Die stillen Halte der Strecke Ludwigslust–Dömitz: Eine Bahn ohne Gleise
Zwischen Ludwigslust und Dömitz lagen sieben Zwischenhalte, heute sind die Gleise abgebaut. Der Beitrag geht die Halte der Reihe nach durch und sagt, was belegt ist.


Lage: Landkreis Ludwigslust-Parchim, Mecklenburg-Vorpommern. Status: stillgelegt seit 11. April 2001, 30,3 Kilometer lang. Heute: Gleise abgebaut, Bahnhof Dömitz seit Dezember 2021 im Besitz der Stadt.
Die Bahn von Ludwigslust nach Dömitz ist heute eine Strecke ohne Gleise.
Zwischen den beiden Endpunkten lagen auf 30,3 Kilometern sieben Zwischenhalte.
Dazu kommt Polz an der ebenfalls abgebauten Strecke von Dömitz nach Wittenberge.
Freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, die meisten Aufnahmen zeigen die Strecke nach der Stilllegung.
Die Elbbrücke bei Dömitz hat bereits einen eigenen Beitrag: Die Dömitzer Eisenbahnbrücke.
Wie die Strecke entstand
Gebaut wurde die Strecke von der staatlichen Großherzoglich Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn.
Sie sollte Teil einer Verbindung von Ludwigslust nach Uelzen werden.
Der Abschnitt von Malliß nach Dömitz ging am 29. Dezember 1889 in Betrieb.
Die übrige Strecke bis Ludwigslust folgte am 20. Mai 1890.
Am 29. Dezember 1889 öffnete auch die Zweigstrecke von Malliß nach Lübtheen, sodass dort von Anfang an durchgehend gefahren werden konnte.
Die Bahn erschloss die Griese Gegend in Westmecklenburg.
In Dömitz bestand Anschluss an die Strecke Wittenberge–Lüneburg, die seit dem 15. Dezember 1873 in Betrieb war und dort die Elbe überquerte.
So sah es vorher aus: eine Nebenbahn mit regionaler Bedeutung
Die Verbindung erreichte nie mehr als regionale Bedeutung.
In den 1930er Jahren fuhren fünf bis sechs Zugpaare, die zum Teil bis Parchim durchgebunden waren.
Dazu kam ein Eilzugpaar von Rostock nach Uelzen.
Nach der Zerstörung der Elbbrücke und dem Abbau der Strecke östlich der Elbe war die Bahn von Ludwigslust die einzige Schienenverbindung der Elbstadt Dömitz.
Zu DDR-Zeiten pendelten vier bis fünf Züge am Tag.
Jahrzehntelang fuhren ausschließlich lokbespannte Züge.
In den letzten Betriebsjahren kamen Triebwagen der Baureihen 771 und 772 zum Einsatz, zuletzt der Baureihe 628.
Einige Fahrten liefen weiter bis Hagenow oder Neustrelitz.
Von 1996 bis zur Stilllegung galt zwischen Dömitz und Malliß ein vereinfachter Nebenbahndienst im Zugleitbetrieb.

Das Ende: vom Güterverkehr bis zur Stilllegung
Am 1. Januar 1997 wurde der Güterverkehr eingestellt.
Am 27. Mai 2000 folgte der Personenverkehr.
Am 11. April 2001 wurde die Strecke stillgelegt.
Seither ersetzen Busse die Verbindung.
Im September 2005 wurde in Ludwigslust die Stahlfachwerkbrücke abgerissen, die über die zweigleisige Hauptbahn nach Wittenberge führte.
Als Gründe wurden europäische Konformitätsvorschriften genannt, die einen Gleisabstand von vier Metern vorschreiben.
Zudem standen die Widerlager des Bauwerks zu dicht an der Hauptstrecke.
Anfang 2006 kaufte eine thüringische Verwertungsfirma die Strecke.
Im Juli desselben Jahres begann sie mit dem Abbau.
Ende 2007 war der Gleisrückbau weitgehend abgeschlossen.
Noch 2011 wurde Schotter abgetragen, der im Straßenbau wiederverwendet werden sollte.

Techentin
Techentin war ein Haltepunkt bei Kilometer 26,6 und damit rund 3,7 Kilometer vom Ausgangspunkt Ludwigslust entfernt.
Die Station lag am Ortsrand.
Gleise links der Hauptstrecke gehörten zur Anschlussstelle Techentin, ebenso ein Lokschuppen.
Etwa 200 Meter entfernt lag die Weiche zur Anschlussstelle Techentin Nord bei Kilometer 27,0.
Im Jahr 2005 war das ehemalige Stationsgebäude bewohnt.
Weitere Angaben zur Geschichte der Station sind nicht belegt.
Alt Karstädt
Alt Karstädt lag bei Kilometer 23,9, rund 900 Meter vom Ortskern entfernt.
Das ursprüngliche Stationsgebäude war klein, etwa elf mal siebeneinhalb Meter groß, und vollständig unterkellert.
Es enthielt Dienstraum, Warteraum, Güterraum und Flur.
Um 1896 entstand bei einem ersten Umbau eine neue Dienstwohnung.
Um 1910 kam im Osten ein Anbau mit neuem Warteraum hinzu, auf der Westseite ein Güterraum.
Das Beamtenwohnhaus wurde 1936 und 1937 erweitert.
Der endgültige Umbau von 1937 gab dem Ensemble sein späteres Aussehen.
Das Beamtenwohnhaus ist in Privatbesitz und bewohnt, das Stationsgebäude stand 2023 leer.


Eulenkrug
Eulenkrug war ein Haltepunkt bei Kilometer 20,7 zwischen Alt Karstädt und Eldena.
Weitere Einzelheiten zu Bau und Betrieb sind nicht belegt.
Eldena
Der ehemalige Bahnhof von Eldena liegt am westlichen Ortsrand an der Elde, bei Kilometer 16,7.
Im Jahr 1897 war vorgesehen, den Güterschuppen aus Neu Kaliß nach Eldena zu versetzen.
Stattdessen wurde 1898 ein eigener Güterschuppen entworfen.
Im selben Jahr wurde das Ladegleis umgebaut.
Es wurde um 120 Meter kürzer und bot nur noch Platz für acht Wagen.
Zudem entstand ein Kopframpengleis.
Der Zwischenbahnsteig wurde 1898 um 20 Meter in Richtung Malliß verlängert.
Damit mussten Reisende nicht mehr durch den wartenden Zug 160 gehen.
1915 war eine Erweiterung des Empfangsgebäudes für Dienst- und Warteräume geplant.
Etwa zehn Jahre lang geschah danach nichts.
1924 gab die Pächterin die Bahnhofswirtschaft auf.
Beschlossen wurde ein Umbau des Empfangsgebäudes mit Stellwerksvorbau, zunächst ohne Geld.
1938 entstand ein neuer Schuppen für Eilgut.
1942 wurde Gleis 2 ausgebaut.
Von der Molkerei gingen Milch, Fische, Margarine und Butter per Bahn hinaus.
Täglich mussten rund 50 Kannen Milch zum Zug 160 gebracht werden.
1932 wurden an einem Tag bis zu fünf Viehladungen verladen.
Vorher und nachher in Eldena


Bis 2020 hatte das Bahnhofsgebäude keinen neuen Eigentümer.
2022 oder 2023 fand sich ein neuer Eigentümer für das Gelände mit Empfangsgebäude, Güterschuppen und zwei Nebengebäuden.
Archivunterlagen zeigen, dass der Treppenhausturm ursprünglich eine weitere Fachwerketage besaß.
Die große Ladestraße zeugt noch vom früheren Güterverkehr.
Göhren
Göhren war ein Haltepunkt bei Kilometer 12,7.
Bis 1993 hieß die Station Göhren, danach Malk Göhren.
Weitere Einzelheiten zu Bau und Betrieb sind nicht belegt.

Malliß
Malliß war der Knotenpunkt der Strecke bei Kilometer 9,6.
Hier zweigten die Strecken nach Lübtheen und nach Conow ab.
Die Lübtheener Strecke diente vorrangig dem Güterverkehr und wurde 1945 eingestellt.
Etwa 1946 wurde sie abgetragen und das Material als Reparationsleistung in die Sowjetunion gebracht.
Die Strecke nach Conow wurde nur im Güterverkehr benutzt und 1994 stillgelegt.
Bis 1954 bestand im Bahnhof außerdem ein Lokbahnhof als Außenstelle des Bahnbetriebswerks Parchim.
Der Lokschuppen mit Wasserturm ist schon lange nicht mehr vorhanden.
Der Bahnhof liegt rund zwei Kilometer vom Ort entfernt, ein Kanal führt unter ihm hindurch.
Das Empfangsgebäude ist zweigeschossig und steht auf normaler Geländehöhe, die Gleise lagen auf einem Damm.

Einige Jahre vor der Einstellung des Verkehrs wurde der Bahnhof umgebaut und mit moderner Sicherungstechnik ausgestattet.
Zugkreuzungen waren danach nur noch mit Umsetzen möglich.
Das Stellwerk in Richtung Dömitz wurde abgerissen, später auch das ehemalige Stellwerk B.
Der Ort hatte früher etwas Industrie, die für ein gutes Güteraufkommen sorgte.
Der ehemalige Güterschuppen wird von einer Firma genutzt.
Das Bahnhofsgebäude hat neue Besitzer, ein altes Formsignal wurde als Erinnerung aufgestellt.

Neu Kaliß
Neu Kaliß lag bei Kilometer 5,3 mitten im Ort.
Der älteste erhaltene Lageplan stammt von 1889.
Die Station war bis zum Schluss mit einem Schrankenposten besetzt.
Das Stationsgebäude und das alte Stellwerk stehen noch.
Das Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz.
Am Obergeschoss des Stellwerks ist erkennbar, dass die Fenster früher um zwei Ecken liefen, um Straße und Bahnhof gut einsehen zu können.
Hinter dem ehemaligen Bahnübergang steht ein Bahnwohnhaus für zwei Familien.
Die Gleisanlagen wurden demontiert, die Fläche wurde eingeebnet und begrünt.
Die frühere Trasse in Richtung Eldena ist noch sichtbar.


Dömitz
Der Bahnhof Dömitz entstand mit dem Bau der Strecke Wittenberge–Buchholz, die bei Dömitz die Elbe querte.
Der Abschnitt von Wittenberge nach Dömitz wurde am 15. Dezember 1873 eröffnet.
Ab 1874 lief der Personenverkehr über die Elbbrücke.
Am 29. Dezember 1889 wurde der Abschnitt nach Malliß übergeben.
Vom 1. April 1909 bis zum 31. März 1910 wurden in Dömitz 72.435 Fahrkarten verkauft.
Davon entfielen 38.382 auf die Preußischen Staatseisenbahnen und 34.053 auf die Friedrich-Franz-Eisenbahn.
Nach der Bombardierung der Elbbrücke am 20. April 1945 war die Strecke nach Buchholz abgeschnitten.
Der Abschnitt nach Wittenberge wurde noch befahren und 1947 als Reparationsleistung abgebaut.
Dömitz war fortan Endstation der Bahn aus Ludwigslust.
Seit 1997 war der Bahnhof nur noch Haltepunkt.
Zur Anlage gehörten Empfangsgebäude, Güterabfertigungsgebäude, zwei Schuppen und ein Speicher mit Handkran.
Sie steht auf der Baudenkmalliste des Landkreises.
Für das Empfangsgebäude wurde der Denkmalschutz zur Jahreswende 2021/2022 aufgehoben.
Ab 2008 war das Empfangsgebäude in Privatbesitz, zeitweise wurden noch Wohnungen vermietet.
In der Nacht vom 10. auf den 11. August 2011 erfasste ein Brand den gesamten Dachstuhl des leerstehenden Gebäudes.
Ein weiterer Brand folgte.
Im Dezember 2021 erwarb die Stadt Dömitz das Bahnhofsareal mit den Bauten.
Sie setzte die Aberkennung des Denkmalstatus durch.
Geplant sind der Abriss der Gebäude und der Bau von Mehrfamilienhäusern.

Das Museum Festung Dömitz zeigte zum 150-jährigen Baujubiläum der Lüneburger Bahn eine Sonderausstellung über diese vergessene Eisenbahngeschichte.
Polz an der Strecke nach Wittenberge
Polz war ein Bahnhof an der Strecke von Dömitz nach Wittenberge, bei Kilometer 158,4 der Strecke Wittenberge–Buchholz.
1873 und 1874 wurde der Ort an die Strecke Wittenberge–Lüneburg angeschlossen.
Dazu entstanden ein Bahnhof und eine Ausweichstelle.
Zwischen Wittenberge und Dömitz lagen unter anderem Lanz, Lenzen und Polz.
1947 wurde die Strecke als Reparationsleistung für die Sowjetunion demontiert und nicht wieder erneuert.
Der Abschnitt Wittenberge–Dömitz wird teilweise als Bahnradweg genutzt.
So sieht es jetzt aus
Die Gleise der Strecke Ludwigslust–Dömitz sind abgebaut.
Mehrere Empfangsgebäude stehen noch, darunter Alt Karstädt, Eldena, Malliß und Neu Kaliß.
In Eldena gibt es seit 2022 oder 2023 einen neuen Eigentümer, in Malliß haben die Gebäude neue Besitzer.
In Dömitz gehört das Areal der Stadt, die den Abriss plant.
Über den Zustand von Eulenkrug, Göhren und Techentin liegen keine belegten Angaben vor.
Die Geschichte in Daten
15. Dezember 1873: Eröffnung der Strecke Wittenberge–Dömitz.
29. Dezember 1889: Eröffnung von Malliß bis Dömitz und der Zweigstrecke nach Lübtheen.
20. Mai 1890: Eröffnung der restlichen Strecke bis Ludwigslust.
20. April 1945: Die Elbbrücke bei Dömitz wird bombardiert.
1947: Die Strecke Wittenberge–Dömitz wird als Reparation abgebaut.
1. Januar 1997: Der Güterverkehr endet.
27. Mai 2000: Der Personenverkehr endet.
11. April 2001: Die Strecke wird stillgelegt.
September 2005: Die Eisenbahnbrücke in Ludwigslust wird abgerissen.
Ende 2007: Der Gleisrückbau ist weitgehend abgeschlossen.
August 2011: Brand im Bahnhofsgebäude Dömitz.
Dezember 2021: Die Stadt Dömitz erwirbt das Bahnhofsareal.
Häufige Fragen
Wann wurde die Strecke Ludwigslust–Dömitz stillgelegt?
Wie lang war die Strecke?
Gibt es noch Gleise?
Wie ging es mit dem Bahnhof Dömitz weiter?
Gab es von Dömitz aus eine Verbindung über die Elbe?
Die Bahn von Ludwigslust nach Dömitz zeigt, wie schnell eine Strecke verschwinden kann, wenn die Gleise verkauft sind.
Geblieben sind Gebäude, deren Zukunft unterschiedlich aussieht.
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