Die Vogteier Bimmel: Die Bahn von Mühlhausen nach Treffurt

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Vogteier Bimmel: Die Bahn von Mühlhausen nach Treffurt

Die Vogteier Bimmelbahn führte von Mühlhausen über den Kamm des Hainich nach Treffurt. 1911 eröffnet, wurde sie bis 1969 stillgelegt und abgebaut.

VORHER · 1914

Bahnhof Heyerode, 1914.

Bahnhof Heyerode, 1914. Foto: Otto Thomasczek, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2011

Der Alte Bahnhof östlich von Heyerode am Hainich.

Der Alte Bahnhof östlich von Heyerode am Hainich. Foto: Michael Fiegle, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1911
Eröffnung
1952
Treffurt nicht mehr angefahren
1968
Letzter Personenzug
1969
Letzter Güterzug

Strecke: Mühlhausen–Treffurt, 31,8 Kilometer. Status: stillgelegt und abgebaut. Heute: Abschnitte sind Teil des Unstrut-Werra-Radwegs, im Bahnhof Heyerode betreibt eine Gaststätte.

Die Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt, auch Vogteier Bimmelbahn genannt, war eine 31,8 Kilometer lange Nebenbahn durch Thüringen und Hessen.

Sie zweigte in Mühlhausen von der Bahnstrecke Gotha–Leinefelde ab und endete in Treffurt, wo sie auf die Bahnstrecke Schwebda–Wartha traf.

Die Preußische Staatsbahn eröffnete sie 1911 als normalspurige Nebenbahn, die deutsche Teilung brachte ihr bis 1969 das Ende.

Freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, die ältesten Aufnahmen dieses Beitrags stammen von 1914.

So sah es vorher aus: Treffurt und die Bahn nach Westen

Treffurt besaß schon vor 1911 einen Bahnanschluss.

Am 1. Mai 1902 wurde der Abschnitt Schwebda–Treffurt der Bahnstrecke Schwebda–Wartha eröffnet, die Treffurt über Wanfried mit Eschwege verband.

Bis 1907 wurde die Strecke von Treffurt über Falken, Mihla und Creuzburg nach Wartha verlängert, wo sie an die Thüringer Bahn zwischen Bebra und Eisenach anschloss.

Mit dieser Verlängerung wurde der Bahnhof Treffurt umgebaut und erweitert.

Er erhielt unter anderem einen Wasserturm und einen siebenständigen Lokschuppen mit Drehscheibe.

Der Bau und die Eröffnung 1911

Die Strecke wurde am 1. April 1911 zwischen Heyerode und Treffurt in Betrieb genommen.

Der Abschnitt zwischen Mühlhausen und Heyerode folgte am 1. Juli 1911.

Vom Bahnhof Mühlhausen führte sie nach Südwesten durch den Einschnitt des Rieseninger Berges zur Vogtei.

Von dort stieg sie mit einer Neigung von 1:40 auf die Höhe des Hainich bis zum Bahnhof Heyerode.

Hinter Heyerode passierte sie das Grenzhaus Heyerode und den fast einen Kilometer langen Diedorfer Einschnitt.

Wirtschaftlich hatten auch der Steinbruch bei Wendehausen und die Ziegelei bei Kleintöpfer Interesse an der Bahnlinie.

Letzte Gleise der Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt bei der Haltestelle Kleintöpfer.
Letzte Gleise der Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt bei der Haltestelle Kleintöpfer. Foto: Michael Schnittger Treffurt by www.move11.de, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Oberdorla: Der erste Halt hinter Mühlhausen

Oberdorla lag bei Streckenkilometer 6,96 auf 217,6 Metern Höhe.

Von 1911 bis 1969 hatte der Ort Anschluss an die Vogteier Bimmel, die das Mühlhäuser Becken über den Hainich mit dem Werratal verband.

Vom alten Bahnhof sind das Gebäude und Abschnitte des Bahndamms übrig geblieben.

Ein Radweg führt von Oberdorla teilweise über die ehemalige Strecke nach Diedorf und Felchta.

Rund 1.000 Meter östlich des ehemaligen Bahnhofs liegt in der Gemarkung Niederdorla der geografische Mittelpunkt Deutschlands.

Alte Bahnbrücke der Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt in Oberdorla.
Alte Bahnbrücke der Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt in Oberdorla. Foto: ErwinMeier, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Langula: Durch das Langulaer Tal

Der Bahnhof Langula lag bei Kilometer 9,10 auf 234,3 Metern Höhe.

Die Strecke verlief westlich von Langula durch das Langulaer Tal.

Die Trasse ist bis heute erhalten, auf ihr führt ein Abschnitt des Unstrut-Werra-Radweges.

Der Abschnitt Langula–Normannstein wurde zum Bahntrassenradweg umgestaltet.

Bis zum 2. September 1969 gab es noch Güterverkehr bis Langula.

Einschnitt im Langulaer Tal an der Strecke Mühlhausen–Treffurt, Ansicht von Otto Thomasczek.
Einschnitt im Langulaer Tal an der Strecke Mühlhausen–Treffurt, Ansicht von Otto Thomasczek. Foto: Otto Thomasczek (1854-1923), gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Heyerode: Der höchste Punkt der Strecke

Der Bahnhof Heyerode lag bei Kilometer 17,25 auf dem Kamm des Hainich in rund 428 Metern Höhe und war der höchste Punkt der Strecke.

Die Gemeinde Heyerode konnte sich mit der Bahngesellschaft nicht über den Standort einigen, deshalb entstand der Bahnhof auf der Gemarkung von Niederdorla, unmittelbar östlich von Heyerode.

Er sollte neben dem Personen- und Güterverkehr auch den Tourismus im Hainich fördern.

Neben dem Bahnhof gab es bereits die Waldgaststätte und das Kurhaus „Grenzhaus“, deren Ausflugs- und Kurbetrieb erweitert werden sollte.

Außerdem diente der Bahnhof dem Abtransport von Holz aus dem Hainichwald.

Zum Bahnhof gehörten sechs Gleise mit zwei Bahnsteigen und eine Gleiswaage am Freiladegleis, zwei der Gleise wurden 1945 zurückgebaut.

Das Empfangsgebäude hatte einen Dienstraum, einen Warteraum, eine Schalterhalle und Wohnungen für Bedienstete und war unter den Zwischenbahnhöfen der Strecke das bedeutendste.

Daneben standen ein Güterschuppen und weitere Bahngebäude.

Für die Wasserversorgung gab es einen Tiefbrunnen und im Empfangsgebäude einen Hochbehälter.

1968 wurde der Abschnitt zwischen Wendehausen und Langula stillgelegt und damit auch der Bahnhof Heyerode.

Zunächst nutzte man das Gelände für Rückbauarbeiten, danach stand der Bahnhof eine Zeit lang leer.

Von 1971 bis 1990 gehörte er dem VEB Westthüringer Kammgarnspinnereien Mühlhausen und diente als Ferien- und Urlauberheim.

Seit 1996 gehört er den Mühlhäuser Werkstätten für Behinderte, die dort zwei Jahre später den Landgasthof „Alter Bahnhof“ eröffneten.

Auf der ehemaligen Trasse führt der Unstrut-Werra-Radweg am Bahnhof vorbei.

Einen Kilometer westlich des Bahnhofs liegt das Heyeröder Viadukt, das größte Brückenbauwerk der Strecke.

Viadukt bei Heyerode, als Radweg befahrbar.
Viadukt bei Heyerode, als Radweg befahrbar. Foto: Dr. Karl Schlemmer, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
Viadukt des Unstrut-Werra-Radweges in Heyerode.
Viadukt des Unstrut-Werra-Radweges in Heyerode. Foto: ErwinMeier, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Diedorf: Station hinter dem langen Einschnitt

Der Bahnhof Diedorf lag bei Kilometer 21,06 auf 372,4 Metern Höhe.

Der Ort besaß eine Station an der Strecke, die ihn mit den Städten Mühlhausen, Treffurt und Wanfried verband.

Der Abschnitt Treffurt–Heyerode wurde inzwischen zum Bahntrassenradweg umgestaltet und ist Teil des Unstrut-Werra-Radwanderweges.

Der ehemalige Bahnhof Diedorf.
Der ehemalige Bahnhof Diedorf. Foto: Kartenlaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wendehausen: Endpunkt des Personenverkehrs

Wendehausen lag bei Kilometer 24,37 auf 301,7 Metern Höhe.

Hier endete der Personenverkehr, denn Personenzüge fuhren bis zum 29. September 1968 nur noch bis Wendehausen.

Der Steinbruch von Wendehausen mit angegliedertem Betonwerk wurde bis 1960 mit Güterzügen bedient, die bis zur Endstation Normannstein fuhren.

Der einstige Grenzstreifen wird als Teil des Biotop-Verbundes Grünes Band Deutschland unter Naturschutz gestellt.

Bahndamm mit Unterführung in Wendehausen.
Bahndamm mit Unterführung in Wendehausen. Foto: Kartenlaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Bahnbrücke im Hinteren Kreuztal bei Wendehausen.
Bahnbrücke im Hinteren Kreuztal bei Wendehausen. Foto: Kartenlaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Normannstein: Endstation für den Steinbruch

Der Haltepunkt Normannstein lag bei Kilometer 26,30 auf 260,7 Metern Höhe.

Bis 1960 fuhren noch Güterzüge bis zum Steinbruch Normannstein.

Kurz dahinter, bei Kilometer 28,7, verlief die Landesgrenze zwischen Thüringen und Hessen.

Der ehemalige Haltepunkt Normannstein der Vogteier Bimmelbahn.
Der ehemalige Haltepunkt Normannstein der Vogteier Bimmelbahn. Foto: Dr. Karl Schlemmer, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Feldmühle: Hessisches Gebiet kurz vor Treffurt

Ein Teil der Strecke kurz vor Treffurt mit dem Haltepunkt Feldmühle lag nach der deutschen Teilung in der Bundesrepublik.

Der Haltepunkt befand sich bei Kilometer 29,45.

Bis 1952 durchquerten die Züge das hessische Gebiet ohne Halt am Haltepunkt Feldmühle.

Ab 1952 wurde der Bahnhof Treffurt nicht mehr angefahren.

Treffurt: Endbahnhof mit Wasserturm

Der Bahnhof Treffurt, Endpunkt der Strecke bei Kilometer 31,79 auf 176,6 Metern Höhe, war ein Trennungsbahnhof an der Bahnstrecke Schwebda–Wartha.

Durch die Sprengung der Werrabrücken am Ende des Zweiten Weltkriegs und die anschließende Grenzziehung war der Verkehr von und nach Treffurt ab 1945 nur noch aus Richtung Mühlhausen möglich.

Am 3. Juli 1945 wurde der Verkehr in Richtung Schwebda eingestellt.

1952 stellte man den Bahnbetrieb in Treffurt ganz ein, weil die Strecke westlich von Treffurt ein Stück über hessisches Gebiet führte, und baute die Gleisanlagen unmittelbar danach zurück.

Der ehemalige Bahnhof in Treffurt, Ansicht von Norden.
Der ehemalige Bahnhof in Treffurt, Ansicht von Norden. Foto: Metilsteiner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Empfangsgebäude, ein verputzter zweigeschossiger Massivbau mit angebautem Güterschuppen aus Fachwerk, steht unter Denkmalschutz.

Auf dem früheren Gleisfeld entstanden Wohnhäuser und in den 2000er Jahren ein Lebensmittelmarkt.

Der Lokschuppen beherbergte nach dem Ende des Bahnbetriebes eine Außenstelle des VEB Kraftverkehr Eisenach und diente als Unterstellhalle für Omnibusse.

Der Wasserturm steht als technisches Denkmal unter Schutz und ist in Privatbesitz, er dient als Wohnung.

Für seine Sanierung erhielt der Eigentümer 2004 den Thüringer Denkmalschutzpreis.

Der ehemalige Bahnhof in Treffurt, Ansicht des Wasserturms.
Der ehemalige Bahnhof in Treffurt, Ansicht des Wasserturms. Foto: Metilsteiner, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Bahnhof Treffurt, Wasserturm und Lokschuppen von Süden.
Bahnhof Treffurt, Wasserturm und Lokschuppen von Süden. Foto: Dk0704, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Ende: 1968 und 1969

Infolge der deutschen Teilung wurde die Strecke bis 1968 stillgelegt.

Personenzüge fuhren bis zum 29. September 1968 bis Wendehausen.

Bis zum 2. September 1969 gab es noch Güterverkehr bis Langula.

Kurz nach der Stilllegung wurde die Strecke abgebaut.

So sieht es jetzt aus

Die Abschnitte Felchta–Oberdorla und Langula–Normannstein wurden zum Bahntrassenradweg umgestaltet.

Die Strecke ist ein Teil des Unstrut-Werra-Radweges.

Im alten Bahnhof Heyerode, dem Scheitelpunkt der Strecke, wird heute ein Ausflugslokal betrieben.

Der Bahnhof Treffurt steht samt seinem Wasserturm unter Denkmalschutz.

1. Mai 1902: Der Abschnitt Schwebda–Treffurt der Bahnstrecke Schwebda–Wartha wird eröffnet.

1907: Die Strecke ist von Treffurt bis Wartha verlängert.

1. April 1911: Der Abschnitt Heyerode–Treffurt geht in Betrieb.

1. Juli 1911: Der Abschnitt Mühlhausen–Heyerode folgt.

1. April 1945: Zurückweichende Wehrmachtseinheiten sprengen Werrabrücken zwischen Falken und Mihla.

3. Juli 1945: Der Verkehr von Treffurt nach Schwebda wird eingestellt.

1952: Der Bahnhof Treffurt wird nicht mehr angefahren.

1960: Letzte Güterzüge bis zum Steinbruch Normannstein.

29. September 1968: Letzte Personenzüge bis Wendehausen.

2. September 1969: Ende des Güterverkehrs bis Langula.

1971 bis 1990: Der Bahnhof Heyerode dient als Ferienheim.

1998: Der Landgasthof „Alter Bahnhof“ öffnet in Heyerode.

Wann wurde die Strecke eröffnet?
Der Abschnitt Heyerode–Treffurt am 1. April 1911, der Abschnitt Mühlhausen–Heyerode am 1. Juli 1911.
Wie lang war die Strecke?
Die Länge betrug 31,8 Kilometer.
Wo lag der höchste Punkt?
Im Bahnhof Heyerode auf dem Kamm des Hainich, auf rund 428 Metern Höhe.
Wann endete der Personenverkehr?
Personenzüge fuhren bis zum 29. September 1968 bis Wendehausen.
Warum wurde Treffurt ab 1952 nicht mehr angefahren?
Die Strecke führte westlich von Treffurt ein Stück über hessisches Gebiet und damit durch die Bundesrepublik.
Was ist heute im Bahnhof Heyerode?
Seit 1998 betreiben die Mühlhäuser Werkstätten für Behinderte dort den Landgasthof „Alter Bahnhof“.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt · Wikipedia: Bahnhof Heyerode · Wikipedia: Bahnhof Treffurt · Wikipedia: Oberdorla · Wikipedia: Langula · Wikipedia: Wendehausen · Wikipedia: Diedorf (Südeichsfeld) · Wikipedia: Treffurt

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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