Die stillen Bahnen im Coburger Land: Itzgrundbahn und Steinachtalbahn

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Bahnen im Coburger Land: Itzgrundbahn und Steinachtalbahn

Zwei Nebenbahnen führten von Coburg und Ebersdorf in die Täler von Itz und Steinach. Die Itzgrundbahn verlor 1984 ihre Reisezüge, die Steinachtalbahn schon 1975.

VORHER · 2006

Der ehemalige Bahnhof Sonnefeld im Landkreis Coburg.

Der ehemalige Bahnhof Sonnefeld im Landkreis Coburg. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2012

Das ehemalige Empfangsgebäude des Sonnefelder Bahnhofs.

Das ehemalige Empfangsgebäude des Sonnefelder Bahnhofs. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1900
Itzgrundbahn eröffnet
1901
Steinachtalbahn bis Weidhausen eröffnet
1975
Reisezüge im Steinachtal enden
1984
Reisezüge im Itzgrund enden

Lage: Landkreis Coburg, Itzgrund bei Creidlitz und Steinachtal ab Ebersdorf. Status: Beide Strecken sind stillgelegt und abgebaut. Heute: Auf Teilen der Itzgrundbahn liegt ein Radweg.

Im Coburger Land liegen zwei stillgelegte Nebenbahnen nah beieinander.

Die Itzgrundbahn von Creidlitz nach Rossach war acht Kilometer lang.

Die Steinachtalbahn von Ebersdorf nach Neustadt bei Coburg maß 30 Kilometer.

Beide gehörten zur Reichsbahndirektion Erfurt, beide sind abgebaut.

Die Bahnhöfe Creidlitz, Ebersdorf und Neustadt bei Coburg sind weiterhin in Betrieb und gehören nicht zum Thema.

Freie Fotos aus der Betriebszeit liegen nicht vor, die Bilder zeigen die erhaltenen Gebäude und Reste der Strecken.

Die Itzgrundbahn: Entstehung

1892 gründete sich ein Eisenbahnkomitee für den Anschluss der Orte im Itzgrund des Herzogtums Sachsen-Coburg.

Acht Jahre dauerten die Bemühungen, bis am 4. Dezember 1900 die Strecke von der Werrabahn bei Creidlitz aus in Betrieb ging.

Den Grund und Boden mussten die Gemeinden unentgeltlich zur Verfügung stellen.

Der Coburger Landtag bewilligte 297.000 Mark für den Bau.

Eine Verlängerung nach Kaltenbrunn zur Strecke Breitengüßbach–Dietersdorf, nur 6,7 Kilometer entfernt, wurde nie gebaut.

Anfangs stand die Konkurrenz der Hauptbahn Lichtenfels–Bamberg im Weg, später fehlte das Geld, und schließlich wurde die Strecke Lichtenfels–Coburg elektrifiziert.

Der Bahnhof Creidlitz, Rückseite mit dem Streckengleis nach Rossach.
Der Bahnhof Creidlitz, Rückseite mit dem Streckengleis nach Rossach. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sah es vorher aus: vier Zugpaare im Itzgrund

Im Kursbuch der Reichsbahn trug die Strecke die Nummer 165e.

1934 fuhren täglich vier Personenzüge in jeder Richtung, für die 13 Kilometer von Coburg nach Rossach brauchten sie ungefähr 30 Minuten.

Bei der Bundesbahn zogen bis 1970 Dampfloks der Baureihe 86 und Triebwagen der Baureihe VT 70 die Züge, später kamen Dieselloks der Baureihen 280 und 211 und der Schienenbus.

Ab 1982 wurde der Zugbetrieb am Wochenende eingestellt, im Juni 1984 endete der Reisezugverkehr vollständig.

1983 wurde die Strecke zwischen Meschenbach und Untersiemau wegen des Ausbaus der Bundesstraße 4 neu trassiert.

Niederfüllbach und Meschenbach

Der Haltepunkt Niederfüllbach wurde wegen der Nähe zu Creidlitz bald nach der Eröffnung wieder aufgelassen.

In Niederfüllbach gab es dennoch Gleisanschlüsse für eine Spedition und einen Stahlhändler.

Bis zum 10. Juni 2001 erhielt der Stahlhändler jährlich etwa 15.000 Tonnen Stahl mit der Bahn.

Meschenbach bekam im Dezember 1900 einen Haltepunkt bei Kilometer 2,28.

Ein Radweg verbindet Meschenbach heute entlang der früheren Trasse mit Niederfüllbach.

Siemau-Scherneck

Der Bahnhof Siemau-Scherneck lag bei Kilometer 4,35.

Er wurde wie die Bahnhöfe Großheirath und Rossach aus rotem Ziegelmauerwerk errichtet.

Der ehemalige Bahnhof Siemau-Scherneck in Untersiemau.
Der ehemalige Bahnhof Siemau-Scherneck in Untersiemau. Foto: Icodense, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Großheirath

Der Bahnhof Großheirath wurde 1900 als Teil der Itzgrundbahn errichtet und liegt am nördlichen Ortsrand.

Das Empfangsgebäude ist ein zweigeschossiger Backsteinbau mit Satteldach, dazu kam ein Güterschuppen.

Es steht heute in der Bayerischen Denkmalliste.

Im nördlichen Teil des Bahnhofs wurde Ton verladen, den die Adolf Gottfried Tonwerke seit 1950 in einer Tongrube neben dem Bahnhof abbauten.

Dafür gab es eine hohe Laderampe und eine 1954 gelieferte Gleiswaage.

Am 1. Januar 1995 wurde auf dem zwei Kilometer langen Abschnitt Großheirath–Rossach der Wagenladungsverkehr eingestellt, nach der Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes vom 8. Juni 1995 wurde er zum 1. September 1995 stillgelegt.

Damit war Großheirath bis 2001 der Endbahnhof.

Der Bahnhof in Großheirath.
Der Bahnhof in Großheirath. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Im September 2004 wurden die Gleise zurückgebaut, im nördlichen Bahnhofsgelände entstand eine Baumzucht.

Das Empfangsgebäude kaufte ein privater Bauherr, sanierte es und nutzt es als Wohnhaus.

Für die Instandsetzung erhielt er 2019 die Denkmalschutzmedaille des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Rossach

Rossach war mit Kilometer 8,08 der Endpunkt der Strecke und bekam im Dezember 1900 seinen Anschluss.

Auch der Bahnhof Rossach besteht aus rotem Ziegelmauerwerk.

Auf dem Abschnitt Großheirath–Rossach folgt ein Radweg der alten Trasse.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Rossach.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Rossach. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende der Itzgrundbahn

Im Jahr 2001 folgte auf der restlichen Strecke die Einstellung des Verkehrs und die Genehmigung zur Stilllegung zum 31. Juli 2001.

Eine Abschiedsfahrt fand am 8. Juli 2001 statt.

2005 wurden die Gleise abgebaut und ein Radweg errichtet.

Er nutzt auf den Abschnitten Creidlitz–Meschenbach und Großheirath–Rossach die ehemalige Bahntrasse.

Die Steinachtalbahn: Entstehung

Die Strecke von Ebersdorf über Weidhausen und Hof-Steinach nach Neustadt bei Coburg war 30 Kilometer lang.

Ab Leutendorf folgte sie dem Fluss Steinach und trägt daher ihren Namen.

Wegen der Ringbahn Neustadt–Coburg–Ebersdorf mit durchgehenden Zügen hieß sie auch Karussellbahn.

1897 schlossen Preußen und das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha einen Staatsvertrag über den Bahnbau, nachdem das Korbmachergewerbe in Sonnefeld und Weidhausen jahrelang darauf gedrängt hatte.

Am 1. August 1901 wurde der Abschnitt Ebersdorf–Weidhausen eröffnet.

1913 folgte ein zweiter Staatsvertrag über die Weiterführung nach Neustadt, den vor allem Neustadt angestrebt hatte.

Wegen des Ersten Weltkriegs ruhten die Bauarbeiten, die Einweihung des zweiten Abschnitts erfolgte am 1. November 1920.

Frohnlach, Sonnefeld und Weidhausen

Die Strecke zweigte nördlich des Ebersdorfer Bahnhofs ab und führte über Frohnlach nach Sonnefeld.

Der Haltepunkt Frohnlach lag bei Kilometer 1,90.

Sonnefeld folgte bei Kilometer 5,74, dort bog die Bahn nach Süden Richtung Weidhausen ab.

Die Bahnhöfe Sonnefeld und Weidhausen sind die beiden älteren Stationsgebäude aus rotem Ziegelmauerwerk.

Weidhausen lag bei Kilometer 7,84 auf 309 Metern Höhe.

Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Weidhausen bei Coburg.
Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Weidhausen bei Coburg. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Mödlitz und Leutendorf

Hinter Weidhausen führte die Trasse durch den Sonnefelder Forst ungefähr 20 Meter hinunter ins Steinachtal.

Dabei blieb sie diesseits der Landesgrenze zwischen dem Herzogtum Sachsen-Coburg und dem Königreich Bayern.

Mödlitz lag bei Kilometer 12,35 und bekam 1920 seinen Bahnanschluss.

In Leutendorf bei Kilometer 14,87 kreuzte die Strecke die Steinach zum ersten Mal.

Außer Sonnefeld und Weidhausen wurden die Stationsgebäude als Fachwerkhäuser gebaut.

Der Bahnhof Mödlitz in der Gemeinde Schneckenlohe.
Der Bahnhof Mödlitz in der Gemeinde Schneckenlohe. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Leutendorf.
Das ehemalige Empfangsgebäude des Bahnhofs Leutendorf. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Ehemalige Eisenbahnbrücke der Steinachtalbahn bei Leutendorf.
Ehemalige Eisenbahnbrücke der Steinachtalbahn bei Leutendorf. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Hof-Steinach und Wörlsdorf

Hof-Steinach lag bei Kilometer 17,80.

Der Bahnhof besaß eine Lokstation und war Außenstelle des Bahnbetriebswerks Coburg.

Dahinter folgte Wörlsdorf-Hassenberg bei Kilometer 20,36, das 1920 seinen Anschluss erhielt.

Zwischen Hof-Steinach und Wörlsdorf lag die zweite Steinachbrücke bei Hof an der Steinach, danach verlief die Bahn am östlichen Hang.

Der Bahnhof Wörlsdorf.
Der Bahnhof Wörlsdorf. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0 de, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Fürth am Berg

Fürth am Berg lag bei Kilometer 22,84 auf 318 Metern Höhe und war der letzte Ort vor der Grenze.

Nach dem Bahnhof überquerte die Strecke die Steinach ein drittes Mal.

Ab dem Sommer 1945 war der Zugverkehr zwischen Bayern und dem thüringischen Teil der Strecke unterbrochen.

Das thüringische Stück bis zum Bahnhof Heubisch-Mupperg bei Kilometer 25,67 wurde bereits 1954 zurückgebaut.

Der ehemalige Bahnhof Fürth am Berg im Landkreis Coburg.
Der ehemalige Bahnhof Fürth am Berg im Landkreis Coburg. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Heubisch.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Heubisch. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Eine ehemalige Eisenbahnbrücke über den Mühlgraben bei Heubisch.
Eine ehemalige Eisenbahnbrücke über den Mühlgraben bei Heubisch. Foto: Störfix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Niedergang und Ende der Steinachtalbahn

Bei der Reichsbahn trug die Strecke die Kursbuchnummer 164e, die Fahrt dauerte ungefähr 70 Minuten.

1939 fuhren werktags fünf Personenzüge in jeder Richtung.

Auf den 23 Kilometern zwischen Ebersdorf und Fürth am Berg blieb der Reisezugbetrieb bis zum 1. Juni 1975 erhalten.

Zuletzt fuhr meist die Baureihe 86, am Ende der Schienenbus, 1963 gab es werktags nur noch zwei Zugpaare.

Zwischen Neustadt-Süd und der innerdeutschen Grenze wurde 1976 das Gleis abgebaut.

Der Güterverkehr lief noch einige Jahre weiter.

Am 1. August 1986 wurde der Abschnitt Wörlsdorf–Fürth stillgelegt, am 27. Mai 1989 der Abschnitt Hof-Steinach–Wörlsdorf.

Auf dem Reststück Ebersdorf–Hof-Steinach endete der Güterverkehr am 30. Mai 1992.

Von 1992 bis 1993 wurde die Strecke zwischen Weidhausen und Hof-Steinach abgebaut.

Der letzte Abschnitt von Ebersdorf bis Weidhausen folgte im Jahr 2000, nachdem sich eine geplante Reaktivierung nicht umsetzen ließ.

Einige Bahnhöfe und Brücken sind als Streckenreste erhalten.

So sieht es jetzt aus

Von beiden Strecken sind die Gleise verschwunden, Gebäude und Brücken stehen noch.

Auf der Itzgrundbahn liegt auf zwei Abschnitten ein Radweg.

Die Geschichte in Daten

1892: Ein Eisenbahnkomitee gründet sich für den Anschluss des Itzgrunds.

1897: Preußen und Sachsen-Coburg und Gotha schließen den Staatsvertrag für die Steinachtalbahn.

1900: Am 4. Dezember wird die Itzgrundbahn eröffnet.

1901: Am 1. August geht der Abschnitt Ebersdorf–Weidhausen in Betrieb.

1913: Zweiter Staatsvertrag über die Weiterführung nach Neustadt.

1920: Am 1. November wird der zweite Abschnitt der Steinachtalbahn eingeweiht.

1945: Im Sommer wird der Zugverkehr auf der Steinachtalbahn durch die Grenzziehung unterbrochen.

1954: Das thüringische Teilstück der Steinachtalbahn wird zurückgebaut.

1975: Am 1. Juni endet der Reisezugbetrieb auf der Steinachtalbahn.

1976: Zwischen Neustadt-Süd und der Grenze wird das Gleis abgebaut.

1983: Die Itzgrundbahn wird zwischen Meschenbach und Untersiemau neu trassiert.

1984: Im Juni endet der Reisezugverkehr auf der Itzgrundbahn.

1986: Am 1. August wird der Abschnitt Wörlsdorf–Fürth stillgelegt.

1989: Am 27. Mai wird der Abschnitt Hof-Steinach–Wörlsdorf stillgelegt.

1992: Am 30. Mai endet der Güterverkehr zwischen Ebersdorf und Hof-Steinach.

1995: Am 1. September wird der Abschnitt Großheirath–Rossach der Itzgrundbahn stillgelegt.

2000: Die letzte Teilstrecke der Steinachtalbahn bis Weidhausen wird abgebaut.

2001: Am 31. Juli wird die Itzgrundbahn stillgelegt.

2005: Die Gleise der Itzgrundbahn werden abgebaut und ein Radweg entsteht.

Häufige Fragen

Fahren auf der Itzgrundbahn noch Züge?
Nein, der Reisezugverkehr endete 1984, die Strecke wurde 2001 stillgelegt und 2005 abgebaut.
Wie lang war die Itzgrundbahn?
Acht Kilometer, von Creidlitz nach Rossach.
Warum heißt die Steinachtalbahn auch Karussellbahn?
Zusammen mit der Strecke von Neustadt über Coburg nach Ebersdorf bildete sie eine Ringbahn mit durchgehenden Zügen.
Wann endete der Reisezugverkehr im Steinachtal?
Am 1. Juni 1975 auf dem Abschnitt Ebersdorf–Fürth am Berg.
Warum endete die Steinachtalbahn in Fürth am Berg?
Die Grenzziehung von 1945 unterbrach die Strecke, deren thüringisches Teilstück bis 1954 zurückgebaut wurde.

Wer heute entlang der alten Trassen im Coburger Land unterwegs ist, trifft vor allem auf Bahnhofsgebäude aus Backstein und Fachwerk.

Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Creidlitz–Rossach (Wikipedia) · Bahnstrecke Ebersdorf b.Coburg–Neustadt b.Coburg (Wikipedia) · Bahnhof Großheirath (Wikipedia) · Bahnhof Creidlitz (Wikipedia) · Meschenbach (Untersiemau) (Wikipedia) · Mödlitz (Schneckenlohe) (Wikipedia) · Fürth am Berg (Wikipedia)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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