Gaubahn und Creglinger Stichbahn: stille Halte im oberen Taubertal

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Gaubahn und Creglinger Stichbahn: stille Halte im oberen Taubertal

Zwei verbundene Nebenbahnen führten von Weikersheim und Bieberehren ins Taubertal. Der Personenverkehr endete 1967 und 1974, die Gleise verschwanden bis 1994.

Der frühere Bahnhof Reinsbronn 1983, das Gebäude ist bereits in Privatbesitz, auf dem Ladegleis stehen offene Güterwagen für die nächste Zuckerrübensaison.
Der frühere Bahnhof Reinsbronn 1983, das Gebäude ist bereits in Privatbesitz, auf dem Ladegleis stehen offene Güterwagen für die nächste Zuckerrübensaison. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1909
Eröffnung nach Weikersheim und Creglingen
1967
Personenverkehr nach Creglingen endet
1974
Personenverkehr der Gaubahn endet
1992
Letzter Güterverkehr

Lage: Taubertal zwischen Weikersheim, Bieberehren und Creglingen. Status: stillgelegt, Gleise abgebaut. Heute: Gaubahn-Radweg, in Creglingen steht ein Einkaufszentrum auf dem Bahnhofsgelände.

Von Weikersheim und von Bieberehren aus liefen im oberen Taubertal zwei Nebenbahnen, die eng zusammengehörten: die Gaubahn und die Stichbahn nach Creglingen.

Beide Strecken sind stillgelegt, die Gleise sind abgebaut.

Dieser Beitrag behandelt die Halte, die in Baden-Württemberg lagen oder ihnen zugeordnet sind: Schäftersheim, Weikersheim Stadt, Reinsbronn, Klingen und Creglingen.

Alte freie Fotos gibt es nur von Reinsbronn aus dem Jahr 1983, deshalb zeigen die übrigen Bilder die Reste der Bahn.

Zwei Strecken, ein Netz

Die Gaubahn war eine 36,552 Kilometer lange Nebenbahn von Ochsenfurt am Main über Bieberehren nach Weikersheim.

Sie wurde am 30. April 1907 zunächst bis Röttingen eröffnet und am 17. November 1909 bis Weikersheim verlängert.

Für den letzten Abschnitt waren die württembergischen Staatseisenbahnen verantwortlich, obwohl nur Weikersheim und Schäftersheim auf württembergischem Gebiet lagen.

Am selben Tag erhielt Bieberehren einen Abzweig nach Creglingen.

Die Bedeutung der Gaubahn lag im Transport landwirtschaftlicher Güter, vor allem der Zuckerrüben aus dem Ochsenfurter Gau.

Der Güterverkehr wurde deshalb erheblich länger bedient als der Personenverkehr, der am 29. September 1974 endete.

Wegen einer maroden Brücke wurde der Abschnitt Röttingen–Schäftersheim zum Jahreswechsel 1983/84 stillgelegt.

Nach Einschränkungen zwischen Weikersheim und Schäftersheim endete der Güterverkehr dort am 29. September 1990.

Zwischen Ochsenfurt und Röttingen fuhr der letzte Güterzug am 31. Mai 1992, bis März 1994 wurden die Gleise abgebaut.

Im Volksmund hieß die Gaubahn auch „Gaublitz“, eine Anspielung auf die geringe Geschwindigkeit.

Weikersheim Stadt: ein Halt für den Stadtkern

Der Haltepunkt Weikersheim Stadt diente mit seiner stadtnahen Lage der besseren Erschließung des Ortes.

Am Haltepunkt bestand damals auch eine Anbindung an ein nahe gelegenes Bezirkskrankenhaus.

Die Bedienung wurde Ende 1923 eingestellt, andere Angaben nennen 1924.

Der Bahnhof Weikersheim selbst wurde von 1867 bis 1870 errichtet und liegt als Keilbahnhof weiter an der Tauberbahn.

Vom 17. November 1909 bis zum 31. Mai 1992 zweigte dort die Nebenbahn nach Ochsenfurt ab.

Schäftersheim: Steinbahnhof und Rübenrampe

Der Bahnhof Schäftersheim lag bei Kilometer 34,4 auf der nördlichen Seite der Tauber.

Das Bahnhofsgebäude wurde von den württembergischen Staatseisenbahnen gebaut, und anders als die bayerischen Bauten an der Gaubahn nicht aus Holz, sondern aus Stein.

Der Bahnhof hatte Einrichtungen für den Personen- und Güterverkehr und eine Zuckerrüben-Verladerampe.

Dort, wo heute das Baugebiet „Romantische Straße Süd“ liegt, stand eine große Rübenverladerampe, von der die Bauern die Rüben direkt zur Zuckerfabrik Ochsenfurt in die Waggons kippten.

Das Bahnhofsgebäude steht noch, ist aber in privater Hand und ein Wohnhaus.

Hinter dem Bahnhof überquerte die Strecke die Tauber mit zwei Öffnungen von je 24,5 Metern und anschließend eine Hochwasserbrücke mit drei Öffnungen von je 16,5 Metern.

Reste einer Gaubahnbrücke liegen zwischen Weikersheim und Schäftersheim.

Reste einer Eisenbahnbrücke der Gaubahn zwischen Weikersheim und Schäftersheim, 2017.
Reste einer Eisenbahnbrücke der Gaubahn zwischen Weikersheim und Schäftersheim, 2017. Foto: Schorle, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Dieselbe Brücke zwischen Weikersheim und Schäftersheim, aufgenommen 2017.
Dieselbe Brücke zwischen Weikersheim und Schäftersheim, aufgenommen 2017. Foto: Schorle, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Stichbahn Bieberehren–Creglingen

Die Stichstrecke war 6,14 Kilometer lang und normalspurig.

Sie folgte dem Lauf der Tauber flussaufwärts und wurde am 17. November 1909 eröffnet.

Obwohl zwei Drittel der Trasse auf bayerischer Gemarkung lagen, wurde sie von den Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbaut und betrieben.

Pläne, sie bis Rothenburg ob der Tauber zu verlängern, konnten nie verwirklicht werden.

Zum Februar 1967 stellte die Bundesbahn den Personenverkehr ein und ersetzte ihn durch Bahnbusse, der genaue Tag wird unterschiedlich angegeben.

Güterverkehr gab es in begrenztem Umfang noch bis Ende Mai 1992.

Reinsbronn: ein württembergischer Bahnhof auf bayerischem Gebiet

Der Bahnhof Reinsbronn lag bei Kilometer 2,16 an der Einmündung der Staatsstraße 2256 in die Staatsstraße 2268.

Obwohl Reinsbronn in Baden-Württemberg liegt, stand die Station auf der Gemarkung von Bieberehren im damaligen Landkreis Ochsenfurt, heute Landkreis Würzburg in Bayern.

Das Stationsgebäude baute die württembergische Staatsbahn aus Stein, genau wie in Tauberrettersheim und Schäftersheim.

Außerhalb der Zuckerrübensaison wurden die offenen Güterwagen auf einem Ladegleis abgestellt.

1983 war das Gebäude bereits in Privatbesitz, der Ladebereich hatte drei hohe Lampenständer, und auch hier stand die „obligatorische Bahnhofskastanie“.

Der Bahnhof Reinsbronn im Frühjahr 1983, Blick Richtung Bieberehren.
Der Bahnhof Reinsbronn im Frühjahr 1983, Blick Richtung Bieberehren. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Höhenmarke 257,542 Meter über NN am Bahnhof Reinsbronn, angebracht 1911 beim Bau der Strecke Bieberehren–Creglingen.
Die Höhenmarke 257,542 Meter über NN am Bahnhof Reinsbronn, angebracht 1911 beim Bau der Strecke Bieberehren–Creglingen. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Klingen: ein Halt ohne Rentabilität

Der Haltepunkt Klingen lag bei Kilometer 3,8, etwas außerhalb südöstlich des Ortes am Talweg.

Wegen fehlender Rentabilität wurde seine Bedienung bereits 1924 eingestellt.

Weitere Angaben zum Halt sind nicht belegt.

Creglingen: Einkaufszentrum auf dem Bahnhofsgelände

Der Bahnhof Creglingen lag bei Kilometer 6,14 auf der nördlichen Seite der Tauber an der L 2251.

Er hatte ein Verwaltungsgebäude mit angebautem Güterschuppen und Rampe, ein Nebengebäude mit Aufenthalts- und Übernachtungsräumen, einen Lokschuppen, eine Drehscheibe und einen geräumigen Verladeplatz.

Das Bahnhofsgebäude wurde bereits 1983 abgerissen.

An seiner Stelle steht heute ein Einkaufszentrum.

Zwischen Reinsbronn und Creglingen wurde die Strecke zu einem Bahntrassenradweg umgestaltet.

So sieht es jetzt aus

Von Ochsenfurt bis Bieberehren bildet die Trasse den Gaubahn-Radweg, der inzwischen durchgehend asphaltiert ist.

Von der Stichbahn bleibt der Bahntrassenradweg zwischen Reinsbronn und Creglingen.

In Creglingen steht das Einkaufszentrum auf dem früheren Bahnhofsgelände, in Schäftersheim ein Wohnhaus im früheren Bahnhofsgebäude.

Das Gebäude in Reinsbronn war schon 1983 in Privatbesitz, wie es heute genutzt wird, ist nicht belegt.

Die Geschichte in Daten

1907: Die Gaubahn wird am 30. April bis Röttingen eröffnet.

1909: Verlängerung nach Weikersheim und Eröffnung der Strecke nach Creglingen am 17. November.

1923: Bedienung des Haltepunkts Weikersheim Stadt wird eingestellt, andere Angaben nennen 1924.

1924: Der Haltepunkt Klingen wird nicht mehr bedient.

1967: Personenverkehr nach Creglingen endet.

1974: Personenverkehr der Gaubahn endet am 29. September.

1983: Das Bahnhofsgebäude Creglingen wird abgerissen.

1990: Güterverkehr Weikersheim–Schäftersheim endet am 29. September.

1992: Ende des Güterverkehrs auf der Stichbahn und zwischen Ochsenfurt und Röttingen.

1994: Die Gleise sind abgebaut.

Häufige Fragen

Wie lang war die Stichbahn nach Creglingen?
Sie war 6,14 Kilometer lang und normalspurig.
Wann endete der Personenverkehr?
Nach Creglingen im Februar 1967, auf der Gaubahn am 29. September 1974.
Was steht heute auf dem Bahnhofsgelände von Creglingen?
Das Bahnhofsgebäude wurde 1983 abgerissen, an seiner Stelle steht ein Einkaufszentrum.
Warum liegt der Bahnhof Reinsbronn in Bayern, der Ort aber in Baden-Württemberg?
Die Station stand auf der Gemarkung von Bieberehren, gehörte aber zum württembergischen Reinsbronn und wurde von der württembergischen Staatsbahn erbaut.
Kann man die Trasse heute nutzen?
Ja, als Radweg: der Gaubahn-Radweg von Ochsenfurt nach Bieberehren und der Bahntrassenradweg zwischen Reinsbronn und Creglingen.
Quellen und Bildrechte

Bahnstrecke Bieberehren–Creglingen (Wikipedia) · Gaubahn (Wikipedia) · Gaubahn (WürzburgWiki) · Schäftersheim (Wikipedia) · Bahnstrecke Crailsheim–Königshofen (Wikipedia) · Fotos: Wikimedia Commons

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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