Die Tauberbahn: die verschwundenen Halte zwischen Crailsheim und Königshofen

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Tauberbahn: die verschwundenen Halte zwischen Crailsheim und Königshofen

Die Tauberbahn fährt bis heute, doch an ihrer Strecke liegen Halte, die längst aufgelassen sind. Von der Kurgast-Station in Bad Mergentheim bis zum Wartehäuschen in Unterbalbach.

Die denkmalgeschützte Bahnlinie zwischen Bad Mergentheim und Crailsheim bei Niederstetten, im Hintergrund Schloss Haltenbergstetten, 2017.
Die denkmalgeschützte Bahnlinie zwischen Bad Mergentheim und Crailsheim bei Niederstetten, im Hintergrund Schloss Haltenbergstetten, 2017. Foto: Schorle, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1869
Eröffnung Crailsheim–Königshofen
1899
Halt Mergentheim-Karlsbad
1945
Kurpark-Halt aufgelassen
1984
Unterbalbach aufgelassen

Lage: Tauberbahn zwischen Crailsheim und Königshofen in Baden-Württemberg. Status: Die Strecke ist in Betrieb, nur die hier beschriebenen Halte sind aufgelassen. Heute: Die genannten Halte werden nicht mehr bedient.

Die Tauberbahn zwischen Crailsheim und Königshofen ist kein stillgelegter Bahnhof, sondern eine Strecke, auf der bis heute Züge fahren.

Aufgelassen sind einzelne Halte entlang der Linie, und nur von ihnen handelt dieser Beitrag.

Es sind die Haltepunkte Brettenfeld, Kälberbach, Oberstetten und Vorbachzimmern, der Kurgast-Halt Bad Mergentheim Kurpark und der Bahnhof Unterbalbach.

Alte freie Fotos dieser Halte fehlen bei Wikimedia Commons weitgehend, deshalb zeigen die Bilder nur die Strecke und wenige Einzelheiten.

Eine Strecke aus zwei Ländern

Der Bau der Strecke geht auf einen badisch-württembergischen Staatsvertrag vom 31. März 1864 zurück, dazu kam ein württembergisches Gesetz vom 13. August 1865.

Im August 1868 begannen die Arbeiten am Abschnitt Crailsheim–Mergentheim, der fast 16 Millionen Gulden kostete.

Die Eröffnungsfeier fand am 18. Oktober 1869 in Mergentheim statt.

Am 23. Oktober 1869 nahmen Württemberg und Baden ihre jeweiligen Teilstrecken gemeinsam in Betrieb.

Der südliche Teil wurde von den württembergischen Staatseisenbahnen gebaut, der nördliche von den badischen.

Deshalb besteht die Verbindung bis heute verwaltungstechnisch aus zwei Strecken, die nahe der früheren Landesgrenze aufeinandertreffen.

Die Dampflok 023 055 bei Bad Mergentheim vor einem Eilzug Crailsheim–Lauda, Februar 1973.
Die Dampflok 023 055 bei Bad Mergentheim vor einem Eilzug Crailsheim–Lauda, Februar 1973. Foto: hugh llewelyn, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: Kurwagen und Schrankenposten

Für den Kurbetrieb in Mergentheim, seit 1926 Bad Mergentheim, hatte die Strecke von Anfang an große Bedeutung.

Ab dem Sommer 1939 gab es einen Kurswagen von Berlin nach Bad Mergentheim.

Ab 1968 kamen ganzjährige Kurswagen aus Hamburg und Dortmund, die 1988 beziehungsweise 1989 eingestellt wurden.

An vier der späteren Haltepunkte gab es früher einen Schrankenposten, der als Agentur betrieben wurde.

Das gilt für Brettenfeld, Kälberbach, Oberstetten und Vorbachzimmern.

Brettenfeld: Haltepunkt bei Kilometer 16,2

In Brettenfeld bestand ein inzwischen aufgelassener Haltepunkt bei Kilometer 16,2.

Er liegt in der Streckenfolge zwischen Rot am See und Blaufelden.

Früher gab es dort außerdem einen Schrankenposten, der als Agentur betrieben wurde.

Mehr ist über den Halt nicht belegt, weder sein Eröffnungsjahr noch das Jahr der Auflassung.

Kälberbach: Haltepunkt bei Kilometer 26,8

Auch in Kälberbach gab es einen Haltepunkt bei Kilometer 26,8, der inzwischen aufgelassen ist.

Er lag zwischen Blaufelden und Schrozberg.

Wie in Brettenfeld stand hier früher ein Schrankenposten, der zugleich als Agentur diente.

Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.

Dieselbe denkmalgeschützte Bahnlinie bei Niederstetten, 2017.
Dieselbe denkmalgeschützte Bahnlinie bei Niederstetten, 2017. Foto: Schorle, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Oberstetten: ein Halt seit 1902

In Oberstetten wurde im Jahr 1902 ein Haltepunkt errichtet.

Er lag bei Kilometer 34,4, in der Streckenfolge zwischen Schrozberg und Niederstetten.

Auch hier gab es früher einen Schrankenposten, der als Agentur betrieben wurde.

Der Haltepunkt ist inzwischen aufgelassen, ein Datum dafür ist nicht belegt.

Vorbachzimmern: Haltepunkt um das Jahr 1900

Der Haltepunkt Vorbachzimmern bei Kilometer 40,9 wurde um das Jahr 1900 errichtet.

Er lag hinter Niederstetten im Vorbachtal und ist inzwischen aufgelassen.

Früher gab es dort ebenfalls einen Schrankenposten, der als Agentur betrieben wurde.

Weitere Daten zum Halt sind nicht belegt.

Bad Mergentheim Kurpark: der Halt für Kurgäste

Der Haltepunkt wurde 1899 auf Kosten der Karlsbad-Gesellschaft bei Kilometer 57,8 eingerichtet, eigens für die Kurgäste.

Zuerst hieß er Mergentheim-Karlsbad und wurde nur vom 1. Mai bis zum 30. September bedient.

Fahrkarten verkaufte ein Angestellter der Badverwaltung, die auch das Stationsgebäude pflegte und instand hielt.

Am 17. Mai 1907 reisten König Wilhelm II. und Königin Charlotte von Württemberg hier zur Einweihung der Wilhelmsquelle an.

Auch beim Kaisermanöver im September 1909 spielte die Station eine wichtige Rolle.

In den Folgejahren kamen viele Kurgäste an.

1940 erfolgte die Umbenennung in Bad Mergentheim Kurpark.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurde der Halt aufgelassen, das Stationsgebäude brach man in den 1950er Jahren ab.

An Fasching 1955 fuhr eine Kleinlok mit einem Personenwagen das Bad Mergentheimer Prinzenpaar samt Gefolge von dort zum Bahnhof Bad Mergentheim.

Das ist die letzte bekannte Nutzung des Haltepunkts.

An seiner Stelle steht heute eine hölzerne Fußgängerüberführung von einem Parkplatz zur Solymar Therme.

Der Hauptbahnhof der Stadt ist eigenes Thema, dazu gibt es den Beitrag Der Bahnhof Bad Mergentheim.

Unterbalbach: vom Bahnhof zum Wartehäuschen

Der Bahnhof Unterbalbach lag zwischen Edelfingen und Königshofen und wurde einst als Agentur geführt.

Er hatte Abfertigungsbefugnisse für Fahrkarten, Gepäck und Expressgut.

Am 1. Oktober 1961 wurde die Agentur geschlossen.

Das 1868/69 errichtete Empfangsgebäude wurde 1966 abgerissen.

1968 stellte die Bahn ein Wartehäuschen als Unterstand auf.

1984 wurde der Haltepunkt aufgelassen.

Unterbalbach: zwei Formen der Stationsnamen, die bis etwa 1960 am Bahnhof angebracht waren.
Unterbalbach: zwei Formen der Stationsnamen, die bis etwa 1960 am Bahnhof angebracht waren. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Halte kommen auch zurück

Dass aufgelassene Halte nicht endgültig verloren sein müssen, zeigen zwei Beispiele an derselben Strecke.

Der Bahnhof Satteldorf wird seit dem 10. September 2007 wieder bedient, nachdem dort 22 Jahre lang keine Reisezüge mehr hielten.

Der Haltepunkt Wallhausen folgte nach dem Einsatz einer Interessengemeinschaft zum 15. Dezember 2013.

In Elpersheim wurde der Haltepunkt 1933 vom Reichsarbeitsdienst neu gebaut, die bisherige Station wurde außer Dienst gestellt, beide Gebäude bestehen noch.

So sieht es jetzt aus

Von den sechs Halten dieses Beitrags besteht keiner mehr als Haltestelle.

In Bad Mergentheim erinnert nur die Fußgängerbrücke an der Stelle des Kurpark-Halts an die Station.

In Unterbalbach hält kein Zug mehr, seit 1984 ist der Haltepunkt aufgelassen.

Die Tauberbahn selbst ist in Betrieb, zum Zustand der Halte-Flächen gibt es keine belegten Angaben.

Die Geschichte in Daten

1864: Badisch-württembergischer Staatsvertrag am 31. März.

1868: Baubeginn am Abschnitt Crailsheim–Mergentheim im August.

1869: Eröffnungsfeier am 18. Oktober, gemeinsame Inbetriebnahme am 23. Oktober.

1899: Haltepunkt Mergentheim-Karlsbad für Kurgäste.

1902: Haltepunkt Oberstetten.

1945: Der Kurpark-Halt wird aufgelassen.

1961: Die Agentur Unterbalbach wird geschlossen.

1966: Das Empfangsgebäude in Unterbalbach wird abgerissen.

1984: Der Haltepunkt Unterbalbach wird aufgelassen.

2007: Satteldorf wird wieder bedient.

Häufige Fragen

Ist die Tauberbahn stillgelegt?
Nein, die Strecke Crailsheim–Königshofen ist in Betrieb, aufgelassen sind nur einzelne Halte.
Was war Mergentheim-Karlsbad?
Ein Haltepunkt für Kurgäste, 1899 auf Kosten der Karlsbad-Gesellschaft bei Kilometer 57,8 eingerichtet und nur vom 1. Mai bis 30. September bedient.
Wann wurde der Halt Bad Mergentheim Kurpark aufgelassen?
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945, das Gebäude wurde in den 1950er Jahren abgebrochen.
Was blieb von Unterbalbach?
Das Empfangsgebäude wurde 1966 abgerissen, 1968 kam ein Wartehäuschen, 1984 wurde der Haltepunkt aufgelassen.
Gibt es Fotos dieser Halte?
Auf Wikimedia Commons liegen kaum freie Fotos von den aufgelassenen Halten, deshalb zeigt der Beitrag vor allem die Strecke.
Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Crailsheim–Königshofen (Wikipedia) · Taubertalbahn (Wikipedia) · Fotos: Wikimedia Commons

Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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