Die stillen Halte der Hochwaldbahn im Saarland: von Sötern bis Bierfeld
Auf der Hochwaldbahn zwischen Türkismühle und der Landesgrenze fuhren bis 1969 Reisende, später Güter- und Museumszüge. Heute liegt auf der Trasse der Bahnradweg St. Wendeler Land.

Lage: Saarland, Gemeinden Nohfelden, Nonnweiler und Freisen. Status: stillgelegt und zurückgebaut. Heute: Der Bahnradweg St. Wendeler Land nutzt die Trasse.
Die Hochwaldbahn verband Trier über Hermeskeil mit Türkismühle, in diesem Beitrag geht es um ihren saarländischen Abschnitt.
Hier fuhren bis 1969 Reisende, danach noch Güterzüge und bis 2012 Museumszüge.
2019 und 2020 wurden die Gleise abgebaut, auf der Trasse wurde der Bahnradweg St. Wendeler Land angelegt.
Die Halte zwischen Gonnesweiler und der Landesgrenze bei Bierfeld sind damit endgültig stillgelegt.
Freie Fotos aus der Betriebszeit der einzelnen Halte sind kaum vorhanden, dieser Beitrag nennt deshalb nur, was die Quellen belegen.
Die Verbindung von Nonnweiler nach Wemmetsweiler, die Primstalbahn, hat einen eigenen Beitrag.
Wie die Strecke entstand
Der erste Abschnitt der Hochwaldbahn von Trier nach Hermeskeil ging 1889 in Betrieb.
Die Fortsetzung nach Südosten wurde 1890 und 1892 gesetzlich beschlossen, 1890 für Hermeskeil über Nonnweiler nach Wemmetsweiler, 1892 für Nonnweiler nach Türkismühle.
Bei Sötern sollte die Bahn durch das Fürstentum Birkenfeld führen, weshalb zuerst ein Staatsvertrag mit dem Großherzogtum Oldenburg nötig war.
Im Mai 1897 war die Verbindung von Hermeskeil über Nonnweiler nach Türkismühle fertig, im Dezember folgte die Strecke nach Wemmetsweiler.
Der Abschnitt Hermeskeil bis Türkismühle war 22,9 Kilometer lang, die gesamte Strecke von Trier nach Türkismühle 75,8 Kilometer.
Zwischen 1911 und 1913 wurde die Strecke zweigleisig ausgebaut.
Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg diente sie der Versorgung der deutschen Armee an den westlichen Kriegsschauplätzen.
Zwischen Trier und Hermeskeil war der Verkehr lebhaft, der Abschnitt von Hermeskeil nach Türkismühle blieb dagegen hinter den Erwartungen zurück.
So sah es vorher aus: eine Bahn mit militärischer Bedeutung
Weil der Personenverkehr auf dem Abschnitt Hermeskeil bis Türkismühle den Erwartungen nicht entsprach, wurde er am 1. Juni 1969 eingestellt.
Der Güterverkehr lief hier noch bis zum 5. November 2000.
Dass die Trasse nicht verfiel, hing mit ihrer militärischen Bedeutung zusammen, die Strecke wurde betriebsfähig vorgehalten.
Das machte Museumsfahrten des Vereins Hochwaldbahn e. V. möglich.
1997 verzichtete die NATO auf diese Vorhaltung, danach wurde die Stilllegung durch das Eisenbahn-Bundesamt genehmigt.
Gonnesweiler: in den Quellen kaum greifbar
Zu einem Halt Gonnesweiler liegen in den ausgewerteten Quellen keine Angaben vor, weder zu Eröffnung noch zu Gebäuden.
Wer ihn auf dem Plan der Halte sucht, findet nur den Namen.
Bostalsee: ein Name aus der Radweg-Debatte
Für einen Halt am Bostalsee gibt es keine belegten Angaben zur Bahnzeit.
Der See taucht in den Quellen nur in der Diskussion um die Zukunft der Strecke auf.
Eine Bürgerinitiative wollte Synergien mit dem nahen Bostalsee und dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald für einen Personenverkehr nutzen.
Sötern: die Strecke durch das Fürstentum Birkenfeld
In Sötern gab es einen Bahnhof an der Hochwaldbahn.
Der Ort gehörte von 1817 an zum oldenburgischen Fürstentum Birkenfeld, deshalb war für den Bau der Strecke ein Staatsvertrag mit dem Großherzogtum Oldenburg nötig.
Ein Gebäudeabriss, eine Umnutzung oder eine Zugzahl sind für Sötern nicht belegt.
Schwarzenbach: Haltepunkt mit Gasthof
Der Haltepunkt Schwarzenbach bei Streckenkilometer 64,0 entstand erst nach der Eröffnung der Strecke, im Zuge des zweigleisigen Ausbaus zwischen 1911 und 1913.
Zur gleichen Zeit wurde direkt daneben die Gaststätte Zum Bahnhof gebaut.
Der Erbauer hatte vorher eine Konzession von der Königlich-Preußischen Eisenbahnverwaltung erhalten.
Die Wirtsleute führten nicht nur die Gaststätte, sondern auch die Gepäckabfertigung und den Fahrkartenverkauf, dazu betrieben sie eine Landwirtschaft.
Nach der Stilllegung der Strecke 1969 bestand die Gaststätte noch bis 2010.
Bei einer Erfassung 2016 war der Haltepunkt selbst stark verfallen, das Haltestellenschild beschädigt und die Bahnsteigkante teilweise verwittert, aber noch erkennbar.
Das Gasthofgebäude war in gutem Zustand, weil es als Wohnhaus genutzt wird.
Otzenhausen: Bahnhof, der verschwand
Der Bahnhof Nonnweiler-Otzenhausen entstand 1897 im zweiten Bauabschnitt der Hochwaldbahn von Hermeskeil nach Türkismühle und lag bei Streckenkilometer 62,2.
Er hatte eine Rampe, ein Nebengebäude und ein Empfangsgebäude mit Güterabfertigung.
Seine Nutzung endete wahrscheinlich 1969 mit der Einstellung des Verkehrs, das Gebäude wurde zwischen 1969 und 1971 abgerissen.
Die vom Gleis abgehende Bahnhofsdurchfahrt wurde zwischen 1989 und 1994 entfernt.
2016 fanden sich nur noch die Gleise, Spuren des Bahnhofs waren nicht mehr erkennbar, das Gelände war stark verwildert.
Ein 2005 gebauter Bahnübergang erschließt das Gewerbegebiet Otzenhausen, dafür wurden die Stahlschwellen im betroffenen Bereich gegen Betonschwellen getauscht.

Nonnweiler: Abzweigbahnhof am Gleisdreieck
Der Bahnhof Nonnweiler wurde 1897 gebaut und liegt im Süd-Südosten des Ortes, zwischen dem Nonnweiler Viadukt und dem Gleisdreieck.
Er war neben Ruwer und Hermeskeil der dritte Abzweigbahnhof der Hochwaldbahn, über das Gleisdreieck war die Strecke mit der Linie nach Wemmetsweiler verbunden.
Für den Personenverkehr hatte er drei einseitige Bahnsteige, für den Güterverkehr zwei Aufstellgleise und zwei Ladegleise mit Rampe und Güterschuppen.
Das Empfangsgebäude aus Backstein enthielt einen Wartesaal mit Fahrkartenausgabe, eine Bahnhofsgaststätte sowie Wohnungen und Büros.
Bei der Erfassung 2016 befanden sich Empfangsgebäude und Güterschuppen in privatem Besitz, das Gebäude wurde als Ausstellungsraum und Wohngebäude genutzt und war in gutem Zustand.
Südlich des Bahnhofs führte eine 1897 erbaute Wegüberführung aus Stahlgerüst und Holzbohlen über die Gleise, im Oktober 2016 waren die Bohlen so morsch, dass ein sicheres Überqueren nicht mehr möglich war.

Bierfeld: letzter Halt vor der Landesgrenze
Die Hochwaldbahn hatte einen Haltepunkt in Bierfeld.
Der Ort liegt nordwestlich von Nonnweiler an der Autobahnanschlussstelle Nonnweiler-Bierfeld.
Der Abschnitt von Türkismühle bis zur Landesgrenze bei Bierfeld kam im Oktober 2019 in das Eigentum der Ökoflächen Management GmbH, einer Tochter der Naturlandstiftung Saar.
Fotos von 2012 zeigen das frühere Stationsgebäude von der Gleis- und von der Straßenseite.


Stilllegung, Rückbau und Bahnradweg
Ab dem 31. August 2012 war der Abschnitt Hermeskeil bis Türkismühle wegen des Ablaufs der Betriebsgenehmigung gesperrt, 2014 wurde er stillgelegt.
Im März 2019 begann die DB Netz AG, den rund vier Kilometer langen Abschnitt von Hermeskeil bis zur Landesgrenze abzubauen.
Der Rückbau ohne vorherige Genehmigung wurde von der Presse und von Bahnbefürwortern heftig kritisiert, das Eisenbahn-Bundesamt befasste sich mit dem Fall.
Im März 2020 wurde auch der Rest bis Türkismühle abgebaut.
Der Landkreis St. Wendel und mehrere Gemeinden setzten auf einen Radweg, das Projekt war in der Bevölkerung sehr umstritten.
Eine Bürgerinitiative sammelte innerhalb weniger Tage mehr als 1.300 Unterschriften und forderte, die Gleise zu erhalten.
Die geplanten Baukosten stiegen von zunächst 5 auf Ende 2019 mindestens 9,3 Millionen Euro.
Im Mai 2023 wurde der 30 Kilometer lange Bahnradweg St. Wendeler Land zwischen Freisen und Nonnweiler-Bierfeld eröffnet.
So sieht es jetzt aus
Wer heute zwischen Türkismühle und Bierfeld unterwegs ist, folgt der alten Trasse auf einem Radweg.
Gleise gibt es im saarländischen Abschnitt nicht mehr.
Einzelne Gebäude haben überdauert, so der Bahnhof Nonnweiler, die Gaststätte in Schwarzenbach und das Stationsgebäude in Bierfeld.
Der Bahnhof Otzenhausen ist dagegen vollständig verschwunden.
Vorher und nachher: Otzenhausen und Schwarzenbach
In Otzenhausen standen 1897 Empfangsgebäude, Rampe und Nebengebäude, nach 1971 war das Gebäude abgerissen und 1994 auch die Bahnhofsdurchfahrt entfernt.
In Schwarzenbach entstand 1911 bis 1913 ein Haltepunkt mit Gasthof, der Gasthof wurde bis 2010 betrieben und ist heute ein Wohnhaus.
Beide Orte zeigen, wie unterschiedlich die Stationen nach 1969 weiterlebten.
Die Geschichte in Daten
1889: Trier bis Hermeskeil eröffnet.
1892: Gesetz für den Bau von Nonnweiler nach Türkismühle.
1897: Hermeskeil bis Türkismühle und Nonnweiler fertig.
1911: Beginn des zweigleisigen Ausbaus bis 1913, Haltepunkt Schwarzenbach.
1969: Personenverkehr zwischen Hermeskeil und Türkismühle endet.
2000: Güterverkehr endet.
2012: Strecke wegen abgelaufener Betriebsgenehmigung gesperrt.
2014: Stilllegung.
2019: Rückbau bis zur Landesgrenze beginnt.
2020: Rest bis Türkismühle abgebaut.
2023: Bahnradweg St. Wendeler Land eröffnet.
Häufige Fragen
Fährt auf der Hochwaldbahn noch ein Zug?
Wann endete der Personenverkehr?
Wer fuhr zuletzt auf der Strecke?
Was ist auf der Trasse heute?
Warum fehlen Angaben zu Gonnesweiler und Bostalsee?
Von der Hochwaldbahn im Saarland blieben Brücken, einzelne Gebäude und die Trasse als Radweg.
Die Quellen nennen mehr zu Nonnweiler, Otzenhausen und Schwarzenbach als zu den Halten im Westen der Strecke.
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