Die Sinntalbahn: Stille Halte zwischen Zeitlofs und Wildflecken
Die Nebenbahn durchs Sinntal brachte Reisende, Holz und Militärzüge in die Rhön. 1988 endete der Personenverkehr, 2002 der Güterverkehr, heute liegt auf Teilen der Trasse ein Radweg.

Strecke: Jossa–Wildflecken, 30,72 Kilometer. Status: stillgelegt, Gleisabbau im Oktober 2016. Heute: Teile der Trasse nutzt der Rhönexpress-Bahnradweg, eröffnet am 28. Juni 2019.
Die Sinntalbahn von Jossa nach Wildflecken ist stillgelegt.
Der Personenverkehr endete 1988, der Güterverkehr 2002, die Gleise wurden 2016 abgebaut.
Dieser Beitrag geht die bayerischen Halte der Strecke der Reihe nach durch.
Freie historische Fotos der einzelnen Halte liegen nicht vor, deshalb zeigen die Bilder den Zustand der letzten Jahre.
Entstehung: Von der Petition bis Wildflecken
Am 1. August 1864 reichte die Stadtverwaltung von Brückenau eine Petition für eine Bahnverbindung nach Jossa in Hessen ein.
Erst am 18. November 1884 erhielten die Pläne mit einem Eisenbahn-Komitee in Brückenau neuen Auftrieb.
Die Baugenehmigung wurde am 8. März 1888 erteilt.
Die Bauarbeiten begannen am 1. Juli 1890.
Eröffnet wurde die Strecke am 9. Oktober 1891.
Die Unterwegshalte wurden ab 15. Oktober 1891 bedient.
Über eine Verlängerung nach Wildflecken dachte man ab 1902 nach.
Der bayerische Landtag genehmigte sie am 17. Juni 1904.
Die Bauarbeiten dafür begannen am 1. Oktober 1907.
Am 17. Dezember 1908 wurde die Verlängerung eröffnet.
Der fahrplanmäßige Verkehr begann zwei Tage später am 19. Dezember 1908.
Eine Weiterführung nach Bischofsheim an der Rhön, wo die Strecke Bad Neustadt–Bischofsheim endete, verhinderte der Erste Weltkrieg.
Später wurde sie nicht mehr verfolgt.
So sah es vorher aus: Die Strecke im Sinntal
Die Sinntalbahn zweigte in Jossa von der Bahnstrecke Flieden–Gemünden ab.
Sie führte über Altengronau und Bad Brückenau nach Wildflecken.
Hinter der Landesgrenze zwischen Hessen und Bayern folgte bei Zeitlofs die Sinntalbrücke der Schnellfahrstrecke Würzburg–Hannover.
Von Jossa bis Wildflecken sind es 30,72 Kilometer.
Der Personenverkehr war immer untergeordnet.
Der Güterverkehr war viel bedeutender.
Neben der Holzverladung gehörten die Bundeswehr mit der Bekleidungskammer Süd und der Hülsenhersteller Paul & Co. in Oberwildflecken zu den Hauptkunden.
Dazu kamen regelmäßig Militärzüge.
Zeitlofs: Der erste bayerische Halt
Zeitlofs lag bei Kilometer 6,70, kurz hinter der Landesgrenze.
Die Strecke kreuzte hier die Sinntalbrücke der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg.
Im Gemeindegebiet bedienten bis zur Stilllegung die Halte Zeitlofs, Rupboden und Eckarts die Strecke.
Im Ort überspannt noch eine Brücke einer stillgelegten Bahnlinie einen Bach.


Rupboden: Halt vor dem Autobahnbau
Rupboden lag bei Kilometer 9,86.
Das Dorf liegt am linken Ufer der Sinn.
Am Ortsrand verlief bis 2016 die Trasse der Bahnstrecke.
1937 begann der Bau der Reichsautobahn Fulda–Würzburg, die über Rupboden führen sollte.
Das Baumaterial dafür und für den Truppenübungsplatz Wildflecken wurde ab 1937 größtenteils über die Sinntalbahn angeliefert.
Wegen des Zweiten Weltkriegs blieb die Autobahn unvollendet.

Trübenbrunn, Eckarts, Wernarz und Sinnthalhof: Die kleinen Haltepunkte
Zwischen den Bahnhöfen lagen mehrere kleine Haltepunkte.
Am 8. Oktober 1922 wurden Trübenbrunn, Eckarts, Wernarz, Sinnthalhof und Brückenau Ost aufgelöst.
Eckarts wurde am 27. Februar 1927 wieder in Betrieb genommen.
Eckarts lag bei Kilometer 12,35, Wernarz bei Kilometer 13,30, Trübenbrunn bei Kilometer 9,2 und Sinnthalhof bei Kilometer 15,4.
Wernarz am linken Ufer der Sinn liegt mit Bad Brückenau baulich zusammen.
Am Ortsrand von Wernarz verlief bis 2016 die Trasse.
Bad Brückenau Staatsbad: Der Bahnhof am Kurort
Der Bahnhof lag bei Kilometer 14,40.
Er hieß früher Brückenau Bad.
Nachdem die Stadt Brückenau 1970 in Bad Brückenau umbenannt worden war, bekam er zwischen 1976 und 1981 den Namen Bad Brückenau Staatsbad.
Der Bahnhof Staatsbad ist ein ehemaliger Bahnhof.
Die Trasse bei Bad Brückenau Staatsbad nutzt heute der Rhönexpress-Bahnradweg.


Bad Brückenau und Brückenau Ost: Die Stadtbahnhöfe
Der Stadtbahnhof lag bei Kilometer 17,06 und hieß früher Brückenau Stadt.
Zwischen 1976 und 1981 wurde er in Bad Brückenau umbenannt.
Brückenau Ost war ein Haltepunkt bei Kilometer 18,00.
Er wurde 1922 aufgelöst, am 1. Januar 1925 wieder in Betrieb genommen und später erneut geschlossen.
Der nächste Bahnanschluss der Stadt liegt heute in Jossa an der Strecke Flieden–Gemünden.


Römershag: Der Dammrutsch von 2002
Römershag lag bei Kilometer 20,23.
Das Kirchdorf liegt östlich von Bad Brückenau rechts der Sinn.
Auf der anderen Flussseite verlief bis 2016 die Trasse der Strecke.
Am 26. Juni 2002 musste der Abschnitt Bad Brückenau–Wildflecken wegen eines Dammrutsches in Höhe des Haltepunktes Römershag gesperrt werden.
Die Sperrung der gesamten Strecke folgte am 17. Oktober 2002.
Der erste freigegebene Teil des Radwegs reichte ab dem 1. Dezember 2018 von Zeitlofs bis Bad Brückenau-Römershag.
Oberriedenberg
Oberriedenberg lag bei Kilometer 23,59.
Zwischen Römershag und Oberriedenberg unterquerte die Strecke die Sinntalbrücke der Autobahn A 7.
Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.
Oberbach und Wildflecken: Der Endbahnhof
Oberbach lag bei Kilometer 26,76.
Wildflecken erhielt 1908 einen Bahnhof an der Sinntalbahn.
Er lag am Ende der Strecke bei Kilometer 30,72.
Für den Truppenübungsplatz entstand ab 1937 eine gepflasterte Straße vom Bahnhof Wildflecken zum Truppenlager.
Hinter dem Bahnhof zweigte ein Anschluss zur Panzerverladung des Übungsplatzes ab.
Mit dem Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Wildflecken im Jahr 1994 ging der Güterverkehr spürbar zurück.
Dennoch wurde der Gleisanschluss zur Bundeswehr 1998 noch grundhaft erneuert.
Kreuzberg und Oberwildflecken: Die Stichstrecke der Militäranlagen
Hinter Wildflecken zweigte eine Stichstrecke nach Oberwildflecken ab.
Der Übergabebahnhof Oberwildflecken lag 2,2 Kilometer hinter Wildflecken.
Die Siedlung Oberwildflecken entstand 1940 als Munitionsanstalt mit Anschluss an die Bahnstrecke.
Der Halt Kreuzberg folgte bei 2,9 Kilometern.
Die Stichstrecke endete nach 5,4 Kilometern am Arnsberg.
Nördlich des Arnsbergs lag das Heeresverpflegungsdepot, das ebenfalls einen Gleisanschluss besaß.
Der Güterbahnhof Arnsberg gehörte zur Strecke.


Niedergang: Vom Zugpaar zur Sperrung
Der Personenverkehr ging wegen der Konkurrenz durch das Auto stark zurück.
Mit dem Sommerfahrplan 1982 stellte die Deutsche Bundesbahn den Wochenendverkehr ein.
Zwischen Bad Brückenau und Wildflecken fuhr nur noch ein einziges Zugpaar.
Zum 27. Mai 1988 wurde der Personenverkehr ganz eingestellt.
1996 stellte man die Strecke auf vereinfachten Zugleitbetrieb um.
Die Entscheidung zur Einstellung fiel im Rahmen des Programms MORA C der Deutschen Bahn.
Am 4. Februar 2002 befuhr der letzte Güterzug die Strecke.
Bis zur Stilllegung der Gesamtstrecke durch das Eisenbahn-Bundesamt am 31. März 2005 fanden immer wieder Sonderfahrten von Eisenbahnvereinen statt.
Vom Gleis zum Radweg
Die DB Netz schrieb die Strecke 2001 zur Übernahme durch andere Eisenbahnunternehmen aus.
Nur die Deutsche Regionaleisenbahn zeigte Interesse.
Nach jahrelangen Verhandlungen sprachen sich die meisten Kommunen entlang der Strecke für einen Radweg aus.
Die Regionaleisenbahn zog sich daraufhin zurück.
Am 16. März 2012 gründete sich die Interessengemeinschaft Sinntalbahn-Kreuzbergbahn mit dem Ziel, die Strecke zu reaktivieren.
Ende April 2014 unterschrieben der Förderverein Sinntal-Kreuzbergbahn und die DB Netz einen Pachtvertrag.
Für die Sanierung rechnete der Verein mit etwa 500.000 Euro.
Am 11. August 2015 machte das Eisenbahn-Bundesamt Anträge auf Freistellung nahezu der gesamten Strecke bekannt.
Die Anträge stellten Zeitlofs, Bad Brückenau, die Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau und Wildflecken.
Der Gleisabbau erfolgte im Oktober 2016.
Danach löste sich der Verein Hessisch-Bayerische Sinntal-Kreuzbergbahn auf.
Der Rhönexpress-Bahnradweg wurde am 28. Juni 2019 eröffnet.
Die Geschichte in Daten
1. August 1864: Petition der Stadt Brückenau für eine Bahn nach Jossa.
18. November 1884: Gründung eines Eisenbahn-Komitees in Brückenau.
8. März 1888: Baugenehmigung für die Strecke.
1. Juli 1890: Baubeginn.
9. Oktober 1891: Eröffnung bis Brückenau.
15. Oktober 1891: Die Unterwegshalte werden bedient.
17. Juni 1904: Der bayerische Landtag genehmigt die Verlängerung nach Wildflecken.
1. Oktober 1907: Baubeginn der Verlängerung.
17. Dezember 1908: Eröffnung bis Wildflecken.
19. Dezember 1908: Beginn des fahrplanmäßigen Verkehrs bis Wildflecken.
8. Oktober 1922: Fünf Haltepunkte werden aufgelöst.
3. April 1945: Sprengung der Jossaer Eisenbahnbrücke.
27. Oktober 1951: Die neue Jossa-Brücke ersetzt den Inselverkehr.
1976 bis 1981: Umbenennung der Bahnhöfe in Bad Brückenau Staatsbad und Bad Brückenau.
27. Mai 1988: Ende des Personenverkehrs.
1994: Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus Wildflecken.
4. Februar 2002: Der letzte Güterzug.
26. Juni 2002: Sperrung Bad Brückenau–Wildflecken wegen Dammrutsch.
17. Oktober 2002: Sperrung der Gesamtstrecke.
31. März 2005: Stilllegung durch das Eisenbahn-Bundesamt.
Oktober 2016: Abbau der Gleise.
1. Dezember 2018: Freigabe des ersten Radwegabschnitts.
28. Juni 2019: Eröffnung des Rhönexpress-Bahnradwegs.
Häufige Fragen
Ist die Sinntalbahn stillgelegt?
Wo kann man die Trasse heute erleben?
Wann wurde die Strecke eröffnet?
Warum wurden die Gleise abgebaut?
Welche Bedeutung hatte der Güterverkehr?
Die Sinntalbahn war eine Nebenbahn mit starkem militärischem Verkehr.
Mit dem Abzug der Streitkräfte und dem Ende der Züge verlor sie ihre wichtigsten Aufgaben.
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