Der Allersberger Bockl: die Bahn, die den Umweg nahm
Von 1902 bis 1973 fuhr der Bockl von Burgthann über Pyrbaum und Seligenporten nach Allersberg. Die Bahnhöfe stehen noch, die Trasse ist heute Radweg.


Lage: Burgthann, Unterferrieden, Pyrbaum, Seligenporten und Allersberg. Status: Die Strecke ist stillgelegt, Burgthann selbst ist heute S-Bahn-Haltepunkt und bleibt außen vor. Heute: Rad- und Wanderweg, drei erhaltene Bahnhofsgebäude.
Der Allersberger Bockl war eine Nebenbahn, die in Burgthann von der Strecke Nürnberg–Regensburg abzweigte und nach Allersberg führte.
Sie war eingleisig und nicht elektrifiziert, und sie verlief über Unterferrieden, Pyrbaum und Seligenporten.
Der Ort Burgthann selbst ist nicht stillgelegt, dort halten heute S-Bahnen.
Dieser Beitrag behandelt deshalb nur die stillgelegten Halte zwischen Unterferrieden und Allersberg.
Wie der Bockl entstand
Allersberg bemühte sich seit den frühen 1860er Jahren um einen Bahnanschluss.
Über Jahrzehnte richteten der Markt und weitere Gemeinden Petitionen an den Bayerischen Landtag und die Staatsregierung.
Erwogen wurden Anbindungen über Roth, über Eckersmühlen und Hilpoltstein sowie über Feucht und Ochenbruck.
Gebaut wurde am Ende ein Kompromiss, der weit nach Osten ausholte und über oberpfälzische Orte umständlich nach Allersberg führte.
Von Allersberg bis zum Nürnberger Hauptbahnhof betrug die Bahnentfernung 35,8 Kilometer.
Das waren über zehn Kilometer mehr als auf der alten Straße.
Der Bau der Lokalbahn wurde am 30. Juni 1900 gesetzlich genehmigt.
Die Bauarbeiten begannen am 25. März 1901.
Die technische Abnahme erfolgte am 14. Dezember 1902, und am selben Tag wurde die Strecke feierlich eröffnet.
Der planmäßige Betrieb begann einen Tag später.
Ein oft geforderter Lückenschluss zwischen Allersberg und der Kreisstadt Hilpoltstein kam nie zustande.
So sah es vorher aus: Pendler und Dampfloks
Der Bockl fuhr durch ein Gebiet mit wenig Industrie, der Güterverkehr blieb nie bedeutsam und wurde schon 1960 eingestellt.
Der Personenverkehr war in den 1960er Jahren noch rege, bis zu zehn Züge fuhren täglich.
Gefahren wurde vor allem von Berufspendlern, die aus dem von Nebenerwerbslandwirtschaft geprägten Gebiet zur Arbeit in Nürnberger Industriebetriebe wollten.
Weil an der Strecke keine weiterführenden Schulen lagen, war der Schülerverkehr für eine Nebenbahn ungewöhnlich gering.
Einzelne durchgehende Züge zwischen Nürnberg Hauptbahnhof und Allersberg verschafften den Pendlern in Stoßzeiten eine Verbindung ohne Umsteigen.
Später entfielen die dampfgeführten Durchläufe nach und nach, und das Umsteigen in Burgthann oder Feucht verlängerte die Fahrzeit.
Zuletzt zogen Dampflokomotiven der Baureihe 86 die Züge, vorher bis etwa 1965 auch die Baureihe 64.
Kurz vor Schluss kamen auch Diesellokomotiven wie die V 100 zum Einsatz.
Meist bestanden die Züge aus dreiachsigen Umbauwagen, manchmal aus bis zu zehn Wagen, darunter einer mit Erste-Klasse-Abteil.
Unterferrieden
Unterferrieden war ein Haltepunkt bei Kilometer 2,8, nur wenig hinter dem Abzweig in Burgthann.
Von hier führt heute der Bocklbahnweg ab, ein 7,4 Kilometer langer und mit einem roten Dreieck ausgeschilderter Weg bis Seligenporten.
Zwischen Unterferrieden und Pyrbaum ist der Bahndamm im Wald erhalten.


Ein wesentliches Bauwerk war der Viadukt bei der Bachmühle unterhalb von Oberferrieden.
Er wurde abgerissen, Reste sind am Radweg parallel zur Bundesstraße 8 noch sichtbar.
Hohe Sanierungskosten für die marode Brücke führten zur Stilllegung der Strecke.

Pyrbaum
Der Bahnhof Pyrbaum lag bei Kilometer 6,5, etwas abseits des Marktes im Ortsteil Pyrbaum-Bahnhof.
Das massive, zweigeschossige und verputzte Gebäude von 1902 hat ein Walmdach, Sandsteingliederungen und einen Erker mit Fachwerkobergeschoss.
Es ist als Baudenkmal ausgewiesen und wurde liebevoll restauriert, sodass es seinen eisenbahntypischen Charakter behalten hat.
Heute ist das Anwesen in der Straße Am Alten Bahnhof bewohnt.
Nördlich davon liegt eine kleine Grünanlage mit einer Erinnerungsstätte und einer Informationstafel zur Geschichte der Strecke.




Rengersricht
Rengersricht lag bei Kilometer 8,2 und war ein Bedarfshalt.
Mehr ist zu diesem Halt nicht belegt.

Seligenporten
Der Bahnhof Seligenporten lag bei Kilometer 10,3 außerhalb des Kernortes im Ortsteil Seligenporten-Bahnhof.
Der zweigeschossige Halbwalmdachbau mit Bodenerker und Sandsteingliederungen und ein eingeschossiger Nebenbau stammen von 1902 und sind als Baudenkmal ausgewiesen.
Heute ist das Anwesen bewohnt.
Südlich von Seligenporten überspannt eine Eisenbahnbrücke einen Feldweg, der zugehörige Damm ist ungenutzt.


Allersberg
Der alte Bahnhof Allersberg lag bei Kilometer 14,8 mitten im Ort.
Das stattliche, zweigeschossige Gebäude von 1902 mit Halbwalmdach und Fachwerkgiebeln steht unter Denkmalschutz.
Heute ist es als Bücherei in der Bahnhofstraße 14 in Nutzung.


Niedergang und Ende
Ab 1960 wurde nur noch der notwendige Unterhalt betrieben, Modernisierungen unterblieben.
Auch als um 1970 die Planungen für das Nürnberger S-Bahn-Netz begannen, kam der Bockl darin nicht vor.
Die Linie berührte auf kurzer Länge drei Landkreise, und aus Sicht der Kreisstädte lag sie überall in extremer Randlage.
In den 1970er Jahren hatte die Deutsche Bundesbahn die Stilllegung beschlossen.
Beschleunigt wurde das durch die Brücke über die Bundesstraße 8, für die kein Geld zur Sanierung bereitgestellt wurde.
Der Bundesverkehrsminister genehmigte die Stilllegung am 29. Juni 1972.
Zum Jahresfahrplanwechsel am 3. Juni 1973 wurde sie wirksam, der letzte Zug verließ am 2. Juni 1973 den Bahnhof Allersberg.
Stattdessen fuhr nun eine Bahnbuslinie, und die Proteste waren verhalten und nur von kurzer Dauer.
So sieht es jetzt aus
Große Teile der Trasse sind zu einem Rad- und Wanderweg umgebaut worden.
Der Weg ist nicht durchgehend und größtenteils geschottert.
Erhalten sind wenige Brücken und Dammfragmente.
Die Stationsgebäude in Pyrbaum, Seligenporten und Allersberg sind saniert und werden genutzt.
Zwischen den S-Bahn-Stationen Burgthann und Oberferrieden ist am Abzweig der Nebenstrecke noch ein Teil des Schotterbetts vorhanden.
Damals und heute
Über drei Jahrzehnte nach der Stilllegung bekam Allersberg als einziger Ort der Strecke Ersatz an anderer Stelle.
Der Bahnhof Allersberg (Rothsee) nahe Altenfelden und der A 9 ging am 6. Dezember 2006 in Betrieb.
Er liegt an der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt und wird von Regionalexpress und S-Bahn bedient.
Die Bahnentfernung nach Nürnberg beträgt über diesen direkten Weg nur 25,4 Kilometer.
Die Geschichte in Daten
1860er Jahre: Allersberg bemüht sich um einen Bahnanschluss.
30. Juni 1900: Der Bau der Lokalbahn wird gesetzlich genehmigt.
25. März 1901: Die Bauarbeiten beginnen.
14. Dezember 1902: Technische Abnahme und feierliche Eröffnung.
15. Dezember 1902: Beginn des planmäßigen Betriebs.
1960: Der Güterverkehr wird eingestellt.
29. Juni 1972: Der Bundesverkehrsminister genehmigt die Stilllegung.
2. Juni 1973: Der letzte Zug verlässt Allersberg.
6. Dezember 2006: Der neue Bahnhof Allersberg (Rothsee) geht in Betrieb.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Zug des Allersberger Bockl?
Warum wurde die Strecke stillgelegt?
Wo verläuft der Bocklbahnweg?
Welche Bahnhöfe sind noch erhalten?
Hat Allersberg heute wieder einen Bahnhof?
Wer heute auf dem Bocklbahnweg unterwegs ist, folgt dem Weg, den der Zug einst nahm.
Wikipedia: Bahnstrecke Burgthann–Allersberg · Wikimedia Commons: Bahnstrecke Burgthann–Allersberg
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