Die stillen Bahnhöfe der Hohenstaufenbahn: Klepperle und Josefle
Zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen fahren seit 1984 keine Personenzüge mehr. Auf der Trasse liegt ein Radweg, und alle Bahnhofsgebäude stehen noch.

Lage: Zwischen Schwäbisch Gmünd (Remstal) und Göppingen (Filstal). Status: Personenverkehr seit 2. Juni 1984 eingestellt, Güterverkehr bis 1994. Heute: Auf der Trasse verläuft ein Rad- und Wanderweg, alle Bahnhofsgebäude sind erhalten.
Dieser Beitrag begleitet die ehemalige Hohenstaufenbahn zwischen Schwäbisch Gmünd und Göppingen.
Der Hauptbahnhof Schwäbisch Gmünd ist in Betrieb und hat einen eigenen Beitrag: Der Bahnhof Schwäbisch Gmünd, wo einst das Klepperle nach Göppingen abfuhr.
Hier geht es um die Halte dazwischen, von Schwäbisch Gmünd Süd bis Rechberghausen.
Alte freie Fotos gibt es nur von wenigen Stellen, die meisten Bilder zeigen den Zustand nach der Stilllegung.
Wie die Strecke entstand
Im 19. Jahrhundert scheiterten alle Gespräche über eine Hauptbahn zwischen Rems- und Filstal.
Ab 1907 wurde die Hohenstaufenbahn deshalb als Nebenbahn gebaut.
Am 1. August 1911 eröffneten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen den Abschnitt von Schwäbisch Gmünd bis Wäschenbeuren.
Am 14. Mai 1912 folgte der Abschnitt bis Göppingen.
Erklärtes Ziel war es, die ländlichen Orte zwischen den beiden Städten gut zu erschließen, und das zeigt sich an der hohen Zahl der Stationen auch in kleineren Orten.
Die Strecke war zudem eine der wenigen württembergischen Nebenbahnen, die nicht als Stichbahn endete, sondern beiderseits an bedeutenden Städten und Bahnstrecken.
Der Name leitet sich vom Berg Hohenstaufen ab, volkstümlich hieß die Bahn Klepperle in der Gmünder und Josefle in der Göppinger Gegend.
So sah es vorher aus: die Strecke im Betrieb
Die 27,24 Kilometer lange Nebenbahn begann im Remstal auf 319 Metern Höhe und stieg an den Bergen Rechberg und Hohenstaufen vorbei.
Bei der Ortschaft Maitis erreichte sie mit 445 Metern ihren höchsten Punkt und fiel dann zum Filstal auf 307 Meter ab.
Die größten Steigungen betrugen jeweils 2,5 Prozent, und die Trasse bestand überwiegend aus Kurven mit Radien von mindestens 200 Metern.
Die ersten Betriebsjahre endete die Strecke bis zum 29. April 1917 am provisorischen Haltepunkt Göppingen Nebenbahn, 720 Meter westlich des heutigen Göppinger Bahnhofs.
Nach dem Umbau des Bahnhofs Göppingen wurde diese Station ersatzlos aufgegeben.
Von April bis August 1945 hing die Anbindung von Schwäbisch Gmünd und Schorndorf allein von der Hohenstaufenbahn ab, weil Brückensprengungen die Strecke Stuttgart–Nördlingen unterbrochen hatten.
Seit der Nachkriegszeit fuhren die meisten Personenzüge als Uerdinger Schienenbusse.
Bis Mai 1980 verkehrte täglich ein Güterzug mit Personenbeförderung.

Niedergang und Ende
Von 1974 bis 1981 gingen die Fahrgastzahlen um 22 Prozent zurück.
1981 wurden im Abschnitt Schwäbisch Gmünd–Wäschenbeuren durchschnittlich 387 Reisende täglich gezählt, zwischen Wäschenbeuren und Göppingen 1.054.
Gleise und Gleisbett waren seit dem Bau nicht grundlegend erneuert worden, und der Zustand verschlechterte sich.
Die Deutsche Bundesbahn forderte Millionenhilfen, doch weder der Bund noch die Landkreise waren dazu bereit und verwiesen auf den Bahnbusverkehr.
1982 leitete die Bundesbahn ein Stilllegungsverfahren ein und stellte trotz Protesten der kleineren Gemeinden zum 2. Juni 1984 den Personenverkehr auf der Gesamtstrecke ein.
Die letzte Fahrt begleiteten etwa 1.000 Fahrgäste.
Der Güterverkehr endete in Stufen: am 2. Juni 1984 zwischen Schwäbisch Gmünd und Maitis-Hohenstaufen, zum 1. Januar 1986 bis Faurndau Nord und zum 28. Februar 1994 bis Göppingen.
Schwäbisch Gmünd Süd
Die Strecke begann am Südende der Remsbrücke in Schwäbisch Gmünd.
Das Bahnhofsgebäude ist erhalten und wird heute als Gaststätte genutzt.
Ein Schild an der Strecke trägt noch den Namen des Haltepunkts.


Die Stahlbrücke über die Rems aus dem Jahr 1909, knapp 30 Meter lang und rund 60 Tonnen schwer, wurde im April 2009 in das Schwäbische Bauern- und Technikmuseum in Seifertshofen gebracht.
Die Brücke über die Stuttgarter Straße wurde 1998 für den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 29 abgebaut.
Straßdorf
Straßdorf lag von 1911 bis 1984 an der Hohenstaufenbahn.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude blieb erhalten.
Die neue Kirche St. Cyriakus wurde 1914 und 1915 in Bahnhofsnähe gebaut, weil die Alte Kirche wegen des Denkmalschutzes weder abgerissen noch umgebaut werden durfte.
Zwischen Schwäbisch Gmünd und Straßdorf lag eine der beiden größten Steigungen der Strecke.
Zur heutigen Nutzung des Gebäudes sind keine Angaben belegt.
Metlangen-Hohenrechberg
Aufnahmen aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg zeigen die Bahnhofseinfahrt mit dem Empfangsgebäude und einen Schienenbus kurz vor dem Ende der Strecke.
Zu seiner heutigen Nutzung sind keine Angaben belegt.



Reitprechts und Lenglingen
Reitprechts und Lenglingen waren kleine Haltestellen.
Lenglingen lag nahe der Kreisgrenze zwischen dem Ostalbkreis und dem Landkreis Göppingen.
Über ihre Gebäude und ihre heutige Nutzung ist nichts Belegtes bekannt.
Maitis-Hohenstaufen
Am Südrand von Maitis lag mit rund 445 Metern die höchstgelegene Station der Strecke.
Der Güterverkehr zwischen Schwäbisch Gmünd und Maitis-Hohenstaufen endete zusammen mit dem Personenverkehr am 2. Juni 1984, der Abschnitt bis Faurndau Nord folgte zum 1. Januar 1986.
Das Gebäude des Bahnhofs ist erhalten.

Wäschenbeuren
Wäschenbeuren war der Endpunkt des ersten Bauabschnitts und ist als „Josefle“-Ort bekannt.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude wird heute als Kindergarten genutzt und gilt als sehenswert.
Der Württemberger Tälerradweg führt auf der Trasse durch den Ort.

Birenbach
Mit der Hohenstaufenbahn kam Birenbach 1912 an das Netz der Württembergischen Eisenbahn.
Der ehemalige Bahnhof ist erhalten und dient heute als Bürgerhaus.
Zwischen Birenbach und Wäschenbeuren lag die zweite der beiden größten Steigungen.

Adelberg-Börtlingen
Die Station Adelberg-Börtlingen lag rund vier Kilometer vom Ort Adelberg entfernt.
Nach der Gemeindebeschreibung war sie von 1912 bis 1962 in Betrieb, nach der Streckenbeschreibung galt der Name Adelberg-Börtlingen nur bis 1962.
Weitere Angaben zu dem Halt sind nicht belegt.
Rechberghausen
Rechberghausen war von 1912 bis 1984 an die Hohenstaufenbahn angebunden.
Im ehemaligen Bahnhof in der Bahnhofstraße 30 spielt heute das Amateurtheater „Theater im Bahnhof“ mit regelmäßigem Spielplan.
2007 wurde im Rahmen eines Grünprojekts nördlich des Bahnhofs der Bahndamm abgetragen und der Radweg neu trassiert.

Vorher und nachher: aus Bahnhöfen werden Nachbarn
Alle Bahnhofsgebäude der Strecke sind bis heute erhalten.
Sie werden verschieden genutzt, in Wäschenbeuren als Kindergarten, in Rechberghausen als Theater, in Schwäbisch Gmünd Süd als Gaststätte und in Birenbach als Bürgerhaus.
Die Gleise wurden 1986 und 1987 abgebaut, um den Radweg herzustellen, nur der Restabschnitt Faurndau Nord–Göppingen blieb zunächst liegen.
So sieht es jetzt aus
Die Stadt Schwäbisch Gmünd und andere Anlieger übernahmen die Trasse und ließen ab 1988 einen asphaltierten Rad- und Wanderweg bauen.
Er wurde am 7. Juli 1990 als Wander- und Radweg Stauferland eröffnet und ist wegen der Aussichtspunkte und gleichmäßigen Steigungen bei Radfahrern beliebt.
Seit der Stilllegung verkehrt eine Buslinie weitgehend parallel zur Bahnstrecke.

Eine vom Land Baden-Württemberg 2020 beauftragte Studie hielt eine Reaktivierung für möglich.
Die Machbarkeitsstudie von 2021 bis 2023 ergab jedoch ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 0,09, weit unter dem nötigen Wert von 1.
Die Gutachter sehen deshalb keine Grundlage für eine Reaktivierung.
1907: Der Bau der Hohenstaufenbahn beginnt.
1911: Eröffnung von Schwäbisch Gmünd bis Wäschenbeuren (1. August).
1912: Eröffnung bis Göppingen (14. Mai).
1917: Der Haltepunkt Göppingen Nebenbahn wird aufgegeben (29. April).
1945: Die Strecke ist von April bis August die einzige Verbindung für Schwäbisch Gmünd.
1982: Die Bundesbahn leitet das Stilllegungsverfahren ein.
1984: Der Personenverkehr endet (2. Juni).
1990: Der Rad- und Wanderweg Stauferland wird eröffnet (7. Juli).
1994: Der Güterverkehr zwischen Faurndau Nord und Göppingen endet (28. Februar).
Wann fuhr der letzte Personenzug?
Gibt es noch Bahnhofsgebäude?
Kann man die Trasse befahren?
Warum hieß die Bahn Klepperle und Josefle?
Wird die Bahn wieder aufgebaut?
Die Hohenstaufenbahn ist heute vor allem ein Radweg, doch ihre Bahnhöfe stehen noch und erinnern an die Zeit, als sie die Dörfer am Fuß von Rechberg und Hohenstaufen mit zwei Städten verband.
Wikipedia: Hohenstaufenbahn · Wikipedia: Straßdorf (Schwäbisch Gmünd) · Wikipedia: Wäschenbeuren · Wikipedia: Rechberghausen · Wikipedia: Birenbach · Wikipedia: Maitis · Wikipedia: Adelberg · de-academic: Hohenstaufenbahn (Stationsübersicht)
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