Die Gaubahn von Ochsenfurt nach Röttingen: stille Halte im Ochsenfurter Gau

Lost Place · Stillgelegte Bahnhöfe

Die Gaubahn von Ochsenfurt nach Röttingen: stille Halte im Ochsenfurter Gau

1907 eröffnet, 1974 ohne Reisezüge, 1992 ohne Güterverkehr: Von der Gaubahn blieb zwischen Ochsenfurt und Bieberehren ein Radweg. Die Halte zwischen Hohestadt und Röttingen im Überblick.

Die Lokomotive 98 727 im Bahnhof Sonderhofen, März 1973.
Die Lokomotive 98 727 im Bahnhof Sonderhofen, März 1973. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.
Kurz erklärt
1907
Eröffnung bis Röttingen
1974
Ende des Personenverkehrs
1992
Ende des Güterverkehrs Ochsenfurt–Röttingen
1994
Gleise abgebaut

Lage: Ochsenfurter Gau, Unterfranken, von Ochsenfurt über Bieberehren nach Röttingen. Status: Stillgelegt und abgebaut. Heute: Zwischen Ochsenfurt und Bieberehren verläuft der Gaubahn-Radweg auf der Trasse.

Die Gaubahn war eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn zwischen Mainfranken und Tauberfranken.

Sie führte von Ochsenfurt am Main über Bieberehren nach Weikersheim.

Dieser Beitrag beschreibt den bayerischen Abschnitt von Ochsenfurt bis Röttingen.

Wie es hinter Röttingen weitergeht und was aus der Stichbahn nach Creglingen wurde, steht im Beitrag Gaubahn und Creglinger Stichbahn.

Im Volksmund hieß die Bahn „Gaublitz“, eine Anspielung auf die nicht sehr hohe Betriebsgeschwindigkeit.

Die Bilder zeigen die Bahnanlagen und die Trasse aus dem Jahr 1973 und seit 2005.

Wie die Gaubahn entstand

Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen eröffneten die Strecke am 30. April 1907 zunächst bis Röttingen.

Am 17. November 1909 wurde sie bis Weikersheim an der Strecke Crailsheim–Königshofen verlängert.

Gleichzeitig erhielt sie in Bieberehren einen Abzweig nach Creglingen.

Die Strecke war 36,552 Kilometer lang.

Ihre Bedeutung lag im Transport landwirtschaftlicher Güter, vor allem der Zuckerrüben, die im Ochsenfurter Gau angebaut werden.

Der Güterverkehr wurde daher erheblich länger bedient als der Personenverkehr.

Die Dampflok 98 727 mit einem Sonderzug zwischen Sonderhofen und Gelchsheim, März 1973.
Die Dampflok 98 727 mit einem Sonderzug zwischen Sonderhofen und Gelchsheim, März 1973. Foto: W-R-Hesse-Fotos, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Ochsenfurt: Start der Gaubahn

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Ochsenfurt wurde um 1860 im Rundbogenstil erbaut und 1862 in Betrieb genommen.

Der Bahnhof liegt an der Strecke Treuchtlingen–Würzburg und ist heute ein Haltepunkt der Kategorie 5.

Bis zur Stilllegung der Gaubahn war Ochsenfurt Umsteigebahnhof in Richtung Bieberehren.

Hohestadt: der Halt, der zu weit vom Ort lag

Der Haltepunkt Hohestadt lag bei Kilometer 2,7 nördlich und unterhalb des Ortes am Thierbach.

Er war nur rund einen Kilometer vom Abzweig von der Strecke Würzburg–Treuchtlingen entfernt.

Zum namengebenden Ort lagen rund ein Kilometer und 70 Höhenmeter, was einem Fußmarsch von etwa 15 Minuten entspricht.

Wegen dieser ungünstigen Lage wurde der Haltepunkt bereits 1961 aufgegeben.

Zur gleichen Zeit wurde das Anschluss- und Ladegleis der nahen Fuchsenmühle stillgelegt.

Tückelhausen: Bahnhof für die Landbevölkerung

Der Bahnhof Tückelhausen lag bei Kilometer 4,4 südlich unterhalb des Ortes am Thierbach.

Er hatte für die Landbevölkerung eine wichtige Bedeutung, weil er Mobilität in Richtung Ochsenfurt und Würzburg ermöglichte.

Der Weg war sonst sehr beschwerlich, und es gab wenige Kraftfahrzeuge.

Im Sommer 1983 wurde die Bedienung des Bahnhofs mit seinem einst beidseitig angeschlossenen Ladegleis eingestellt.

Das Empfangsgebäude wurde abgerissen.

Bei Tückelhausen wurde später die Staatsstraße begradigt, sodass sie die Trasse im spitzen Winkel und wesentlich höher schneidet.

Acholshausen: ohne Personal und ohne Empfangsgebäude

Der Bahnhof Acholshausen lag bei Kilometer 6,9 östlich des Ortes.

Vor dem einstigen Bahnhofsgelände überquerte die Trasse den Burgweg und an dessen Ende den Klingengraben.

Bereits in den 1960er Jahren war der Bahnhof nicht mehr durch Personal besetzt.

Die Bedienung wurde 1978 eingestellt.

Ladegleis und Empfangsgebäude wurden anschließend entfernt.

Gaukönigshofen: Verzweigungsbahnhof zum Flugplatz

Der Bahnhof Gaukönigshofen war ein Verzweigungsbahnhof bei Kilometer 8,2.

Er wurde 1907 mit der Eröffnung der Strecke in Betrieb genommen.

Das Agenturgebäude ist ein einstöckiges Holzgebäude mit angebauter Stückgutlagerhalle.

Der Bahnhof hatte ein Durchgangsgleis und ein Überholgleis mit zwei unbefestigten Außenbahnsteigen.

Weitere Gleise führten zur Laderampe und zur Rübenverladung.

Ab 1934 erstellte eine Mannheimer Baufirma eine Versorgungsbahn zum Flugplatz Giebelstadt, die von 1935 bis 1960 in Betrieb war.

Die Stichbahn zweigte kurz nach dem Bahnhof Gaukönigshofen ab und diente ausschließlich dem Güterverkehr, meist dem Transport flüssiger Treibstoffe.

In den Kriegsjahren 1939 und 1940 fuhr fast täglich ein Zug mit 20 Wagen Kies oder Zement, mit dem die Startbahn gebaut und verlängert wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die amerikanischen Streitkräfte den Abzweig noch, und er wurde in den 1960er Jahren abgebaut.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Gaukönigshofen, Aufnahme von 2005.
Das ehemalige Bahnhofsgebäude von Gaukönigshofen, Aufnahme von 2005. Foto: Sülzauge, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Rittershausen: eine Verladerampe statt des Empfangsgebäudes

Der Bahnhof Rittershausen lag bei Kilometer 10,5 westlich des Ortes.

Das gemauerte Empfangsgebäude wurde noch während der Betriebszeit abgerissen und durch einen unbefestigten Außenbahnsteig ersetzt.

Seit 1962 gab es dort eine große Zuckerrübenverladerampe mit beidseitig angeschlossenem Ladegleis.

Direkt hinter dem Bahnsteig verlief die Straße in den Ort.

Sonderhofen: Rübenrampe seit 1961

Der Bahnhof Sonderhofen lag bei Kilometer 12,5 nordöstlich des Ortes.

Direkt vor dem Bahnhof überquerte die Kreisstraße nach Bolzhausen die Strecke an einem Bahnübergang.

Seit 1952 war dort eine große Rübenverladerampe in Planung, doch erst 1961 wurde sie gebaut.

Zeitgleich wurde das Agenturgebäude abgerissen.

In Sonderhofen stehen heute Wohnhäuser an der Straße Am Schmalenbach auf der früheren Trasse.

Eine Brücke führt bei Sonderhofen über den Radweg.

Bei Sonderhofen überquert diese Brücke den Gaubahnradweg, Aufnahme von 2017.
Bei Sonderhofen überquert diese Brücke den Gaubahnradweg, Aufnahme von 2017. Foto: 4spring, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.
Die Wirtschaftswegbrücke bei Sonderhofen über den Gaubahnradweg, 2015.
Die Wirtschaftswegbrücke bei Sonderhofen über den Gaubahnradweg, 2015. Foto: Dirk Schmidt, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

Gelchsheim: Kreuzungsbahnhof mit Lagerhaus

Der Bahnhof Gelchsheim war ein Kreuzungsbahnhof bei Kilometer 15,4 westlich des Ortskerns.

Das Agenturgebäude war ein einstöckiges Holzgebäude mit angebauter Stückgutlagerhalle.

Der Bahnhof hatte ein Durchgangsgleis und ein Überholgleis mit zwei unbefestigten Außenbahnsteigen.

Zum nahen Lagerhaus der Baywa bestand ein Gleisanschluss.

1963 wurde auch hier eine große Rübenverladerampe gebaut, von der nichts mehr erkennbar ist.

Seit 2017 steht das Lagerhaus leer.

Aub-Baldersheim: Streit um den Namen

Der Bahnhof Aub-Baldersheim war ein Kreuzungsbahnhof bei Kilometer 19,5 östlich des Auber Stadtteils Baldersheim.

Die Gemeinde Baldersheim wollte ausschließlich ihren eigenen Bahnhof.

Per Telegramm an das Königliche Bezirksamt Ochsenfurt verlangte der Bürgermeister, dass die Haltestelle nur Baldersheim heißen solle.

Nur drei Tage später antwortete die Generaldirektion der Eisenbahn aus München, dass die ministeriell genehmigte Benennung Aub-Baldersheim bleibt.

Dabei blieb es bis zum Schluss.

Der Gaubahnradweg zwischen Aub und Bieberehren, Aufnahme von 2015.
Der Gaubahnradweg zwischen Aub und Bieberehren, Aufnahme von 2015. Foto: Dirk Schmidt, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Burgerroth: eine Holzhütte als Unterstand

Der Haltepunkt Burgerroth lag bei Kilometer 22,3 südlich des Ortes nahe der Straße nach Buch.

Er besaß ursprünglich nur eine Holzhütte als Unterstand.

Die Zuckerrüben wurden per Hand verladen.

Schon 1951 bemühte sich die kleine Gemeinde zusammen mit dem benachbarten Aufstetten um eine Verladerampe.

Die Bahn wurde ersucht, das Baumaterial zur Verfügung zu stellen.

Es dauerte aber bis 1964, bis die Rampe errichtet wurde.

Sie existiert noch heute.

Bieberehren: Umsteigebahnhof nach Creglingen

Der Bahnhof Bieberehren war Kreuzungs-, Umsteige- und Abzweigbahnhof bei Kilometer 25,5.

Er lag am nördlichen Ortsrand nahe der Mündung der Gollach in die Tauber.

Er wurde 1907 mit der Eröffnung der Strecke in Betrieb genommen.

Das hölzerne Agenturgebäude besaß einen kleinen Stellwerksvorbau, von dem aus drei Einfahrsignale und eine Weiche gestellt wurden, alle übrigen Weichen wurden per Hand gestellt.

Zwischen 1909 und 1992 zweigte hier die Strecke nach Creglingen ab.

Das Lagerhaus an der Freiladestraße wurde nach 1963 errichtet und steht heute noch.

Röttingen: Endbahnhof auf mainfränkischer Seite

Der Bahnhof Röttingen war ein Kreuzungsbahnhof bei Kilometer 28,3 östlich des Stadtzentrums.

Nach der Sperrung der Eisenbahnbrücke in Röttingen im Jahr 1984 war er der Endbahnhof der Gaubahn auf mainfränkischer Seite.

Beim Abbau der Gleisanlagen 1992 wurde die Zuckerrübenverladerampe abgerissen.

Heute erinnern nur das ehemalige Agenturgebäude und die Bahnhofstraße an den Eisenbahnanschluss.

Auf dem Bahnhofsgelände wurde ein Seniorenzentrum gebaut.

Der Haltepunkt Röttingen Stadt lag bei Kilometer 29,4 nördlich der Stadtmauer, etwa einen Kilometer westlich des Bahnhofs.

Er hatte lediglich einen unbefestigten Außenbahnsteig.

Die Bedienung wurde wegen fehlender Rentabilität bereits 1924 eingestellt.

Das Ende der Gaubahn

Der Personenverkehr endete am 29. September 1974.

Wegen einer maroden Brücke wurde der Abschnitt von Röttingen nach Schäftersheim 1984 stillgelegt.

Der Güterverkehr zwischen Weikersheim und Schäftersheim endete am 29. September 1990, zwischen Ochsenfurt und Röttingen am 31. Mai 1992.

Bis März 1994 wurden die Gleise abgebaut.

Der Zuckerrübentransport wurde fortan auf der Straße mit Lastkraftwagen durchgeführt.

Die frühere Strecke der Gaubahn, heute ein Radweg, Aufnahme von 2006.
Die frühere Strecke der Gaubahn, heute ein Radweg, Aufnahme von 2006. Foto: Sülzauge, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons, verkleinert.

So sieht es jetzt aus

Die Bahntrasse bildet heute von Ochsenfurt bis Bieberehren den Gaubahn-Radweg.

Im Bayernnetz für Radler schließt er in Ochsenfurt an den Main-Radweg und in Bieberehren an den Radweg Romantische Straße an.

Der Radweg ist durchgehend asphaltiert.

An mehreren Stellen wurde die Trasse verbaut, was eine künftige Reaktivierung erschwert.

In Ochsenfurt nimmt die Südtangente in Richtung Goßmannsdorf die Trasse in Anspruch.

Ein Verein der Gaubahnfreunde hält Erinnerungsstücke für die Nachwelt bereit.

Der Gaubahnradweg auf der Höhe, Aufnahme von 2015.
Der Gaubahnradweg auf der Höhe, Aufnahme von 2015. Foto: Dirk Schmidt, CC0 1.0, via Wikimedia Commons.

Vorher und nachher: Sonderhofen

Im März 1973 stand in Sonderhofen noch eine Dampflok im Bahnhof, und Sonderzüge fuhren durch den Gau.

Auf der Trasse bei Sonderhofen verläuft heute der Radweg unter einer Brücke.

Die Geschichte in Daten

30. April 1907: Die Gaubahn wird bis Röttingen eröffnet.

17. November 1909: Die Strecke wird bis Weikersheim verlängert, in Bieberehren zweigt die Strecke nach Creglingen ab.

1924: Die Bedienung des Haltepunkts Röttingen Stadt wird eingestellt.

1935: Die Versorgungsbahn zum Flugplatz Giebelstadt geht in Betrieb.

1960: Die Versorgungsbahn zum Flugplatz endet ihren Betrieb.

1961: Der Haltepunkt Hohestadt wird aufgegeben, in Sonderhofen entsteht die Rübenverladerampe.

1962: In Rittershausen entsteht eine Zuckerrübenverladerampe.

1963: In Gelchsheim entsteht eine Rübenverladerampe.

1964: In Burgerroth wird die Verladerampe errichtet.

29. September 1974: Der Personenverkehr endet.

1978: Die Bedienung des Bahnhofs Acholshausen wird eingestellt.

Sommer 1983: Die Bedienung des Bahnhofs Tückelhausen wird eingestellt.

1984: Der Abschnitt Röttingen–Schäftersheim wird wegen einer maroden Brücke stillgelegt.

29. September 1990: Der Güterverkehr zwischen Weikersheim und Schäftersheim endet.

31. Mai 1992: Der Güterverkehr zwischen Ochsenfurt und Röttingen endet.

März 1994: Die Gleise sind abgebaut.

Häufige Fragen

Wann wurde die Gaubahn eröffnet?
Am 30. April 1907 wurde sie bis Röttingen eröffnet, am 17. November 1909 bis Weikersheim.
Wann endete der Personenverkehr?
Am 29. September 1974.
Was transportierte die Gaubahn vor allem?
Vor allem Zuckerrüben, die im Ochsenfurter Gau angebaut werden.
Wo kann man die Trasse heute erkunden?
Zwischen Ochsenfurt und Bieberehren verläuft der Gaubahn-Radweg auf der Trasse.
Warum hieß die Gaubahn Gaublitz?
Der Name spielte auf die nicht sehr hohe Betriebsgeschwindigkeit an.

Die Gaubahn lebte von den Zuckerrüben im Gau, und mit der Rübenverladung verschwanden auch die Halte.

Quellen und Bildrechte

Gaubahn (Wikipedia)

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Über BahnSlam

Stephan Pinkwart verkörpert einzigartig die Welt der Poetry Slams und der Bahn. Mit fesselnden Auftritten verbindet er die Kraft der Worte mit seiner Liebe zu Zügen. Seine Poesie ist tiefgründig und emotional, und seine Leidenschaft für die Bahn symbolisiert Freiheit und Verbindung. Pinkwarts Kunst begeistert Poetry Slam-Fans und Eisenbahnliebhaber gleichermaßen.

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