Die stillen Strecken der Prignitzer Kreiskleinbahnen

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Strecken der Prignitzer Kreiskleinbahnen

Zwischen 1896 und 1912 bauten zwei Landkreise in der Prignitz ein dichtes Netz von Kleinbahnen. Dieser Beitrag geht die stillgelegten Strecken von Suckow bis Havelberg Halt für Halt durch.

VORHER · 2008

Der Bahnhof Putlitz, aufgenommen 2008.

Der Bahnhof Putlitz, aufgenommen 2008. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2019

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Putlitz von der Gleisseite, 2019.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Putlitz von der Gleisseite, 2019. Foto: Blaufisch123, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1896
Pritzwalk–Putlitz eröffnet
1948
Schmalspur nach Havelberg
1968
Berge–Putlitz eingestellt
1980
Ende nach Suckow

Lage: Prignitz im Nordwesten Brandenburgs. Status: Regelverkehr auf allen hier beschriebenen Strecken eingestellt, bei Lindenberg fährt eine Museumsbahn. Heute: Zwischen Pritzwalk West und Putlitz wurde das Gleis 2023 abgebaut, im Bahnhof Putlitz blieben die Gleise liegen.

In der Prignitz im Nordwesten Brandenburgs entstand zwischen 1896 und 1912 ein Netz von Kreisbahnen, das die Dörfer an die großen Strecken anschloss.

Auf den hier beschriebenen Strecken ist der Regelverkehr heute eingestellt.

Dieser Beitrag geht die Strecken Pritzwalk–Suckow, Berge–Putlitz, Perleberg–Berge, Viesecke–Kreuzweg–Glöwen, Glöwen–Havelberg und Lindenberg–Pritzwalk der Reihe nach durch.

Die Museumsbahn bei Lindenberg ist dabei kein stiller Ort, sondern eine Bahn, die wieder fährt.

Alte freie Fotos der Halte stehen nicht zur Verfügung, deshalb zeigen alle Bilder den Zustand aus neuerer Zeit.

Der Bahnhof Pritzwalk, an dem mehrere dieser Bahnen begannen, hat einen eigenen Beitrag: Der Bahnhof Pritzwalk.

Ein Netz aus Kreisbahnen

Zwischen 1897 und 1912 entstand in der Prignitz ein umfangreiches Netz von Kleinbahnen.

Eigentümer waren die beiden Landkreise Ostprignitz mit Sitz in Kyritz und Westprignitz mit Sitz in Perleberg.

Die Betriebsführung lag bei der Prignitzer Eisenbahn AG.

Eine zentrale Werkstatt für alle Bahnen stand in Perleberg.

Sie bestand als Werkabteilung des Reichsbahnausbesserungswerks Wittenberge noch bis 1992.

Im Süden erschlossen Schmalspurbahnen mit 750 Millimetern Spurweite das Land bis zur Berlin-Hamburger Bahn.

Im Norden waren die Kleinbahnen normalspurig und führten bis zur mecklenburgischen Grenze.

Das normalspurige Netz maß zusammen 93 Kilometer, das schmalspurige 104 Kilometer.

Die erste Schmalspurstrecke führte ab dem 15. Oktober 1897 von Perleberg nach Kyritz.

Zu Beginn der 1940er Jahre wurden alle Bahnen in einem Unternehmen zusammengefasst, den Kleinbahnen der Kreise West- und Ostprignitz.

Nach 1945 unterstanden sie der Generaldirektion der Provinzialbahnen Mark Brandenburg, 1949 übernahm sie die Deutsche Reichsbahn.

Pritzwalk–Suckow: die Strecke zur Landesgrenze

Am 4. Juni 1896 eröffnete der Landkreis Ostprignitz die Kleinbahn von Pritzwalk nach Putlitz.

Eine Verlängerung an die mecklenburgische Grenze war von Anfang an gewünscht.

Sie verzögerte sich, weil man Wert auf einen Anschluss weiter durch Mecklenburg in Richtung Parchim legte.

Am 1. Oktober 1912 ging der Abschnitt von Putlitz nach Suckow in Betrieb.

Die Fortsetzung nach Parchim betrieb die mecklenburgische Staatsbahn, die Friedrich-Franz-Eisenbahn.

Die Strecke Pritzwalk–Suckow blieb dagegen im Besitz des Kreises.

In Suckow mussten Reisende deshalb meist umsteigen.

Erst ab Ende der 1930er Jahre gab es durchgehende Züge zwischen Pritzwalk und Parchim.

Die Strecke Suckow–Parchim wurde 1947 abgebaut.

Suckow war ein Dorf mit weit weniger als tausend Einwohnern, und trotzdem blieb die Verbindung bis dorthin lange in Betrieb.

Erst der Bau der Autobahn nach Hamburg beendete sie.

Der Güterverkehr zwischen Putlitz und Suckow war schon am 15. Oktober 1979 eingestellt worden.

Der Verkehr nach Suckow endete zum 1. Juni 1980.

Zwischen Putlitz und Porep blieb noch bis zum 28. September 1980 ein Schülerverkehr.

Danach wurde dieser Abschnitt abgebaut.

Auch das Reststück von Pritzwalk nach Putlitz sollte damals stillgelegt werden.

Das scheiterte an der Politik der DDR-Regierung, Treibstoff zu sparen.

Die frühere Bahntrasse bei Suckow, aufgenommen 2010.
Die frühere Bahntrasse bei Suckow, aufgenommen 2010. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Pritzwalk bis Putlitz nach 1990

Im Juni 1996 wurde die Prignitzer Eisenbahn GmbH mit Sitz in Putlitz gegründet.

Am 29. September 1996 übernahm sie den Verkehr auf der Strecke, zunächst im Auftrag von DB Regio und ab 1998 direkt im Auftrag des Landes Brandenburg.

Seit 2004 betrieb sie auch die Infrastruktur, deren Eigentum beim Landkreis Prignitz lag.

Im Dezember 2006 bestellte das Land den Verkehr ab.

Am 27. August 2007 wurde am Gymnasium der Haltepunkt Pritzwalk West eingerichtet.

Wenig später fuhren auch wieder Züge nach Putlitz, getragen von der Verkehrsgesellschaft Prignitz und dem Putlitz-Pritzwalker Eisenbahnförderverein.

Das Geld stammte aus Fördermitteln für Busersatzverkehre und aus Mitteln für den Schülerverkehr.

Die Stadt Putlitz steuerte 2012 zehntausend Euro zur Streckenabsicherung bei.

Am 29. Juli 2016 endete der planmäßige Personenverkehr zwischen Pritzwalk West und Putlitz.

Zum 11. Juli 2018 legte das Land einen Teilabschnitt formell still.

2023 wurde das Gleis zwischen Pritzwalk West und Putlitz abgebaut.

Nur im Bahnhof Putlitz blieben die Gleise liegen.

Der kurze Abschnitt von Pritzwalk bis Pritzwalk West wird weiterhin im Nahverkehr bedient.

Kuhbier

Die meisten Stationen der Strecke waren einfache Haltepunkte oder Haltestellen mit einem Anschlussgleis.

Größere Hochbauten gab es nur in Putlitz und Suckow, sonst standen dort einfache Wartehallen.

Als erwähnenswert gilt das Wartehäuschen in Kuhbier.

Haltepunkt Kuhbier bei Pritzwalk.
Haltepunkt Kuhbier bei Pritzwalk. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Haltepunkt Kuhbier, aufgenommen 2019.
Der Haltepunkt Kuhbier, aufgenommen 2019. Foto: Blaufisch123, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Putlitz

Putlitz war der wichtigste Halt der Strecke und zugleich ein Knoten.

Der Bahnhof liegt südlich der Stadt.

Die Strecken aus Berge und Suckow trennten sich schon im Bahnsteigbereich.

Das Empfangsgebäude steht allerdings nicht zwischen den Strecken, wie es bei einem typischen Keilbahnhof üblich ist, sondern am Gleis nach Suckow.

In der Nähe des Ortskerns gab es außerdem den Bahnhof Putlitz West an der Strecke nach Berge.

Zeitweise bediente die Strecke den Haltepunkt Putlitz Süd an einer Wiese südlich der Stadt.

Er wurde 2004 für ein Wochenende eingerichtet, um Besucher des VuuV Festivals zum Veranstaltungsgelände zu bringen.

In den Jahren bis 2008 fuhren zu den Festivalwochenenden Anfang August weitere Sonderzüge.

Eine Brücke an der früheren Strecke Putlitz–Suckow bei Putlitz, 2010.
Eine Brücke an der früheren Strecke Putlitz–Suckow bei Putlitz, 2010. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Nettelbeck

Zwischen Putlitz und Suckow ist von den Zwischenstationen nur das Bahnhofsgebäude von Nettelbeck erhalten.

Es entspricht spiegelverkehrt dem Gebäude in Dallmin an der Kreisringbahn.

Ein ehemaliger Bahnübergang an der Lindenstraße in Nettelbeck, 2010.
Ein ehemaliger Bahnübergang an der Lindenstraße in Nettelbeck, 2010. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Suckow

Suckow lag bereits in Mecklenburg und war der Endbahnhof der Kreisbahn.

Das Bahnhofsgebäude dient heute als Wohnhaus.

Ein Straßenschild erinnert mit dem Namen Bahnhofstraße an die Bahn, die bis 1980 hier endete.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Suckow, 2010.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Suckow, 2010. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Straßenschild der Bahnhofstraße in Suckow, 2010.
Das Straßenschild der Bahnhofstraße in Suckow, 2010. Foto: Niteshift, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Berge–Putlitz: die Querbahn

Die Strecke von Berge nach Putlitz gehörte zur Westprignitzer Kreisbahn und verband deren Kreisringbahn mit der Strecke Pritzwalk–Suckow.

Sie begann im Bahnhof Berge und trennte sich unmittelbar östlich davon von der Strecke nach Perleberg.

Von dort verlief sie in östlicher Richtung unweit der Landesgrenze zu Mecklenburg, südlich der Ruhner Berge.

Über den Bahnhof Sagast und mehrere Haltestellen erreichte sie Putlitz.

Im Dezember 1911 fand die Eröffnungsfahrt auf dieser Strecke und der Kreisringbahn statt.

Das Angebot blieb stets gering.

In den 1930er Jahren fuhren täglich vier Zugpaare, davon drei mit Triebwagen und eines als gemischter Zug für Personen und Güter.

Der Fahrplan von 1960 zeigt das gleiche Angebot, dazu kam ein Triebwagen, der dreimal in der Woche frühmorgens fuhr.

Ein kurioser Zuglauf in den 1960er Jahren führte von Berge über Putlitz und Pritzwalk nach Meyenburg und zurück.

Am 26. Mai 1968 wurde der Verkehr eingestellt, die Gleise wurden wenig später abgebaut.

Gleisreste der Strecke Berge–Putlitz am westlichen Stadtrand von Putlitz, 2014.
Gleisreste der Strecke Berge–Putlitz am westlichen Stadtrand von Putlitz, 2014. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Muggerkuhl

In Muggerkuhl bei Berge gab es einen Bahnhof an der Querbahn.

Dort zweigte eine Feldbahn mit 600 Millimetern Spurweite ab, die etwa drei Kilometer lang war und zur örtlichen Ziegelei führte.

Diese Feldbahn wurde noch bis in die 1990er Jahre betrieben.

Gleisreste lagen noch bis nach 2005 dort.

Der frühere Bahnhof Muggerkuhl bei Berge.
Der frühere Bahnhof Muggerkuhl bei Berge. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Perleberg Süd–Berge: die Kreisringbahn

Die Westprignitzer Kreisringbahn führte tatsächlich im Kreis von Perleberg über Karstädt und Berge zurück nach Perleberg.

Sie begann im Bahnhof Perleberg Süd gegenüber dem Bahnhof Perleberg und erreichte nach 1,5 Kilometern den Bahnhof Perleberg Nord.

Dort teilte sie sich in einen Ast nach Karstädt und einen nach Berge.

In Karstädt lag der Bahnhof der Kreisbahn gegenüber dem Staatsbahnhof an der Berlin-Hamburger Bahn.

Über Dallmin ging es weiter nach Nordosten.

Mit Klüß bediente die Strecke auch einen mecklenburgischen Ort, wobei der Bahnhof wenige Meter südlich des Dorfes noch auf brandenburgischem Gebiet lag.

Berge hieß früher Klein Berge und war neben Karstädt der wichtigste Unterwegsbahnhof.

Hier erreichte die Strecke ihren nördlichsten Punkt, und hier zweigte die Querbahn nach Putlitz ab.

Weiter führte der Ring über Baek nach Strigleben, seinen östlichsten Punkt, und über Gramzow und Groß Buchholz zurück nach Perleberg Nord.

Die Kreisringbahn war mit 49 Kilometern Länge das letzte große Stück des normalspurigen Netzes.

Am 4. Oktober 1911 begann auf dem Westring von Perleberg nach Klein Berge der Güterverkehr.

Im Dezember 1911 folgte die Eröffnungsfahrt.

Das Zugangebot blieb mäßig, in den 1930er Jahren fuhren etwa fünf Zugpaare am Tag.

Der Güterverkehr diente vor allem der Landwirtschaft und zeitweise dem Braunkohleabbau in einer Grube bei Vahrnow.

1914 und 1915 beförderte die Bahn einschließlich der Querbahn nach Putlitz 117.310 Personen und 68.085 Tonnen Güter.

1975 wurde der Personenverkehr auf dem Ring eingestellt.

Zuletzt fuhren täglich vier Personenzüge im Uhrzeigersinn und fünf in der Gegenrichtung.

Von der Strecke blieb zunächst der Abschnitt von Perleberg nach Karstädt, der als Umfahrungsmöglichkeit für den Bahnhof Wittenberge vorgehalten wurde.

Dazu kam der Weg bis Margaretental, wo noch ein Güteranschluss bedient wurde.

Die Strecke zwischen Quitzow und Margaretental über Karstädt wurde am 1. Dezember 1992 stillgelegt.

Den Güterverkehr zwischen Perleberg und Quitzow stellte die Bahn offiziell am 1. Oktober 1994 ein.

In Quitzow wurde der Anschluss als Bahnhofsgleis noch bis 2002 bedient.

Die Restabschnitte wurden in den 1990er Jahren abgebaut.

Seit 2008 gibt es zwischen Dallmin und Postlin einen Radweg.

Dort erinnert bei Kilometer 18,3 eine Gedenktafel an den Kaiserhaltepunkt.

In den ersten Betriebsjahren fuhr bis dorthin mehrmals ein Sonderzug für Kaiser Wilhelm II., der Victor von Podbielski auf dessen Gut Dallmin besuchte.

Viesecke–Kreuzweg–Glöwen

Die zweite Verbindung der Schmalspurbahnen zur Berlin-Hamburger Bahn wurde am 15. Juli 1900 zwischen Viesecke und Glöwen über Kreuzweg eröffnet.

Sie war 15 Kilometer lang.

Am 2. Juli 1912 wurde die Strecke von Pritzwalk über Lindenberg um 10 Kilometer bis Kreuzweg verlängert.

Damit war Lindenberg zu einem Knoten geworden, von dem aus Bahnen in vier Richtungen an die Staatsbahn anschlossen.

Zwischen Glöwen und Viesecke sowie zwischen Glöwen und Lindenberg wurden Normalspurwagen auf Rollböcken befördert.

1952 ersetzten Rollwagen die Rollböcke, und der Rollwagenverkehr wurde auf fast alle Strecken ausgedehnt.

Das kleine Stück zwischen Viesecke und Kreuzweg wurde 1948 demontiert, aber nicht als Reparationsleistung.

Sein Gleismaterial diente als Grundlage für den schmalspurigen Wiederaufbau der Strecke nach Havelberg.

Zum Jahresende 1967 stellte die Deutsche Reichsbahn den gesamten Betrieb zwischen Lindenberg und Glöwen ein.

Glöwen

Der Bahnhof Glöwen liegt an der Berlin-Hamburger Bahn und ist weiterhin in Betrieb.

Stillgelegt sind die beiden Abzweige, die hier begannen.

Von 1890 bis 1971 zweigte die Strecke nach Havelberg ab, von 1900 bis 1967 endete hier die Schmalspurbahn von Viesecke.

Das klassizistische Empfangsgebäude der Hamburger Bahn steht unter Denkmalschutz.

Die Schmalspurbahn nach Havelberg hatte keine Gleisverbindung zur Schmalspurbahn nach Kreuzweg, weil die normalspurige Hauptbahn dazwischen lag.

Fahrzeuge wurden auf normalspurigen Transportwagen von einer zur anderen Strecke gebracht.

Dafür gab es in Glöwen eine eigene Rollwagengrube und eine Rampe zum Beladen der Transportwagen.

Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude des Bahnhofs Glöwen in Plattenburg, 2011.
Das denkmalgeschützte Empfangsgebäude des Bahnhofs Glöwen in Plattenburg, 2011. Foto: Clemensfranz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das frühere Empfangsgebäude der Schmalspurbahn in Glöwen, 2012.
Das frühere Empfangsgebäude der Schmalspurbahn in Glöwen, 2012. Foto: Global Fish, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Glöwen–Havelberg: Reparation und Wiederaufbau

Havelberg hatte schon bei der Planung der Berlin-Hamburger Bahn auf einen Bahnanschluss gehofft, doch die Hauptstrecke verlief weit entfernt.

Erst die Stichstrecke von Glöwen brachte der Stadt die Bahn.

Die Preußische Staatsbahn eröffnete sie am 15. Februar 1890 als Regelspurstrecke mit den Zwischenstationen Nitzow und Toppel.

Eine zunächst geplante Verlängerung nach Süden, die ab 1909 in Sandau Anschluss an die Strecke von Schönhausen gehabt hätte, wurde nicht mehr gebaut.

Im Zweiten Weltkrieg entstand eine Anschlussbahn zu einem Munitionslager nördlich von Nitzow.

Im Herbst 1947 wurde die Strecke als Reparationsleistung demontiert.

Zuletzt hatten fünf Personenzugpaare täglich die zweite und dritte Klasse geführt.

Um Havelberg wieder an das Netz anzuschließen, beschlossen die Landesbahnen Brandenburg den Wiederaufbau.

Am 3. September 1948 wurde die Strecke als 750-Millimeter-Schmalspurbahn wiedereröffnet.

Der Oberbau stammte von der dafür abgebauten Schmalspurbahn Kreuzweg–Viesecke und vom Abschnitt Dahme–Görsdorf der früheren Jüterbog-Luckenwalder Kreiskleinbahnen.

Zum Betriebsbeginn kamen die Lokomotive 99 791, später als 99 4712 bezeichnet, und eine fabrikneue Lokomotive, die spätere 99 1401.

Am 5. April 1971 stellte die Reichsbahn den Güterverkehr ein, den Reiseverkehr führte sie noch bis zum 26. September 1971 fort.

Danach wurde die Strecke stillgelegt und abgebaut.

Nitzow

Nitzow war seit der Eröffnung 1890 eine Zwischenstation der Strecke nach Havelberg.

Nördlich des Ortes zweigte im Zweiten Weltkrieg die Anschlussbahn zu einem Munitionslager ab.

Das frühere Bahnhofsgebäude steht unter Denkmalschutz und wird heute als Wohnhaus genutzt.

Der Bahnhof Nitzow von der Gleisseite, 2018.
Der Bahnhof Nitzow von der Gleisseite, 2018. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Toppel

Toppel war wie Nitzow eine Zwischenstation seit der Eröffnung der Strecke im Jahr 1890.

Weitere Einzelheiten zum Halt sind nicht belegt.

Havelberg

Das frühere Bahnhofsgebäude an der Bahnhofstraße in Havelberg steht unter Denkmalschutz und dient heute gewerblichen Zwecken.

Zum Bahnhof gehörten auch ein Lokschuppen und ein Wasserturm der stillgelegten Schmalspurbahn.

Das frühere Empfangsgebäude des Bahnhofs Havelberg von der Gleisseite, 2018.
Das frühere Empfangsgebäude des Bahnhofs Havelberg von der Gleisseite, 2018. Foto: Global Fish, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Lokschuppen und Wasserturm der ehemaligen Schmalspurbahn Glöwen–Havelberg, 2018.
Lokschuppen und Wasserturm der ehemaligen Schmalspurbahn Glöwen–Havelberg, 2018. Foto: Radler59, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Lindenberg–Pritzwalk und die Museumsbahn Pollo

Die Querverbindung von Pritzwalk nach Lindenberg wurde im Herbst und Winter 1907 und 1908 gebaut.

Sie war 19 Kilometer lang und ab dem 8. Januar 1908 durchgehend befahrbar.

Am 31. Mai 1969 stellte die Reichsbahn den Verkehr auf Pritzwalk–Lindenberg und auf Perleberg–Lindenberg–Kyritz mit der Zweigbahn Rehfeld–Breddin ein.

Damit endete das Schmalspurnetz der Prignitz.

Um die Erinnerung an das Netz wachzuhalten, gründete sich 1993 der Verein Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg.

Sein Ziel war es, die neun Kilometer lange Teilstrecke von Lindenberg über Brünkendorf nach Mesendorf wieder aufzubauen und für den Museumsbahnverkehr zu erhalten.

Der erste Abschnitt zwischen Mesendorf und Brünkendorf war 2002 fertig.

Seit 2004 fährt die Museumsbahn bis Vettin.

2007 kam der letzte Abschnitt von Vettin nach Lindenberg hinzu, wobei der Endpunkt kurz vor dem ehemaligen Bahnhof liegt.

In Lindenberg betreibt der Verein das Prignitzer Kleinbahnmuseum.

Diese Strecke ist also nicht stillgelegt, sondern eine Museumsbahn mit Dampftagen um Himmelfahrt.

Vorher und nachher: Putlitz

Putlitz erhielt seinen Bahnanschluss am 4. Juni 1896 mit der Kleinbahn von Pritzwalk.

Im Dezember 1911 kam die Querbahn aus Berge hinzu, 1912 die Fortsetzung nach Suckow.

Die Querbahn endete 1968, der Verkehr nach Suckow 1980.

Der Personenverkehr nach Pritzwalk endete am 29. Juli 2016.

2023 wurde das Gleis bis Putlitz abgebaut, im Bahnhof liegen die Gleise noch.

Das Gleisende im Bahnhof Putlitz, 2019.
Das Gleisende im Bahnhof Putlitz, 2019. Foto: Blaufisch123, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Von den Strecken der Kreiskleinbahnen fährt heute nur noch die Museumsbahn bei Lindenberg.

Zwischen Pritzwalk West und Putlitz wurde das Gleis 2023 abgebaut.

Auf einem Abschnitt der Kreisringbahn zwischen Dallmin und Postlin verläuft seit 2008 ein Radweg.

Mehrere frühere Bahnhofsgebäude sind erhalten, darunter Nettelbeck, Nitzow und Havelberg.

Das Empfangsgebäude in Suckow dient als Wohnhaus.

1890: Die Strecke Glöwen–Havelberg wird am 15. Februar als Regelspurstrecke eröffnet.

1896: Die Kleinbahn Pritzwalk–Putlitz wird am 4. Juni eröffnet.

1897: Am 15. Oktober fährt die erste Schmalspurstrecke von Perleberg nach Kyritz.

1900: Am 15. Juli wird die Schmalspurstrecke Viesecke–Kreuzweg–Glöwen eröffnet.

1908: Die Querverbindung Pritzwalk–Lindenberg ist ab dem 8. Januar durchgehend befahrbar.

1911: Im Dezember eröffnen die Kreisringbahn und die Querbahn Berge–Putlitz.

1912: Am 2. Juli erreicht die Strecke aus Pritzwalk Kreuzweg, am 1. Oktober geht der Abschnitt Putlitz–Suckow in Betrieb.

1947: Die Strecke Glöwen–Havelberg wird als Reparationsleistung demontiert.

1948: Am 3. September fährt wieder eine Schmalspurbahn nach Havelberg.

1967: Zum Jahresende endet der Betrieb zwischen Lindenberg und Glöwen.

1968: Am 26. Mai wird der Verkehr auf der Strecke Berge–Putlitz eingestellt.

1969: Am 31. Mai endet der Verkehr zwischen Pritzwalk, Lindenberg, Perleberg und Kyritz.

1971: Die Strecke nach Havelberg schließt: Güterverkehr am 5. April, Personenverkehr am 26. September.

1975: Der Personenverkehr auf der Kreisringbahn wird eingestellt.

1980: Der Verkehr nach Suckow endet am 1. Juni.

1992: Am 1. Dezember wird die Strecke zwischen Quitzow und Margaretental stillgelegt.

2002: Die Museumsbahn eröffnet den Abschnitt Mesendorf–Brünkendorf.

2007: Die Museumsbahn erreicht wieder Lindenberg.

2016: Am 29. Juli endet der planmäßige Personenverkehr nach Putlitz.

2023: Das Gleis zwischen Pritzwalk West und Putlitz wird abgebaut.

Welche Strecken der Prignitzer Kreiskleinbahnen waren normalspurig?
Normalspurig waren Pritzwalk–Putlitz–Suckow, die Kreisringbahn um Perleberg und die Querbahn Berge–Putlitz, zusammen 93 Kilometer.
Warum endete die Strecke nach Suckow 1980?
Der Bau der Autobahn nach Hamburg beendete die Verbindung, die zuvor schon bis zur Landesgrenze in Mecklenburg reichte.
Wurde die Strecke nach Havelberg als Reparation abgebaut?
Ja, die Regelspurstrecke Glöwen–Havelberg wurde im Herbst 1947 als Reparationsleistung demontiert. Die Strecke Viesecke–Kreuzweg dagegen wurde 1948 abgebaut, um Gleismaterial für den schmalspurigen Wiederaufbau nach Havelberg zu gewinnen.
Gibt es von den Kleinbahnen noch einen fahrenden Rest?
Ja, die Museumsbahn Pollo fährt auf einem neun Kilometer langen Stück zwischen Lindenberg und Mesendorf.
Fährt auf der Strecke Pritzwalk–Putlitz noch ein Zug?
Der planmäßige Verkehr nach Putlitz endete am 29. Juli 2016, das Gleis wurde 2023 abgebaut. Der kurze Abschnitt Pritzwalk–Pritzwalk West wird weiterhin im Nahverkehr bedient.

Die Prignitzer Kreiskleinbahnen sind als Netz verschwunden, doch Gebäude, Gleisreste und eine Museumsbahn halten sie sichtbar.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Pritzwalk–Suckow · Wikipedia: Bahnstrecke Berge–Putlitz · Wikipedia: Bahnstrecke Glöwen–Havelberg · Wikipedia: Kleinbahnen der Kreise West- und Ostprignitz · Wikipedia: Westprignitzer Kreisringbahn · Wikipedia: Bahnhof Glöwen · Wikimedia Commons: Bilder zu den Strecken

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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