Die Streutalbahn: Mit dem Rhön-Zügle an den stillen Halten von Mellrichstadt nach Fladungen
Die Nebenbahn durchs Streutal verlor 1976 ihre Reisenden und 1987 die Güterzüge. Heute fährt das Rhön-Zügle als Museumsbahn, an einzelnen Halten aber hält niemand mehr.


Strecke: Mellrichstadt–Fladungen, Endpunkt bei Kilometer 18,35. Status: Museumsbahn, kein regulärer Personenverkehr mehr. Heute: Das Rhön-Zügle fährt an ausgewählten Tagen im Jahr.
Die Streutalbahn von Mellrichstadt nach Fladungen ist eine Museumsbahn und deshalb nicht tot.
Der reguläre Personenverkehr endete 1976, der Güterverkehr 1987.
Seither fährt auf der Strecke das Rhön-Zügle.
Dieser Beitrag geht die Halte entlang der Strecke der Reihe nach durch.
Mellrichstadt Stadt und Heufurt gehören zu den Halten, die heute nicht mehr bedient werden.
Alte freie Fotos gibt es nur vom Bahnhof Fladungen, deshalb zeigen die übrigen Bilder vor allem den heutigen Zustand.
Entstehung: Eine Bahn für die Rhön
Seit Beginn des Jahres 1892 wurde verstärkt über eine Bahn gesprochen, die die Rhön besser anbinden sollte.
Am 16. Januar 1892 fand dazu in Fladungen eine Versammlung statt.
Damals hoffte man auf eine Verbindung von Mellrichstadt über Fladungen und Wüstensachsen nach Hilders in Hessen.
Am 5. November 1892 beschloss der Distriktrat, einen Teil der Grunderwerbskosten zu übernehmen.
1893 folgten die nötigen Vermessungsarbeiten.
Politische Gründe verzögerten den Bau.
Im September 1895 schlossen das Königreich Bayern und das Herzogtum Sachsen-Weimar einen Staatsvertrag.
Er war nötig, weil ein kurzer Teil der Strecke von etwa fünf Kilometern außerhalb des bayerischen Gebietes lag.
Im Dezember 1895 kam ein Gesetzentwurf in den Bayerischen Landtag.
Am 18. März 1896 stimmte die Mehrheit der Abgeordneten zu, am 1. Mai gab auch die Kammer der Reichsräte ihre Zustimmung.
Im Januar 1898 begannen die Bauarbeiten, im Dezember 1898 waren sie abgeschlossen.
Am 20. Dezember 1898 fand die technische Probefahrt statt.
Am 27. Dezember 1898 wurde die Lokalbahn Mellrichstadt–Fladungen feierlich eröffnet.
Der fahrplanmäßige Betrieb begann am 28. Dezember 1898.
So sah es vorher aus: Die Lokalbahn im Regelbetrieb
Die Strecke zweigt im Bahnhof Mellrichstadt von der Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen ab.
Sie führt nach Nordwesten und quert zunächst den Mahlbach.
Nördlich der Mellrichstädter Altstadt verläuft sie durch einen Geländeeinschnitt.
Bis Stockheim gleichen Dämme die Höhenunterschiede aus.
Hinter dem Dorf wechselt der Bahnkörper auf die südliche Talflanke.
Bis kurz vor Nordheim liegt die Trasse überwiegend auf Bergrücken.
Von dort bleibt sie bis Fladungen meist wenige hundert Meter südlich der Streu.
Der Endpunkt Fladungen liegt bei Kilometer 18,35.

Güter spielten auf der Strecke eine große Rolle.
Basalt, Holz und Zuckerrüben wurden an mehreren Stellen verladen, meist über eigene Anschlussgleise.
Nach der deutschen Teilung endete in Mellrichstadt die Verbindung nach Thüringen.
Der Bahnhof wurde dadurch zum Endbahnhof der meisten Züge aus Würzburg und Schweinfurt.
Teilweise fuhren diese Züge noch bis Fladungen weiter.
Mellrichstadt Stadt: Der stillgelegte Haltepunkt
Mellrichstadt Stadt lag bei Kilometer 1,219 kurz hinter dem Abzweig in Mellrichstadt.
Es war ein Haltepunkt und ist heute stillgelegt.
Der Name des Bahnhofs „Mellrichstadt Bahnhof“ steht mit diesem Haltepunkt in Zusammenhang.
Unmittelbar hinter dem Haltepunkt zweigte seit 1975 ein etwa 250 Meter langes Verladegleis zur Firma Wischerath & Schreiner ab, einem Hersteller von Kunststoffprodukten.
Die Deutsche Bundesbahn bediente dieses Gleis bis zur Stilllegung des Güterverkehrs im Jahr 1987.
Bei Kilometer 1,118 überquert die Strecke die Meininger Landstraße.
Dort wurde ab Herbst 1930 der Bahnkörper um vier Meter tiefer gelegt und die Straße samt Umgebung um einen Meter angehoben.
Für den Straßenverkehr war die neue Brücke ab dem 15. Juni 1931 befahrbar.
Der Bahnverkehr wechselte am 18. Juni 1931 von einer Baustellenumfahrung zurück auf die ursprüngliche Trasse.
Die Umfahrung lag etwas westlich zwischen Kilometer 1,0 und 1,6.
Zum Gebäude und zur Eröffnung des Haltepunkts ist nichts weiter belegt.
Stockheim: Ein Halt auf aufgeschütteter Trasse
Der Haltepunkt Stockheim liegt bei Kilometer 5,22.
Vor dem Ort zweigte bei Kilometer 3,879 ein Anschluss zur Firma Rothhaupt ab, einem Furnier- und Sägewerk.
Dort bestanden ein 185 Meter langes Industriegleis in Normalspur und ein Werkbahnnetz mit 700 Millimetern Spurweite.
Das Werk wurde 1981 stillgelegt.
Nördlich der Haltestelle wurde das Streckengleis vom 15. Mai 1927 bis zum 21. September 1928 um bis zu sieben Meter angehoben.
Der Grund war eine Überbrückung der Staatsstraße.
Während der Bauzeit lief der Zugverkehr über ein Behelfsgleis an der Baustelle vorbei.

Ostheim vor der Rhön: Bahnhof mit Verladekran
Der Bahnhof Ostheim vor der Rhön liegt bei Kilometer 8,04.
Bis in die 1980er Jahre stand dort ein Verladekran für Zuckerrüben, ein saisonal wichtiges Gut.
Bei der Firma Nix & Zinn, einer Holzverarbeitung, verlud man ursprünglich direkt auf dem Streckengleis.
Dazu wurden Wagen abgekuppelt und bei der nächsten Fahrt wieder mitgenommen.
Später kam ein Anschlussgleis in Betrieb.
Eine schmalspurige Werkbahn brachte vor allem Schwellen zur Verladerampe.
Das Holzwerk Grob bei Kilometer 8,436 besaß bis in die 1960er Jahre einen Gleisanschluss.
Der reguläre Personenverkehr endete im Sommer 1976.
Heute wird der Bahnhof nur saisonal vom Rhön-Zügle im Museumsverkehr bedient.
Seit dem 14. September 1996 fuhr das Rhön-Zügle zunächst nur zwischen Fladungen und Ostheim.



Nordheim vor der Rhön: Vom Bahnhof zum Haltepunkt
Nordheim vor der Rhön liegt bei Kilometer 12,92.
Früher war der Halt ein Bahnhof, heute wird er als Haltepunkt geführt.
Zwei Anschlusspunkte bei den Kilometern 12,931 und 13,475 gehörten zum Basaltwerk Leimbach & Co.
Das Werk bestand von 1898 bis in die 1970er Jahre.
Die Basaltprodukte kamen mit einer werkseigenen Drahtseilbahn zum Ladegleis.
Das Ladegleis wurde bis 1971 genutzt.

Heufurt: Der Halt, an dem das Zügle vorbeifährt
Der ehemalige Haltepunkt Heufurt lag bei Kilometer 16,54.
Das Dorf liegt im Streutal, rund zwei Kilometer südwestlich von Fladungen.
Der Personenverkehr der Strecke wurde 1976 eingestellt.
Die Museumsbahn fährt gelegentlich durch Heufurt, hält dort aber nicht.
Fladungen: Endpunkt und Museumsbahnhof
Fladungen bildet bei Kilometer 18,35 den Endpunkt der Strecke.
1930 wurde das Bahngelände erweitert.
Damit reagierte man auf das gestiegene Frachtaufkommen des Basaltwerkes.
Von etwa 1928 bis 1957 verarbeitete und verlud die Erste Bayerische Basaltstein AG Basalt unmittelbar neben dem Bahnhof.
Das Fränkische Freilandmuseum liegt am Fladunger Bahnhof.
Das historische Gebäudeensemble des Bahnhofs ist selbst Teil des Museums.
Seit 1996 ist das Museum mit dem Rhön-Zügle erreichbar.



Das Ende des Regelverkehrs
Der Personenverkehr endete zum Sommerfahrplan am 29. Mai 1976.
Der Güterverkehr folgte am 30. Mai 1987.
Die Anschlüsse hatten zu diesem Zeitpunkt zum Teil schon aufgehört.
Das Basaltwerk in Nordheim nutzte sein Ladegleis nur bis 1971, die Verladung in Fladungen endete um 1957.
Das Holzwerk Grob in Ostheim verlor seinen Anschluss in den 1960er Jahren.
Das Werk Rothhaupt in Stockheim schloss 1981.
Das Rhön-Zügle heute
Später nahm man abschnittsweise Nostalgiefahrten auf.
Seit dem 14. September 1996 fährt das Rhön-Zügle vom Museumsbahnhof Fladungen nach Ostheim vor der Rhön.
Seit 2000 fährt es auf der ganzen Strecke bis Mellrichstadt.
Dort besteht Anschluss an das bundesweite Schienennetz.
Zunächst wechselten sich die Eisenbahnfreunde Untermain mit Dampfbetrieb und die Fränkisch-Thüringische Museumsbahn Rhön mit Dieselbetrieb ab.
2017 übernahm der Rhön-Zügle e. V., der frühere Verein Eisenbahnfreunde Untermain, den Fahrbetrieb sowie Wartung und Instandhaltung.
Im Bahnhof Mellrichstadt ist Gleis 1 am Hausbahnsteig nur für die Museumszüge da.
Es ist nur an die Strecke nach Fladungen angeschlossen.

Das Glanzstück der Museumsbahn ist die denkmalgeschützte Dampflok Gtl 4/4 mit der Nummer 98 886.
Sie ist eine Leihgabe der Stadt Schweinfurt und fährt an ausgewählten Tagen im Jahr.
Gebaut wurde sie bei Krauss in München.
Bis 1968 zog sie Personen- und Güterzüge in Bayerisch-Schwaben und Unterfranken, zuletzt zwischen Bad Neustadt und Königshofen.
Danach erwarb die Stadt Schweinfurt die Lok und stellte sie ab 1978 als Denkmal vor dem Hauptbahnhof auf.
Rund zwanzig Jahre später übernahm sie das Fränkische Freilandmuseum als Dauerleihgabe.
Aufgearbeitet wurde sie im Dampflokwerk Meiningen.
Ab September 2014 konnte der Verein außerdem die wiederaufgebaute preußische T 3 mit der Nummer 89 7373 in Betrieb nehmen.
Seit 2011 pendelt an bestimmten Tagen auch die Erfurter Bahn mit einem Regio-Shuttle zwischen Schweinfurt und Fladungen.

Vorher und nachher: Der Bahnhof Fladungen
Das Foto von 1902 zeigt den Bahnhof Fladungen wenige Jahre nach der Eröffnung der Lokalbahn.
Die Aufnahme von 2006 zeigt das Bahnhofsgebäude als Endpunkt der Nebenbahn.
Der Bahnhof ist heute Teil des Freilandmuseums und Ausgangspunkt der Museumsbahn.
Aus einem Bahnhof des Güterverkehrs ist ein Ausflugsziel geworden.

Die Geschichte in Daten
16. Januar 1892: Versammlung in Fladungen zur Bahnverbindung bis Hilders.
September 1895: Staatsvertrag zwischen Bayern und Sachsen-Weimar.
18. März 1896: Der Bayerische Landtag stimmt dem Bau mehrheitlich zu.
Januar 1898: Beginn der Bauarbeiten.
20. Dezember 1898: Technische Probefahrt.
27. Dezember 1898: Feierliche Eröffnung der Lokalbahn Mellrichstadt–Fladungen.
28. Dezember 1898: Beginn des fahrplanmäßigen Betriebs.
15. Mai 1927: Beginn der Anhebung des Gleises nördlich von Stockheim, bis 21. September 1928.
1930: Erweiterung des Bahngeländes in Fladungen.
15. Juni 1931: Die neue Brücke über die Meininger Landstraße in Mellrichstadt ist befahrbar.
1971: Das Ladegleis des Basaltwerks in Nordheim wird zuletzt genutzt.
29. Mai 1976: Ende des Personenverkehrs zum Sommerfahrplan.
1981: Stilllegung des Werks Rothhaupt in Stockheim.
30. Mai 1987: Ende des Güterverkehrs.
14. September 1996: Das Rhön-Zügle fährt zwischen Fladungen und Ostheim.
2000: Museumsverkehr auf der gesamten Strecke bis Mellrichstadt.
September 2014: Die Lok 89 7373 geht in Betrieb.
2017: Der Rhön-Zügle e. V. übernimmt den Fahrbetrieb.
Häufige Fragen
Ist die Strecke Mellrichstadt–Fladungen stillgelegt?
Welche Halte sind nicht mehr in Betrieb?
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Warum war ein Staatsvertrag nötig?
Welche Lokomotiven fahren auf der Museumsstrecke?
Die Streutalbahn zeigt, wie sich eine Nebenbahn ein zweites Leben schaffen kann.
Zwischen den Halten liegen heute Museumsbetrieb und stillgelegte Anschlüsse nebeneinander.
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