Die Bahnstrecke Wiesau–Cheb und die Zweigbahn nach Bärnau: stille Halte im Stiftland

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Bahnstrecke Wiesau–Cheb und die Zweigbahn nach Bärnau: stille Halte im Stiftland

Von Wiesau führte die Hauptbahn der Ostbahnen über Mitterteich und Waldsassen nach Eger, nach 1945 endete sie an der Grenze. Eine Zweigbahn führte von Wiesau nach Tirschenreuth und Bärnau.

Der Bahnhof Mitterteich im Jahr 1896.
Der Bahnhof Mitterteich im Jahr 1896. Foto: Unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons, Ausschnitt.
Kurz erklärt
1864
Weiden–Mitterteich eröffnet
1986
Reiseverkehr endet
1995
Mitterteich–Waldsassen stillgelegt
2006
Radweg nach Cheb eröffnet

Lage: Nördliche Oberpfalz, von Wiesau über Mitterteich und Waldsassen nach Cheb (Eger). Status: Stillgelegt bis auf 3,6 Kilometer ab Wiesau, die als Nebengleis dienen. Heute: Von der Grenze bis Cheb verläuft ein Bahntrassenradweg.

Die Bahnstrecke Wiesau–Cheb war eine eingleisige Hauptbahn in Bayern und Tschechien.

Sie zweigte in Wiesau von der Bahnstrecke Weiden–Oberkotzau ab und führte über Mitterteich und Waldsassen nach Cheb, dem früheren Eger.

In Wiesau begann außerdem bis zum Jahr 2000 die Nebenbahn über Tirschenreuth nach Bärnau, die in diesem Beitrag mitbehandelt wird.

Die Bahnhöfe Wiesau und Cheb sind nicht Thema, hier geht es um die stillen Halte dazwischen.

Alte freie Fotos gibt es kaum, das älteste Bild zeigt den Bahnhof Mitterteich von 1896.

Entstehung: ein Stück der Nord-Süd-Verbindung

Die Bayerischen Ostbahnen planten die Strecke als Teil ihrer Nord-Süd-Verbindung von Schwandorf über Weiden nach Sachsen.

Der Bayerische Landtag genehmigte den Bau 1861, ohne einen Verknüpfungspunkt festzulegen.

Aus Kostengründen führten die Ostbahnen die Strecke nach Eger.

Am 15. August 1864 wurde der Abschnitt von Weiden über Wiesau nach Mitterteich eröffnet.

Am 15. Oktober 1865 folgte der grenzüberschreitende Abschnitt nach Eger, das damals zu Österreich gehörte.

Die Strecke war eingleisig gebaut, ein zweigleisiger Ausbau war aber vor allem bei einigen Brückenwiderlagern vorbereitet.

Ihre überregionale Bedeutung verlor sie am 1. Juni 1882 mit der Eröffnung der Verbindung Wiesau–Marktredwitz–Hof.

Bis zum Ersten Weltkrieg verkehrten aber weiterhin Schnellzüge über Eger nach Sachsen.

So sah es vorher aus: Zugpaare, Schienenbusse und Kohleöfen

Der Sommerfahrplan von 1939 verzeichnete zwölf tägliche Personenzugpaare zwischen Wiesau und Eger.

Dazu kam der Schnellzug D 422/423 nach Karlsbad.

Die Personenzüge brauchten für die 26 Kilometer lange Strecke zwischen 32 und 41 Minuten.

Im Sommerfahrplan 1958 gab es zwischen Wiesau und Waldsassen werktags elf Personenzugpaare, sonntags acht.

Bis auf zwei Zugpaare im Berufsverkehr fuhren alle Umläufe mit Uerdinger Schienenbussen.

Ein lokbespanntes Zugpaar verkehrte bis 1976 als Güterzug mit Personenbeförderung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fuhren zunächst Lokomotiven der Baureihe 98.8 vor den Personenzügen, in den 1950er Jahren lösten Triebwagen der Baureihe VT 95 sie ab.

Anfang der 1970er Jahre übernahmen Diesellokomotiven der Baureihe V 60.

In gemischten Zügen kamen im Winter Personenwagen mit Kohleofen zum Einsatz.

Mitterteich: Zugleitbetrieb und Zwischenlager

Hinter Wiesau verläuft die Strecke ohne nennenswerte Neigungen nach Norden und fällt bei Mitterteich ins Tal der Wondreb ab.

Auf dem Abschnitt von Mitterteich bis Waldsassen wurde am 30. Mai 1986 der Zugleitbetrieb eingeführt, am selben Tag endete der Personenverkehr.

Der Güterverkehr nach Mitterteich endete zum 1. Januar 2000.

Am 31. Dezember 2000 wurde die Strecke zwischen Kilometer 3,6 und Mitterteich stillgelegt.

Der Abschnitt von Wiesau bis zum Gleisanschluss der GRB Mitterteich bei Kilometer 3,6 gilt seitdem als Nebengleis des Bahnhofs Wiesau.

DB Cargo bedient den Anschluss weiterhin bei Bedarf mit Rangierfahrten.

Waldsassen: Gleis bis zur Grenze, dann Stillstand

Hinter Waldsassen hatte die Strecke die Grenze erreicht.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam Eger im Mai 1945 an die Tschechoslowakei.

Planmäßige Züge fuhren fortan nur noch zwischen Wiesau und Waldsassen sowie zwischen Slapany und Cheb.

1947 wurde die Strecke an der Staatsgrenze unterbrochen.

Im Jahr 1966 baute die Deutsche Bundesbahn das Gleis zwischen Waldsassen und der Staatsgrenze ab.

Auf beiden Seiten der Grenze diente das stillliegende Gleis eine Zeitlang zum Abstellen von Schadwagen und Schadlokomotiven.

Der Güterverkehr nach Waldsassen endete am 10. Oktober 1994.

Das Eisenbahn-Bundesamt genehmigte am 11. Mai 1995 die Stilllegung des verkehrslosen Abschnitts Mitterteich–Waldsassen, sie erfolgte zum 1. August 1995.

Das Bahnhofsgebäude von Waldsassen, 2013.
Das Bahnhofsgebäude von Waldsassen, 2013. Foto: JanSuchy, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Der Bahnhof Waldsassen von der Bahnsteigseite, 2013.
Der Bahnhof Waldsassen von der Bahnsteigseite, 2013. Foto: Mef.ellingen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Steinmühle: Basalt und Kaolin auf schmaler Spur

Von der Station Steinmühle betrieb die Bayerische Basalt AG bis 1973 eine Feldbahn mit 700 Millimetern Spurweite zu einem Steinbruch.

Nach der Aufgabe der Basaltproduktion beförderte die Bahn Kaolin, bis sie am 31. Oktober 1984 stillgelegt wurde.

Eine Dampflok Maffei von 1925, die an die Erste Bayerische Basaltstein AG in Steinmühle geliefert wurde, kam 2018 an das Bayerische Eisenbahnmuseum in Nördlingen.

Die Dampflok Maffei von 1925 (Nr. 4273), geliefert an die Erste Bayerische Basaltstein AG in Steinmühle, 2018 in Nördlingen.
Die Dampflok Maffei von 1925 (Nr. 4273), geliefert an die Erste Bayerische Basaltstein AG in Steinmühle, 2018 in Nördlingen. Foto: PMalus, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Schloppenhof (Slapany): letzter Halt im Reiseverkehr der ČSD

Die Betriebsstelle Schloppenhof war ein Haltepunkt mit Ladegleis und Blockstelle.

Von 1945 bis 1963 war sie Endpunkt im Reiseverkehr der Tschechoslowakischen Staatsbahnen.

Die ČSD bedienten ihren Abschnitt bis 1963 mit vier Personenzugpaaren, die als Motorzug geführt wurden.

Der Güterverkehr wurde dort 1969 aufgegeben.

Am 30. Juni 2003 wurde die verkehrslose Strecke formal stillgelegt und in der Folge abgebaut.

Das bayerische Vorsignal im tschechoslowakischen Grenzstreifen war 1989 das letzte noch erhaltene seiner Bauart und konnte von Eisenbahnfreunden für eine museale Nutzung sichergestellt werden.

Die Zweigbahn Wiesau–Tirschenreuth–Bärnau

Die Kreisstadt Tirschenreuth lag rund zehn Kilometer östlich der Nord-Süd-Strecke und hatte sich finanziell am Bau einer Zweigbahn beteiligt.

Die Ostbahnen nahmen am 10. November 1872 die Strecke von Wiesau nach Tirschenreuth in Betrieb.

Sie führte ohne Zwischenhalt durch ein Waldgebiet und die Teichlandschaft im Norden des Oberpfälzer Waldes.

Am 8. Juli 1903 wurde die Strecke in südlicher Richtung bis Bärnau verlängert, in der damals etwa 1.400 Einwohner lebten.

Bis 1976 fuhren auf der Strecke Güterzüge mit Personenbeförderung, zuletzt mit Lokomotiven der Baureihe V 60.

1963 fuhren werktags nur noch zwei Züge mit Personenbeförderung über die ganze Strecke, zwischen Tirschenreuth und Bärnau fuhren ansonsten Busse.

Am 28. September 1975 stellte die Bundesbahn den Personenverkehr zwischen Tirschenreuth und Bärnau ganz ein.

Zwischen Wiesau und Tirschenreuth fuhren Züge noch montags bis freitags, bis zum 22. September 1989.

Tirschenreuth: Ende des Güterverkehrs

Am 1. Oktober 1994 endete der Güterverkehr zwischen Tirschenreuth und Liebenstein, zwischen Wiesau und Tirschenreuth am 1. Januar 2000.

Das Bahnhofsgebäude in Tirschenreuth ist nicht erhalten.

Liebenstein, Schwarzenbach, Iglersreuth, Thanhausen und Bärnau

Am 31. Dezember 1984 endete der Güterverkehr zwischen Liebenstein und Bärnau.

Bis auf das Bahnhofsgebäude in Tirschenreuth sind alle Bahnhöfe der Strecke noch erhalten und werden teilweise als Wohngebäude genutzt.

Zu Schwarzenbach, Iglersreuth und Thanhausen ist darüber hinaus nichts Einzelnes belegt.

Die Gleise sind demontiert, die Strecke wird teilweise als Radweg genutzt.

So sieht es jetzt aus: Radweg und Forderungen

Von Egerteich an der Staatsgrenze bis Cheb verläuft auf dem Bahnkörper heute ein Bahntrassenradweg.

Er wurde am 13. Mai 2006 im Zusammenhang mit der Gartenschau Marktredwitz/Eger eröffnet.

Die Trasse war in Deutschland und Tschechien nach der Grenzöffnung nahezu vollständig erhalten.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen forderte 2024 in einem Konzept die Wiederinbetriebnahme als eine von zwei grenzüberschreitenden Strecken nach Tschechien.

Das wird vor allem mit dem fehlenden Bahnanschluss für Waldsassen begründet.

Die Trasse der geschlossenen Strecke an der Grenze zwischen Waldsassen und Slapany, heute ein Radweg, 2010.
Die Trasse der geschlossenen Strecke an der Grenze zwischen Waldsassen und Slapany, heute ein Radweg, 2010. Foto: JanSuchy, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Kilometerstein 20,6 an der stillgelegten Strecke Wiesau–Cheb, 2010.
Kilometerstein 20,6 an der stillgelegten Strecke Wiesau–Cheb, 2010. Foto: JanSuchy, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Die Geschichte in Daten

1864: Am 15. August wird die Strecke von Weiden über Wiesau nach Mitterteich eröffnet.

1865: Am 15. Oktober folgt der Abschnitt nach Eger.

1872: Am 10. November geht die Zweigbahn Wiesau–Tirschenreuth in Betrieb.

1882: Am 1. Juni wird die Verbindung Wiesau–Marktredwitz–Hof eröffnet.

1903: Am 8. Juli wird die Zweigbahn bis Bärnau verlängert.

1947: Die Strecke wird an der Staatsgrenze unterbrochen.

1963: Die ČSD stellen ihren Reiseverkehr bis Schloppenhof ein.

1966: Die Bundesbahn baut das Gleis zwischen Waldsassen und der Grenze ab.

1975: Am 28. September endet der Personenverkehr zwischen Tirschenreuth und Bärnau.

1984: Am 31. Oktober wird die Feldbahn ab Steinmühle stillgelegt, am 31. Dezember endet der Güterverkehr zwischen Liebenstein und Bärnau.

1986: Am 30. Mai endet der Personenverkehr zwischen Wiesau und Waldsassen.

1989: Am 22. September endet der Personenverkehr zwischen Wiesau und Tirschenreuth.

1994: Am 10. Oktober endet der Güterverkehr nach Waldsassen.

1995: Zum 1. August wird der Abschnitt Mitterteich–Waldsassen stillgelegt.

2000: Am 1. Januar endet der Güterverkehr nach Mitterteich und zwischen Wiesau und Tirschenreuth, am 31. Dezember wird die Strecke ab Kilometer 3,6 bis Mitterteich stillgelegt.

2003: Am 30. Juni wird der tschechische Abschnitt formal stillgelegt.

2006: Am 13. Mai wird der Bahntrassenradweg bis Cheb eröffnet.

Häufige Fragen

Wann fuhr der letzte Personenzug nach Waldsassen?
Der Personenverkehr zwischen Wiesau und Waldsassen endete am 30. Mai 1986.
Gab es eine durchgehende Verbindung nach Cheb?
Nein, die Strecke wurde 1947 an der Staatsgrenze unterbrochen und 1966 zwischen Waldsassen und der Grenze abgebaut.
Ist noch ein Stück der Strecke in Betrieb?
Der 3,6 Kilometer lange Abschnitt von Wiesau bis zum Gleisanschluss bei Mitterteich dient als Nebengleis, DB Cargo bedient ihn bei Bedarf.
Kann man die Trasse nutzen?
Von der Grenze bis Cheb verläuft auf dem Bahnkörper ein Bahntrassenradweg, die Zweigstrecke nach Bärnau wird teilweise als Radweg genutzt.
Wann endete der Betrieb nach Bärnau?
Der Personenverkehr zwischen Tirschenreuth und Bärnau endete am 28. September 1975, der Güterverkehr zwischen Liebenstein und Bärnau am 31. Dezember 1984.

Die Hauptstrecke nach Eger und die Zweigbahn nach Bärnau verbanden das Stiftland mit der Nord-Süd-Verbindung der Ostbahnen.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Wiesau–Cheb · Wikipedia: Bahnstrecke Wiesau–Bärnau · Wikimedia Commons: Dateibeschreibungen

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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