Halles stille Gleise: Güterbahnhof, Hafenbahn, Heidebahnhof und Dölau

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Halles stille Gleise: Güterbahnhof, Hafenbahn, Heidebahnhof und Dölau

Neben dem Hauptbahnhof hatte Halle (Saale) Güterbahnhöfe, eine Hafenbahn und Stationen der Halle-Hettstedter Eisenbahn. Der Beitrag zeigt, was davon stillgelegt wurde und was aus den Anlagen geworden ist.

Das Stellwerk Ht2 im Alten Thüringer Güterbahnhof im Jahr 2010.
Das Stellwerk Ht2 im Alten Thüringer Güterbahnhof im Jahr 2010. Foto: Bahntech, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1871
Güterbahnhof in Betrieb
1895
Hafenbahn eröffnet
1991
Güterbahnhof geschlossen
2017
Heidebahnhof–Dölau wieder in Betrieb

Lage: Halle (Saale), Sachsen-Anhalt. Status: Der Thüringer Güterbahnhof wurde 1991 geschlossen, die Hafenbahn am 8. Juli 1991 stillgelegt. Heute: Das Gelände des Güterbahnhofs ist eine Park- und Sportanlage, am Standort Klaustor liegt ein Kaufhaus-Parkplatz.

Halle (Saale) hatte neben dem Hauptbahnhof mehrere Bahnanlagen, die heute nicht mehr im Regelbetrieb sind.

Dieser Beitrag behandelt den Thüringer Güterbahnhof, die Hafenbahn, den Bahnhof Klaustor, den Heidebahnhof, den Bahnhof Dölau und die Strecke bei Holleben.

Der Bahnhof Klaustor ist nur kurz beschrieben, weil es zur Halle-Hettstedter Eisenbahn einen eigenen Beitrag gibt.

Bis auf ein Lokomotivfoto von 1922 stammen die freien Fotos aus den Jahren 2010 bis 2021.

Der Thüringer Güterbahnhof

Der Thüringer Güterbahnhof war von 1871 bis 1991 für den Güterumschlag in Betrieb.

Er entstand in der Gründerzeit als Erweiterung der Güterbahnanlagen südlich des damaligen Thüringer Personenbahnhofs.

Damit wurde er der Ausgangspunkt des Gütertransports auf der Bahnstrecke Halle–Bebra.

Um 1890 wurden die Gleisanlagen in Halle mit dem Bau des Hauptbahnhofs grundsätzlich umgestaltet.

Der Güterbahnhof verlor dabei seine direkte Verbindung zur Thüringer Bahn.

1895 nahm die Hafenbahn vom Sophienhafen ihren Betrieb auf, 1896 die Halle-Hettstedter Eisenbahn.

Der Thüringer Güterbahnhof wurde nun zum großen Güterbahnhof für die Strecke nach Hettstedt und für die 1895 eröffnete Industriebahn, die viele Fabriken im Süden Halles anschloss.

Zur Anlage zählten alle Hauptgleise, seilzugbetriebene Weichen, doppelte Kreuzweichen und ein Ablaufberg im Südbereich.

Dazu kamen zwei Formsignale, die Stellwerke Ht 1 und Ht 2, ein großer Güterschuppen, ein kleiner Abstellschuppen, ein Geräteschuppen, ein Signalfernsprecherhaus und ein beschrankter Bahnübergang an der Raffineriestraße.

Der Bahnhof zählt zu den ältesten noch zusammenhängenden Bahnanlagen aus der Zeit der Privat- und Länderbahnen.

Ehemalige Weiche zur Wagenverladung an der Culemeyer-Rampe im Jahr 2010.
Ehemalige Weiche zur Wagenverladung an der Culemeyer-Rampe im Jahr 2010. Foto: Bahntech, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Mit dem Ende der Halle-Hettstedter Eisenbahn im Zuge des Baus von Halle-Neustadt verlor der Güterbahnhof 1968 seine Bedeutung.

Er bediente nun nur noch die wenigen verbliebenen Industrieanschlüsse im Süden der Stadt.

1991 wurde er endgültig geschlossen.

Das Gelände samt Gleisvorfeld wurde in eine Park- und Sportanlage umgewandelt.

Einige frühere Gebäude stehen noch und werden von Betrieben, Vereinen und der Deutschen Bahn genutzt.

Die alte Bahntrasse der Thüringer Eisenbahn zwischen dem Alten Thüringer Güterbahnhof und der Dieselstraße.
Die alte Bahntrasse der Thüringer Eisenbahn zwischen dem Alten Thüringer Güterbahnhof und der Dieselstraße. Foto: Bahntech, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Hafenbahn und der Sophienhafen

Die Hafenbahn Halle war eine sechs Kilometer lange Güteranschlussbahn im Stadtgebiet.

Der Spatenstich erfolgte am 2. Juni 1893.

Am 9. Januar 1895 nahm die Hallesche Hafenbahn AG den Betrieb zwischen dem Thüringer Güterbahnhof, der Turmstraße und dem Sophienhafen auf.

Die Station Turmstraße hieß später Industriebahnhof Halle Süd.

Die Strecke verlief in einem langen Bogen im Westen und Süden um die Stadt und kreuzte viermal die meterspurige Straßenbahn.

Sie war ausschließlich dem Güterverkehr vorbehalten.

Vom Bahnhof Turmstraße führte außerdem die 1,2 Kilometer lange Industriebahn Halle nach Norden.

Zum Industriebahnhof Turmstraße gehörten ein Gleisnetz, zwei Rollbockgruben, ein Lokschuppen und ein Gebäude für den Fahrdienstleiter.

1897 fusionierte die Hafenbahngesellschaft mit der Halle-Hettstedter Eisenbahn-Gesellschaft.

Der Sophienhafen war 1857 angelegt worden und diente zunächst vor allem als Winterquartier für bis zu 30 Lastkähne.

Mit der Hafenbahn gewann er als Güterumschlagplatz an Bedeutung, es siedelten sich Gewerbe- und Tanklagerbetriebe an.

Ab 1926 wurde mit dem Hafen Halle im Stadtteil Trotha ein neuer Hafen errichtet, der Sophienhafen wurde außer Betrieb genommen.

Ehemaliger Lokschuppen der Hafenbahn Halle.
Ehemaliger Lokschuppen der Hafenbahn Halle. Foto: Milenavaleska, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Hafenbahn selbst wurde am 8. Juli 1991 stillgelegt und abschnittsweise im Rahmen von Straßenbauarbeiten zurückgebaut.

Gleisreste sind noch im Bereich des Bahnhofs Turmstraße zu finden, weitere liegen in der Hafenstraße.

Teile der Strecke werden heute als Fuß- und Radweg genutzt.

Die Hafenbahnbrücke über die Saale zwischen Böllberger Weg und Pulverweiden, ein Stahlbau mit Lohseträger, steht heute Fußgängern zur Verfügung.

Hafenbahngleise als Fuß- und Radweg, hier bei der Überquerung der Straße der Republik.
Hafenbahngleise als Fuß- und Radweg, hier bei der Überquerung der Straße der Republik. Foto: Milenavaleska, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Radweg auf dem Damm der früheren Hafenbahn an der Turmstraße.
Radweg auf dem Damm der früheren Hafenbahn an der Turmstraße. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Halle Klaustor

Historische Aufnahme der Lokomotive Nr. 154 der Halle-Hettstedter Eisenbahn von 1922.
Historische Aufnahme der Lokomotive Nr. 154 der Halle-Hettstedter Eisenbahn von 1922. Foto: Werkfoto Krauss, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Der Bahnhof Klaustor war der Anfangsbahnhof der Halle-Hettstedter Eisenbahn in der westlichen Innenstadt von Halle.

Er wurde nach dem Klaustor benannt, einem der sechs Stadttore von Halle.

Mit dem Ende des Personenverkehrs und der Einstellung des Güterverkehrs am 28. September 1968 verlor er seine Bedeutung.

Die Anlagen sind nicht mehr erhalten, an ihrer Stelle befindet sich der Parkplatz eines Kaufhauses.

Mehr zur Geschichte steht im Beitrag über die Halle-Hettstedter Eisenbahn.

Der Heidebahnhof

Der frühere Bahnhof Halle-Heidebahnhof.
Der frühere Bahnhof Halle-Heidebahnhof. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Empfangsgebäude des Heidebahnhofs entstand um 1896 für die Halle-Hettstedter Eisenbahn-Gesellschaft.

Der Kern ist bauzeitlich erhalten, die Gestaltung ist schlicht, aber repräsentativ und folgt dem Heimatschutzstil.

Östlich schließt ein eingeschossiger Stationsanbau an.

Der ursprüngliche westliche Anbau war ein eingeschossiger Saalbau in Fachwerkbauweise, der vermutlich nur der Ausflugsgastronomie diente.

Westlich begrenzt eine Schrankenanlage das Ensemble.

Für den Ausflugsverkehr in die Dölauer Heide war der Bahnhof von hoher Bedeutung.

Am 1. August 2002 wurde der Verkehr im Abschnitt von Nietleben über den Heidebahnhof nach Dölau eingestellt.

Das Gebäude ist heute instandgesetzt.

Am 28. April 2017 wurde der Abschnitt zwischen Heidebahnhof und Dölau nach Aufarbeitung wieder in Betrieb genommen, seitdem wird er touristisch genutzt.

Der frühere Bahnhof Halle-Heidebahnhof aus einer anderen Richtung.
Der frühere Bahnhof Halle-Heidebahnhof aus einer anderen Richtung. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Halle-Heidebahnhof im Jahr 2021.
Halle-Heidebahnhof im Jahr 2021. Foto: Giorno2, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Dölau

Der frühere Bahnhof Halle-Dölau.
Der frühere Bahnhof Halle-Dölau. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Die Ortschaft Dölau war früher ein Bahnhofsstandort.

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Dölau wurde 1929 als anspruchsvoller Massivbau aus Ziegelmauerwerk errichtet und ersetzte einen kleineren Vorgängerbau.

Zum Empfangsgebäude gehörten eine anschließende Güterabfertigung und eine Laderampe.

Die Gestaltung ist schlicht-repräsentativ, mit der typischen Ziegelgliederung der 1920er Jahre.

Das Gebäude ist weitgehend in bauzeitlicher Form erhalten und zu einem Wohngebäude umgenutzt.

Die Bahnstrecke verband Dölau früher mit dem Hauptbahnhof von Halle und mit Hettstedt, sie wurde zum größten Teil abgebaut.

Dölau war der westliche Endpunkt der S-Bahn Halle, bis der Verkehr 2002 eingestellt wurde.

Ein Förderverein möchte die Strecke wiederherstellen und mit Museumszügen befahren.

Der frühere Bahnhof Halle-Dölau, aufgenommen im Jahr 2014.
Der frühere Bahnhof Halle-Dölau, aufgenommen im Jahr 2014. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Der Raum Holleben

Die Strecke Merseburg–Halle-Nietleben entstand, um das neu gegründete Halle-Neustadt direkt mit den Chemiebetrieben Buna und Leuna zu verbinden.

Der Bau begann am 2. Januar 1966, am 24. April 1967 ging die Strecke in Betrieb.

In Halle-Neustadt mündet sie in die frühere Strecke der Halle-Hettstedter Eisenbahn ein.

In den 1980er Jahren beförderten die sogenannten Pelzerzüge täglich rund 9.600 Chemiearbeiter zwischen Halle-Neustadt und den Buna-Werken.

Die Beförderungskapazität lag bei bis zu 1.200 Personen je Zug.

Nach der Wende sanken die Fahrgastzahlen deutlich, weil die Produktion der Buna-Werke umgestellt wurde und zahlreiche Arbeitsplätze wegfielen.

Zuletzt verkehrten sechs Zugpaare im Berufsverkehr montags bis freitags, sie brauchten zwischen Merseburg und Halle-Nietleben 22 Minuten.

Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 wurden die Personenzüge abbestellt, die Züge fuhren letztmals zwei Tage zuvor.

Das Teilstück von Holleben bis zum S-Bahn-Haltepunkt Halle Zscherbener Straße wurde 2011 zur Stilllegung ausgeschrieben.

Mit Wirkung zum 31. August 2011 stimmte das Eisenbahn-Bundesamt dem Stilllegungsantrag der DB Netz AG zu.

Anfang Februar 2022 wurden in diesem Abschnitt die Oberleitungsanlagen zurückgebaut.

Im Güterverkehr behält die Strecke zwischen Merseburg und Holleben für den Anschluss der Buna-Werke ihre Bedeutung.

Weitere Angaben zu einem Bahnhof Holleben sind nicht belegt.

Die Geschichte in Daten

1857: Der Sophienhafen wird angelegt.

1871: Der Thüringer Güterbahnhof geht in Betrieb.

1893: Am 2. Juni erfolgt der Spatenstich für die Hafenbahn.

1895: Am 9. Januar nimmt die Hafenbahn den Betrieb auf.

1896: Die Halle-Hettstedter Eisenbahn eröffnet, das Empfangsgebäude des Heidebahnhofs entsteht um dieses Jahr.

1897: Die Hafenbahngesellschaft fusioniert mit der Halle-Hettstedter Eisenbahn-Gesellschaft.

1926: Der Sophienhafen wird außer Betrieb genommen.

1929: Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Dölau wird gebaut.

1966: Am 2. Januar beginnt der Bau der Strecke Merseburg–Halle-Nietleben.

1967: Am 24. April geht die Strecke in Betrieb.

1968: Der Güterverkehr zwischen Klaustor und Nietleben endet am 28. September.

1991: Die Hafenbahn wird am 8. Juli stillgelegt, der Thüringer Güterbahnhof wird geschlossen.

2002: Am 1. August wird der Verkehr zwischen Nietleben, Heidebahnhof und Dölau eingestellt.

2007: Am 9. Dezember werden die Personenzüge zwischen Merseburg und Halle-Nietleben abbestellt.

2011: Zum 31. August wird die Stilllegung des Teilstücks ab Holleben genehmigt.

2017: Am 28. April geht der Abschnitt zwischen Heidebahnhof und Dölau wieder in Betrieb.

2022: Im Februar wird die Oberleitung zwischen Holleben und Halle Zscherbener Straße zurückgebaut.

Häufige Fragen

Wann wurde der Thüringer Güterbahnhof geschlossen?
Er wurde 1991 endgültig geschlossen.
Was ist aus dem Gelände geworden?
Es wurde in eine Park- und Sportanlage umgewandelt, einige frühere Gebäude werden weiter genutzt.
Wann wurde die Hafenbahn stillgelegt?
Die Hafenbahn wurde am 8. Juli 1991 stillgelegt.
Was steht heute am Standort des Bahnhofs Klaustor?
An seiner Stelle befindet sich der Parkplatz eines Kaufhauses.
Fährt heute etwas zwischen Heidebahnhof und Dölau?
Der Abschnitt wurde am 28. April 2017 wieder in Betrieb genommen und wird touristisch genutzt.
Was geschah mit der Strecke bei Holleben?
Das Teilstück von Holleben bis zum Haltepunkt Halle Zscherbener Straße wurde mit Wirkung zum 31. August 2011 stillgelegt.

Von den stillgelegten Bahnanlagen in Halle sind Gebäude, Gleisreste und Radwege geblieben, die Klaustor-Station dagegen ist verschwunden.

Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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