Die stillen Halte der Aggertalbahn zwischen Dieringhausen und Olpe
Auf dem Ostteil der Aggertalbahn fuhr am 28. Dezember 1979 der letzte reguläre Personenzug. Die Halte zwischen Dieringhausen und Bergneustadt sind heute Gewerbefläche, Busstopp oder verschwunden.

Lage: Oberbergischer Kreis, Strecke Siegburg–Olpe zwischen Gummersbach-Dieringhausen und Olpe. Status: Personenverkehr 1979 eingestellt, Gesamtstilllegung 1997. Heute: Zwischen Niederseßmar und Olpe fährt die Buslinie 301, Teile der Trasse sind Radweg.
Die Aggertalbahn führte als erste größere Bahnstrecke in den Oberbergischen Kreis.
Ihr östlicher Abschnitt zwischen Dieringhausen und Olpe verlor am 28. Dezember 1979 den Personenverkehr.
1997 wurde er ganz stillgelegt.
Dieser Beitrag begleitet die Halte Vollmerhausen, Niederseßmar, Derschlag, Bergneustadt, Wiedenest und Pernze.
Freie Fotos aus der Zeit mit Reisezügen liegen nicht vor, die Bilder zeigen den Zustand um 2010 und 2012.
Wie die Strecke entstand
Die ersten Überlegungen über einen Eisenbahnbau durch den Oberbergischen Kreis stammen von 1861.
Damals fanden sich Fabrikanten zu einem Komitee zusammen, das eine Verbindung von Köln nach Kassel plante.
Die Aggertalbahn entstand erst nach langen Diskussionen und politischem Druck, denn viele sprachen ihr einen rentablen Betrieb ab.
Aus Kostengründen wurde sie als Nebenbahn gebaut.
Sie lag an den meisten Stellen sparsam direkt neben der Straße und führte mitten durch die Ortschaften.
Ein weiterer Beleg für die Sparsamkeit sind die Empfangsgebäude von Ründeroth und Derschlag in Holzbauweise, die vorher in Recklinghausen standen.
Für Derschlag gibt es eine abweichende Angabe zur Herkunft des Gebäudes, ein Plan von 1885 nannte als Herkunft Horst bei Gelsenkirchen.
Die Teilstrecke von Bergneustadt nach Olpe wurde bei der Baugenehmigung mit 3.367.000 Mark berechnet.
So sah es vorher aus: Dom-Express und Schienenbusse
Von 1963 bis 1965 fuhr an Werktagen ein Heckeneilzug von Köln über Dieringhausen und Olpe weiter nach Paderborn.
Die Bevölkerung nannte ihn wegen der beiden Dome und Kardinäle an den Endpunkten Dom-Express oder Kardinalsexpress.
Er verschwand schnell wieder aus den Fahrplänen.
Die Deutsche Bundesbahn dünnte das Zugangebot immer weiter aus und verlängerte die Umstiegszeiten in Dieringhausen.
Die Bundesautobahn 4 wurde in den 1970er Jahren gebaut, vorher war die Köln-Olper Chaussee der einzige Verkehrsweg für den Individualverkehr.
Am 1. Juni 1976 wurde der Stückgutverkehr eingestellt.
1976 wurde im Bahnhof Bergneustadt ein großes Bahnhofsfest gefeiert, ein Jahr später gab es keine lokbespannten Züge mehr.
Die Schienenbusse hatten den gesamten Personenverkehr übernommen.
Im Winterfahrplan 1979/1980 fuhr zwischen Dieringhausen und Olpe nur noch ein Personenzugpaar täglich.
Am 28. Dezember 1979 stellte die Bundesbahn den Personenverkehr trotz Protesten aus der Bevölkerung und der Kommunalpolitik ein.
Vollmerhausen: zwei Haltepunkte nahe Dieringhausen
Mit dem Weiterbau der Strecke nach Derschlag wurde 1887 der Haltepunkt Vollmerhausen Tal errichtet.
Im Oktober 1914 erhielt er im Zuge der Gleisumverlegungsarbeiten ein eigenes Gebäude, das hauptsächlich der benachbarten Anschlussstelle diente.
1924 wurde er aufgegeben, wie der nebenan liegende Haltepunkt Vollmerhausen Berg an der Volmetalbahn.
Der Grund war mangelnde Auslastung wegen der mit 900 Metern geringen Entfernung zum neu gebauten, weiter östlich liegenden Bahnhof Dieringhausen.
Im Ortsteil Friedrichsthal gab es eine Ladestelle der Firma Baldus mit zwei Gleisen, das Unternehmen wurde 1990 liquidiert.
Niederseßmar: der erste Bahnhof Gummersbach
1887 wurde in Niederseßmar der erste Bahnhof mit dem Namen Gummersbach eröffnet.
Mit der Eröffnung der Volmetalbahn von Dieringhausen nach Brügge wurde er 1893 in Niederseßmar umbenannt.
Seit damals trägt der Innenstadtbahnhof an der Volmetalbahn den Namen Gummersbach.
Der Bahnhof diente vor allem als Übergabestelle für die Gummersbacher Kleinbahnen und als Transportstelle für einen damals wichtigen Schlachthof neben dem Bahnhof.
Ab 1973 war der Bahnhof betrieblich unbesetzt.
Am 24. September 1974 brannte der Güterschuppen ab.
Als die Bahn 1994 den Gesamtverkehr nach Bergneustadt aufgab, fuhren hier noch bis zum 31. Dezember 1996 Kesselwagen für ein ansässiges Fotolabor.

Die Bahnsteige waren schon Jahre vorher abgerissen worden.
An der Stelle der früheren Ladegleise stehen heute Gewerbebetriebe.
Das Empfangsgebäude aus Bruchstein steht unter Denkmalschutz und hat noch seine alte Namenstafel.
Gleise liegen hier seit 2013 nicht mehr.
In Niederseßmar ist die Trasse durch gewerbliche Überbauung unterbrochen.
Rebbelroth: der Haltepunkt für einen Fabrikanten
Der Haltepunkt Rebbelroth wurde auf Wunsch des Fabrikanten Bubenzer angelegt und am 20. Dezember 1895 eröffnet.
1921 wurde er aufgegeben, weil er verkehrsungünstig außerhalb des Ortskerns lag.
Den Personenverkehr der Einwohner übernahmen die Gummersbacher Kleinbahnen.
Das Dienstgebäude steht noch und ist in Privatbesitz.
Derschlag: der Bahnhof, der einmal Endstation war
Der Bahnhof Derschlag wurde 1887 eröffnet und war bis 1896 Endstation.
Seine Bedeutung hatte er vor allem als Umschlagplatz für Wolle, da der Oberbergische Kreis ein bedeutender Textilindustriestandort war.
Das Empfangsgebäude ist ein Fachwerkhaus und stand zuvor in Recklinghausen Süd.
Der Bahnhof hatte immer ein sehr ungewöhnliches Gleisbild, denn das Ausfahrgleis nach Bergneustadt führte in einem Bogen nach Süden aus dem Bahnhof.
Der Weiterbau war zunächst parallel zur Südstraße durch den Ort geplant, wegen der Bebauung wurde er weiter südlich am Hang entlang geführt.
Das erwies sich als günstig, als die Strecke zwischen Niederseßmar und Derschlag 1914 vollständig an den Hang verlegt wurde.
Das alte Gleis ging an die Gummersbacher Kleinbahnen, von 1918 bis 1953 war Derschlag auch deren Übergabebahnhof.

Ab 1980 war der Bahnhof betrieblich unbesetzt.
1993 entgleiste hier ein Sonderzug des Eisenbahnmuseums Dieringhausen, das beschädigte Durchfahrgleis wurde nicht mehr repariert.
Die letzten Güterzüge fuhren bis 1994.
Am 28. Februar 2013 begann der Abbau der Gleisanlagen, und Mitte März lagen bis auf ein Stück westlich des Bahnhofs keine Gleise mehr.
Das Empfangsgebäude steht unter Denkmalschutz und beherbergt eine Raiffeisengenossenschaft.
Das Gelände soll für den Ausbau der Firma A.S. Création umgebaut werden.


Der Bahnübergang an der Alpestraße verlor im März 2013 die Gleise Richtung Bahnhof, Ende 2013 auch die restlichen Gleise Richtung Oberderschlag.
Ende 2014 wurde schließlich auch der Gleisrest im Straßenplanum herausgerissen.
Bis Februar 2013 war dies einer der wenigen Orte, an denen die Strecke so aussah, als könnte man sie leicht reaktivieren.
Der Haltepunkt Oberderschlag wurde 1896 gebaut, weil der Weg vom Bahnhof Derschlag nach Bergneustadt sehr weit war.
Er ist nach 2004 im Rahmen von Bauarbeiten für eine Straße zu einem Umspannwerk größtenteils verschwunden.
Bergneustadt: acht Gleise und ein Wasserturm
Der Bahnhof Bergneustadt wurde 1896 eröffnet.
Es gab dort eine kleine Lokstation für zwei Lokomotiven, ein Stellwerk, ein Postgebäude und einen Güterschuppen.
Der Bahnhof hatte acht Gleise, zehn Weichen und einen Wasserturm mit zwei Kränen.
Trotz Protests der Stadt verlegte die Bahndirektion die Lokstation mit der Eröffnung des Lückenschlusses nach Olpe nach Olpe.
1912 erhielt der Bahnhof eine großzügige Erweiterung für die Güterabfertigung, 1930 folgte eine weitere Erweiterung.
Zwischen August 1937 und August 1938 wurde das Empfangsgebäude umgestaltet und durch einen Stellwerksanbau erweitert, Bahnsteig 1 erhielt dabei eine Überdachung.

Der Fahrkartenschalter wurde nach der Stilllegung des Personenverkehrs noch bis zum 24. September 1988 betrieben.
Den Güterverkehr zwischen Bergneustadt und Wiedenest stellte die Bundesbahn 1985 ein.
Das Empfangsgebäude stand seit der Stilllegung der Strecke nach Bergneustadt 1994 leer und verfiel.
Zuletzt gehörte es der Firma ISE und wurde Ende 2008 abgerissen.
In der Innenstadt von Bergneustadt wurden nach der Jahrtausendwende die Gleise entfernt.
Wiedenest
Mit der Eröffnung der Teilstrecke von Bergneustadt nach Olpe feierte die Bevölkerung 1903 auch die Eröffnung des Bahnhofs Wiedenest.
Bis 1907 hieß er Bruchhausen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Nachrichtenmeisterei aus Köln provisorisch hierher verlegt, um sie vor Bombenangriffen zu schützen.
Auch die Werkfeuerwehr des Reichsbahnausbesserungswerkes Opladen war hier übergangsweise stationiert.
Ab 1947 gab es an der östlichen Ausfahrt den Anschluss der Firma Schriever & Hähner.
1973 zog die Bundesbahn das Personal ab, das marode Empfangsgebäude wurde danach im Rahmen einer offiziellen Feuerwehrübung kontrolliert abgebrannt.
Heute findet man dort noch den Betonprellbock des Ladegleises sowie den Haus- und den gleislosen Mittelbahnsteig.
Nach dem Wiedenester Bahnhof wurden die Gleise nach einem Erdrutsch Ende der 1980er Jahre entfernt.
Pernze: der Haltepunkt nach Protesten
Der Haltepunkt Pernze wurde erst 1905 eröffnet, zwei Jahre nach dem Streckenabschnitt.
Die Bewohner hatten wegen des langen Weges nach Wiedenest und Hützemert protestiert.
Fahrkarten wurden in einem anliegenden Haus verkauft.
Das Wartehäuschen steht immer noch.
Das Ende der Güterzüge
Ein Dammrutsch bei Bauarbeiten hinter Wiedenest führte 1989 zur Einstellung des Güterverkehrs von Wiedenest nach Drolshagen.
Die Bundesbahndirektion sperrte den Streckenabschnitt stattdessen.
Auf dem Abschnitt gab es in den 1980er und 1990er Jahren einige Sonderfahrten, unter anderem mit einem ehemaligen TEE-Triebzug der Baureihe VT 11.5.
Der letzte Sonderzug fuhr am 27. August 1993 als verkehrspolitische Sonderfahrt.
Am 13. Mai 1994 fuhr eine Diesellok der Baureihe 290 den letzten Güterwagen aus Bergneustadt nach Dieringhausen ab.
Bis 1997 verkehrten noch Güterzüge zwischen Dieringhausen und Niederseßmar.
Dann wurde auch dieser Restverkehr beendet und die gesamte Teilstrecke stillgelegt.
So sieht es jetzt aus
Seit dem September 2008 liegt die Freistellungsverfügung dieser Teilstrecke vor.
Im selben Jahr wurde die Strecke aus dem Regionalplan des Landes Nordrhein-Westfalen gestrichen.
Für einige Abschnitte gibt es seit 2009 öffentliche Pläne für einen Radweg.
2015 war dieser Radweg zu einem großen Teil fertiggestellt, er führt durch den Wegeringhausener Tunnel.
Die Trasse soll in der Hand der Kommunen als Radweg erhalten bleiben, aber nicht in voller Länge, da Teile schon überbaut sind oder überbaut werden sollen.
Der öffentliche Nahverkehr wird heute zwischen Niederseßmar und Olpe von der Buslinie 301 gefahren.
Weil die Bundesstraße fast immer neben der alten Strecke verläuft, liegen viele Bushaltestellen neben dem alten Bahnhofs- oder Haltepunktstandort.
Eine direkte Verbindung nach Dieringhausen gibt es nicht mehr.
Vorher und nachher: Bergneustadt und Derschlag
In Bergneustadt stand bis Ende 2008 ein Bahnhofsgebäude, das nach 1994 leer stand und verfiel.
In Derschlag ist das Empfangsgebäude erhalten, aber die Gleise sind seit 2013 weitgehend abgebaut.
Die Fotos zeigen beide Bahnhöfe nach dem Ende der Reisezüge.
Die Geschichte in Daten
1861: Fabrikanten bilden ein Komitee für eine Bahnverbindung von Köln nach Kassel.
1887: Die Bahnhöfe Derschlag und Gummersbach (später Niederseßmar) werden eröffnet, ebenso der Haltepunkt Vollmerhausen Tal.
1893: Der Bahnhof Gummersbach wird in Niederseßmar umbenannt.
1895: Der Haltepunkt Rebbelroth wird am 20. Dezember eröffnet.
1896: Der Bahnhof Bergneustadt und der Haltepunkt Oberderschlag gehen in Betrieb.
1903: Die Teilstrecke Bergneustadt–Olpe und der Bahnhof Wiedenest werden eröffnet.
1905: Der Haltepunkt Pernze wird eröffnet.
1914: Die Strecke zwischen Niederseßmar und Derschlag liegt vollständig am Hang.
1921: Der Haltepunkt Rebbelroth wird aufgegeben.
1924: Der Haltepunkt Vollmerhausen Tal wird aufgegeben.
1963: Der Dom-Express beginnt, er verkehrt bis 1965.
1973: Die Bundesbahn zieht das Personal in Wiedenest ab.
1979: Am 28. Dezember endet der Personenverkehr zwischen Dieringhausen und Olpe.
1985: Der Güterverkehr zwischen Bergneustadt und Wiedenest endet.
1989: Nach einem Dammrutsch wird der Abschnitt hinter Wiedenest gesperrt.
1994: Der letzte Güterwagen fährt am 13. Mai von Bergneustadt nach Dieringhausen.
1997: Die gesamte Teilstrecke wird stillgelegt.
2008: Das Empfangsgebäude Bergneustadt wird abgerissen, die Freistellungsverfügung liegt vor.
2013: Die Gleisanlagen im Bahnhof Derschlag werden abgebaut.
2015: Der Radweg ist zu einem großen Teil fertiggestellt.
Häufige Fragen
Wann endete der Personenverkehr zwischen Dieringhausen und Olpe?
Wann wurde die Strecke stillgelegt?
Was ist aus dem Bahnhof Derschlag geworden?
Gibt es einen Ersatzverkehr?
Wann wurde der Bahnhof Bergneustadt abgerissen?
Von den Halten zwischen Dieringhausen und Olpe sind Niederseßmar und Derschlag mit ihren Empfangsgebäuden erhalten.
Bergneustadt und Wiedenest haben ihre Gebäude verloren, in Pernze steht noch das Wartehäuschen.
Wikipedia: Bahnstrecke Siegburg–Olpe · Wikipedia: Bahnhof Derschlag
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