Die Dömitzer Eisenbahnbrücke: Die Elbbrücke, die an der Grenze zerbrach
986 Meter lang, mit Wehrtürmen gegen den Feind gebaut, am 20. April 1945 zerstört und wegen der deutsch-deutschen Grenze nie wieder aufgebaut: Vom Westteil der Dömitzer Brücke stehen bis heute 16 Bögen.


Lage: Kaltenhof, Langendorf, am Westufer der Elbe gegenüber von Dömitz. Status: teilzerstört, Denkmal. Heute: Skywalk auf vier Bögen, Eigentümer ist die Samtgemeinde Elbtalaue.
Wer am Westufer der Elbe bei Dömitz steht, sieht eine Brücke, die im Nichts endet.
Backsteintürme bewachen den Eingang, dahinter ziehen sich Stahlbögen über die Wiesen.
Dann hören sie auf, und vor ihnen fließt die Elbe.
Früher lief hier eine der längsten Strombrücken Deutschlands quer durch den Fluss.
Heute erinnert der Rest an den Krieg und an die Grenze, die Deutschland 40 Jahre teilte.
Der Beitrag zeigt, wie die Brücke geplant wurde, was mit ihr geschah und wie es dort heute aussieht.
Hier geht es um eine Brücke und nicht um einen Bahnhof, deshalb ist dieser Beitrag ein Sonderfall der Reihe.
Aus der Betriebszeit gibt es leider keine freien Fotos, das älteste Bild ist ein Plan von 1861.
Eine Brücke mit Wehrtürmen
Die Brücke entstand von 1870 bis 1873 für die Strecke von Wittenberge nach Lüneburg.
Sie wurde zweigleisig gebaut und hatte an der stromaufwärtigen Seite einen Fußweg.
Der Berliner Ingenieur Ernst Häseler plante das Bauwerk, die Harkort’sche Fabrik aus Duisburg errichtete es.
Wegen der Nähe zur Festung Dömitz gab es für die Berlin-Hamburger Eisenbahn-Gesellschaft besondere Bauauflagen.
Die Brücke sollte im Kriegsfall gegen einen Elbübertritt des Feindes zu verteidigen sein.
Darum stand an jedem Ende ein wehrhaft ausgebautes Brückenhaus.
Das Haus am linken Ufer gibt es bis heute.
So sah es vorher aus: 986 Meter über Fluss und Vorland
Am westlichen Ufer begann die Brücke mit 16 Vorlandbrücken von je 33,9 Metern Stützweite.
Das Flussbett überspannten vier Felder von je 67,8 Metern und eine Drehbrücke mit zweimal 18,2 Metern.
Das östliche Vorland überbrückten vier weitere Bögen.
Die Überbauten waren Balkenbrücken mit schmiedeeisernen Fachwerkträgern und unten liegender Fahrbahn.
Die Längsträger wurden als Schwedlerträger ausgeführt und waren bis zu zehn Meter hoch.
So groß die Brücke war, so klein blieb der Verkehr.
Die Strecke erlangte keine überregionale Bedeutung, für den Betrieb reichte ein Gleis.
Schon 1877 wurde das ungenutzte zweite Gleis entfernt.
1925 und 1932/33 wurde die Brücke unter laufendem Zugbetrieb umfassend verstärkt.



April 1945: das Ende
Am 20. April 1945 stürzte nach einem Luftangriff der östliche Überbau vor der Drehbrücke in die Elbe.
Die Brücke war unterbrochen, und sie blieb es.
Das Bauwerk querte nun die deutsch-deutsche Grenze, ein Wiederaufbau unterblieb deshalb.
Der Abschnitt von Wittenberge nach Dömitz wurde 1947 als Reparation demontiert.
1978 wurden wegen Einsturzgefahr die verbliebenen drei Strombrücken und ihre Pfeiler abgerissen.
1988 folgten die Reste auf dem Gebiet der DDR, mit Drehbrücke und Vorlandbrücken.
Damit war die Verbindung auch optisch verschwunden.
Geblieben sind die 16 westlichen Vorlandbrücken mit dem Brückenkopf, die unter Denkmalschutz stehen.



Versteigert, restauriert, neu gedacht
2009 bot die Deutsche Bahn die Brücke meistbietend zum Verkauf an.
Die Versteigerung fand am 10. April 2010 in Berlin statt, inklusive mehr als 70.000 Quadratmetern Grundstück.
Das Mindestgebot lag bei 19.800 Euro, den Zuschlag erhielt ein niederländisches Immobilienunternehmen für 305.000 Euro.
Von 2017 bis 2018 wurde der westliche Brückenkopf restauriert.
Heute gehört die Brücke der Samtgemeinde Elbtalaue.
Im August 2023 wurde ein 130 Meter langer Skywalk über die ersten vier Bögen eröffnet.
Dafür wurden zunächst die 16 Pfeiler aus Naturstein instand gesetzt, außerdem Lager, Nieten und Profile der Stahlkonstruktion.
Die Gesamtkosten lagen bei knapp acht Millionen Euro.
Der Ausbau der übrigen zwölf Bögen ist angedacht, die Finanzierung stieß aber auf bürokratische Hindernisse, die Ende 2024 bis vor das Verwaltungsgericht Lüneburg führten.
So sieht es jetzt aus
Der Brückenkopf mit seinem Tor empfängt die Besucher auf dem Weg vom Deich.
Dahinter ziehen sich die Fachwerkbögen über das Vorland bis zum Ufer.
Im Winter stehen die Pfeiler oft im weißen Elbvorland.
Die Elbe fließt am Ende der Bögen vorbei, und am anderen Ufer ist von der Brücke nichts mehr zu sehen.














Die Geschichte in Daten
1861: Plan zum Bau der Brücke.
1870–1873: Bau der Elbbrücke.
1877: Das zweite Gleis wird entfernt.
20. April 1945: Zerstörung nach einem Luftangriff.
1947: Demontage Wittenberge–Dömitz.
1978: Abriss der Strombrücken.
1988: Abriss der Reste auf DDR-Gebiet.
10. April 2010: Versteigerung für 305.000 Euro.
2017–2018: Restaurierung des Brückenkopfs.
August 2023: Eröffnung des Skywalks.
Häufige Fragen
Warum wurde die Brücke nicht wieder aufgebaut?
Wie lang war die Brücke?
Was ist der Skywalk?
Wofür waren die Türme?
Was von der Brücke bleibt
Eine Brücke, die zwei Ufer verbinden sollte, endet heute mitten im Fluss.
Mehr über ihre Maße steht in unserem Beitrag Wie lang war die Elbbrücke Dömitz?
Am Elbufer ist sie vor allem ein stilles Mahnmal für die Teilung.
Elbbrücke Dömitz (Eisenbahn), Wikipedia
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