Die Aischgrundbahn: wie Forchheim und Höchstadt ihren Zug verloren
Von 1892 bis 1984 fuhren Personenzüge von Forchheim durch den Aischgrund nach Höchstadt. Heute sind Brücken, Gleisreste und einzelne Gebäude übrig, und die Strecke ist offiziell entwidmet.

Lage: Aischgrund zwischen Forchheim und Höchstadt an der Aisch. Status: Die Strecke ist stillgelegt und entwidmet, in Forchheim endet die Bahn am Hauptbahnhof. Heute: Brücken, Gleisreste und einzelne Gebäude, Flächen teils für Umgehungsstraßen und Radwege vorgesehen.
Die Aischgrundbahn war eine Nebenbahn, die in Forchheim von der Strecke Nürnberg–Bamberg abzweigte und durch den Aischgrund nach Höchstadt an der Aisch führte.
Sie hieß auch Hirtenbachtalbahn oder Hemhofenbahn.
Heute ist sie stillgelegt und abgebaut, nur Reste und einzelne Gebäude sind erhalten.
Alte freie Fotos aus der Betriebszeit sind auf Wikimedia Commons nicht zu finden, deshalb zeigen die Bilder hier den Zustand der Strecke nach der Stilllegung.
Wie die Aischgrundbahn entstand
1869 entstand ein erster Projektentwurf für eine Lokalbahn in der Region.
Sie sollte in Neustadt an der Aisch beginnen, über Höchstadt und Forchheim führen und in Bayreuth enden.
Die Stadt Bamberg sah darin eine Gefahr für ihre Handelsbeziehungen mit dem Aischgrund und wollte stattdessen eine eigene Verbindung mit Neustadt.
1879 entschied die Kammer der Reichsräte, dass der Bau durchgehender Bahnstrecken in Bayern als abgeschlossen gilt und nur noch vereinfachte Nebenbahnen ausgebaut werden.
Damit waren eine Verlängerung nach Bayreuth und der Abschnitt Höchstadt–Neustadt ausgeschlossen.
Höchstadt sollte trotzdem Anschluss bekommen, und es standen zwei Wege zur Wahl.
Der eine führte über Strullendorf, Frensdorf und Pommersfelden, der andere von Forchheim oder Eggolsheim über Adelsdorf.
Die Stadtverwaltung in Höchstadt wollte die nähere Anbindung an Nürnberg und sagte nur für die zweite Variante Geld zu.
Forchheim setzte sich gegen Eggolsheim durch, auch weil die Stadt einen Zuschuss von 30.000 Mark zusagte.
Für die Wiesenttalbahn und die neue Strecke war eine Reservelokomotive vorgeschrieben, sodass beide Bahnen eine gemeinsam nutzen konnten.
Am 30. April 1888 genehmigte Prinzregent Luitpold von Bayern den Bau der beiden Forchheimer Nebenbahnen.
So sah es vorher aus: Bau und Betrieb
Zuerst wurde die Wiesenttalbahn fertig, deren Verkehr am 1. Juni 1891 begann.
Danach starteten die Arbeiten in Richtung Aischgrund.
Für die Gleisbettung brauchte man 19.063 Kubikmeter Kies und grobkörnigen Sand.
Zehn Fuhrwerke und höchstens 66 Rollwagen waren im Einsatz, zeitweise arbeiteten bis zu 400 Menschen auf der Baustelle.
Im Forchheimer Ortsbereich nutzte die Strecke auf den ersten 1,1 Kilometern das Gleis der Wiesentalbahn mit.
Auf den folgenden 874 Metern lagen die Holzbalken quer, den Rest baute man in Längsschwellen-Bauweise.
Neben dem Endbahnhof Höchstadt entstanden Gebäude in Hausen, Heroldsbach, Hemhofen, Adelsdorf, Neuhaus und Gremsdorf.
Poppendorf war lediglich ein Halteplatz.
Die rund 23 Kilometer lange, normalspurige Lokalbahn eröffnete die Bayerische Staatsbahn am 16. November 1892.
Der Personenverkehr war rege, 1963 fuhren werktags neun Zugpaare und sonntags fünf.
1961 und 1962 entstand für den Bau der Bundesautobahn 3 bei Gremsdorf ein Deckenbaubahnhof.
Dort wurden die Baustoffe angeliefert und aufbereitet, das brachte der Strecke viel zusätzliche Fracht.
Nach den Arbeiten baute man die Anlagen wieder zurück.
Hemhofen
Hemhofen war ein Bahnhof der Strecke und ist für das späte Ende der Bahn wichtig.
Bis hierher fuhr der Güterverkehr noch, als der Rest nach Höchstadt längst ruhte.
Er endete am 31. Dezember 1999.
Die Stadt-Umland-Bahn Erlangen sollte in den 1990er Jahren auch auf dieser Strecke fahren.
Als erste Stufe war ein Dieselbetrieb zwischen Forchheim und Hemhofen geplant, später sollte er nach Höchstadt verlängert werden.
2002 scheiterten die Verhandlungen, weil die Gemeinden das finanzielle Risiko nicht tragen wollten.
Ende 2002 begann die DB Netz ein Verfahren zur Abgabe und Stilllegung des Abschnitts Forchheim–Hemhofen.
Die Deutsche Regionaleisenbahn pachtete ihn eine Zeit lang, ihre Bemühungen blieben erfolglos.
Am 1. April 2005 wurde der Abschnitt stillgelegt.


Zeckern
In Zeckern, einem Ortsteil von Hemhofen, ist ein ehemaliges Empfangsgebäude erhalten.
Es wird teilweise von verschiedenen privaten Mietern oder Eigentümern genutzt.
In der Nähe des früheren Bahnhofs liegen noch Gleisreste.
Adelsdorf
Auch in Adelsdorf bekam die Strecke ein eigenes Stationsgebäude.
Reste der Trasse sind bei Adelsdorf noch zu sehen.


Gremsdorf
Gremsdorf war ein weiterer Halt mit eigenem Gebäude.
Am bekanntesten ist der Ort für den Deckenbaubahnhof, der 1961 und 1962 für den Autobahnbau betrieben wurde.
Nach dem Ende der Arbeiten verschwand diese Anlage wieder.
Höchstadt (Aisch)
Höchstadt war der Endbahnhof.
1995 fanden hier die letzten Dampfzugfahrten statt, im Zusammenhang mit dem Altstadtfest.
Sie liefen am Samstag, 26. August 1995 mit zwei Fahrten und am Sonntag, 27. August 1995 mit drei Pendelfahrten zwischen Forchheim und Höchstadt.
Alle Haltestellen wurden bedient, und der Zug übernachtete im Bahnhof Höchstadt.
Eingesetzt war die Dampflok 23 105.
Kurz vor der Stilllegung stellte die DB noch einige Güterwagen im Bahnhof Höchstadt zu, die Geschäftsleute für Lieferungen nutzten.
Abgeholt wurden sie erst im März 1996.
Zum Empfangsgebäude gehen die Angaben auseinander.
Eine Quelle nennt es als erhalten und von Mietern genutzt, eine andere spricht davon, die Trasse samt Bahnhofsgebäude in Höchstadt sei abgerissen worden.
Niedergang und Ende
Am 28. September 1984 endete der Personenverkehr.
Im selben Jahr gründete sich der Verein „Localbahn Aischgrund e. V.“, der einen Museumsbahnverkehr einrichten wollte.
Das gelang nur zum Teil, der Verein vermittelte Fahrten anderer Museumsbahnen und hat sich inzwischen aufgelöst.
Der letzte Güterzug zwischen Hemhofen und Höchstadt fuhr am 2. März 1995.
Der Eisenbahn-Bundesamt-Bescheid datiert vom 11. Juli 1995, und die Stilllegung dieses Abschnitts erfolgte zum 1. Oktober 1995.
Am 4. September 2007 eröffnete das Eisenbahn-Bundesamt das Beteiligungsverfahren zur Entwidmung der gesamten Strecke.
Es endete am 21. Februar 2008 antragsgemäß, seitdem ist die Strecke rechtlich keine Bahn mehr.
So sieht es jetzt aus
Die ursprüngliche Trasse ist im Luft- und Satellitenbild noch erkennbar und teilweise geschottert.
An einigen Stellen ist sie unterbrochen oder überbaut.
Teile der Flächen sollen für Ortsumgehungsstraßen und Bahntrassenradwege genutzt werden.
Die Buslinie 206 im Verkehrsverbund Großraum Nürnberg bedient zwischen Forchheim und Zeckern Haltestellen nahe der früheren Bahnhöfe.



Damals und heute
Damals fuhren 1963 werktags neun Zugpaare in den Aischgrund.
Heute setzt man im Aischgrund im Nahverkehr auf Busse.
Der Gedanke einer Stadtbahn auf der Trasse war über Jahre Teil der Stadt-Umland-Bahn, und die Strecke gehörte zu deren geplantem Maximalnetz.
Die Geschichte in Daten
1869: Erster Projektentwurf für eine Lokalbahn Neustadt–Höchstadt–Forchheim–Bayreuth.
1879: Die Kammer der Reichsräte beschließt, nur noch vereinfachte Nebenbahnen zu bauen.
30. April 1888: Prinzregent Luitpold genehmigt den Bau.
1. Juni 1891: Die Wiesenttalbahn geht in Betrieb, danach beginnen die Arbeiten im Aischgrund.
16. November 1892: Eröffnung der Lokalbahn Forchheim–Höchstadt.
1961/62: Deckenbaubahnhof bei Gremsdorf für den Bau der A 3.
28. September 1984: Ende des Personenverkehrs.
2. März 1995: Letzter Güterzug zwischen Hemhofen und Höchstadt.
26. und 27. August 1995: Letzte Dampfzugfahrten.
1. Oktober 1995: Stilllegung des Abschnitts Hemhofen–Höchstadt.
31. Dezember 1999: Ende des Güterverkehrs nach Hemhofen.
1. April 2005: Stilllegung des Abschnitts Forchheim–Hemhofen.
21. Februar 2008: Die Entwidmung der gesamten Strecke wird abgeschlossen.
Häufige Fragen
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Warum fährt heute kein Zug mehr?
Wie hieß die Strecke noch?
Ist die Strecke noch eine Bahnstrecke?
Wer heute durch den Aischgrund fährt, sieht noch Brücken und Gebäude, die der Bahn gehörten.
Wikipedia: Bahnstrecke Forchheim–Höchstadt · infranken.de: Das letzte Dampfross an der Aisch · Wikipedia (englisch): Forchheim–Höchstadt railway · Wikimedia Commons: Bahnstrecke Forchheim–Höchstadt
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