Die Griethausener Eisenbahnbrücke: Die älteste Bahnbrücke am deutschen Rhein
Gebaut von 1863 bis 1865, seit 1987 ohne Zug, und das Eisen rostet bis heute kaum: Die Brücke am Altrhein bei Kleve ist die älteste erhaltene Eisenbahnbrücke im deutschen Abschnitt des Rheins.


Lage: Griethausen, Stadt Kleve, am Altrhein. Status: stillgelegt, steht unter Denkmalschutz. Erhalten: Hauptbrücke und Vorlandbrücke.
Am Niederrhein, kurz vor der niederländischen Grenze, steht eine Brücke, die zu einer anderen Zeit zu gehören scheint.
Ihr Gitterwerk spannt sich dunkel über einen stillen Rheinarm.
Seit fast 40 Jahren ist hier kein Zug mehr gefahren.
Trotzdem wirkt das Eisen erstaunlich gesund, obwohl es seit fast 100 Jahren keinen Schutzanstrich mehr bekommen hat.
Die Griethausener Eisenbahnbrücke ist kein Bahnhof, sondern ein Denkmal der frühen Eisenbahn.
Dieser Beitrag zeigt, warum sie hier steht, warum sie nicht rostet und wie sie heute aussieht.
Warum hier eine Brücke entstand
Die Brücke entstand von 1863 bis 1865 für die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft.
Die Leitung hatte Emil Hermann Hartwich.
Sie gehörte zur Linksniederrheinischen Strecke von Köln über Neuss, Krefeld und Kleve zu den niederländischen Nordsee-Häfen.
Über einen toten Rheinarm führte sie in Richtung Elten und weiter nach Zevenaar.
Den Rheinstrom selbst überquerten die Züge nicht auf einer Brücke, sondern mit einem Trajekt, also auf einer Eisenbahnfähre.
Die Brücke war damit der Weg zur Fähre.
So sah es vorher aus: ein Meisterwerk aus Schmiedeeisen
Das Bauwerk ist etwa 528 Meter lang.
Die Hauptbrücke über den Altrhein besteht aus einem 100,43 Meter langen Fachwerkträger, das entspricht 320 preußischen Fuß.
Daran schließt eine Vorlandbrücke aus zwanzig einfachen Fachwerkträgern über dem breiten Hochwasserbett an.
Die Hauptbrücke hat einen schmiedeeisernen Überbau mit zwei parallelgurtigen Trägern.
Der bis dahin übliche Gitterträger wurde hier erstmals nach dem System Mohnié weiterentwickelt.
Die engmaschigen Gitterstäbe gibt es nur noch im mittleren Teil, wo sowohl Zug- als auch Druckspannungen auftreten.
In den äußeren Teilen genügen neben den Pfosten Streben in einer Richtung.
Für heutige Verhältnisse wirkt die Brücke deshalb sehr feingliedrig.



Warum die Brücke nicht rostet
Das Besondere an dieser Brücke ist ihr Material.
Sie besteht aus im Puddelverfahren hergestelltem Schmiedeeisen.
Es enthält sehr wenig Kohlenstoff und viel Phosphor.
Zusammen mit geringen Anteilen von Kupfer und Nickel macht das den Werkstoff korrosionsbeständig.
Die Brücke rostet deshalb so gut wie nicht, obwohl der letzte Schutzanstrich in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre aufgetragen wurde.
Heutige wetterfeste Baustähle funktionieren auf ähnliche Weise, denn unter der Rostschicht bildet sich eine dünne Sperrschicht.


Das langsame Ende
Die Fährverbindung über den Rhein wurde schon 1912 eingestellt.
Der Personenverkehr über die Brücke nach Griethausen bestand noch bis 1960.
Danach rollten nur noch Güterzüge zu einer Ölmühle in Spyck direkt am Rhein.
1987 endete auch das, und die Strecke wurde samt Brücke stillgelegt.
Seit 1996 gehörte die Brücke den Eisenbahnfreunden Goch-Kleve.
2016 ersteigerte sie der Kalkarer Architekt Michael Wilmsen.
So sieht es jetzt aus
Die Brücke steht unter Denkmalschutz und prägt bis heute die Landschaft am Altrhein.
Die Wiesen ringsum gehören zum Hochwasserbett des Rheins, deshalb ist die Vorlandbrücke so lang.
Vom Deich aus lässt sich das ganze Bauwerk gut überblicken.










Vorher und nachher: auf der Brücke


Die Geschichte in Daten
1863–1865: Bau der Brücke.
1912: Ende der Fährverbindung über den Rhein.
um 1925–1929: Letzter Schutzanstrich.
1960: Ende des Personenverkehrs.
1987: Ende des Güterverkehrs und Stilllegung.
1996: Die Eisenbahnfreunde Goch-Kleve übernehmen die Brücke.
2016: Michael Wilmsen ersteigert die Brücke.
Häufige Fragen
Warum rostet die Brücke kaum?
Fuhr die Bahn hier über den Rhein?
Wann fuhr der letzte Zug?
Wem gehört die Brücke?
Was von der Brücke bleibt
Die Züge sind fort, die Fähre ist fort, doch die Brücke steht.
Sie zeigt, wie gut Ingenieure vor über 160 Jahren bauen konnten.
Wer am Altrhein steht, sieht ein Stück Technikgeschichte, das erstaunlich gut gealtert ist.
Griethausener Eisenbahnbrücke, Wikipedia
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