Die stillen Halte der Strecke Werdau–Wünschendorf

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die stillen Halte der Strecke Werdau–Wünschendorf

Durch den Werdauer Wald und das Tal der Weißen Elster: Seit 1999 fährt hier kein Reisezug mehr, 2000 wurde die Strecke stillgelegt. Ein Rundgang durch die Halte, den Uranerz-Verlader Gauern und das Oschütztal-Viadukt bei Weida.

VORHER · um 1900

Das Oschütztal-Viadukt in Weida um 1900.

Das Oschütztal-Viadukt in Weida um 1900. Foto: Rudolf Eberhard Neuber, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.
NACHHER · 2009

Das Viadukt 2009: Die Strecke verläuft inzwischen 230 Meter nordwestlich auf einem Damm.

Das Viadukt 2009: Die Strecke verläuft inzwischen 230 Meter nordwestlich auf einem Damm. Foto: Хрюша, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1876
Eröffnung Werdau–Wünschendorf–Weida
1998
Mehrere Halte nicht mehr bedient
1999
Reiseverkehr eingestellt
2000
Stilllegung der Strecke

Strecke: Werdau–Wünschendorf (Elster), Teil der Bahnstrecke Werdau–Mehltheuer. Status: Reiseverkehr seit dem 30. Mai 1999 eingestellt, Stilllegung zum 15. November 2000 verfügt. Heute: Draisinenbetrieb der Werdauer Waldeisenbahn zwischen Werdau West und Teichwolframsdorf.

Der Abschnitt Werdau–Wünschendorf–Weida der Bahnstrecke Werdau–Mehltheuer wurde am 29. August 1876 von den Sächsischen Staatseisenbahnen eröffnet.

Seit dem 30. Mai 1999 fährt zwischen Werdau und Wünschendorf kein Reisezug mehr, die Stilllegung wurde zum 15. November 2000 verfügt.

Dieser Beitrag geht die Halte ohne Reisezüge der Reihe nach durch und endet am Oschütztal-Viadukt bei Weida.

Freie Fotos aus der Betriebszeit sind selten, es gibt eine Ansicht des Viadukts um 1900.

Die Strecke bis 1945

Seit 1900 verlässt die Strecke den Bahnhof Werdau in nordwestlicher Richtung und führt durch den Werdauer Wald.

Bis dahin verlief die Ausfahrt auf einer kürzeren Strecke in südwestlicher Richtung.

Der Bahnhof Werdau wurde um 1900 für rund 1,5 Millionen Mark grundlegend umgebaut.

Vor Wünschendorf schwenkt die Strecke in das Elstertal, wo sie auf die Elstertalbahn trifft.

Die Schäden des Zweiten Weltkriegs hielten sich in Grenzen, die Elsterbrücke bei Wünschendorf wurde jedoch gesprengt.

Im Rahmen der Reparationsleistungen wurde nach 1945 das zweite Gleis demontiert.

Werdau West

Der Haltepunkt Werdau West ging erst am 1. Februar 1916 mit der Streckenverlegung im Stadtgebiet von Werdau in Betrieb.

Mit der Einstellung des Zugverkehrs wurde er am 30. Mai 1999 stillgelegt.

Das hölzerne Empfangsgebäude und die Bahnsteiganlagen sind noch vorhanden.

Die zum Haltepunkt führende Straße zum Westbahnhof erinnert an die einstige Station.

Von Werdau West aus fährt die Werdauer Waldbahn.

Beim Bau der Werdauer Umgehungsstraße wurde auf ein Überführungsbauwerk verzichtet, deshalb ist die Trasse zwischen Werdau und Werdau West unterbrochen.

Der Bahnhof Werdau West, 2016.
Der Bahnhof Werdau West, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Die Wartehalle am Bahnhof Werdau West, 2016.
Die Wartehalle am Bahnhof Werdau West, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Langenbernsdorf

Die Station wurde am 29. August 1876 als Haltestelle Bauernsteig an der gleichnamigen Straße im Werdauer Wald eröffnet.

1905 wurde sie zum Bahnhof gewidmet und am 1. Mai 1908 in Langenbernsdorf umbenannt.

1933 erfolgte die Widmung zur Haltestelle, 1952 wiederum zum Bahnhof und 1983 zum Haltepunkt.

Am 24. Mai 1998, ein Jahr vor dem Ende des Reiseverkehrs, wurde die Station stillgelegt.

Das Empfangsgebäude ist noch vorhanden.

Der Haltepunkt Langenbernsdorf, 2016.
Der Haltepunkt Langenbernsdorf, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Teichwolframsdorf

Teichwolframsdorf wurde am 29. August 1876 als Haltestelle eröffnet und 1905 zum Bahnhof gewidmet.

Neben dem Empfangsgebäude gab es Wirtschaftsgebäude, die teilweise noch erhalten sind.

Von 1953 bis zur Stilllegung vor 1962 verkehrten über einen Gleisanschluss von Katzendorf nach Teichwolframsdorf Uranerzzüge zu den sächsischen Aufbereitungsbetrieben.

Am 30. Mai 1999 wurde der Bahnhof stillgelegt.

Beim Bau der Strecke lag die Grenze zwischen dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und dem Königreich Sachsen am Waldrand von Teichwolframsdorf.

Seit 1998 verläuft die Landesgrenze zwischen Thüringen und Sachsen östlich der Gleise bis zum Bahnübergang am Bahnhof.

Der Bahnhof Teichwolframsdorf, 2016.
Der Bahnhof Teichwolframsdorf, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Trünzig

Der Haltepunkt Trünzig wurde erst am 18. Mai 1952 eröffnet.

Am 24. Mai 1998 wurde er aufgelassen.

Neben einem Wohnhaus besaß er eine Wartehalle aus Stein, beide sind noch vorhanden.

Von 1958 bis 1990 war Trünzig in Richtung Mehltheuer der letzte Halt im Bezirk Karl-Marx-Stadt, seit 1990 ist es der letzte Halt im Freistaat Sachsen.

Empfangsgebäude und Wartehalle am Haltepunkt Trünzig, 2016.
Empfangsgebäude und Wartehalle am Haltepunkt Trünzig, 2016. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Seelingstädt und Chursdorf

Der Haltepunkt Chursdorf wurde am 1. Juli 1892 eröffnet.

1909 wurde der Name in Chursdorf b Werdau geändert, nach der Eingemeindung des Ortes nach Seelingstädt am 15. Mai 1939 in Seelingstädt (b Werdau) Hp.

Am 24. Mai 1998 wurde der Haltepunkt aufgelassen.

Der Bahnhof Seelingstädt (b Werdau) wurde am 29. August 1876 als Haltestelle eröffnet und 1905 zum Bahnhof gewidmet.

Um ihn entwickelte sich die Siedlung Bahnhof Seelingstädt, heute der größte Ortsteil von Seelingstädt.

Durch den Uranbergbau im Ronneburger Revier gewann der Bahnhof ab Ende der 1950er Jahre erheblich an Bedeutung.

Von hier zweigt die Wismut-Werkbahn nach Paitzdorf ab, die im Güterverkehr genutzt wird.

Am 30. Mai 1999 wurde der Bahnhof in einen Güterbahnhof umgewandelt.

Gauern: Verladestelle für Uranerz

Die Haltestelle Gauern wurde am 1. Oktober 1884 eröffnet und 1905 zum Bahnhof gewidmet.

1957 begann dort die Verladung von Uranerz aus dem Tagebau Culmitzsch.

Das Erz ging zur Weiterverarbeitung nach Lengenfeld, Dresden-Gittersee, Tannenbergsthal und Crossen bei Zwickau.

Am 11. September 1958 ging eine 2,2 Kilometer lange Anschlussbahn von Gauern zum Verladebahnhof Culmitzsch in Betrieb, die 1966 stillgelegt wurde.

Seit dem 24. Mai 1998 wurde der Haltepunkt nicht mehr bedient.

Der Abschnitt zwischen Seelingstädt und Gauern ist offiziell nicht stillgelegt, bis Anfang 2003 bediente die Wismut-Eisenbahn dort einen Güterkunden in Gauern.

Der Haltepunkt Gauern, 2018.
Der Haltepunkt Gauern, 2018. Foto: Dor Jörsch, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wolfersdorf und Endschütz

Der Haltepunkt Wolfersdorf (Kreis Greiz) wurde am 1. Oktober 1905 eröffnet und seit dem 24. Mai 1998 nicht mehr bedient.

Bis 1920 lag er im Großherzogtum beziehungsweise Freistaat Sachsen-Weimar-Eisenach und hieß zunächst Wolfersdorf bei Weida.

Die Station Endschütz wurde am 1. Oktober 1893 eröffnet.

Bis 1905 wurde sie als Haltestelle geführt, bis 1974 als Bahnhof und seitdem wieder als Haltepunkt.

Auch Endschütz wird seit dem 24. Mai 1998 nicht mehr bedient.

Das Empfangsgebäude aus roten Ziegelsteinen ist am Standort noch vorhanden.

Das Empfangsgebäude des Haltepunkts Endschütz, 2013.
Das Empfangsgebäude des Haltepunkts Endschütz, 2013. Foto: Steffen Mokosch, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Wünschendorf an der Elster

Die Haltestelle Wünschendorf wurde am 17. Juli 1875 mit der Bahnstrecke Gera Süd–Weischlitz eröffnet.

Am 1. August 1884 wurde sie zum Bahnhof hochgestuft.

Nach der Stilllegung der Abschnitte nach Weida und nach Werdau ist Wünschendorf nur noch Halt an der Strecke Gera Süd–Weischlitz.

Der Abschnitt Wünschendorf–Weida wurde zum 1. Mai 1997 stillgelegt, der Güterverkehr ruhte bereits seit dem 31. Januar 1996.

Am 18. Juli 2012 stellte die Deutsche Bahn beim Eisenbahn-Bundesamt einen Antrag auf Abbau der Gleise zwischen Kilometer 28,5 und 31,9.

Die Weiße Elster und der Bahndamm der ehemaligen Strecke Werdau–Wünschendorf südlich von Wünschendorf, 2012.
Die Weiße Elster und der Bahndamm der ehemaligen Strecke Werdau–Wünschendorf südlich von Wünschendorf, 2012. Foto: Jwaller, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Das Oschütztal-Viadukt bei Weida

Die Strecke Mehltheuer–Weida wurde 1883 in Betrieb genommen und endete am Kopfbahnhof Weida-Altstadt.

Wer von dort weiter nach Gera, Werdau, Leipzig oder Saalfeld reisen wollte, musste zu Fuß durch ganz Weida zum preußischen Bahnhof gehen.

Weil sich die sächsischen und preußischen Staatsbahnen nicht auf eine gemeinsame Trassierung einigen konnten und ein Schüttdamm mehrfach ins Rutschen kam, entschied man sich für die Überbrückung des Oschütztals.

Am 1. Oktober 1884 wurde das Viadukt fertiggestellt, es ist 185 Meter lang und 28 Meter hoch.

Es gilt als erste Pendelpfeilerbrücke Deutschlands, der Stahl des rund 380 Tonnen schweren Bauwerks kam von der Königin Marienhütte in Cainsdorf.

1915 wurde das Viadukt wegen des höheren Verkehrsaufkommens verstärkt.

1977 wurde es unter Denkmalschutz gestellt.

Am 22. September 1982 fuhr der letzte reguläre Zug über das Viadukt, die Strecke erhielt eine neue Trassierung auf einem Schüttdamm.

Nach einem Dammrutsch auf der Ersatzstrecke wurde das Viadukt noch einmal genutzt, am 2. Oktober 1983 fuhr ein Zug mit Dampflok zuletzt darüber.

Seit dem 3. Oktober 1983 ist es gesperrt.

Das Oschütztal-Viadukt in Weida, 2020.
Das Oschütztal-Viadukt in Weida, 2020. Foto: Aagnverglaser, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Durch mehrere Eingaben Weidaer Bürger wurde der Abriss verhindert.

Am 18. Juni 2011 wurde der Verein Interessengemeinschaft Oschütztal-Viadukt gegründet.

Am 7. März 2023 wurde die Bundesstraße unter dem Viadukt für zehn Tage gesperrt, weil Teile herabfallen konnten.

Im Januar 2024 teilte das Eisenbahn-Bundesamt mit, das Viadukt dürfe vorerst nicht abgerissen werden.

Am 22. April 2025 teilte die Deutsche Bahn mit, ein neues Gutachten halte das Bauwerk für grundsätzlich sanierungsfähig.

Im Gespräch ist eine Nutzung als Weg für Fußgänger und Radfahrer, die Kosten für die Sanierung werden auf etwa sieben Millionen Euro geschätzt.

Das Ende des Reiseverkehrs und die Werdauer Waldeisenbahn

1998 wurde zwischen Gera und Zwickau ein Regionalexpress im Vierstundentakt eingeführt, der nur noch Seelingstädt, Teichwolframsdorf und Werdau West bediente.

Mangelnde Nachfrage und ein schlechter Zustand der Gleise führten am 30. Mai 1999 zur Einstellung des Reiseverkehrs.

Zum 15. November 2000 verfügte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung.

Im Juni 2007 pachtete die Deutsche Regionaleisenbahn die Strecke und übergab sie dem Eisenbahnförderverein Friedrich List in Zwickau.

Der Verein rüstete den Abschnitt ab 2007 schrittweise wieder auf, als Projekt Werdauer Waldeisenbahn.

Anfang September 2007 begann der Betrieb mit einer historischen Handhebeldraisine zwischen Teichwolframsdorf und Langenbernsdorf.

Im Mai 2010 verkehrte sie fahrplanmäßig an vier Wochenenden zwischen Werdau West, Langenbernsdorf und Teichwolframsdorf.

Ab 2012 war gelegentlich auch eine Dampfdraisine im Einsatz.

2014 verkaufte die DB Netz den Abschnitt Werdau–Wünschendorf an die SIRE Sächsisches Institut für Regionalentwicklung und Energiewirtschaft AG.

Die Geschichte in Daten

29.08.1876: Eröffnung Werdau–Wünschendorf–Weida.

01.10.1884: Fertigstellung des Oschütztal-Viadukts bei Weida.

01.10.1893: Eröffnung von Endschütz.

1900: Umverlegung der Ausfahrt aus Werdau nach Nordwesten.

01.10.1905: Eröffnung des Haltepunkts Wolfersdorf.

01.02.1916: Eröffnung von Werdau West.

1953: Uranerzzüge über den Gleisanschluss Katzendorf–Teichwolframsdorf.

1957: Beginn der Uranerz-Verladung in Gauern.

22.09.1982: Letzter regulärer Zug über das Oschütztal-Viadukt.

03.10.1983: Endgültige Sperrung des Viadukts.

02.06.1996: Personenverkehr Wünschendorf–Weida ruht.

01.05.1997: Stilllegung des Abschnitts Wünschendorf–Weida.

24.05.1998: Mehrere Halte werden nicht mehr bedient.

30.05.1999: Reiseverkehr Werdau–Wünschendorf eingestellt.

15.11.2000: Stilllegung durch das Eisenbahn-Bundesamt.

09.2007: Beginn des Draisinenbetriebs.

2014: Verkauf an die SIRE AG.

Häufige Fragen

Wann wurde die Strecke Werdau–Wünschendorf stillgelegt?
Der Reiseverkehr endete am 30. Mai 1999, die Stilllegung wurde zum 15. November 2000 verfügt.
Kann man die Strecke noch befahren?
Die Werdauer Waldeisenbahn betreibt Draisinen zwischen Werdau West, Langenbernsdorf und Teichwolframsdorf.
Wofür wurde der Halt Gauern genutzt?
Ab 1957 wurde dort Uranerz aus dem Tagebau Culmitzsch verladen.
Wie hoch ist das Oschütztal-Viadukt?
Es ist 28 Meter hoch und 185 Meter lang.
Wird das Oschütztal-Viadukt abgerissen?
Das Eisenbahn-Bundesamt lehnte im Januar 2024 einen Abriss vorerst ab, ein Gutachten von 2025 hält das Bauwerk für sanierungsfähig.
Quellen und Bildrechte

Wikipedia: Bahnstrecke Werdau–Mehltheuer · Wikipedia: Viadukt Oschütztal

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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