Die Griethausener Eisenbahnbrücke: Die älteste Bahnbrücke am deutschen Rhein

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Die Griethausener Eisenbahnbrücke: Die älteste Bahnbrücke am deutschen Rhein

Gebaut von 1863 bis 1865, seit 1987 ohne Zug, und das Eisen rostet bis heute kaum: Die Brücke am Altrhein bei Kleve ist die älteste erhaltene Eisenbahnbrücke im deutschen Abschnitt des Rheins.

VORHER · 1970

Die Brücke mit der Kirche von Griethausen im Hintergrund.

Die Brücke mit der Kirche von Griethausen im Hintergrund. Foto: Hans Schlieper ., gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2024

Die Brücke über den Altrhein im März 2024.

Die Brücke über den Altrhein im März 2024. Foto: Michielverbeek, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1865
Fertigstellung
528 m
Gesamtlänge
1960
Ende Personenverkehr
1987
Ende Güterverkehr

Lage: Griethausen, Stadt Kleve, am Altrhein. Status: stillgelegt, steht unter Denkmalschutz. Erhalten: Hauptbrücke und Vorlandbrücke.

Am Niederrhein, kurz vor der niederländischen Grenze, steht eine Brücke, die zu einer anderen Zeit zu gehören scheint.

Ihr Gitterwerk spannt sich dunkel über einen stillen Rheinarm.

Seit fast 40 Jahren ist hier kein Zug mehr gefahren.

Trotzdem wirkt das Eisen erstaunlich gesund, obwohl es seit fast 100 Jahren keinen Schutzanstrich mehr bekommen hat.

Die Griethausener Eisenbahnbrücke ist kein Bahnhof, sondern ein Denkmal der frühen Eisenbahn.

Dieser Beitrag zeigt, warum sie hier steht, warum sie nicht rostet und wie sie heute aussieht.

Warum hier eine Brücke entstand

Die Brücke entstand von 1863 bis 1865 für die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft.

Die Leitung hatte Emil Hermann Hartwich.

Sie gehörte zur Linksniederrheinischen Strecke von Köln über Neuss, Krefeld und Kleve zu den niederländischen Nordsee-Häfen.

Über einen toten Rheinarm führte sie in Richtung Elten und weiter nach Zevenaar.

Den Rheinstrom selbst überquerten die Züge nicht auf einer Brücke, sondern mit einem Trajekt, also auf einer Eisenbahnfähre.

Die Brücke war damit der Weg zur Fähre.

So sah es vorher aus: ein Meisterwerk aus Schmiedeeisen

Das Bauwerk ist etwa 528 Meter lang.

Die Hauptbrücke über den Altrhein besteht aus einem 100,43 Meter langen Fachwerkträger, das entspricht 320 preußischen Fuß.

Daran schließt eine Vorlandbrücke aus zwanzig einfachen Fachwerkträgern über dem breiten Hochwasserbett an.

Die Hauptbrücke hat einen schmiedeeisernen Überbau mit zwei parallelgurtigen Trägern.

Der bis dahin übliche Gitterträger wurde hier erstmals nach dem System Mohnié weiterentwickelt.

Die engmaschigen Gitterstäbe gibt es nur noch im mittleren Teil, wo sowohl Zug- als auch Druckspannungen auftreten.

In den äußeren Teilen genügen neben den Pfosten Streben in einer Richtung.

Für heutige Verhältnisse wirkt die Brücke deshalb sehr feingliedrig.

Die Brücke von Griethausen Richtung Spyck, 2007.
Die Brücke von Griethausen Richtung Spyck, 2007. Foto: Pieter Delicaat, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Fachwerkträger aus der Nähe, Mai 2011.
Die Fachwerkträger aus der Nähe, Mai 2011. Foto: Vincent de Groot – http://www.videgro.net, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick auf das Gitterwerk, Mai 2011.
Blick auf das Gitterwerk, Mai 2011. Foto: Vincent de Groot – http://www.videgro.net, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Warum die Brücke nicht rostet

Das Besondere an dieser Brücke ist ihr Material.

Sie besteht aus im Puddelverfahren hergestelltem Schmiedeeisen.

Es enthält sehr wenig Kohlenstoff und viel Phosphor.

Zusammen mit geringen Anteilen von Kupfer und Nickel macht das den Werkstoff korrosionsbeständig.

Die Brücke rostet deshalb so gut wie nicht, obwohl der letzte Schutzanstrich in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre aufgetragen wurde.

Heutige wetterfeste Baustähle funktionieren auf ähnliche Weise, denn unter der Rostschicht bildet sich eine dünne Sperrschicht.

Blick durch die Hauptbrücke, Januar 2018.
Blick durch die Hauptbrücke, Januar 2018. Foto: Pieter Delicaat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Weg durch die Hauptbrücke, Juni 2022.
Der Weg durch die Hauptbrücke, Juni 2022. Foto: Pieter Delicaat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das langsame Ende

Die Fährverbindung über den Rhein wurde schon 1912 eingestellt.

Der Personenverkehr über die Brücke nach Griethausen bestand noch bis 1960.

Danach rollten nur noch Güterzüge zu einer Ölmühle in Spyck direkt am Rhein.

1987 endete auch das, und die Strecke wurde samt Brücke stillgelegt.

Seit 1996 gehörte die Brücke den Eisenbahnfreunden Goch-Kleve.

2016 ersteigerte sie der Kalkarer Architekt Michael Wilmsen.

So sieht es jetzt aus

Die Brücke steht unter Denkmalschutz und prägt bis heute die Landschaft am Altrhein.

Die Wiesen ringsum gehören zum Hochwasserbett des Rheins, deshalb ist die Vorlandbrücke so lang.

Vom Deich aus lässt sich das ganze Bauwerk gut überblicken.

Die Brücke im Jahr 2013.
Die Brücke im Jahr 2013. Foto: Henk Monster, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Abendstimmung an der Brücke, November 2016.
Abendstimmung an der Brücke, November 2016. Foto: Nichtpetermueller, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Hauptbrücke im Januar 2018.
Die Hauptbrücke im Januar 2018. Foto: Pieter Delicaat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Brücke über dem Wasser, Februar 2018.
Die Brücke über dem Wasser, Februar 2018. Foto: Rolfcosar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Teilansicht im April 2018.
Teilansicht im April 2018. Foto: Ursula Jünger, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Fachwerkträger im Januar 2018.
Die Fachwerkträger im Januar 2018. Foto: Pieter Delicaat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Blick über die Brücke, Juli 2022.
Der Blick über die Brücke, Juli 2022. Foto: Pieter Delicaat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Durch das Fachwerk zur Kirche von Griethausen, Juli 2022.
Durch das Fachwerk zur Kirche von Griethausen, Juli 2022. Foto: Pieter Delicaat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Vorlandbrücke im Sommer, Juli 2022.
Die Vorlandbrücke im Sommer, Juli 2022. Foto: Pieter Delicaat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ein Brückenkopf aus Stein, Juni 2022.
Ein Brückenkopf aus Stein, Juni 2022. Foto: Pieter Delicaat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: auf der Brücke

VORHER · 2002

Der Blick über die Brücke, April 2002.

Der Blick über die Brücke, April 2002. Foto: Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2022

Fast derselbe Blick zwanzig Jahre später, Juli 2022.

Fast derselbe Blick zwanzig Jahre später, Juli 2022. Foto: Pieter Delicaat, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Geschichte in Daten

1863–1865: Bau der Brücke.

1912: Ende der Fährverbindung über den Rhein.

um 1925–1929: Letzter Schutzanstrich.

1960: Ende des Personenverkehrs.

1987: Ende des Güterverkehrs und Stilllegung.

1996: Die Eisenbahnfreunde Goch-Kleve übernehmen die Brücke.

2016: Michael Wilmsen ersteigert die Brücke.

Häufige Fragen

Warum rostet die Brücke kaum?
Das Puddeleisen enthält wenig Kohlenstoff und viel Phosphor. Das macht es sehr korrosionsbeständig.
Fuhr die Bahn hier über den Rhein?
Nein, die Brücke führt über einen Altrheinarm. Über den Rhein selbst ging es per Eisenbahnfähre.
Wann fuhr der letzte Zug?
1987 endete der Güterverkehr zur Ölmühle in Spyck.
Wem gehört die Brücke?
Sie wurde 2016 vom Kalkarer Architekten Michael Wilmsen ersteigert.

Was von der Brücke bleibt

Die Züge sind fort, die Fähre ist fort, doch die Brücke steht.

Sie zeigt, wie gut Ingenieure vor über 160 Jahren bauen konnten.

Wer am Altrhein steht, sieht ein Stück Technikgeschichte, das erstaunlich gut gealtert ist.

Quellen und Bildrechte

Griethausener Eisenbahnbrücke, Wikipedia

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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