Die ersten Bremer Bahnhöfe: Hannoverscher Bahnhof und Hamburger Bahnhof

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die ersten Bremer Bahnhöfe: Hannoverscher Bahnhof und Hamburger Bahnhof

Bevor 1889 der Hauptbahnhof eröffnet wurde, hatte Bremen zwei getrennte Bahnhöfe. Beide sind verschwunden, und ihre vielen Namen führen leicht in die Irre.

Stahlstich nach einer Zeichnung von Julius Gottheil: der Hannoversche Bahnhof in Bremen, errichtet 1847 und 1885 abgebrochen.
Stahlstich nach einer Zeichnung von Julius Gottheil: der Hannoversche Bahnhof in Bremen, errichtet 1847 und 1885 abgebrochen. Foto: Julius Gottheil, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kurz erklärt
1847
Hannoverscher Bahnhof eröffnet
1873
Hamburger Bahnhof eröffnet
1885
Hannoverscher Bahnhof abgerissen
1889
Hauptbahnhof eröffnet

Lage: Der Hannoversche Bahnhof lag westlich des heutigen Hauptbahnhofs, der Hamburger Bahnhof an der Stelle der heutigen Stadthalle. Status: Beide Bahnhöfe sind abgebrochen. Heute: Die Trasse des Hamburger Bahnhofs ist als Grünzug zwischen Fürther Straße und Innsbrucker Straße zu erkennen.

Vor dem Hauptbahnhof von 1889 gab es in Bremen zwei Bahnhöfe, die heute nicht mehr stehen.

Der ältere ist der Hannoversche Bahnhof von 1847, der auch Staatsbahnhof genannt wird.

Der jüngere ist der Hamburger Bahnhof von 1873, der auch Venloer Bahnhof und Parkbahnhof hieß.

Die vielen Namen bezeichnen also nur zwei Bahnhöfe, nicht vier.

Freie Fotografien der beiden Bahnhöfe sind nicht bekannt, deshalb zeigt dieser Beitrag einen Stahlstich, einen Stadtplan von 1884 und den Nachfolgebau.

Der Lloydbahnhof in Bremen hat einen eigenen Beitrag, er ist hier zu finden.

Der Hannoversche Bahnhof: Bremens erster Bahnhof

Der erste Bahnhof Bremens wurde 1847 mit der Eröffnung der Bahnstrecke von Wunstorf durch die Hannöversche Staatseisenbahn erbaut.

Er stand direkt westlich des heutigen Hauptbahnhofs.

Die Pläne stammten von Alexander Schröder.

Der Bau hatte einen klassizistischen Mittelteil und zwei Seitentürme.

Von diesem Bahnhof aus wurden in den folgenden Jahren weitere Strecken eröffnet.

Dazu gehörten die Bahnstrecke Bremen–Bremerhaven und die Bahnstrecke Oldenburg–Bremen.

Auch die Bremer Staatsbahn nach Uelzen, die spätere „Amerikalinie“, begann hier.

So sah es vorher aus: ein klassizistischer Bau mit zwei Türmen

Der Stahlstich zeigt das Empfangsgebäude mit dem Mittelteil und den beiden Seitentürmen.

Weitere Angaben zu Räumen, Bahnsteigen oder Gleisen des Bahnhofs sind nicht belegt.

Der Hamburger Bahnhof: der zweite Bahnhof am Bürgerpark

Im Mai 1873 erreichte die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft beim Bau der Hamburg-Venloer Bahn Bremen.

Der alte Staatsbahnhof war zu diesem Zeitpunkt bereits stark ausgelastet.

Er wurde von der Gesellschaft nur provisorisch mitbenutzt.

Am 16. August 1873 war die Strecke bis Bremen fertiggestellt.

Unmittelbar nördlich eröffnete die Gesellschaft ihren „Hamburger Bahnhof“.

Er wurde auch „Venloer Bahnhof“ oder „Parkbahnhof“ genannt, weil er direkt an den Bürgerpark grenzte.

Er stand an der Stelle der heutigen Stadthalle.

Die Gesellschaft errichtete dort zunächst einen Güterbahnhof, der provisorisch auch für den Personenverkehr genutzt wurde.

Stadtplan von Bremen aus dem Jahr 1884 mit dem Bürgerpark, dem Hamburger Bahnhof an der Hamburg-Venloer Bahn und dem Staatsbahnhof der früheren hannoverschen Staatsbahnen.
Stadtplan von Bremen aus dem Jahr 1884 mit dem Bürgerpark, dem Hamburger Bahnhof an der Hamburg-Venloer Bahn und dem Staatsbahnhof der früheren hannoverschen Staatsbahnen. Foto: Ulamm, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Warum die Strecke einen Bogen um den Bürgerpark schlug

Bremen war beim Bau der Hamburg-Venloer Bahn, ebenso wie Hamburg, noch nicht Mitglied im Deutschen Zollverein.

Es trat diesem erst 1888 bei.

Um Waren aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet ohne Verlassen des deutschen Zollgebietes bis nach Harburg zu befördern, wurde eine nur dem Güterverkehr dienende Strecke geradlinig östlich an Bremen vorbeigeführt.

Westlich des Hamburger Bahnhofs wurde die Strecke dagegen in einem Bogen von annähernd 180 Grad um den Bürgerpark herum weitergebaut.

Von dort führt sie noch heute geradewegs nach Ottersberg.

Der Weg zum Hauptbahnhof

In den 1870er Jahren war geplant, einen Hauptbahnhof als Keilbahnhof im Bereich der heutigen Straße Am Barkhof zu errichten.

Dort zweigte die Hamburg-Venloer Bahn von der Hannöverschen Staatseisenbahn ab.

Durch den Gründerkrach 1873 verzögerte sich die Umsetzung.

Nach 1880 entschied man sich, den gemeinsamen Hauptbahnhof gleich östlich des bisherigen Hannoverschen Bahnhofs zu errichten.

1885 wurde der Hannoversche Bahnhof abgerissen.

Während der Bauarbeiten von 1885 bis 1889 wurde der gesamte Bahnverkehr vom Hamburger Bahnhof abgewickelt.

Das Empfangsgebäude des Bremer Bahnhofs, erbaut 1886 bis 1889, auf einer Aufnahme von 1893.
Das Empfangsgebäude des Bremer Bahnhofs, erbaut 1886 bis 1889, auf einer Aufnahme von 1893. Foto: Georg Alpers junior, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Das Gebäude am Bremer Bahnhofsplatz entwarf der Architekt Hubert Stier im Stil der Neorenaissance.

Mit dem neuen Bahnhof wurde auch ein neuer Bogen zur Bahnstrecke nach Hamburg angelegt.

Der neue „Centralbahnhof“ wurde am 15. Oktober 1889 eröffnet.

Der Hamburger Bahnhof wurde danach abgebrochen.

So sieht es jetzt aus: Stadthalle und Grünzug

An der Stelle des Hamburger Bahnhofs steht heute die Stadthalle.

Die alte Trasse in Richtung Hamburg ist noch heute als Grünzug zwischen Fürther Straße und Innsbrucker Straße zu erkennen.

Sie wurde später von der Kleinbahn Bremen–Tarmstedt weiterverwendet.

Teile des Bahnhofsgeländes und die alte Trasse wurden von 1900 bis 1954 von dieser Kleinbahn benutzt.

Ihr Endbahnhof hieß ebenfalls Bremen Parkbahnhof und stand an der Stelle der heutigen Stadthalle.

Mehr dazu steht im Beitrag zur Kleinbahn „Jan Reiners“.

Vom Hannoverschen Bahnhof sind in den Quellen keine erhaltenen Reste genannt.

Vorher und nachher in Bremen

1847 stand westlich des heutigen Hauptbahnhofs der Hannoversche Bahnhof, Bremens erster Bahnhof.

1873 kam nördlich davon der Hamburger Bahnhof an der Hamburg-Venloer Bahn hinzu.

Seit 1889 bedient ein einziger Hauptbahnhof die Stadt, der östlich des alten Hannoverschen Bahnhofs liegt.

Der Hannoversche Bahnhof war da bereits seit 1885 abgerissen, der Hamburger Bahnhof folgte nach der Eröffnung.

Die Geschichte in Daten

1847: Der Hannoversche Bahnhof wird mit der Strecke von Wunstorf eröffnet.

1873: Die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft erreicht im Mai Bremen, am 16. August eröffnet sie den Hamburger Bahnhof.

1873: Der Gründerkrach verzögert die Pläne für einen gemeinsamen Hauptbahnhof.

1885: Der Hannoversche Bahnhof wird abgerissen, der Bau des Hauptbahnhofs beginnt.

1888: Bremen tritt dem Deutschen Zollverein bei.

1889: Der Centralbahnhof wird am 15. Oktober eröffnet, der Hamburger Bahnhof wird danach abgebrochen.

1900: Die Kleinbahn Bremen–Tarmstedt nutzt bis 1954 Teile des Geländes und die alte Trasse.

Häufige Fragen

Sind Hannoverscher Bahnhof und Staatsbahnhof zwei Bahnhöfe?
Nein, beide Namen bezeichnen den ersten Bremer Bahnhof von 1847. Er wurde 1885 abgerissen.
Sind Hamburger Bahnhof, Venloer Bahnhof und Parkbahnhof dasselbe?
Ja, es ist ein und derselbe Bahnhof der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft. Er stand direkt am Bürgerpark.
Wann wurde der Hamburger Bahnhof eröffnet?
Am 16. August 1873, als die Strecke der Gesellschaft Bremen erreichte.
Warum musste der Hamburger Bahnhof noch benutzt werden, als der Hauptbahnhof gebaut wurde?
Während der Bauarbeiten von 1885 bis 1889 wurde der gesamte Bahnverkehr über ihn abgewickelt.
Wo standen die beiden Bahnhöfe?
Der Hannoversche Bahnhof direkt westlich des heutigen Hauptbahnhofs, der Hamburger Bahnhof an der Stelle der heutigen Stadthalle.

Aus zwei Bahnhöfen wurde 1889 ein gemeinsamer Hauptbahnhof.

Die Namen der beiden Vorgänger lebten in Straßenzügen und Trassen weiter, nicht in Gebäuden.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bremen Hauptbahnhof · Wikipedia: Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg · Wikipedia: Kleinbahn Bremen–Tarmstedt · Wikipedia (englisch): Bremen Hauptbahnhof

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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