelte.
Praktisch im gesamten Zeitraum bestand das Personenzugangebot aus vier, selten fünf Zugpaaren, die zwischen Teterow und Gnoien pendelten.
Nach 1945 entging die Strecke nur knapp der reparationsbedingten Demontage durch die sowjetischen Besatzungstruppen.
Bedeutung hatte sie bis 1990 vor allem für den Güterverkehr mit landwirtschaftlichen Produkten.
Das Ende: Langsamfahrstelle und letzter Zug
1990 fuhren die letzten Züge für den Transport von Zuckerrüben, das übrige Frachtaufkommen schmolz dahin.
Mitte der 1990er Jahre war die Verbindung in zweifacher Hinsicht ein Kuriosum.
Zum einen verkehrte hier der letzte Personenzug mit Güterbeförderung bei der Deutschen Bahn, der einen Brennstoffhändler am Bahnhof Gnoien belieferte.
Zum anderen gab es eine mehrere Kilometer lange Langsamfahrstelle, die nur mit 10 km/h befahrbar war.
Die Züge benötigten zuletzt 33 Minuten für die fünf Kilometer von Thürkow nach Groß Wüstenfelde.
Das führte, auch wegen der dünnen Besiedlung entlang der Strecke, zu einem raschen Ende.
Am 1. Juni 1996 wurde der Verkehr eingestellt, ein Jahr später wurde die Strecke stillgelegt.
Die Gleise wurden in den frühen 2000er Jahren abgebaut.
Die Bahnlinie wurde durch Busverkehr ersetzt.
Teterow See: der erste Halt hinter Teterow
Der Haltepunkt Teterow See lag 1,9 Kilometer hinter dem Bahnhof Teterow.
Er war der erste Halt der Strecke.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.
Thürkow: Bahnhof vor der Langsamfahrstelle
Der Bahnhof Thürkow lag bei Kilometer 7,1 der Strecke.
Zwischen Thürkow und Groß Wüstenfelde lag die Langsamfahrstelle, auf der die Züge zuletzt 33 Minuten für fünf Kilometer brauchten.
Thürkow liegt an der B 108 von Teterow nach Rostock, in Thürkow zweigt die Landesstraße nach Gnoien ab.
Die nächste Bahnstation für Thürkow ist heute Teterow.
Schwetzin: Haltepunkt bei Groß Wüstenfelde
Der Haltepunkt Schwetzin lag bei Kilometer 10,2 der Strecke und gehörte zur Gemeinde Groß Wüstenfelde.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.
Groß Wüstenfelde
Der Bahnhof Groß Wüstenfelde lag bei Kilometer 12,4.
Hier endete die Langsamfahrstelle, die ab Thürkow die Fahrzeit der letzten Jahre bestimmte.
Als die Strecke 1996 stillgelegt wurde, lagen die nächsten Bahnhöfe in Teterow und Laage.
Schrödershof: Haltepunkt der Gemeinde Jördenstorf
Der Haltepunkt Schrödershof lag bei Kilometer 14,9.
Der Ort gehört zur Gemeinde Jördenstorf.
Nach der Stilllegung lag der nächste Bahnhof in Teterow.
Poggelow: der ehemalige Bahnhof von Schwasdorf
Poggelow ist ein Ortsteil der Gemeinde Schwasdorf.
Der Bahnhof lag bei Kilometer 17,2 an der 1997 stillgelegten Strecke.
Die Bahnlinie wurde durch Busverkehr ersetzt.
Klein Lunow: Haltepunkt bei Boddin
Der Haltepunkt Klein Lunow lag bei Kilometer 20,8 und gehörte zur Gemeinde Boddin.
Von Boddin aus liegen die nächsten Bahnhöfe in über 20 Kilometern Entfernung, in Teterow, Tessin und Demmin.
Dölitz: Abzweig der Rübenbahn
Der Haltepunkt Dölitz lag bei Kilometer 24,9 und gehört heute zu Gnoien.
Hier begann die Privatanschlussbahn nach Grammow, die 1889 eröffnet wurde.
Sie diente anfangs vor allem der Abfuhr von Rüben zur Zuckerfabrik in Teterow.
Interessierte Gutsbesitzer brachten das nötige Kapital von 300.000 Mark auf und gründeten am 18. Juli 1889 die Dölitz-Grammower Rübenbahngesellschaft.
Die Bahn war später als Nebenbahn in Betrieb und hieß deshalb auch Rübenbahn.
Die Höchstgeschwindigkeit betrug 20 km/h.
Während der Erntezeit verkehrten täglich Züge, sonst im Regelfall nur einmal wöchentlich.
Die Teterower Zuckerfabrik wurde 1924 geschlossen.
Im Frühjahr 1945 diente die Strecke dem Abstellen zahlreicher Lokomotiven und Wagen, darunter drei Lazarettzüge.
1946 wurde sie als Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert.
Gnoien: der Endbahnhof und die Wohnungen
Gnoien erhielt 1884 mit der eingleisigen Strecke von Teterow Anschluss an das Bahnnetz.
Der Bahnhof lag am Ende der 26,5 Kilometer langen Strecke.
Das Empfangsgebäude wurde von den Herren Mauermeister Stubbe und Zimmermeister Spenker gebaut.
Der Hofzimmermeister Küster übernahm den Bau des Güter-, Lokomotiv- und Kohlenschuppens.
Der Bahnhof Gnoien ist seit 2019 in privater Hand und damit nicht frei zugänglich.
Der Eigentümer baut seit 2022 das Bahnhofsgebäude in altersgerechte Wohnungen um, das Erscheinungsbild soll weitgehend unverändert bleiben.

So sieht es jetzt aus
Heute sind die Gleise bis auf wenige Stellen gänzlich zurückgebaut.
Die Trasse lässt sich im Landschaftsbild gut ausmachen.
Trotz Bestrebungen von Teterower Lokalpolitikern, eine als Flaschenhals empfundene Bahnunterführung abzureißen, hat die Bahn Stand 2025 ausdrücklich kein Interesse, die Strecke zu entwidmen.
2025 kamen Pläne auf, die Bahnstrecke Rostock–Tessin bis nach Gnoien zu verlängern.
Diese Planung sieht jedoch eine neue Trassierung vor.
Vorher und nachher
1884 eröffnet, verband die Strecke Teterow und Gnoien mit zuletzt acht Halten dazwischen.
Seit den frühen 2000er Jahren sind die Gleise abgebaut, an ihrer Stelle verläuft die erkennbare Trasse.
Das Empfangsgebäude in Gnoien wird zu Wohnungen umgebaut.
Die Geschichte in Daten
August 1883: Die Gnoien-Teterower Eisenbahn-Gesellschaft wird gegründet.
Dezember 1883: Das Eisenbahnkomitee des Landtags entscheidet sich für die Variante Teterow–Gnoien.
14. Februar 1884: Die Konzession zum Bau wird erteilt.
5. November 1884: Die Strecke Teterow–Gnoien wird eröffnet.
18. Juli 1889: Die Dölitz-Grammower Rübenbahngesellschaft wird gegründet.
10. März 1890: Die Bahngesellschaft wird verstaatlicht.
1924: Die Teterower Zuckerfabrik wird geschlossen.
1946: Die Rübenbahn Dölitz–Grammow wird als Reparationsleistung demontiert.
1990: Die letzten Züge mit Zuckerrüben fahren.
1. Juni 1996: Der Verkehr wird eingestellt.
1997: Die Strecke wird stillgelegt, aber nicht entwidmet.
Frühe 2000er: Die Gleise werden abgebaut.
2019: Der Bahnhof Gnoien geht in private Hand.
2022: Der Umbau des Gnoiener Bahnhofsgebäudes in Wohnungen beginnt.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Personenzug von Teterow nach Gnoien?
Warum wurde die Strecke eingestellt?
Liegen die Gleise noch?
Was ist die Rübenbahn?
Kann man das Bahnhofsgebäude in Gnoien besichtigen?
Von der Bahn nach Gnoien bleibt damit die Trasse, ein Bahnhofsgebäude im Umbau und die Erinnerung an einen Zug, der zuletzt 33 Minuten für fünf Kilometer brauchte.
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