Treuchtlingen–Würzburg: die stillen Halte an einer lebendigen Hauptstrecke
Die Strecke ist zweigleisig, elektrifiziert und stark befahren. Trotzdem sind viele ihrer Halte seit 1978 ohne Züge, und der erste Würzburger Bahnhof ist ganz verschwunden.

Lage: Von Treuchtlingen über Gunzenhausen, Ansbach und Ochsenfurt nach Würzburg, Bayern. Status: Die Strecke ist eine zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn in Betrieb, aufgelassen sind einzelne Halte. Heute: Am Platz des Würzburger Ludwigsbahnhofs steht das Mainfranken Theater.
Die Strecke Treuchtlingen–Würzburg ist eine zweigleisige, elektrifizierte Hauptbahn, auf der bis heute viel Güterverkehr läuft.
Stillgelegt ist hier also nicht die Strecke, sondern vieles an ihrem Rand.
1978 wurde im Rahmen eines Pilotprojekts bei insgesamt 15 Halten der Personenverkehr eingestellt, und Busse übernahmen die Aufgabe.
Dieser Beitrag stellt mehrere dieser aufgelassenen Halte vor.
Dazu kommt der erste Bahnhof von Würzburg, der Ludwigsbahnhof, der seit 1864 stillgelegt ist und dessen Platz heute das Mainfranken Theater einnimmt.
Zu den kleinen Halten sind nur wenige gesicherte Angaben veröffentlicht, und freie Fotos aus ihrer Betriebszeit fehlen fast ganz.
Wie die Strecke entstand
Die Strecke bestand ursprünglich aus drei kürzeren Abschnitten.
Am 1. Juli 1859 wurde die Strecke von Ansbach nach Gunzenhausen eröffnet.
Am 1. Juli 1864 folgte die Strecke von Würzburg nach Ansbach.
Am 2. Oktober 1869 kam der Abschnitt von Gunzenhausen nach Treuchtlingen hinzu.
Ansbach hatte zunächst keinen Anschluss an die Ludwig-Süd-Nord-Bahn, und die Stadt ließ deshalb auf eigene Rechnung eine Verbindungsbahn nach Gunzenhausen bauen.
Den Betrieb dieser Pachtbahn führte die Königlich Bayerische Eisenbahn.
Die Strecke wurde durchgehend zweigleisig ausgebaut.
Das zweite Gleis war zwischen Ansbach und Steinach ab dem 1. Oktober 1894 in Betrieb, zwischen Steinach und Ochsenfurt ab dem 1. Mai 1895.
Seit dem 15. März 1965 ist die Strecke elektrifiziert.

So sah es vorher aus: eine Hauptbahn mit vielen Halten
Zwischen Treuchtlingen und Würzburg gab es einst 29 Unterwegsbahnhöfe und Haltepunkte.
Im Personenverkehr werden heute noch 15 davon bedient.
Die Strecke hatte früher eine große Bedeutung im deutschen Nord-Süd-Fernverkehr.
Der Umweg über Nürnberg ist 24 Kilometer länger, und er sollte oft vermieden werden.
Zwischen Würzburg und Treuchtlingen wurde deshalb eine Dampf- oder Diesellokomotive vor die ansonsten elektrisch gefahrenen Züge gespannt.
Auf der Strecke verkehrten auch Güterzüge mit Personenbeförderung.
Das Pilotprojekt von 1978
1978 wurde bei insgesamt 15 Halten die Bedienung im Personenverkehr eingestellt.
Busse übernahmen die Funktion der Züge.
1993 endete an vielen Bahnhöfen der Strecke zudem der Güterverkehr.
Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2010 wurde der Haltepunkt Burgbernheim-Wildbad reaktiviert.
Wettelsheim: der erste Halt hinter Treuchtlingen
Wettelsheim liegt rund vier Kilometer vom Bahnhof Treuchtlingen entfernt.
Der Ort hatte einen eigenen Bahnhof, der 1869 eröffnet wurde.
Er besaß zwei durchgehende Hauptgleise.
Heute ist der Bahnhof stillgelegt, und eine Buslinie führt nach Treuchtlingen.


Markt Berolzheim: Rückbau ab 1982
Markt Berolzheim lag an der am 2. Oktober 1869 eröffneten Strecke von Gunzenhausen nach Treuchtlingen.
Bis 1978 war der Ort eine Haltestation für Nahverkehrszüge.
Ab 1982 wurde der Bahnhof zurückgebaut und aufgelöst.
Seit der Einstellung des Bahnverkehrs verbindet die Buslinie Gunzenhausen–Treuchtlingen die Orte, heute als Linie des Verkehrsverbunds Großraum Nürnberg.
Ehlheim: ein Haltepunkt mit Kurbelstellwerk
Der Haltepunkt Ehlheim wurde 1869 mit zwei durchgehenden Hauptgleisen eröffnet.
Die Strecke verläuft unmittelbar nordöstlich des Dorfes.
Mit der Verlagerung des Nahverkehrs auf den Bus wurde der Haltepunkt 1978 aufgelassen und weitgehend rückgebaut.
In der Länderbahnzeit entstand ein kleines Bahnhofsgebäude, das aus Anbauten an ein bestehendes Bahnwärterhaus am Gleis Richtung Gunzenhausen hervorging.
Dazu gehörte ein offenes Kurbelstellwerk.


Winterschneidbach: Viehverladung bei Ansbach
Als 1859 die Bahnstrecke von Ansbach nach Gunzenhausen gebaut wurde, erhielt Winterschneidbach einen eigenen Bahnhof.
Er entwickelte sich zur wichtigsten Viehverladestation im Bereich Ansbach.
Der Ort bekam auch eine eigene Poststelle.
Inzwischen wurden Bahnhof und Poststelle aufgelöst.
Ab Winterschneidbach senkt sich die Strecke am Büchenbachgraben zur Südflanke des Rezattals.
Rosenbach: die Siedlung am Bahnhof
Rosenbach ist ein Gemeindeteil des Marktes Flachslanden im Landkreis Ansbach.
Die Bahnstrecke verläuft parallel zu einer Gemeindeverbindungsstraße am Ort entlang.
Die Mundart kennt einen eigenen Namen für die Siedlung am Bahnhof.
Der Bahnhof Rosenbach an der Strecke ist aufgegeben, weitere Angaben dazu sind nicht belegt.
Ermetzhofen: Halt und Güterverladung
Der Bahnhof Ermetzhofen liegt bei Kilometer 90,1 der Strecke und ist aufgegeben.
Rund 300 Meter weiter, bei Kilometer 90,4, besteht eine Ausweichanschlussstelle.
Dort zweigt ein Anschluss für die Güterverladung der Knauf Gruppe ab.
Zur Geschichte des Personenhalts sind keine Angaben belegt.
Gnötzheim: ein Halt im Tal des Ickbachs
Gnötzheim ist ein Pfarrdorf am Ickbach, einem linken Zufluss des Breitbachs.
Die Bahnstrecke verläuft in Nord-Süd-Richtung durch den Ort.
Hinter Herrnberchtheim nutzt sie das Tal des Ickbachs, um an Gnötzheim vorbei zum Breitbachtal zu gelangen.
Der Bahnhof Gnötzheim bei Kilometer 106,3 ist aufgegeben, weitere Angaben dazu sind nicht belegt.
Obernbreit: Haltepunkt vor Marktbreit
Die Strecke folgt hinter Gnötzheim der Südflanke des Breitbachtals über Obernbreit bis nach Marktbreit.
Der Haltepunkt Obernbreit bei Kilometer 112,0 ist aufgegeben.
Weitere Angaben zu diesem Halt sind nicht belegt.
Rottenbauer: Haltepunkt von 1903 bis 1966
Rottenbauer erhielt an der 1864 eingeweihten Bahnstrecke zwischen Würzburg und Ansbach 1903 einen Haltepunkt.
Er bestand bis 1966.
Der Haltepunkt lag rund 1,5 Kilometer vom Ort entfernt im Maintal.
Am 1. Januar 1974 wurde Rottenbauer nach Würzburg eingemeindet.
Heute fährt die Straßenbahnlinie 5 in den Ort.
Randersacker: Haltepunkt am Main
Der Haltepunkt Randersacker lag bei Kilometer 132,5 der Strecke und ist aufgegeben.
Randersacker liegt am Main-Radweg, der über den Gaubahnweg an das tauberfränkische Wegenetz angebunden ist.
Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.
Würzburg-Heidingsfeld Ost: wieder im Fahrplan
Der Ostbahnhof des früher selbstständigen Heidingsfeld wurde 1864 erbaut und liegt bei Kilometer 133,9.
Er verfügte neben dem Personenverkehr über eine Güterhalle mit Verladestation.
Der Personenverkehr endete Ende der 1980er Jahre für mehrere Jahrzehnte.
Das stattliche Empfangsgebäude ist saniert und wird privat bewohnt und gewerblich genutzt.
Seit dem 11. Dezember 2022 halten am Bahnhof wieder Regionalzüge.
Der Westbahnhof von Heidingsfeld wurde 1866 erbaut und liegt nahe der Zusammenführung der Strecken aus Treuchtlingen und Stuttgart.
Sein Empfangsgebäude steht in Privatnutzung.
Würzburg Ludwigsbahnhof: der erste Bahnhof der Stadt
Der erste Würzburger Bahnhof war der nach König Ludwig I. benannte Ludwigsbahnhof.
Würzburg wurde über die Ludwigs-West-Bahn an das Eisenbahnnetz angeschlossen.
Die Bauarbeiten begannen 1852, und am 1. Juli 1854 wurde der Abschnitt von Schweinfurt nach Würzburg eröffnet.
Der Bahnhof war 1856 fertiggestellt.
Auf Wunsch des Kriegsministeriums entstand er innerhalb der Stadtbefestigung, obwohl der Grunderwerb dort teurer war.
Wegen der dichten Bebauung war nur ein Kopfbahnhof möglich.
Das Areal war etwa 400 Meter lang und zwischen 50 und 100 Meter breit.
Es musste neben dem Empfangsgebäude und der Bahnsteighalle auch einen Lokschuppen, eine Remise, eine Werkstatt und eine Lagerhalle aufnehmen.
Wegen des unebenen Geländes lagen die Gleise auf bis zu fünf Meter hohen Dämmen über dem Niveau der umliegenden Straßen.

Architekt war der Königliche Baurat Gottfried von Neureuther.
Er bezeichnete den Würzburger Bahnhof als eines der schwierigsten Bauwerke der Ludwigs-West-Bahn.
Das Empfangsgebäude war zweigeschossig, mit Muschelkalk und Sandstein verkleidet, und seine Vorderfront zeigte nach Westen zur Theaterstraße.
Im Erdgeschoss lagen unter anderem die Wartesäle und ein Restaurant.
Östlich schloss sich eine 100 Meter lange und 24 Meter breite Bahnsteighalle an.
Unter ihrem 13 Meter hohen freihängenden Dach lagen je ein Gleis für Personen- und Güterzüge und zwei Umfahrungsgleise.
Nur zwei Gleise führten durch den Festungswall, und auf der Brücke über den Wallgraben mussten Kreuzungsweichen eingebaut werden.
Das schränkte die Kapazität nach der Zunahme des Güterverkehrs deutlich ein.

Das Ende des Ludwigsbahnhofs
Ab 1861 wurde eine knapp 90 Kilometer lange Verbindung von Würzburg nach Ansbach gebaut.
Ein Jahr nach ihrer Eröffnung 1864 ging eine direkte Strecke von Rottendorf nach Fürth in Betrieb.
1866 folgte die Badische Odenwaldbahn nach Heidelberg.
Den Verkehr der zusätzlichen Strecken konnte der Kopfbahnhof nicht mehr aufnehmen.
Eine Erweiterung ließ die dichte Bebauung der Innenstadt nicht zu.
1862 fiel die Entscheidung für einen Neubau im Norden der Stadt unterhalb des Schalksbergs.
Der Bau begann 1863, und im Juni 1864 nahm der neue Bahnhof seinen Betrieb auf.
Der alte Bahnhof wurde 1864 stillgelegt und im August 1868 von der staatlichen Eisenbahnverwaltung an die Stadt Würzburg verkauft.
Die Ludwigshalle wurde noch bis 1945 als Museum und als Behelfsschule genutzt.
Bei dem Bombenangriff vom 16. März 1945 wurde das Empfangsgebäude zerstört.
Die Ruine wurde bis Mitte der 1960er Jahre abgetragen und machte Platz für das heutige Mainfranken Theater.

Die Mainländebahn Ochsenfurt
Von der Strecke zweigte bei Ochsenfurt eine Hafenbahn zum Main ab, die Mainländebahn.
Im März 1891 fuhren die ersten Lokomotiven darauf.
Ein Jahr später erreichte sie mit 2.900 Metern Länge ihre größte Ausdehnung.
1929 kamen bis zu 130 Wagenladungen Holz täglich aus dem Frankenwald am Hafen an.
Die US-Army beförderte von 1951 bis 1954 im Besatzungsverkehr 10.397 Wagen mit 110.000 Tonnen Kriegsmaterial.
1975 beschloss der Stadtrat mangels Auslastung einen ersten Rückbau.
Am 15. Dezember 2002 stellte die Deutsche Bahn den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen endgültig ein.
Von Herbst 2004 bis Sommer 2008 fuhren noch Kesselwagenzüge mit Rapsöl ins Hafengelände.
2025 wurde ein Teil der Strecke zu einem Radweg umgebaut.
So sieht es jetzt aus
Auf der Strecke fahren heute Regionalzüge der Linie RE80, die an allen Bahnhöfen mit Personenverkehr halten.
Den Nahverkehr betreibt seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 Arverio Bayern, zuvor Go-Ahead Bayern.
Planmäßig gibt es nur einzelne Fernverkehrsverbindungen über die Strecke.
Bei Sperrungen auf der Strecke Fürth–Würzburg dient sie als Umfahrung für den Fernverkehr zwischen Nürnberg und Würzburg.
Die Halte Wettelsheim, Markt Berolzheim, Ehlheim, Winterschneidbach, Rosenbach, Ermetzhofen, Gnötzheim, Obernbreit, Rottenbauer und Randersacker sind aufgegeben.
Vorher und nachher: der Platz am Theater
Auf dem Gelände zwischen Theaterstraße und Stadtbefestigung stand 1854 ein Kopfbahnhof mit einer 100 Meter langen Bahnsteighalle.
Heute steht an dieser Stelle das Mainfranken Theater Würzburg.
Der Hauptbahnhof liegt seit 1864 im Norden der Stadt.
Die Geschichte in Daten
1. Juli 1854: Der Abschnitt Schweinfurt–Würzburg der Ludwigs-West-Bahn wird eröffnet.
1856: Der Ludwigsbahnhof in Würzburg ist fertiggestellt.
1. Juli 1859: Die Strecke Ansbach–Gunzenhausen wird eröffnet.
Juni 1864: Der neue Würzburger Hauptbahnhof nimmt den Betrieb auf.
1864: Die Strecke Würzburg–Ansbach wird eröffnet, der Ludwigsbahnhof wird stillgelegt.
August 1868: Der alte Bahnhof wird an die Stadt Würzburg verkauft.
2. Oktober 1869: Die Strecke Gunzenhausen–Treuchtlingen wird eröffnet.
1. Oktober 1894: Das zweite Gleis zwischen Ansbach und Steinach geht in Betrieb.
1. Mai 1895: Das zweite Gleis zwischen Steinach und Ochsenfurt geht in Betrieb.
1903: Rottenbauer erhält einen Haltepunkt.
16. März 1945: Das Empfangsgebäude des Ludwigsbahnhofs wird bei einem Bombenangriff zerstört.
15. März 1965: Die Strecke ist elektrifiziert.
1966: Der Haltepunkt Rottenbauer besteht nicht mehr.
1978: Im Pilotprojekt wird der Personenverkehr an 15 Halten eingestellt.
1982: Der Bahnhof Markt Berolzheim wird zurückgebaut.
1993: An vielen Bahnhöfen endet der Güterverkehr.
15. Dezember 2002: Die Deutsche Bahn stellt den Betrieb der Mainländebahn Ochsenfurt ein.
Dezember 2010: Der Haltepunkt Burgbernheim-Wildbad wird reaktiviert.
11. Dezember 2022: In Würzburg-Heidingsfeld Ost halten wieder Regionalzüge.
Häufige Fragen
Ist die Strecke Treuchtlingen–Würzburg stillgelegt?
Was geschah 1978 auf der Strecke?
Wie viele Halte gab es einst?
Wo stand der Ludwigsbahnhof?
Warum wurde der Ludwigsbahnhof aufgegeben?
Halten in Würzburg-Heidingsfeld Ost wieder Züge?
Die Strecke zwischen Treuchtlingen und Würzburg zeigt, dass eine Bahn lebendig bleiben kann, während an ihrem Rand ganze Halte verschwinden.
Der Ludwigsbahnhof zeigt das Gegenstück: Er verschwand, weil die Bahn wuchs.
Bahnstrecke Treuchtlingen–Würzburg (Wikipedia) · Würzburg Hauptbahnhof (Wikipedia) · Bahnhöfe in Würzburg (Wikipedia) · Wettelsheim (Wikipedia) · Markt Berolzheim (Wikipedia) · Ehlheim (Wikipedia) · Winterschneidbach (Wikipedia) · Rosenbach (Flachslanden) (Wikipedia) · Gnötzheim (Wikipedia) · Rottenbauer (Wikipedia) · Randersacker (Wikipedia)
Alle Fotos stammen von Wikimedia Commons und sind gemeinfrei oder stehen unter einer freien Creative-Commons-Lizenz. Urheber, Lizenz und Quelle stehen direkt am Bild.
