Die Dömitzer Eisenbahnbrücke: Die Elbbrücke, die an der Grenze zerbrach

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Dömitzer Eisenbahnbrücke: Die Elbbrücke, die an der Grenze zerbrach

986 Meter lang, mit Wehrtürmen gegen den Feind gebaut, am 20. April 1945 zerstört und wegen der deutsch-deutschen Grenze nie wieder aufgebaut: Vom Westteil der Dömitzer Brücke stehen bis heute 16 Bögen.

VORHER · 1861

Plan zum Bau der Eisenbahnbrücke über die Elbe bei Dömitz.

Plan zum Bau der Eisenbahnbrücke über die Elbe bei Dömitz. Plan: Meltzer und v. Kühlewein, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2019

Die Reste der Brücke von oben, September 2019.

Die Reste der Brücke von oben, September 2019. Foto: Florian Schulz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1873
Fertigstellung
986 m
Ursprüngliche Länge
20.4.1945
Zerstörung
16
Erhaltene Vorlandbrücken

Lage: Kaltenhof, Langendorf, am Westufer der Elbe gegenüber von Dömitz. Status: teilzerstört, Denkmal. Heute: Skywalk auf vier Bögen, Eigentümer ist die Samtgemeinde Elbtalaue.

Wer am Westufer der Elbe bei Dömitz steht, sieht eine Brücke, die im Nichts endet.

Backsteintürme bewachen den Eingang, dahinter ziehen sich Stahlbögen über die Wiesen.

Dann hören sie auf, und vor ihnen fließt die Elbe.

Früher lief hier eine der längsten Strombrücken Deutschlands quer durch den Fluss.

Heute erinnert der Rest an den Krieg und an die Grenze, die Deutschland 40 Jahre teilte.

Der Beitrag zeigt, wie die Brücke geplant wurde, was mit ihr geschah und wie es dort heute aussieht.

Hier geht es um eine Brücke und nicht um einen Bahnhof, deshalb ist dieser Beitrag ein Sonderfall der Reihe.

Aus der Betriebszeit gibt es leider keine freien Fotos, das älteste Bild ist ein Plan von 1861.

Eine Brücke mit Wehrtürmen

Die Brücke entstand von 1870 bis 1873 für die Strecke von Wittenberge nach Lüneburg.

Sie wurde zweigleisig gebaut und hatte an der stromaufwärtigen Seite einen Fußweg.

Der Berliner Ingenieur Ernst Häseler plante das Bauwerk, die Harkort’sche Fabrik aus Duisburg errichtete es.

Wegen der Nähe zur Festung Dömitz gab es für die Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft besondere Bauauflagen.

Die Brücke sollte im Kriegsfall gegen einen Elbübertritt des Feindes zu verteidigen sein.

Darum stand an jedem Ende ein wehrhaft ausgebautes Brückenhaus.

Das Haus am linken Ufer gibt es bis heute.

So sah es vorher aus: 986 Meter über Fluss und Vorland

Am westlichen Ufer begann die Brücke mit 16 Vorlandbrücken von je 33,9 Metern Stützweite.

Das Flussbett überspannten vier Felder von je 67,8 Metern und eine Drehbrücke mit zweimal 18,2 Metern.

Das östliche Vorland überbrückten vier weitere Bögen.

Die Überbauten waren Balkenbrücken mit schmiedeeisernen Fachwerkträgern und unten liegender Fahrbahn.

Die Längsträger wurden als Schwedlerträger ausgeführt und waren bis zu zehn Meter hoch.

So groß die Brücke war, so klein blieb der Verkehr.

Die Strecke erlangte keine überregionale Bedeutung, für den Betrieb reichte ein Gleis.

Schon 1877 wurde das ungenutzte zweite Gleis entfernt.

1925 und 1932/33 wurde die Brücke unter laufendem Zugbetrieb umfassend verstärkt.

Die Brücke am Elbufer.
Die Brücke am Elbufer. Foto: R.Kirchner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Pfeiler mit den Fachwerkträgern.
Ein Pfeiler mit den Fachwerkträgern. Foto: R.Kirchner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die lange Reihe der Vorlandbrücken.
Die lange Reihe der Vorlandbrücken. Foto: R.Kirchner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

April 1945: das Ende

Am 20. April 1945 stürzte nach einem Luftangriff der östliche Überbau vor der Drehbrücke in die Elbe.

Die Brücke war unterbrochen, und sie blieb es.

Das Bauwerk querte nun die deutsch-deutsche Grenze, ein Wiederaufbau unterblieb deshalb.

Der Abschnitt von Wittenberge nach Dömitz wurde 1947 als Reparation demontiert.

1978 wurden wegen Einsturzgefahr die verbliebenen drei Strombrücken und ihre Pfeiler abgerissen.

1988 folgten die Reste auf dem Gebiet der DDR, mit Drehbrücke und Vorlandbrücken.

Damit war die Verbindung auch optisch verschwunden.

Geblieben sind die 16 westlichen Vorlandbrücken mit dem Brückenkopf, die unter Denkmalschutz stehen.

Das Eisentor am Brückenkopf.
Das Eisentor am Brückenkopf. Foto: R.Kirchner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick vom Brückenkopf auf die Bögen.
Blick vom Brückenkopf auf die Bögen. Foto: Maarten Sepp, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Brückenkopf von außen.
Der Brückenkopf von außen. Foto: Maarten Sepp, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Versteigert, restauriert, neu gedacht

2009 bot die Deutsche Bahn die Brücke meistbietend zum Verkauf an.

Die Versteigerung fand am 10. April 2010 in Berlin statt, inklusive mehr als 70.000 Quadratmetern Grundstück.

Das Mindestgebot lag bei 19.800 Euro, den Zuschlag erhielt ein niederländisches Immobilienunternehmen für 305.000 Euro.

Von 2017 bis 2018 wurde der westliche Brückenkopf restauriert.

Heute gehört die Brücke der Samtgemeinde Elbtalaue.

Im August 2023 wurde ein 130 Meter langer Skywalk über die ersten vier Bögen eröffnet.

Dafür wurden zunächst die 16 Pfeiler aus Naturstein instand gesetzt, außerdem Lager, Nieten und Profile der Stahlkonstruktion.

Die Gesamtkosten lagen bei knapp acht Millionen Euro.

Der Ausbau der übrigen zwölf Bögen ist angedacht, die Finanzierung stieß aber auf bürokratische Hindernisse, die Ende 2024 bis vor das Verwaltungsgericht Lüneburg führten.

So sieht es jetzt aus

Der Brückenkopf mit seinem Tor empfängt die Besucher auf dem Weg vom Deich.

Dahinter ziehen sich die Fachwerkbögen über das Vorland bis zum Ufer.

Im Winter stehen die Pfeiler oft im weißen Elbvorland.

Die Elbe fließt am Ende der Bögen vorbei, und am anderen Ufer ist von der Brücke nichts mehr zu sehen.

Die Brücke im August 2010.
Die Brücke im August 2010. Foto: BohunkaNika, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Winter an der Elbe, Februar 2012.
Winter an der Elbe, Februar 2012. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Bögen im Schnee, Februar 2012.
Die Bögen im Schnee, Februar 2012. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Brückenkopf im Winter, Februar 2012.
Der Brückenkopf im Winter, Februar 2012. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Vorlandbrücken im Schnee.
Die Vorlandbrücken im Schnee. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Auf der Brücke, Februar 2012.
Auf der Brücke, Februar 2012. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Brücke im Überblick.
Die Brücke im Überblick. Foto: wusel007, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Fachwerkbögen im Juli 2014.
Die Fachwerkbögen im Juli 2014. Foto: Güwy, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Bögen Richtung Dömitz, Dezember 2016.
Die Bögen Richtung Dömitz, Dezember 2016. Foto: André Plaul, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Auf der Fahrbahn, Dezember 2016.
Auf der Fahrbahn, Dezember 2016. Foto: André Plaul, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick aus dem Brückenhaus, Oktober 2018.
Blick aus dem Brückenhaus, Oktober 2018. Foto: Radler59, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Brückenhaus am Deich, Oktober 2018.
Das Brückenhaus am Deich, Oktober 2018. Foto: Radler59, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Reste aus der Luft, September 2019.
Die Reste aus der Luft, September 2019. Foto: Florian Schulz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Bögen im Elbvorland, September 2019.
Die Bögen im Elbvorland, September 2019. Foto: Florian Schulz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

1861: Plan zum Bau der Brücke.

1870–1873: Bau der Elbbrücke.

1877: Das zweite Gleis wird entfernt.

20. April 1945: Zerstörung nach einem Luftangriff.

1947: Demontage Wittenberge–Dömitz.

1978: Abriss der Strombrücken.

1988: Abriss der Reste auf DDR-Gebiet.

10. April 2010: Versteigerung für 305.000 Euro.

2017–2018: Restaurierung des Brückenkopfs.

August 2023: Eröffnung des Skywalks.

Häufige Fragen

Warum wurde die Brücke nicht wieder aufgebaut?
Sie querte nach 1945 die deutsch-deutsche Grenze, deshalb unterblieb der Wiederaufbau.
Wie lang war die Brücke?
Sie war 986 Meter lang. Erhalten sind die 16 westlichen Vorlandbrücken.
Was ist der Skywalk?
Ein 130 Meter langer Weg über die ersten vier Bögen, eröffnet im August 2023.
Wofür waren die Türme?
Die Brückenhäuser sollten die Brücke im Kriegsfall verteidigen.

Was von der Brücke bleibt

Eine Brücke, die zwei Ufer verbinden sollte, endet heute mitten im Fluss.

Mehr über ihre Maße steht in unserem Beitrag Wie lang war die Elbbrücke Dömitz?

Am Elbufer ist sie vor allem ein stilles Mahnmal für die Teilung.

Quellen und Bildrechte

Elbbrücke Dömitz (Eisenbahn), Wikipedia

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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