Die alten Bahnhöfe von Mannheim und Baden-Baden: Wo die Züge einst endeten

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die alten Bahnhöfe von Mannheim und Baden-Baden: Wo die Züge einst endeten

In Mannheim und Baden-Baden begann die Eisenbahn in Kopfbahnhöfen am Stadtrand. Von vier Anlagen ist heute fast nichts mehr zu sehen, nur der Stadtbahnhof von Baden-Baden lebt als Eingang des Festspielhauses weiter.

Historische Darstellung des ersten Bahnhofs in Mannheim.
Historische Darstellung des ersten Bahnhofs in Mannheim. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1840
Erster Bahnhof Mannheim
1887
OEG-Bahnhof Neckarstadt
1971
Neckarstadt und OEG-Kopfbahnhof
1977
Letzter Zug nach Baden-Baden

Lage: Mannheim (Quadrate und Neckarstadt) und Baden-Baden (Stadtmitte). Status: Alter Bahnhof Mannheim 1879 aufgegeben und abgerissen, Neckarstadt 1971 und Baden-Baden Stadtbahnhof 1977 stillgelegt, OEG-Kopfbahnhof seit 1971 aufgegeben. Heute: In Baden-Baden bildet das alte Empfangsgebäude den Eingang des Festspielhauses.

Dieser Beitrag verbindet zwei Städte, in denen die Eisenbahn zunächst am Stadtrand endete.

In Mannheim gehören der Alte Bahnhof von 1840, der OEG-Kopfbahnhof in der Neckarstadt und der Bahnhof Mannheim-Neckarstadt der Riedbahn dazu, die nicht verwechselt werden dürfen.

In Baden-Baden steht der Stadtbahnhof im Mittelpunkt, der seit 1998 zum Festspielhaus gehört.

Der Hauptbahnhof von Mannheim und der heutige Bahnhof Baden-Baden in Oos sind in Betrieb und gehören nicht zu den stillen Bahnhöfen.

Freie Fotos aus der Betriebszeit sind nur vom ersten Mannheimer Bahnhof vorhanden, die übrigen Bilder zeigen den heutigen Zustand.

Mannheim: Der Alte Bahnhof von 1840

Der Bahnhof war der westliche Endpunkt der Strecke Mannheim–Heidelberg, der ersten Bahnstrecke im Großherzogtum Baden.

Nach fast dreijähriger Planung begann der Bau am 2. Dezember 1839, Architekt war Friedrich Eisenlohr.

Am 12. September 1840 ging der Bahnhof als Personenbahnhof in Betrieb.

Er lag südöstlich der Quadrate am ehemaligen Heidelberger Tor, zwischen Tattersallstraße, Schwetzinger Straße, Toräckerstraße und dem heutigen Bismarckplatz.

Die Flur trug den Namen „Hasenhütte“, und anfangs lag der Bahnhof an der damaligen Bebauungsgrenze der Stadt.

Die Strecke bog unmittelbar vor dem Bahnhof um 90 Grad ab, sodass er parallel zum heutigen Kaiserring lag.

So sah es vorher aus: eine sehr frühe Anlage

Der Bahnhof stand auf einem fast fünf Meter hoch aufgeschütteten Gelände.

Er war ein Kopfbahnhof, bei dem die Gleise in einem Hof lagen, den Gebäude nahezu symmetrisch umstanden.

Die Mitte dominierten zwei hölzerne Bahnsteighallen, eine für ankommende und eine für abfahrende Züge.

An der Südseite stand das einstöckige, recht unscheinbare Empfangsgebäude.

Darin waren Gepäckabfertigung, Fahrkartenverkauf mit drei Schaltern und zwei Wartesäle untergebracht, einer für die „Polsterklassen“ und einer für die 3. Klasse.

Die Gebäude bestanden aus Backstein mit Sandsteingliederung und waren mit Schiefer gedeckt.

Werkstatt und Magazine waren nur über rechtwinklig abzweigende Gleise mit Drehscheiben zu erreichen, ein ineffektives Betriebskonzept.

Das Empfangsgebäude des ersten Mannheimer Bahnhofs auf einer historischen Darstellung.
Das Empfangsgebäude des ersten Mannheimer Bahnhofs auf einer historischen Darstellung. Foto: Unknown author Unknown author, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Die badischen Staatseisenbahnen verlegten zunächst Breitspurgleise mit 1.600 Millimetern.

Ab 1846 nutzten auch Züge der Main-Neckar-Eisenbahn-Gesellschaft von Frankfurt den Bahnhof, die in Normalspur fuhren.

Dafür entstanden Dreischienengleise, eine technische Premiere in Deutschland.

Schon 1844 und 1845 waren erste Erweiterungen nötig, weil der Verkehr völlig unterschätzt worden war.

Ein Gleis zum Rheinhafen wurde zunächst als Pferdebahn quer durch die Stadt betrieben, erst 1854 eröffnete die Schleifbahn, auf der Güterzüge mit Lokomotiven zum Hafen fuhren.

Im selben Jahr stellten die badischen Staatseisenbahnen auf Normalspur um.

Niedergang und Ende des Alten Bahnhofs

Der wachsende Verkehr und der Plan einer Rheinbrücke nach Ludwigshafen ließen weiteren Ausbau unpraktisch erscheinen.

Stattdessen entstand ein neuer, größerer Bahnhof in der Nähe, um 90 Grad verschwenkt, sodass Züge von Süden hindurch bis zur Rheinbrücke fahren konnten.

Der neue Hauptbahnhof wurde 1867 eingeweiht, im selben Jahr ging die zweigleisige Rheinbrücke in Betrieb.

Der Alte Bahnhof diente noch einige Jahre als Ortsgüterbahnhof.

Nachdem 1879 in Mühlau ein neuer Güterbahnhof eröffnet worden war, wurden Schleifbahn und Alter Bahnhof aufgegeben.

Die Anlagen wurden abgerissen, die Brachflächen überbaut.

Baulich ist vom Alten Bahnhof heute nichts mehr erhalten.

Mannheim OEG: Der Weinheimer Bahnhof

Der Bahnhof Mannheim OEG, auch Weinheimer Bahnhof genannt, lag in der Neckarstadt an der Nordseite der heutigen Kurpfalzbrücke.

1887 errichtete ihn ein Eisenbahnkonsortium des Berliner Unternehmers Herrmann Bachstein als Ausgangspunkt der schmalspurigen Nebenbahn Mannheim–Käfertal–Viernheim–Weinheim.

Die Bahn ging 1897 an die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft und wurde 1911 zur Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft, kurz OEG.

In unmittelbarer Nähe lagen die OEG-Verwaltung, der Riedbahnhof, der Bahnhof der Dampfbahn nach Feudenheim und der Messplatz, ab 1912 auch die Hauptfeuerwache.

1891 eröffnete die OEG auf dem gegenüberliegenden Neckarufer den Bahnhof für die Strecke nach Heidelberg, der heute noch als Bahnhof Mannheim Kurpfalzbrücke besteht und „Heidelberger Bahnhof“ hieß.

1892 verband eine Gleisverbindung über die Friedrichsbrücke beide Bahnhöfe, genutzt wurde sie nur für den internen Betrieb und den Güterverkehr.

1915 wurde als erste OEG-Strecke Mannheim–Weinheim elektrifiziert, und damit auch der Weinheimer Bahnhof.

Das erste Empfangsgebäude wurde 1939/40 durch einen Klinkerbau mit Arkaden, Walmdach und einem Uhrturm als Dachreiter ersetzt.

Das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte Gebäude wurde nahezu unverändert wiederaufgebaut.

Ab 1971 fuhren die Züge bis zum Hauptbahnhof durch, und der Kopfbahnhof wurde überflüssig und aufgegeben.

1973 wurde das Empfangsgebäude zugunsten der Bebauung des nördlichen Neckarufers abgerissen.

Auf der Stelle der OEG-Gleise wurde am 30. Juni 2006 die neue Straßenbahnstrecke durch die Schafweide eingeweiht.

Mannheim-Neckarstadt: Der Riedbahnhof

Der Bahnhof Mannheim-Neckarstadt war von 1879 bis 1971 ein Mannheimer Endpunkt der Riedbahn.

Er erstreckte sich entlang des Neckardamms von der Kurpfalzbrücke nach Nordwesten, sein Empfangsgebäude lag schräg gegenüber dem OEG-Bahnhof.

Der Abzweig von Biblis über Waldhof wurde im Oktober 1879 bis in die Neckarstadt verlängert.

1880 entstand eine Umfahrung Mannheims, und der Abschnitt Waldhof–Neckarstadt wurde zunehmend zur Zweigstrecke.

Gegen Ende fuhren nur noch Pendelzüge, die zeitweise im Berufsverkehr große Bedeutung hatten.

1964 wurde die Anlage elektrifiziert, zuletzt verkehrten Triebwagen der Baureihe 425 nur noch im Berufsverkehr.

Zum 25. September 1971 wurde der Bahnhof im Personenverkehr stillgelegt.

Das erste Empfangsgebäude von 1879 war ein kleiner Fachwerkbau, über den wenig bekannt ist.

1901 wurde es durch einen Neubau im Stil der Neorenaissance ersetzt.

Dieses Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, abgetragen und 1952 bis 1955 durch einen modernen Zweckbau ersetzt.

Darin war später eine Gaststätte untergebracht, die unter „Alter Bahnhof Mannheim“ firmierte.

2011 beschädigte ein Brand das Gebäude schwer, 2012 wurde es abgerissen.

Der heutige Haltepunkt Mannheim-Neckarstadt wurde 1985 an anderer Stelle an der Westlichen Einführung der Riedbahn eröffnet.

Baden-Baden: Der Stadtbahnhof

Baden-Baden liegt im Tal der Oos und konnte beim Bau der Badischen Hauptbahn aus topografischen Gründen nicht angebunden werden.

Stattdessen entstand der Bahnhof im rund vier Kilometer entfernten Oos, den die Badische Staatseisenbahn am 6. Mai 1844 eröffnete.

Im Juli 1845 folgte die 4,26 Kilometer lange Stichbahn nach Baden-Baden, die nahe dem Stadtzentrum an einem Kopfbahnhof endete.

Das Bad galt schon im 19. Jahrhundert als mondänes Weltbad, und der badische Landtag hatte die Stichstrecke gleichzeitig mit der Hauptbahn beschlossen.

Eine Infotafel am Festspielhaus nennt für den Bau des Repräsentationsgebäudes mit fürstlichen Aufenthaltsräumen das Jahr 1895.

So sah es vorher aus: Verkehr auf der Stichbahn

Auf der Stichbahn verkehrten Zubringerzüge zum Bahnhof Oos, Fernverkehrszüge und Kurswagen.

In den Rennwochen fuhren zudem Pendelzüge zwischen Baden-Baden und der Galopprennbahn in Iffezheim.

Zwischen dem 19. und dem 21. März 1855 wurde die Strecke von Breitspur auf Normalspur umgebaut.

Am 18. August 1908 folgte der zweigleisige Ausbau, seit dem 27. Mai 1958 war sie elektrifiziert.

Seit der Elektrifizierung trugen Triebwagen der Baureihen 425 und 445 die Hauptlast.

Niedergang und Ende in Baden-Baden

In den 1960er und 1970er Jahren galt die Strecke der Baden-Badener Kommunalpolitik als veraltet und lästig.

Als Einstellungsgrund gelten vor allem die zahlreichen Bahnübergänge.

Mit dem Winterfahrplan 1977/78 wurde sie stillgelegt, im September 1977 fuhr der letzte Zug.

Die Gleisanlagen wurden restlos entfernt, der Bahnhof Oos wurde in Baden-Baden umbenannt und ist seither der einzige Bahnhof der Stadt.

Seit der Einstellung bedienen Omnibusse die Verbindung in die Stadt.

Auf der Trasse entstand im Zuge der Landesgartenschau 1981 die Grüne Einfahrt nach Baden-Baden.

So sieht es jetzt aus: Vom Stadtbahnhof zum Festspielhaus

Auf dem Gelände des ehemaligen Stadtbahnhofs steht heute das Festspielhaus Baden-Baden, das am 18. April 1998 eröffnet wurde.

Architekt des Neubaus war der Wiener Wilhelm Holzbauer, der den früheren Stadtbahnhof architektonisch integrierte.

Das historische Empfangsgebäude bildet heute den Eingangsbereich.

In seinen Räumen befinden sich die Kassenhalle, das Restaurant Aida und die Kinder-Musik-Welt Toccarion.

Das Festspielhaus bietet 2.500 Zuschauerplätze und gilt als größtes derartiges Haus Deutschlands.

Haupteingang des Festspielhauses durch den ehemaligen Stadtbahnhof, 2009.
Haupteingang des Festspielhauses durch den ehemaligen Stadtbahnhof, 2009. Foto: Patrick Pelster, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Ostecke des ehemaligen Stadtbahnhofs im Festspielhaus, 2015.
Die Ostecke des ehemaligen Stadtbahnhofs im Festspielhaus, 2015. Foto: Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Schalterhalle des Alten Bahnhofs im Festspielhaus, 2006.
Die Schalterhalle des Alten Bahnhofs im Festspielhaus, 2006. Foto: Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Schalterhalle des Alten Bahnhofs, 2006.
Die Schalterhalle des Alten Bahnhofs, 2006. Foto: Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Blick in die Schalterhalle des Alten Bahnhofs, 2006.
Blick in die Schalterhalle des Alten Bahnhofs, 2006. Foto: Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ein kurzer Gleisstumpf der ehemaligen Strecke dient heute als Abstell- und Umsetzgleis für in Baden-Baden endende Stadtbahnen.

Pläne, die Karlsruher Stadtbahn in das Stadtzentrum zu führen, scheiterten bisher an hohen Investitionskosten und an der ablehnenden Haltung der Stadt.

Der Bahnhof Baden-Baden in Oos wurde zwischen 1997 und 2005 grundlegend modernisiert und ist ein ICE-Halt.

Der Bahnhof Baden-Baden in Oos, 2016.
Der Bahnhof Baden-Baden in Oos, 2016. Foto: Sitacuisses, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher: zwei Städte, vier Bahnhöfe

In Mannheim blieb vom Alten Bahnhof von 1840 baulich nichts, der OEG-Kopfbahnhof wurde 1973 abgerissen, und das Gebäude in der Neckarstadt verschwand 2012.

Auf den früheren OEG-Gleisen verläuft seit 2006 eine Straßenbahnstrecke.

In Baden-Baden blieb das Empfangsgebäude des Stadtbahnhofs erhalten, es dient heute als Eingang und Schalterhalle eines Opern- und Konzerthauses.

1839: Baubeginn des ersten Bahnhofs in Mannheim (2. Dezember).

1840: Der Alte Bahnhof Mannheim geht in Betrieb (12. September).

1844: Der Bahnhof Oos wird eröffnet (6. Mai).

1845: Die Stichbahn Oos–Baden-Baden wird eröffnet.

1867: Der neue Mannheimer Hauptbahnhof löst den Alten Bahnhof ab.

1879: Der Alte Bahnhof wird aufgegeben, der Bahnhof Mannheim-Neckarstadt geht in Betrieb.

1887: Der OEG-Vorgänger eröffnet den Kopfbahnhof Mannheim OEG.

1971: Neckarstadt wird im Personenverkehr stillgelegt, der OEG-Kopfbahnhof aufgegeben.

1977: Letzter Zug nach Baden-Baden (24. September).

1998: Das Festspielhaus eröffnet im ehemaligen Stadtbahnhof (18. April).

Gibt es vom Alten Bahnhof Mannheim noch Reste?
Nein, baulich ist nichts mehr erhalten.
Wo stand der OEG-Bahnhof?
In der Neckarstadt an der Nordseite der heutigen Kurpfalzbrücke, an der Stelle verläuft heute eine Straßenbahnstrecke.
Wann wurde der Bahnhof Mannheim-Neckarstadt stillgelegt?
Zum 25. September 1971 im Personenverkehr.
Wo ist der Stadtbahnhof von Baden-Baden?
Er bildet den Eingangsbereich des Festspielhauses.
Kann man in Baden-Baden mit dem Zug ins Zentrum fahren?
Nein, die Stichbahn wurde 1977 stillgelegt, der Bahnhof in Oos liegt rund vier Kilometer entfernt.

Alle vier Anlagen verloren ihren Zugverkehr, weil größere oder besser gelegene Nachfolger ihn übernahmen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Alter Bahnhof (Mannheim) · Wikipedia: Bahnhof Mannheim OEG · Wikipedia: Bahnhof Mannheim-Neckarstadt · Wikipedia: Bahnhof Mannheim-Käfertal · Wikipedia: Bahnstrecke Baden-Oos–Baden-Baden · Wikipedia: Bahnhof Baden-Baden · Wikipedia: Festspielhaus Baden-Baden · Wikimedia Commons: Infotafel Stadtbahnhof, Festspielhaus Baden-Baden

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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