Die Halte der Ilztalbahn: seit 1982 ohne Regelverkehr

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Halte der Ilztalbahn: seit 1982 ohne Regelverkehr

Die Ilztalbahn verlor 1982 ihren regulären Personenverkehr und fährt seit 2011 als Ausflugsbahn. Ein Blick auf die Halte Passau-Auerbach, Tiefenbach, Kalteneck, Fürsteneck, Röhrnbach, Karlsbach und Grillaberg.

VORHER · 2007

Der ehemalige Bahnhof Kalteneck im September 2007.

Der ehemalige Bahnhof Kalteneck im September 2007. Foto: Aconcagua, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2020

Der Bahnhof Kalteneck im Oktober 2020.

Der Bahnhof Kalteneck im Oktober 2020. Foto: GerritR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1890
Passau–Röhrnbach eröffnet
1892
Freyung erreicht
1982
Regulärer Personenverkehr eingestellt
2011
Ausflugsverkehr beginnt

Lage: Landkreise Passau und Freyung-Grafenau, Niederbayern. Status: Ausflugsbahn mit Saisonverkehr, regulärer Personenverkehr seit 1982 eingestellt. Heute: Betrieb durch die Ilztalbahn GmbH.

Die Ilztalbahn führt von Passau durch das Ilztal und den Unteren Bayerischen Wald nach Freyung.

Ihren regulären Personenverkehr verlor sie am 30. April 1982.

Seit dem 16. Juli 2011 fährt sie wieder, als Freizeitbahn im Ausflugsverkehr.

Dieser Beitrag beschreibt deshalb keine tote Strecke, sondern die Halte einer Ausflugsbahn, die ihren Regelverkehr eingebüßt haben.

Zu sieben Halten ist Belegtes überliefert: Passau-Auerbach, Tiefenbach, Kalteneck, Fürsteneck, Röhrnbach, Karlsbach und Grillaberg.

Alte freie Fotos aus der Zeit des Regelverkehrs fehlen, die Bilder stammen aus den Jahren seit 2007.

Die große Streckengeschichte erzählt der Beitrag Die Ilztalbahn, eine Waldbahn, die zurückgekehrt ist.

Wie die Bahn ins Ilztal kam

In den 1880er-Jahren wurde der Ruf nach einer Bahn in den südlichen Bayerischen Wald lauter.

Eine erste Versammlung forderte am 26. Oktober 1881 in einer Resolution den Bau einer Bahn von Zwiesel über Freyung nach Passau.

Die Staatsforstverwaltung wollte unbedingt Fürsteneck anbinden, um dort einen großen Holzlagerplatz anzulegen.

Der Ingenieur Slesinger untersuchte unter anderem eine Variante, die westlich bei Auerbach von der Hauptstrecke abzweigen sollte.

Eine zweite Variante hätte der Ilz bis Fischhaus folgen und dann über Hutthurm und Büchlberg führen sollen.

Bautechnische und finanzielle Schwierigkeiten gaben den Ausschlag für die Trasse über Fürsteneck.

Die Konzession wurde am 13. Januar 1886 erteilt, Mitte 1887 begann der Bau.

Das erste Teilstück von Passau über Kalteneck nach Röhrnbach wurde am 6. Dezember 1890 feierlich in Betrieb genommen.

Der erste Zug erreichte Freyung am 15. Oktober 1892.

Insgesamt wurden 5,94 Millionen Mark verbaut.

Die Bahn diente neben dem Personenverkehr vor allem dem Granit- und Holztransport.

Bis 1906 fuhren die Personenzüge oft als Güterzüge mit Personenbeförderung, und das Rangieren auf den Unterwegsstationen verlängerte die Fahrzeit auf bis zu drei Stunden.

Passau-Auerbach: der erste Halt hinter dem Hauptbahnhof

Der Haltepunkt Passau-Auerbach liegt bei Streckenkilometer 2,2.

Die Ilztalbahn beginnt am Passauer Hauptbahnhof und läuft zunächst auf der Hauptstrecke Passau–Obertraubling.

Nach etwa zwei Kilometern zweigt sie nach Norden ab.

Bei Kilometer 3,074 verläuft die Grenze zwischen dem Netz der DB InfraGO und der Infrastruktur der Ilztalbahn.

Danach überquert die Strecke die Donau auf der Kachletbrücke.

Zu Passau-Auerbach selbst ist darüber hinaus nichts weiter belegt.

Tiefenbach: der Halt in Unterjacking

Von 1890 bis 1982 gab es für den Ortsteil Unterjacking der Gemeinde Tiefenbach einen Haltepunkt.

Er lag bei Streckenkilometer 9,27 auf 394 Metern Höhe und war früher ein Bahnhof.

Nach 1982 wurde er nur noch von Sonderfahrten bedient, bis die Strecke 2002 unpassierbar wurde.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs stürzte der 46 Meter lange Tunnel bei Tiefenbach ein.

Er war erst am 3. Februar 1947 wieder nutzbar.

Wegen Anwohnerbeschwerden sollte der Halt später etwa 200 Meter nach Süden direkt an den dortigen Bahnübergang verlegt werden.

Die Maßnahme sollte 20.000 Euro kosten, der Gemeinderat lehnte eine Beteiligung von 6.000 Euro ab.

In der Saison 2011 nutzten 800 Fahrgäste die Haltestelle, sie war damit die am schwächsten genutzte der Strecke.

Das 2012 eingeleitete Planfeststellungsverfahren wurde zurückgezogen, weil mit den Anwohnern kein Einvernehmen zu erzielen war.

Anfang Februar 2013 forderte der Gemeinderat, die Haltestelle bis zum Bau eines neuen Bahnsteigs nicht mehr anzufahren.

Die Ilztalbahn GmbH lehnte das ab.

Kalteneck: Kreuzungsbahnhof und Abzweig nach Deggendorf

Kalteneck liegt bei Streckenkilometer 20,34 auf 334 Metern Höhe und gehört zur Gemeinde Hutthurm.

Der Ort war seit 1890 Bahnhof und Endpunkt der Bahnstrecke Deggendorf–Kalteneck, die in zwei Etappen am 26. November 1913 und am 1. August 1914 eröffnet wurde.

Diese Strecke wurde größtenteils demontiert und zu einem Radweg umgebaut.

Als 1982 der Verkehr zurückgefahren wurde, leitete man den verbliebenen Güterverkehr über diese Strecke um.

Seit 2014 ist Kalteneck neben Waldkirchen ein Kreuzungspunkt, an dem sich zwei Züge begegnen können.

Weiche südlich des Bahnhofs Kalteneck, 2020.
Weiche südlich des Bahnhofs Kalteneck, 2020. Foto: GerritR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Eisenbahnbrücke über die Ilz zwischen Fischhaus und Kalteneck, 2020.
Die Eisenbahnbrücke über die Ilz zwischen Fischhaus und Kalteneck, 2020. Foto: GerritR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Fürsteneck: ein Halt wegen des Holzes

Fürsteneck war der Grund für die gewählte Trasse, denn die Staatsforstverwaltung wollte hier einen Holzlagerplatz.

Kurz davor verlässt die Bahn das Ilztal und durchfährt zwei kleine Tunnel mit 130 und 94 Metern Länge.

Das Bahnhofsgebäude steht im Ort Voglöd der Nachbargemeinde Hutthurm.

Der Bahnhof liegt bei Kilometer 24,53 auf 356 Metern Höhe.

Seit 1890 hat Fürsteneck eine Haltestelle an der Strecke, regelmäßig angefahren wurde sie seit 1982 nicht mehr.

Der provisorische Bahnsteig wurde 2014 zu einem dauerhaften Bahnsteig ausgebaut.

Fürsteneck im September 2007.
Fürsteneck im September 2007. Foto: Aconcagua, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das Bahnhofsgebäude von Fürsteneck, das in der Nachbargemeinde Hutthurm liegt, 2022.
Das Bahnhofsgebäude von Fürsteneck, das in der Nachbargemeinde Hutthurm liegt, 2022. Foto: Renardo la vulpo, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Ein Desiro am sanierten Haltepunkt Fürsteneck, 2014.
Ein Desiro am sanierten Haltepunkt Fürsteneck, 2014. Foto: Friedrich Papke, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Röhrnbach: Endpunkt des ersten Bauabschnitts

Seit 1890 gab es in Röhrnbach einen Bahnhof an der Ilztalbahn.

Er lag bei Streckenkilometer 30,56 auf 398 Metern Höhe.

Röhrnbach war das Ende des ersten Teilstücks, das am 6. Dezember 1890 in Betrieb ging.

1982 wurde der reguläre Personenverkehr eingestellt.

Bis August 2002 fuhren noch Güterzüge und Sonderzüge.

Für die Wiederbelebung machte der Landkreis Freyung-Grafenau den Bahnübergang an der Bahnhofsstraße wieder für Schienenfahrzeuge befahrbar.

Am 13. Juni 2015 feierte der Förderverein in Röhrnbach ein Fest zur Eröffnung des Abschnitts Passau–Röhrnbach vor 125 Jahren.

Schienenbusse der Passauer Eisenbahnfreunde im Bahnhof Röhrnbach, 2015.
Schienenbusse der Passauer Eisenbahnfreunde im Bahnhof Röhrnbach, 2015. Foto: Feuermond16, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Karlsbach: ein Halt, der erst wieder entstehen soll

Karlsbach liegt bei Streckenkilometer 44,0 auf 551 Metern Höhe.

Ein neuer Bedarfshaltepunkt in Karlsbach soll errichtet werden.

Zum Waldkirchner Volksfest 2025 und 2026 wurden Bedarfshalte mit Ein- und Ausstiegen über eine mobile Treppe am Bahnübergang der Kreisstraße FRG 1 angeboten.

Mehr ist zu diesem Halt nicht belegt.

Grillaberg: ein Haltepunkt in Eigeninitiative

Grillaberg erhielt 1947 einen Haltepunkt.

Die Einwohner des Ortes errichteten ihn in Eigeninitiative.

Er liegt bei Streckenkilometer 47,0, zweieinhalb Kilometer vor dem Endbahnhof Freyung.

Freyung erreicht die Strecke nach einer Kurve von 180 Grad bei Kilometer 49,533 auf 636 Metern Höhe.

Vom Regelverkehr zur Stilllegung

Ab 1980 fuhr die Bundesbahn den Verkehr Stück für Stück zurück.

Zuerst entfiel der Sonntagsverkehr, dann blieben werktags vier Zugpaare.

Am 30. April 1982 wurde der Personenverkehr eingestellt, der marode Zustand der Kachletbrücke erlaubte ab dem 1. Mai keine Züge mehr.

Bahnbusse übernahmen den Nahverkehr.

Die Brücke wurde für 3,6 Millionen DM saniert, dabei dienten Brückenteile aus der Strategischen Stahlreserve der Bundeswehr.

Im November 1982 war die Gesamtstrecke wieder offen, vor allem für den Güterverkehr zur Zahnradfabrik in Patriching, zur Bundeswehr in Freyung und zum Wohnwagenhersteller Knaus in Jandelsbrunn.

Am 1. Oktober 1994 endete der öffentliche Wagenladungsverkehr nördlich der Zahnradfabrik, am 1. Oktober 1995 wurde die Anschlussbahn nach Jandelsbrunn stillgelegt.

Im April 2001 gab die Bundeswehr ihren Güterverkehr auf.

Die letzte Sonderfahrt der Passauer Eisenbahnfreunde fand am 5. August 2001 statt.

Das Augusthochwasser 2002 zerstörte an mehreren Stellen den Bahndamm.

Die DB Netz AG hielt die Wiederherstellung für unwirtschaftlich und beantragte am 11. März 2005 die Stilllegung, die zum 1. April 2005 genehmigt wurde.

Die Rückkehr als Ausflugsbahn

Nach der Stilllegung wollten Anliegergemeinden die Strecke kaufen und in einen Radweg umwandeln.

Dagegen gründete sich am 14. November 2006 die Ilztalbahn GmbH, die Einspruch gegen die Freistellung von Bahnbetriebszwecken einlegte.

Das Eisenbahn-Bundesamt erkannte den Widerspruch am 16. Juli 2007 an und wies damit erstmals einen solchen Antrag ab.

Im Spätsommer 2008 begannen Mitglieder des Fördervereins, die Strecke freizuschneiden.

Am 2. Juni 2009 schloss die Ilztalbahn GmbH mit der DB Netz AG einen Pachtvertrag über 50 Jahre.

Am 12. September 2010 wurde der Abschnitt Waldkirchen–Freyung wieder eröffnet, an diesem Tag fuhren 3.488 Fahrgäste mit.

Der erste Personenzug der Gesamtstrecke fuhr am 15. Juli 2011 von Passau nach Waldkirchen.

Bei der offiziellen Eröffnung am 16. und 17. Juli 2011 wurden über 2.500 Personen befördert.

Bis Ende Oktober 2011 kamen 34 weitere Fahrttage dazu, in der ganzen Saison zählte man 28.000 Fahrgäste.

Zum 1. April 2024 übernahm die Ilztalbahn GmbH den Betrieb der Strecke als Eisenbahninfrastrukturunternehmen.

So sieht es jetzt aus

Die Halte sind unterschiedlich weit: Fürsteneck hat einen ausgebauten Bahnsteig, in Karlsbach und Tiefenbach sind neue Haltepunkte geplant.

Im Bereich Stelzlhof bei Passau war um 2011 ein zusätzlicher Haltepunkt geplant, der sich zerschlagen hat.

Die Strecke bleibt eine Stichstrecke, denn eine Querverbindung durch den Bayerischen Wald wurde nie gebaut.

Das Gleis der Ilztalbahn auf Höhe des Ilzstausees, 2020.
Das Gleis der Ilztalbahn auf Höhe des Ilzstausees, 2020. Foto: GerritR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Vorher und nachher

1982 fuhr der letzte reguläre Personenzug, 2007 stand der Bahnhof Kalteneck ohne Verkehr da.

2011 kehrten die Züge zurück, und in Kalteneck begegnen sich seit 2014 sogar zwei Züge.

Die Geschichte in Daten

26. Oktober 1881: Eine Versammlung fordert eine Bahn von Zwiesel über Freyung nach Passau.

13. Januar 1886: Die Konzession wird erteilt.

Mitte 1887: Baubeginn.

6. Dezember 1890: Inbetriebnahme von Passau bis Röhrnbach.

15. Oktober 1892: Der erste Zug erreicht Freyung.

30. April 1945: Die Kachletbrücke wird gesprengt.

3. Februar 1947: Der eingestürzte Tunnel bei Tiefenbach ist wieder nutzbar.

1947: Grillaberg erhält einen Haltepunkt.

29. April 1948: Die Instandsetzung der Brücke ist abgeschlossen.

30. April 1982: Der Personenverkehr wird eingestellt.

November 1982: Die Gesamtstrecke wird wieder eröffnet.

1. Oktober 1994: Ende des öffentlichen Wagenladungsverkehrs nördlich der Zahnradfabrik.

1. Oktober 1995: Stilllegung der Anschlussbahn nach Jandelsbrunn.

April 2001: Die Bundeswehr gibt den Güterverkehr auf.

5. August 2001: Letzte Sonderfahrt der Passauer Eisenbahnfreunde.

August 2002: Hochwasser zerstört den Bahndamm.

1. April 2005: Die Stilllegung wird genehmigt.

14. November 2006: Gründung der Ilztalbahn GmbH.

2. Juni 2009: Pachtvertrag über 50 Jahre.

12. September 2010: Wiedereröffnung Waldkirchen–Freyung.

16. Juli 2011: Offizielle Eröffnung der Gesamtstrecke, der Freizeitverkehr beginnt.

1. April 2024: Die Ilztalbahn GmbH übernimmt den Betrieb als Infrastrukturunternehmen.

Häufige Fragen

Wann endete der reguläre Personenverkehr?
Der Personenverkehr wurde am 30. April 1982 eingestellt. Bahnbusse übernahmen den Nahverkehr.
Ist die Ilztalbahn stillgelegt?
Die Stilllegung wurde zum 1. April 2005 genehmigt. Seit 2009 ist die Strecke an die Ilztalbahn GmbH verpachtet, und seit Juli 2011 fährt sie als Freizeitbahn.
Was war mit dem Halt Tiefenbach geplant?
Der Haltepunkt in Unterjacking sollte wegen Anwohnerbeschwerden etwa 200 Meter nach Süden an den Bahnübergang verlegt werden. Das Planfeststellungsverfahren wurde zurückgezogen.
Was wurde aus der Strecke Deggendorf–Kalteneck?
Sie wurde in zwei Etappen am 26. November 1913 und 1. August 1914 eröffnet und später größtenteils demontiert. Auf der Trasse liegt ein Radweg.
Wer betreibt die Strecke heute?
Zum 1. April 2024 übernahm die Ilztalbahn GmbH den Betrieb als Eisenbahninfrastrukturunternehmen.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Passau–Freyung · Wikipedia: Hutthurm · Wikipedia: Tiefenbach (bei Passau) · Wikipedia: Röhrnbach · Wikipedia: Fürsteneck · Wikimedia Commons: Bildbeschreibungen

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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