Die Elbschetalbahn von Witten nach Schwelm: Eine Strecke für Europa, die Stückwerk blieb

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Elbschetalbahn von Witten nach Schwelm: Eine Strecke für Europa, die Stückwerk blieb

Die Elbschetalbahn war als Entlastungsstrecke bis Köln gedacht, wurde aber nur ein Torso. Ihr mittlerer Abschnitt mit Wengern West, Albringhausen und Asbeck ist seit 1983 stillgelegt und wird Radweg.

VORHER · 2002

Der ehemalige Bahnhof Albringhausen in Wetter.

Der ehemalige Bahnhof Albringhausen in Wetter. Foto: Morty at de.wikipedia, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
NACHHER · 2022

Der ehemalige Bahnhof Albringhausen im Februar 2022.

Der ehemalige Bahnhof Albringhausen im Februar 2022. Foto: DiAuras, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1926
Erster Abschnitt eröffnet
1934
Gesamte Strecke in Betrieb
1979
Ende des Personenverkehrs
1983
Stilllegung des Mittelteils

Lage: Ennepe-Ruhr-Kreis, zwischen Witten, Wetter und Gevelsberg. Status: Mittelteil stillgelegt, Enden noch in Betrieb. Heute: Radweg auf Teilen der Trasse, Viadukt als Denkmal.

Die Elbschetalbahn von Witten nach Schwelm sollte Teil einer Entlastungsstrecke aus dem Ruhrgebiet in Richtung Köln werden.

Geplant war, sie über Schwelm hinaus nach Süden via Lennep bis Köln zu verlängern, doch die Ereignisse des Ersten Weltkriegs ließen das nicht mehr zu.

So blieb sie ein Torso, dessen mittlerer Abschnitt heute stillgelegt ist und dessen Enden noch in Betrieb sind.

Dieser Beitrag geht die stillgelegten Halte Witten-Höhe, Wengern West, Albringhausen und Asbeck sowie die Bauwerke dazwischen ab.

Alte freie Fotos der Halte liegen nicht vor, deshalb zeigen die Bilder den Zustand seit 2002.

Wie die Elbschetalbahn entstand

Die Arbeiten an der Strecke begannen 1911, doch die Fertigstellung zog sich bis 1934 hin.

Der wirtschaftliche Niedergang während des Krieges und danach war der Grund für die lange Bauzeit, obwohl die meisten Arbeiten bereits vor 1914 fertig waren.

Die notwendigen Restarbeiten wurden zu Beginn der 1930er Jahre als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme erledigt.

Die Baukosten beliefen sich schließlich auf 50 Millionen Reichsmark.

Am 4. Oktober 1926 eröffnete die Deutsche Reichsbahn zunächst den Abschnitt von Witten Hauptbahnhof über Witten-Höhe nach Wengern Ost mit Anschluss an die Ruhrtalbahn von Hattingen nach Hagen.

Er diente rund zehn Jahre lang ausschließlich dem Güterverkehr, um die Bahnstrecke Elberfeld–Dortmund zu entlasten.

Der 4,6 Kilometer lange zweigleisige Abschnitt von Witten Hauptbahnhof bis Wengern Ost wird noch heute für den Güterverkehr genutzt.

Karte der Bahnstrecke Witten–Schwelm.
Karte der Bahnstrecke Witten–Schwelm. Foto: Markus Schweiß, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

So sah es vorher aus: eine Strecke in europäischen Dimensionen

Aus eisenbahntechnischer Sicht war die Strecke optimal ausgeführt, mit zweigleisiger Trasse, geringen Steigungen, großen Kurvenradien und großen Tunnelquerschnitten.

Es gab keine niveaugleichen Straßenübergänge, die Planung dachte in europäischen Dimensionen.

Dennoch blieb die Strecke Stückwerk und erreichte nie die ihr zugedachte Bedeutung.

Von 1934 bis 1939 verkehrten täglich 23 Personenzüge, davon fünf Eilzüge, dazu kam Güterverkehr in erheblichem Umfang.

Witten-Höhe

Witten-Höhe lag an dem 1926 eröffneten Abschnitt und war der Ausgangspunkt der eingleisigen Strecke Richtung Schwelm.

Dieser 17 Kilometer lange Abschnitt von Witten-Höhe nach Schwelm sollte Teil der Entlastungsstrecke werden.

Weitere Angaben zum Halt Witten-Höhe sind nicht belegt.

Wengern West: der Halt vor dem Viadukt

Der Bahnhof Wengern West wurde bis zum 30. November 1979 auf der Strecke nach Schwelm angefahren.

Am Ende des Mühlenwegs in Wetter-Wengern sind der Bahnsteig und ein altes Schild noch zu sehen.

Im Jahr 2018 war am Bahnsteig der originale Sockel zu erkennen, in den ein Rastplatz des Radwegs eingeschnitten wurde.

Der Bahnsteig am ehemaligen Bahnhof Wengern West, 2008.
Der Bahnsteig am ehemaligen Bahnhof Wengern West, 2008. Foto: mdornseif, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Elbschetal-Radweg am ehemaligen Bahnhalt Wengern West im April 2018, links der Sockel des Bahnsteigs.
Der Elbschetal-Radweg am ehemaligen Bahnhalt Wengern West im April 2018, links der Sockel des Bahnsteigs. Foto: Im Fokus, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

In der Nähe liegt der fünfbögige Elbschetal-Viadukt, der das Tal der Elbsche und die Trienendorfer Straße überspannt.

Er wurde 1934 aus Ruhrsandstein gebaut und steht auf der Denkmalliste der Stadt Wetter.

Die Gleise wurden 1984 demontiert.

Der Viadukt wurde aufwendig restauriert und ist Teil des Elbschetal-Radwegs.

Der Elbschetalviadukt in Wetter-Wengern, 2004.
Der Elbschetalviadukt in Wetter-Wengern, 2004. Foto: Markus Schweiß, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Der Elbschetalviadukt an der Trienendorfer Straße, 2011.
Der Elbschetalviadukt an der Trienendorfer Straße, 2011. Foto: Frank Vincentz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Beim Bau der Strecke musste das Haus abgerissen werden, in dem die Kochbuchautorin Henriette Davidis lange gewirkt hatte.

Die Platte ihres Herdes, an dem sie viele ihrer Rezepte entwickelt hatte, wurde in eine kleinere Brücke eingemauert.

Die Brücke findet sich am Henriette-Davidis-Weg in Wengern.

Das Henriette-Davidis-Denkmal in Wengern an der Brücke der Elbschetalbahn.
Das Henriette-Davidis-Denkmal in Wengern an der Brücke der Elbschetalbahn. Foto: Markus Schweiss, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Albringhausen: Bahnhof mit Gaststätte

Der Bahnhof Albringhausen im Wetteraner Ortsteil Esborn wurde am 15. Mai 1934 eröffnet.

Er stand für den Personen- und Güterverkehr zur Verfügung.

Vor dem Krieg hielten hier die Personenzüge zwanzigmal täglich, Eilzüge fuhren durch.

Der Personenverkehr endete am 30. November 1979, die Strecke wurde zum 1. Januar 1983 stillgelegt.

Im Bahnhofsgebäude befindet sich heute eine Gaststätte, das Gebäude ist in Privatbesitz.

Asbeck: ein Haltepunkt ohne Personal

Der Haltepunkt Asbeck wurde am 15. Mai 1934 eröffnet und bis 1979 genutzt.

Am 2. Oktober 1960 wurde die Besetzung des Haltepunkts aufgegeben, und das Bahnhofsgebäude wurde zu einem Wohnhaus umgewandelt.

Anfang der 1980er Jahre wurde die Strecke stillgelegt.

Der Geländeeinschnitt der Strecke durchzieht Asbeck bis heute in Nord-Süd-Richtung.

Das alte Bahngebäude des Haltepunkts Asbeck an der Neuenlander Straße, 2009.
Das alte Bahngebäude des Haltepunkts Asbeck an der Neuenlander Straße, 2009. Foto: Holger1959, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Silscheder Tunnel und Klosterholztunnel: Rüstung im Krieg

Der Silscheder Tunnel ist 845 Meter lang und ging 1934 in Betrieb, die Stilllegung erfolgte 1983.

Im Zweiten Weltkrieg wurden er und andere nahe Tunnel zur Untertageverlagerung der Rüstungsproduktion genutzt.

Im Silscheder Tunnel, Tarnname Buchfink, reparierte die Firma Hansen & Co. aus Münster Flugzeuge des Typs Messerschmitt Bf 109.

Das Nordportal des Silscheder Tunnels.
Das Nordportal des Silscheder Tunnels. Foto: Markus Schweiß, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Klosterholztunnel ist 350 Meter lang und wurde mit der Strecke am 15. Mai 1934 für den Schienenverkehr freigegeben.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs richtete der NS-Staat dort unter dem Tarnnamen Goldammer eine Flugzeugreparaturwerkstätte ein.

Die Reichsbahn stellte dafür im September 1944 den fahrplanmäßigen Verkehr auf der Strecke komplett ein, und eine Einsatzgruppe der Organisation Todt baute den Tunnel um.

Die Firma Ludwig Hansen aus Münster begann am 1. Januar 1945 mit der Instandsetzung von Kampfflugzeugen der Wehrmacht.

Neben den Arbeitern der Firma wurden Zwangsarbeiter aus Osteuropa eingesetzt.

Das Nordportal des Klosterholztunnels, 2020.
Das Nordportal des Klosterholztunnels, 2020. Foto: Joel1272, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Stilllegung

Der Betrieb wurde nach 1945 wieder aufgenommen, der Verkehr nahm aber in der Nachkriegszeit kontinuierlich ab.

Auf dem mittleren Teil von Witten-Höhe über Wengern West und Albringhausen nach Gevelsberg West wurde am 30. November 1979 der Personenverkehr eingestellt.

Am 14. Januar 1980 wurde dieser Abschnitt für den Gesamtverkehr gesperrt und zum 1. Januar 1983 stillgelegt.

Der nördliche Teil dient heute nur noch dem Güterverkehr, der südliche Abschnitt durch den 945 Meter langen Linderhauser Tunnel wird von den S-Bahn-Linien S 8 und S 9 befahren.

Der Bahnhof Gevelsberg West, der 1934 als Umsteigebahnhof in Betrieb ging, wird weiterhin von der S-Bahn bedient.

Vorher und nachher: der Bahnhof Albringhausen

Aus dem Bahnhof, an dem früher Personen- und Güterzüge hielten, wurde ein Gebäude mit Gaststätte.

Nach der Stilllegung 1983 fehlte der Strecke der Zugverkehr, doch das Empfangsgebäude blieb erhalten.

Das ehemalige Empfangsgebäude steht heute in Privatbesitz.

So sieht es jetzt aus

Auf der stillgelegten Strecke ist ein Radweg im Aufbau, der Teil des Von-Ruhr-zur-Ruhr-Radwegs ist.

Im August 2017 wurde der Abschnitt von Witten bis Albringhausen fertiggestellt.

Ein rund zwei Kilometer langes Teilstück zwischen Silschede und Albringhausen ist noch nicht ausgebaut.

Der Silscheder Tunnel wäre mit 845 Metern ungewöhnlich lang für einen Fahrradtunnel, die Beleuchtung würde erhebliche Kosten verursachen.

Die Planung ist zudem aus Gründen des Fledermausschutzes umstritten.

Die Geschichte in Daten

1911: Beginn der Bauarbeiten an der Strecke.

1926: Der Abschnitt Witten Hauptbahnhof–Wengern Ost wird eröffnet.

1934: Die Gesamtstrecke bis Schwelm geht in Betrieb.

1944: Die Reichsbahn stellt für die U-Verlagerung den fahrplanmäßigen Verkehr ein.

1979: Der Personenverkehr zwischen Witten-Höhe und Gevelsberg West endet.

1983: Stilllegung des mittleren Abschnitts.

1984: Die Gleise am Elbschetalviadukt werden demontiert.

2017: Der Radweg zwischen Witten und Albringhausen wird fertiggestellt.

Häufige Fragen

Wie lang ist die Elbschetalbahn?
Der eingleisige Abschnitt von Witten-Höhe nach Schwelm ist 17 Kilometer lang, dazu kommen 4,6 Kilometer zweigleisige Strecke ab Witten Hauptbahnhof.
Wann endete der Personenverkehr?
Auf dem mittleren Abschnitt am 30. November 1979.
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Der mittlere Abschnitt wurde zum 1. Januar 1983 stillgelegt.
Was ist aus dem Bahnhof Albringhausen geworden?
Im Gebäude befindet sich heute eine Gaststätte.
Was geschah in den Tunneln im Zweiten Weltkrieg?
Sie wurden als U-Verlagerungen für die Rüstung genutzt, im Klosterholztunnel wurden dabei auch Zwangsarbeiter aus Osteuropa eingesetzt.
Gibt es einen Radweg?
Ja, auf Teilen der Trasse, der Abschnitt von Witten bis Albringhausen wurde im August 2017 fertiggestellt.

Die Elbschetalbahn war eine Strecke, die mehr sein sollte, als sie wurde.

Ihre Viadukte, Tunnel und Bahnhofsgebäude erinnern an diesen Anspruch.

Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Witten–Schwelm · Wikipedia: Bahnhof Albringhausen · Wikipedia: Klosterholztunnel · Wikipedia: Silscheder Tunnel · Wikipedia: Elbschetal-Viadukt · Wikipedia: Von-Ruhr-zur-Ruhr-Radweg

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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